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Wehrmacht in der NS-Diktatur Die Wehrmacht als Besatzungsmacht war im Osten Träger der nationalsozialistischen Gewaltpolitik, sie unterschied sich hierin kaum von der Zivilverwaltung. Seit dem Angriff auf die Sowjetunion war die Wehrmacht nicht allein mit dem Kampf gegen die Rote Armee beschäftigt, sondern verwaltete zugleich als Besatzungsmacht weite Teile des Landes. Dieter Pohl analysiert erstmals umfassend die Behandlung von Zivilisten und Kriegsgefangenen im rückwärtigen Operationsgebiet. Die gewalttätige Herrschaftspraxis der Wehrmacht, vor allem gegen Kriegsgefangene, Juden und andere…mehr

Produktbeschreibung
Wehrmacht in der NS-Diktatur Die Wehrmacht als Besatzungsmacht war im Osten Träger der nationalsozialistischen Gewaltpolitik, sie unterschied sich hierin kaum von der Zivilverwaltung. Seit dem Angriff auf die Sowjetunion war die Wehrmacht nicht allein mit dem Kampf gegen die Rote Armee beschäftigt, sondern verwaltete zugleich als Besatzungsmacht weite Teile des Landes. Dieter Pohl analysiert erstmals umfassend die Behandlung von Zivilisten und Kriegsgefangenen im rückwärtigen Operationsgebiet. Die gewalttätige Herrschaftspraxis der Wehrmacht, vor allem gegen Kriegsgefangene, Juden und andere "verdächtige" Zivilisten war bereits früh vorgezeichnet; sie wurde von den ersten Tagen des Feldzuges an autonom oder zusammen mit dem SS- und Polizeiapparat ausgeübt.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Gruyter, Walter de GmbH
  • Erscheinungstermin: 01.01.2009
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783486707397
  • Artikelnr.: 44414442
Autorenporträt
Dieter Pohl, geboren 1964, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und Dozent an der Universität München.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.08.2008

Träger von Hitlers Gewaltpolitik
Die Rolle der Wehrmacht und der Militärbehörden im besetzten Teil der Sowjetunion 1941 bis 1944

Schon zwei Jahrzehnte vor der umstrittenen Wanderausstellung "Verbrechen der Wehrmacht", die 1995 das Thema medienwirksam an die Öffentlichkeit bringen sollte, hatte der Kölner Historiker Andreas Hillgruber festgestellt, dass die Wehrmachtführung direkt oder indirekt "in die Verantwortung für den Ausrottungskrieg singulärer Art hineingezogen wurde, den Hitler, alle kriegsrechtlichen Normen beiseiteschiebend, auf dem Territorium der Sowjetunion" geführt habe. Daraufhin entwickelte sich allmählich eine immer intensivere Forschung, die wichtige Aspekte des Themas auf breiter Aktenbasis erhellte. Unter anderem behandelte man die verbrecherischen Befehle der obersten militärischen Führung in der Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion, das mörderische Wirken der Einsatzgruppen des SD und deren Unterstützung durch Heeresdienststellen oder die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen. Vor allem aber wurde die direkte Beteiligung von Führung und Verbänden der Wehrmacht nachgewiesen. Seither wurden im In- und Ausland neue Quellenbestände erschlossen. Das ermöglichte zahlreiche weitere, thematisch oder regional spezialisierte Studien.

Das im Rahmen des Ende der neunziger Jahre initiierten Forschungsprojektes "Die Wehrmacht in der nationalsozialistischen Diktatur" des Münchener Instituts für Zeitgeschichte entstandene Buch von Dieter Pohl stellt nun einen Meilenstein dar. Die Arbeit besticht durch einen multiperspektivischen Ansatz, durch nachdrückliches Bemühen um Differenzierung, durch Verweis auf die unterschiedliche Reichweite der Forschungsergebnisse und durch abwägende Interpretation. Erstmals analysiert der Verfasser auf der Basis neuer Quellen und unter Verarbeitung der Ergebnisse der internationalen Forschung umfassend die Behandlung von Zivilisten und Kriegsgefangenen im Verantwortungsbereich der Wehrmacht, also in den Kampfzonen und in den rückwärtigen Armee- und Heeresgruppengebieten des eroberten sowjetischen Territoriums. Sein Ergebnis: Die Wehrmacht war als Besatzungsmacht vom ersten Tag des Feldzuges an einer der Träger der nationalsozialistischen Gewaltpolitik. Die militärische Besatzungsherrschaft unterschied sich kaum von jener der nazifizierten Zivilverwaltung in den "Reichskommissariaten" Ostland und Ukraine. Die Militärverwaltung und die operativen Verbände waren in den Ausbeutungs-, Unterwerfungs- und Vernichtungsapparat weitgehend integriert.

Pohl belegt eindrucksvoll, wie die gewalttätige Herrschaftspraxis der Militärbehörden gegenüber der Bevölkerung bereits in der Planungsphase und dann mit Beginn des Feldzuges an vorgezeichnet war. Eingehend untersucht er die Rolle der Wehrmacht bei der auf einem inhumanen "Hungerkalkül" beruhenden Ernährungspolitik, beim Massensterben der Kriegsgefangenen, bei der Ermordung der Juden sowie die verheerenden Auswirkungen des Kampfes gegen die Partisanenbewegung auf die Bevölkerung. Dabei zeigte sich "ein weitgehender Konsens hinsichtlich des ,Gegnerbildes' und der Ausübung von Gewalt" zwischen SD, Polizei und Wehrmacht, "wenn auch Differenzen über das Ausmaß" zu verzeichnen sind. Je länger der Ostkrieg dauerte, desto häufiger ergaben sich schwerwiegende Zielkonflikte zwischen den Anforderungen einer rücksichtslosen ökonomischen Ausbeutung von Bevölkerung und Ressourcen der besetzten Gebiete einerseits und der Ruhigstellung und Sicherung des Hinterlandes für die Erfordernisse militärischer Operationsführung anderseits.

Bemerkenswert ist die Arbeit erstens durch ein Bemühen um Differenzierung. Die Härte der Besatzung - so Pohl - hing von mehreren Faktoren ab. Innerhalb des grundsätzlichen Rahmens einer gewollt rücksichtslosen Unterwerfungs-, Ausbeutungs- und partiellen Vernichtungspolitik lassen sich räumliche Unterscheidungen und eine ethnisch-rassistische Klassifizierung einzelner Bevölkerungsgruppen feststellen: gegen Russen ging man brutaler vor als gegen Teile der Bevölkerung in den Randgebieten der Sowjetunion (Baltikum beziehungsweise Kaukasus). Juden und Kommunisten galten faktisch als vogelfrei. Städtische Bewohner wurden insgesamt härter betroffen als die ländliche Bevölkerung. Der SS- und Polizeiapparat, speziell die Sicherheitspolizei, war "im Regelfall . . . erheblich brutaler als Wehrmachtdienststellen und -einheiten". Innerhalb der Wehrmacht lässt sich allerdings "tendenziell ein Unterschied zwischen Wirtschaftsorganisation, Sicherungs- und Fronttruppen im Vorgehen gegenüber der Zivilbevölkerung erkennen ... Im konkreten Geschehen unterschied sich das Verhalten der Wehrmachtdienststellen durchaus", was meist "in der Einstellung ihres Führungspersonals begründet" lag, das oft erhebliche Entscheidungsmöglichkeiten hatte.

Was das Verhalten der Fronttruppen im Besatzungsbereich angeht, sei es bei dem fragmentarischen Kenntnisstand jedoch "schwierig, eine quantitative Schätzung der ,Täter' herauszudestillieren". Im Übrigen lassen sich zeitweilige, aus mancherlei Ursachen resultierende graduelle Veränderungen des Besatzungsregimes vom Beginn des Feldzuges bis zum endgültigen Rückzug feststellen, der noch einmal eine Aufgipfelung von Brutalität mit Massenevakuierungen und Massakern brachte. Insgesamt beziffert der Verfasser die Verluste unter der deutschen Besatzungshoheit mit mindestens zwei Millionen, für die die Wehrmacht nicht allein, aber doch zu einem erheblichen Teil verantwortlich gewesen sei.

Herausragend ist die Arbeit zweitens dadurch, dass Pohl die Thematik in Raum und Zeit ausweitet. Das eröffnet eine doppelt komparatistische Dimension der Betrachtung. Auf diese Weise gelingt es ihm, die spezifischen Charakteristika der deutschen Besatzung in der Sowjetunion genauer zu erfassen. Historisch ordnet er den Ausbeutungs- und Vernichtungskrieg in das Zeitalter der entgrenzten Gewalt ein. Einige Elemente der späteren NS-Besatzungsherrschaft erkennt er bereits im Ersten Weltkrieg. Die ideologische Tiefendimension sieht er im schon lange vor 1933 virulenten Antisemitismus, im Antislawismus und in einem rassistisch getönten kulturellen Überlegenheitsgefühl deutscher Eliten des Kaiserreiches. Diesen Befund korreliert er mit dem Sozial- und Altersprofil der im Besatzungsregime eingesetzten Militärs. Er stellt Vergleiche mit Besatzungsregimen anderer Staaten an, nicht nur jener der deutschen Verbündeten (einschließlich der Japaner), sondern auch der Kriegsgegner, etwa der Sowjetunion in den vor 1941 und später nach 1944/45 von ihr besetzten beziehungsweise annektierten Ländern. Er vergleicht die deutsche Besatzungsherrschaft im Osten mit der Besatzungspolitik in den anderen deutschbesetzten Staaten Europas im Zweiten Weltkrieg.

Bemerkenswert ist schließlich der Wechsel der Perspektive: nicht nur die deutsche Besatzungsherrschaft wird betrachtet, sondern auch das Schicksal der Bevölkerung wird übergreifend thematisiert. Diese war in den Jahrzehnten zuvor bereits der nicht minder menschenverachtenden stalinistischen Zwangskollektivierung und forcierten Industrialisierungspolitik und in deren Gefolge schweren Hungersnöten, Ermordungen und Deportationen ausgesetzt gewesen. Nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Besatzung musste sie die Rückkehr des stalinistischen Terrorregimes und wieder brutale Säuberungen durch die sowjetische Geheimpolizei erleben. Die Zahl der Betroffenen ging in die Hunderttausende: "Fast alle Bewohner, die unter deutscher Besatzung gelitten hatten, trugen später ein Stigma und wurden von sowjetischen Behörden nach dem Krieg benachteiligt."

Der Leser steht fassungslos vor dem Leid dieser Menschen. Ein anderes Ergebnis der NS-Besatzungspolitik stellt Pohl heraus: Die meisten der für die deutsche Besatzungsherrschaft in Planung und Durchführung Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen, dafür aber wurden Hunderttausende deutscher Zivilisten 1945 in sibirische Arbeitslager verschleppt und deutsche Kriegsgefangene lange nach Kriegsende in der Sowjetunion zurückgehalten.

KLAUS-JÜRGEN MÜLLER

Dieter Pohl: Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944. Oldenbourg Verlag, München 2008. 399 S., 39,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

FAZ-Rezensent Klaus-Jürgen Müller würdigt Dieter Pohls "herausragende" Studie als einen "Meilenstein" der Forschungen zur Rolle der Wehrmacht im Osten. Erstmals trage Pohls Studie auf der Basis neuer Quellen umfassende und differenzierte Ergebnisse über die Besatzungspolitik der Wehrmacht zusammen und mache sie so als einen "Träger der nationalsozialistischen Gewaltpolitik" aus. Der Vergleich der deutschen Besatzungspolitik mit Besatzungsregimen anderer Staaten eröffnet dem Rezensenten neue Betrachtungsweisen. Fassungslos ist Klaus-Jürgen Müller angesichts des Leides der sowjetischen Zivilbevölkerung: von der Zwangskollektivierung über die Gräuel der deutschen Besatzung bis zur Rückkehr des stalinistischen Terrors nach dem Krieg. Dank Pohls vielseitiger Betrachtung wird dem Rezensenten ein umfassendes Bild zivilen Leids vor Augen geführt.

© Perlentaucher Medien GmbH