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Die besondere Stellung des neuen Herrn im römischen Staat, den der Senat mit dem Ehrennamen Augustus ausgezeichnet hatte, beruhte auf Ausnahmegewalten. Sie waren ihm im Jahr 27 v. Chr. höchstpersönlich zuerkannt worden und hätten eigentlich nach zehn Jahren erlöschen sollen. Tatsächlich wurden diese Sondervollmachten immer wieder verlängert und blieben bis an sein Lebensende in Kraft. Augustus nutzte sie, um ein schlagkräftiges Berufsheer aufzubauen, das auf ihn als seinen Oberbefehlshaber eingeschworen war. Diese professionelle Armee, die Augustus als sein persönliches Machtinstrument…mehr

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Produktbeschreibung
Die besondere Stellung des neuen Herrn im römischen Staat, den der Senat mit dem Ehrennamen Augustus ausgezeichnet hatte, beruhte auf Ausnahmegewalten. Sie waren ihm im Jahr 27 v. Chr. höchstpersönlich zuerkannt worden und hätten eigentlich nach zehn Jahren erlöschen sollen. Tatsächlich wurden diese Sondervollmachten immer wieder verlängert und blieben bis an sein Lebensende in Kraft. Augustus nutzte sie, um ein schlagkräftiges Berufsheer aufzubauen, das auf ihn als seinen Oberbefehlshaber eingeschworen war. Diese professionelle Armee, die Augustus als sein persönliches Machtinstrument konzipiert hatte, entwickelte nach dem Tod ihres Schöpfers politisches Eigengewicht und bestimmte fortan maßgeblich die Geschicke des Imperiums. In letzter Instanz bestimmten die Soldaten, wer über das Reich als Imperator herrschen sollte. Der römische Staat wurde zu einem vom Militär dominierten Kaiserreich.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Beck C. H.
  • Seitenzahl: 304
  • Erscheinungstermin: 01.09.2014
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406660139
  • Artikelnr.: 41422639
Autorenporträt
Armin Eich, Professor für Alte Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal, bietet einen ebenso kompetenten wie fesselnden Überblick über die Entstehung des Kaisertums, die Bedeutung der Legionen und die wichtigen Weg- und Wendemarken der römischen Geschichte von den Tagen Augustus bis zum Ende der Soldatenkaiser (285 n. Chr.).
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Einen sehr informativen und gut lesbaren Band hat Hans-Albrecht Koch mit Armin Eichs Beitrag im Rahmen der sechsbändigen "Geschichte der Antike" anzuzeigen. Das Buch scheint dem Rezensenten für Gelehrte wie für Interessierte gleichermaßen geeignet, enthält es doch, so Koch, Quellennachweise und Bibliografie und schlägt einen weiten Bogen - von Augustus über Hadrian bis zu den Wirren des 3. Jahrhunderts. Der Fokus auf Militärpolitik scheint Koch durch "Seitenblicke" auf Literatur und Kunst angenehm relativiert. Als ein Manko empfindet er hingegen die Unterschätzung der politischen Bedeutung von Frauen, wie der Livia Drusillas, der Gattin des Augustus, durch den Autor. Ein Mangel, der sich laut Rezensent leicht bei einer Neuauflage korrigieren lässt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 24.05.2014
Das Weltreich war chronisch klamm

Für "Milliarde" gibt es im Lateinischen kein Wort, die Kosten für die Armee lagen dennoch in diesen Regionen. Armin Eich kennt die blutigen Auswege der Soldatenkaiser aus der Schuldenfalle.

Im Jahr 168 nach Christus beschloss Mark Aurel, der bis heute bewunderte Autor der "Selbstbetrachtungen", von der Moralphilosophie zur Realpolitik überzugehen. Gemeinsam mit seinem Ko-Imperator Lucius Verus führte er ein aus sieben Legionen plus Hilfstruppen zusammengesetztes Heer in die Hügelländer und Ebenen nördlich der mittleren Donau, um die dort siedelnden Völker der Quaden, Markomannen und Iazygen der römischen Steuergesetzgebung zu unterwerfen.

Ein Friedensangebot der Angegriffenen wurde ebenso souverän ignoriert wie das allmähliche Umsichgreifen einer Seuche, welche die Truppen des Verus aus dem Orient mitgebracht hatten. Doch die "antoninische Pest", vermutlich eine Form der Pocken, ließ sich nicht verdrängen. Die Legionen siechten dahin, die geschwächten Heeresteile erlitten verlustreiche Niederlagen, Barbaren drangen in Norditalien ein. Verus selbst starb kurz nach Beginn der Operationen auf dem Rückweg nach Rom.

Der Krieg zog sich noch zwölf Jahre hin, bis auch Mark Aurel, der zuletzt vor Christenverfolgungen und der Rekrutierung von Gladiatoren und verurteilten Verbrechern nicht mehr zurückschreckte, im Legionslager von Wien sein Leben aushauchte. Sein Sohn und Nachfolger Commodus brach den Feldzug ab. Es war der letzte Versuch eines römischen Kaisers, die Grenzen seines Reiches auszudehnen.

Der Wuppertaler Althistoriker Armin Eich widmet sich diesem "epochalen Krieg", wie er ihn nennt, auch deshalb so ausführlich, weil er an ihm die strukturelle Schwäche des römischen Kaisertums zeigen will. Seit seiner Begründung durch Augustus stand der Prinzipat unter Zugzwang. Die Armee, auf die er sich stützte, verschlang eine halbe Milliarde Sesterzen im Jahr, eine Zahl, die aus den laufenden Einnahmen unmöglich aufzubringen war (für "Milliarde" gibt es im Lateinischen noch nicht einmal ein Wort). Die Haushaltslöcher mussten, wenn der Bevölkerung nicht weitere Steuerlasten aufgebürdet werden sollten, aus der Kriegsbeute gestopft werden, aus Eroberungszügen ins benachbarte Barbaricum.

Für dessen Bewohner bedeutete die Pax romana Ausbeutung und Versklavung. Entsprechend verzweifelt und oft erfolgreich schlugen sie zurück. Mit der Varusschlacht scheiterte der Plan der Kolonisierung Germaniens, ein Angriff auf der arabischen Halbinsel endete in einem Patt. Unter Augustus' Erben Tiberius und Caligula drehte sich deshalb der Wind von der Kriegs- zur Friedenspolitik. Aber schon unter Claudius ging Rom wieder in die Offensive, diesmal in Britannien. Denn die Friedenskaiser lebten gefährlich: Ihr Herrschertum drohte zwischen den rivalisierenden Ansprüchen des Senats und der Armee, die beide aus den Kassen des Imperiums schöpfen wollten, zerrieben zu werden. Im ersten "Vierkaiserjahr" 69 nach Christus zeigte sich dann, dass die Macht in Rom auf den Helmen der Legionen ruhte. Gut hundert Jahre später, nach der Ermordung des Commodus Ende 192, eroberte Septimius Severus mit Hilfe der Donau-Armee das Kapitol. Seine Dynastie war für lange Zeit die letzte, die sich über drei Generationen an der Spitze des Reiches halten konnte. Alle folgenden fielen nach kurzer Herrschaft unter den Schwertern der Soldaten, bis Diokletian mit der Tetrarchie eine neue, auf Teilung beruhende Ordnung schuf.

Das alles ist altbekannt, aber so, wie Armin Eich es erzählt, wird wieder eine spannende Geschichte daraus. Denn Eich betrachtet die Folge von Herrschergeschlechtern und Usurpatoren vom frühen ersten bis ins späte dritte Jahrhundert weniger mit dem Blick auf individuelle Talente und Eigenheiten als unter dem Gesichtspunkt der chronischen Unterfinanzierung des Staates, den sie erbten. Aus dieser Perspektive kann er selbst allseits verpönte Gestalten wie den misanthropischen Tiberius, den brutalen Domitian und den Gladiatorenfreund Commodus teilweise rehabilitieren, denn ihre Exzentrik tastete zumindest die Reserven des Reiches nicht an.

Dafür bürdeten beliebte Eroberergestalten wie Trajan und Severus durch Heeresvergrößerungen und Solderhöhungen ihren Nachfolgern eine schwere Last auf. Die Freigebigkeit der Severer führte zu einer schleichenden Inflation, die im Lauf des dritten Jahrhunderts die ökonomische Blüte des Kaiserreichs zerfraß. Deren Reste schöpften dann Goten, Alemannen und andere Völker bei ihren Raubzügen ab.

Eichs Überblick über die Kaiserzeit, geschrieben als Beitrag zur Beckschen Reihe "Geschichte der Antike", ist mit zweihundertachtzig Textseiten gerade mustergültig knapp. Es stellt sicher nicht das letzte Wort zum Thema dar, bietet aber eine willkommene Ergänzung zu den Standardwerken von Karl Christ und Alexander Demandt (oder von Warren Treadgold und Ronald Syme). Bedauerlich ist nur, dass Eich seinen strukturgeschichtlichen Ansatz im Lauf seiner Darstellung ein Stück weit aus den Augen verliert. Am Ende, wenn er nacheinander die verschiedenen Krisenherde des für Rom fatalen dritten Jahrhunderts abarbeitet, schreibt er dann doch mehr Ereignisgeschichte, als dem interessierten Leser guttut.

Wer wissen will, wie die Massenbewegungen der Völkerwanderungszeit mit den ökonomischen Verhältnissen des mittleren Kaiserreichs zusammenhängen, kann anderswo nachschlagen, etwa in Peter Heathers "Invasion der Barbaren". Bei Armin Eich bekommt man immerhin Lust, dem Thema weiter nachzugehen.

ANDREAS KILB

Armin Eich: "Die römische Kaiserzeit". Die Legionen und das Imperium. Verlag C. H. Beck, München 2014, 304 S., 10 Karten, geb., 16,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 27.06.2014
Der Hunger der Truppen
Armin Eichs Versuch, die römische Kaiserzeit strukturell in den Griff zu kriegen – über die imperiale Militärpolitik
Heiner Müller rätselt in seinem Langgedicht „Mommsens Block“ (1993) über die Gründe, derentwegen der große Althistoriker den vierten Band seiner „Römischen Geschichte“ über die Kaiserzeit nie geschrieben habe: der Mangel an Inschriften, der tendenziöse Charakter der literarischen Quellen, die Abneigung gegen das verfassungspolitisch schwer zu bestimmende Hofgeschehen oder die schiere Unlust, den Tod des geliebten Caesar zu schildern? Oder war das Manuskript wohlmöglich unter den vierzigtausend Bänden, die in einer Julinacht 1880 in Mommsens Haus verbrannten? Müller kommt zu einem anderen Ergebnis: Mommsen habe – wie er selbst – an einer Schreibblockade gelitten. Wer einmal an die Verheißung eines politischen Systems – sei es die DDR, sei es das republikanische Rom– geglaubt hat, der kann nach dem Zusammenbruch nicht einfach weiterarbeiten: „Wissend der ungeschriebene Text ist eine Wunde/ Aus der das Blut geht das kein Nachruhm stillt/ Und die klaffende Lücke in Ihrem Geschichtswerk/ War ein Schmerz in meinem wie lange noch atmenden Körper.“
  Jede neue römische Kaisergeschichte ist in einem forschungsgeschichtlich-pathetischen Sinn immer auch ein Versuch, diese Wunde zu schließen, zumindest den Schmerz der Nachwelt über die von Mommsen gelassene Lücke ein wenig zu lindern. Und jeder Autor einer Kaisergeschichte muss sich die Frage stellen, ob er sich auf biografische Charakterstudien und ereignisgeschichtliche Anekdoten verlassen will oder strukturgeschichtliche Faktoren und Details der Gesellschaftsanalyse mit einbezieht. Erstrebenswert ist gewiss eine Synthese von beidem, Strukturgeschichte und Biografie – ein Unternehmen, das für die gesamte Bandbreite einer Kaisergeschichte bisher als unerreicht gilt.
  Der Wuppertaler Althistoriker Armin Eich, Autor einer neuen Monografie über „Die römische Kaiserzeit“, schreibt für eine Kompaktreihe „Geschichte der Antike“, es geht also um den schnellen Überblick für ein breites Publikum. Der Untertitel („Die Legionen und das Imperium“) verrät jedoch schon, dass in seiner ansonsten chronologisch geordneten Darstellung zumindest ein Strukturelement besondere Berücksichtigung findet: Das Heer. Seit in den spätrepublikanischen Bürgerkriegen eine persönlich verpflichtete Gefolgschaft gehorsamer Soldaten das entscheidende Mittel auf dem Weg zur Macht geworden war, konnte kein ambitionierter Politiker mehr allein durch Taktieren im Senat mächtig werden. Er musste zugleich oder vor allem beliebter Feldherr sein. Augustus, hierin besonders geschickt kalkulierend, baute das Heer als zentrales Gegengewicht zum vormals dominierenden Senat auf und stabilisierte so seine Ausnahmestellung als „erster Bürger“ (princeps). Er setzte durch, dass die Befehlsgewalt über seine Truppen nicht mehr – wie es republikanischer Usus gewesen war – nach einer bestimmten Zeit erlosch, sondern kontinuierlich fortbestand. So schuf er sich eine faktische Machtbasis, die es ihm erlaubte, freimütig auf eine institutionelle Verankerung seiner Position zu verzichten.
  Allerdings barg der Verlass auf die Truppen auch ein hohes Risiko in sich. Der Unterhalt eines stehenden Berufsheeres verursachte immense Kosten: Auf etwa eine halbe Milliarde Sesterzen schätzt der Autor die Ausgaben unter Augustus. Eine für die Römer unvorstellbare Summe, für deren Bezifferung sie nicht einmal ein Wort hatten. Um die Versorgungsansprüche der Armeen zu decken, mussten permanent Steuern erhöht und die Dienstzeit verlängert werden. Vor allem aber trieb die Kostenexplosion den Kaiser zu immer neuen Eroberungs- und Ausbeutungskriegen, um den sprichwörtlichen „Hunger der Truppen“ stillen zu können. Unzufriedene Soldaten stellten die größte Gefahr für Regierung und Leben des Kaisers dar – so führte Augustus von Anfang an auch ein instabiles Element in seine Konstruktion ein. Die kaiserzeitlichen Söldnerarmeen waren – anders als das republikanische Bürgerheer – „kein Träger patriotischer Emotionen“, sondern ließen schnell den einen fallen, wenn der andere mehr zahlte. Augustus’ politischer Organisationsentwurf bedeutete mithin eine machtstrategische Herausforderung, an der nicht wenige seiner Nachfolger scheitern sollten.
  Auf einen präzise gefassten strukturgeschichtlichen Vorspann folgen bei Eich in chronologischen Blöcken kurze Studien zu den einzelnen Kaiserregierungen von Augustus bis ins späte 3. Jahrhundert. Etwas enttäuschend ist dabei, dass Eich zuweilen unterschwellig der traditionellen, von den Quellen vorgegebenen Einteilung der Kaiser in gut und böse folgt. Gerade bei den als „wahnsinnig“ titulierten Imperatoren wie Caligula, Nero oder Commodus wäre zumindest die – in der neueren Forschung zuletzt von Aloys Winterling aufgeworfene – Frage zu stellen, ob ihr Verhalten nicht rationaler gewertet werden könnte, als uns eine tendenziöse Senatorengeschichtsschreibung glaubhaft machen will. Ja, hier wird sogar die Vermutung angestellt, ob nicht das Verhalten dieser Imperatoren zuletzt auf eine kritische Parodie der augusteischen Ordnung hinauslaufe. Eine Analyse der kommunikativen Rahmenbedingungen kaiserlicher Herrschaft ist jedoch nicht Eichs Thema, deshalb kommt auch der Hof als Interaktionszentrum nicht vor. Er interessiert sich vor allem für die Reichsorganisation, das Finanzmanagement und die unterschiedliche Kriegs- und Außenpolitik der einzelnen Kaiser. Dass von einem solchem Blickpunkt aus auch ein „Philosophenkaiser“ wie Marc Aurel, der seine private Garderobe versteigerte, um den Bankrott zu verhindern, und die Provinzen mit brutalen Ausbeutungszügen überzog, viel weniger „humanitär“ erscheint als gewohnt, erfrischt und motiviert zu einer kritischen Lektüre seiner „Selbstbetrachtungen“.
  Besonders eindrucksvoll ist Eichs Schilderung der Krisenzeit im späten dritten Jahrhundert, in dem das römische Imperium außenpolitisch „vom Angreifer zum Angegriffenen“ degenerierte und sich der Konflikt zwischen Soldaten und Kaisern zuspitzte. Paradigmatisch für das Drunter und Drüber dieser Zeit ist der ruchlos-brutale Umgang mit dem „Körper des Kaisers“ und ein ständiger Wechsel der Führungsperson: Unzufriedene Eliteeinheiten reißen den Doppel-Imperatoren Pupienus und Balbinus Bart und Augenbrauen aus. Postumus, der seinen Truppen die Plünderung von Mainz untersagt, wird erschlagen und der nächstbeste Lagerschmied zum neuen Imperator ausgerufen.
  Eichs Übersichtsdarstellung führt dem Leser beharrlich und suggestiv das zentrale Strukturproblem des römischen Kaisertums vor Augen: die prekäre Nachfolgeregelung. Weil jedes Mal „mit dem Princeps auch der Prinzipat stirbt“ (Mommsen), das Kaisertum im Grunde nichts ist als ein auf die Armee gestütztes Ausnahmeamt, entwickelte es sich nie zu einer gefestigten Institution. Daher blieb auch der Status des jeweiligen Kaisers immer prekär. Die daraus resultierende Grundunsicherheit, die sich auch auf die anderen Politik-Akteure in Rom übertrug, ist der entscheidende Schlüssel zum Verständnis der römischen Kaiserzeit. Deshalb wimmeln die meisten Caesaren-Biografien von Verschwörung, Gewaltexzess und Misstrauen. Deshalb suchten viele Imperatoren das Heil in der Kriegführung, um von eigenen Legitimationsproblemen abzulenken.
  Armin Eichs Buch ersetzt nicht den fehlenden vierten Band der Mommsen’schen Geschichte. Es ist jedoch ein sehr respektabler Versuch, die verschiedenen Stränge, die in den Quellen ausgebreitet werden, unter einer leitenden Fragestellung zusammenzufassen. Unbestreitbar ist, dass Eich mit seiner übersichtlichen Anordnung und seinem klarem Sprachduktus zentrale Wesensmerkmale des römischen Kaisertums verständlich macht. Das gelingt ihm auch deshalb so gut, weil das Buch eben nicht den Anspruch hat, durchgeformte „Geschichte“ im herkömmlichen Sinne darzustellen, nicht versucht, narrative Konstanten herzustellen, wo keine sind, sondern immer wieder neu ansetzt und in kleinen Episoden mehr berichtet als erzählt.
  Nero als manischer Wagenlenker, Hadrian als passionierter Bergsteiger, Commodus als bestientötender Hercules in der Arena – „für Bären und Strauße waren seine Herrschaftsjahre eine schlechte Zeit“ bemerkt Eich lakonisch. Dass der Autor neben Truppenstärken, Exekutionsstatistiken und Grenzverschiebungen auch an das Schicksal der wilden Tiere denkt, zeugt von der Umsicht des in jeder Hinsicht „gerechten“ Historikers.
SIMON STRAUSS
Das zentrale Strukturproblem
des römischen Kaisertums –
die prekäre Nachfolgeregelung
        
  
  
  
  
Armin Eich: Die römische Kaiserzeit. Die Legionen und das Imperium. Verlag
C.H. Beck, München 2014.
304 Seiten, 16,95 Euro
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Nicht nur Geschichtsstudenten dürfen sich freuen."
Berthold Seewald, Welt Online, 15. Juni 2015