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László F. Földényi untersucht in diesem klassischen Essay jene Augenblicke, die in der abendländischen Tradition als mystisch, kathartisch, erschütternd oder ekstatisch beschrieben werden. Die kulturgeschichtliche, religiöse und mythische Tradition dieser Erlebnisse im Blick, versucht er ihre Rolle von der Antike bis in unsere Zeit zu beschreiben. Földényi deckt auf, dass gerade diese scheinbaren zeit- und raumlosen Augenblicke den wahren Charakter des immer zeit- und raumgebundenen Lebens erleuchten. Dabei versucht er jenen Augenblick, von dem auch sein eigenes Schreiben durchdrungen ist,…mehr

Produktbeschreibung
László F. Földényi untersucht in diesem klassischen Essay jene Augenblicke, die in der abendländischen Tradition als mystisch, kathartisch, erschütternd oder ekstatisch beschrieben werden. Die kulturgeschichtliche, religiöse und mythische Tradition dieser Erlebnisse im Blick, versucht er ihre Rolle von der Antike bis in unsere Zeit zu beschreiben. Földényi deckt auf, dass gerade diese scheinbaren zeit- und raumlosen Augenblicke den wahren Charakter des immer zeit- und raumgebundenen Lebens erleuchten. Dabei versucht er jenen Augenblick, von dem auch sein eigenes Schreiben durchdrungen ist, lebhaft zu machen und nicht als neutralen Gegenstand zu behandeln.
  • Produktdetails
  • Batterien, NF Bd.11
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Originaltitel: A medúza pillantása
  • Seitenzahl: 212
  • Erscheinungstermin: Dezember 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 139mm x 25mm
  • Gewicht: 398g
  • ISBN-13: 9783882215625
  • ISBN-10: 3882215623
  • Artikelnr.: 33361148
Autorenporträt
Földényi, László F.
László F. Földényi, geb. 1952 in Debrecen (Ungarn), ist Kunsttheoretiker, Literaturwissenschaftler und Essayist. Er zählt zu den bedeutendsten ungarischen Intellektuellen und leitet als Professor den Lehrstuhl für Kunsttheorie an der Akademie für Theater und Film, Budapest. Er ist Herausgeber der gesammelten Werke von Heinrich von Kleist in ungarischer Sprache und u.a. Friedrich-Gundolf-Preisträger. Seit 2009 ist er Mitglied der der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für sein Werk Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften wird er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2020 ausgezeichnet.

Doma, Akos
Akos Doma, 1963 in Budapest geboren, ist Autor und Übersetzer aus dem Ungarischen.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Uwe Justus Wenzel hat Laszlo F. Földenyis Buch "Starke Augenblicke" offenbar mit Interesse gelesen. Zumindest lernt er in dieser "Physiognomie der Mystik", dass zwischen ekstatischen beziehungsweise mystischen Erlebnissen und Religion unterschieden werden muss. Denn während mystische Erlebnisse aus Verlusten entstünden und diese in Gewinne umwandelten, würden Religionen den Menschen davor bewahren wollen sich zu verlieren, weiß der Kritiker nach der Lektüre. In dem Buch des ungarischen Essayisten, der an der Budapester Akademie für Theater und Film Kunsttheorie lehrt, erlebt Wenzel darüber hinaus Momente der Verzückung oder der Wollust, der Furcht, der Freude oder der Begierde, des Schmerzes oder der Liebe. Nicht zuletzt findet er in diesem gelehrten Werk zahlreiche Zitate - von Heraklit bis Heidegger oder von Basilides bis Bataille.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.02.2014

Bei uns sind wir, wenn wir uns verlieren
Kartierung der Ekstase: László F. Földényi lockt die Leser in mystische Strudel
Als der jüdische Philosoph Emmanuel Levinas in seinem Hauptwerk „Totalité et infini“ das abendländische Denken mit dem Topos des ganz Anderen konfrontierte, mit dem „unsagbaren Gott“, den er als ethischen Appell ins Antlitz des Nächsten hineinlas, war es Jacques Derrida, der vor allem dessen Sprache mit einer ausführlichen Kritik bedachte. Eine Philosophie, die jenen – den Begriff zersetzenden – Augenblick der Ethik erfahrbar machen wolle, dürfe sich ihrerseits nicht mehr begrifflich, nicht mehr ontologisch ausdrücken. Doch wie findet man eine Sprache, die dem Unsagbaren angemessen ist?
  Der ungarische Literaturwissenschaftler László F. Földényi hat nun einen Text veröffentlicht, der mit dem Anspruch aufwartet, das Gotteserlebnis höchstselbst sprachlich einzufangen. In seiner „Physiognomie der Mystik“ wählt Földényi die Gattung des Essays, in der er, dabei „seinen eigenen Gegenstand erleidend“, einen „einzigen feuerballartigen Augenblick zur Zeit hin ausdehnen“ könne. Tatsächlich legt er, wie der späte Levinas, eher Spuren, als dass er seinen Gegenstand systematisch behandelte; das religiöse Erlebnis dürfe nicht zu etwas Sachlichem veröden, vielmehr müsse die Aufgabe darin bestehen, „das die Gedanken umgebende Undenkbare, das jenseits der Worte verborgene Unsagbare fühlbar werden zu lassen“.
  Um allen Missverständnissen vorzubeugen, erklärt Földényi schon in der Einleitung seinen theologischen Atheismus. Er beschränkt „das Göttliche“ jedoch nicht auf ein zwischenmenschliches Ereignis, sondern deutet es als den hochambivalenten Moment der eigenen „Entäußerung“, als jenen „starken Augenblick“, in dem man dem Chaos, dem Nichts begegnet, „das sich ins Sein hinein stülpt“. Das Gotteserlebnis – das er gegen den Gottesglauben der etablierten Religionen profiliert, die ihrem eigenen mystischen Erbe in der Regel mit höchster Skepsis begegnen würden – beschreibt Földényi als die selbstauflösende Begegnung mit dem eigenen Grund, in der man sich, so die Pointe der Mystik, letztlich näher komme als in den selbstkontrollierten Praktiken des alltäglichen Lebens.
  In sieben Essays nähert sich der Autor von verschiedenen mythologischen Spekulationen her und unter Zuhilfenahme namhafter Mystiker von Plotin bis Bataille eben jenem Paradox, nach welchem der Mensch gerade dann mit sich identisch wird, wenn er sich verliert, in Momenten höchster Lust und tiefsten Leids, in Verzückung und Wahnsinn. Földényi verstreut in seiner Abhandlung diverse metaphorische Splitter. Da wird man mit dem lebensspendenden und zugleich versengenden „Blitz des Zeus“ konfrontiert, mit dem Lichtgott Apoll, der ins Dunkel hinabsteigt und die Natur der Fäulnis annimmt, oder dem gnostischen Symbol der sich selbst verschlingenden und zugleich gebärenden Schlange. Der Autor durchfährt in einer historiografisch-mythologischen Achterbahnfahrt die mystischen Momente der Kulturgeschichte, um die verschiedensten Figuren als Bürgen seiner eigenen Wahrheit zu benennen. Das ist natürlich starker Tobak, zumal für einen religiös oder mystisch „unmusikalischen“ Leser.
  Die Kulturgeschichte, sagt Földényi, sei kein „entschlüsselbares Rätsel, sondern ein Labyrinth, in dem alle mit ähnlichen Fragen ringen“. In eben diesem Labyrinth aber verläuft sich der Autor mit voller Absicht; und der hilflose Leser wird ohne Ariadnefaden dort hineingetrieben. Das ist streckenweise nahezu physisch belastend und langweilig, dann wieder auf merkwürdige Weise schön und erhellend; man meint fast die Ekstase zu spüren, die Bedeutung von Sätzen „erleben“ zu dürfen, die man im landläufigen Sinn nicht „verstehen“ kann, da sie keine intellektuelle Einsicht, sondern dionysische Erfahrung fordern: Sätze wie „Es ist das strudelnde Chaos, dessen vollkommende Verkörperung ab und zu der Mensch selbst ist.“
  Doch dann kippt der Text und „verhumpelt“ sich in dunklen Passagen, kontextlosen Fragmenten und kryptischen Metaphern. Da wird zum Beispiel die Lava als ein Gestalt gewordenes Moment des Gestaltlosen, als ein Seiendes beschrieben, an dem sich die Signatur des Nichts, aus dem die Dinge herrührten, deutlich ablesen lasse. Neben der Lava gibt es andere Motive – wie die „Kotze“, die dem Menschen durch den „Geruch des Todes“ seine Herkunft aus dem „Unmöglichen“, aus dem „Nicht-Sein“ anzeigen soll. Das ist alles schon ziemlich irrwitzig, und auch wenn man ahnt, was Földényi meint, so werden wohl die allerwenigsten beim Kotzen schon einmal der eigenen aus sich hervorgewürgten Mitte begegnet sein.
  Freilich ist das Scheitern seines Projekts, Situationen des Unsagbaren wirklich fühlbar zu machen, in gewisser Weise programmiert. Denn nur auf dem Höhepunkt der Ekstase könnte man sich wohl, wenn überhaupt, in das hineinfühlen, was Földényi „das Göttliche“ nennt; sodann schließt sich der Riss und die Ordnung kehrt zurück. Es bleibt ein schales Gefühl, aber von dem ortlosen Ort der Begegnung mit dem Sein selbst kehrt man nicht zurück wie Dante von seinen Touren durchs Jenseits, um davon als Tourist zu berichten. Eine Erinnerung des Außer-Sich-Seins, eine Kartierung der Ekstase oder eine „Physiognomie der Mystik“ – wie der Untertitel des Buches lautet – kann letztlich nicht gelingen, eben weil man sich im Modus der Erzählung schon wieder in einer Welt der Differenzen befindet.
CHRISTOPH DAVID PIORKOWSKI
László F. Földényi: Starke Augenblicke. Eine Physiognomie der Mystik. Matthes & Seitz, Berlin 2013. 212 Seiten, 26, 90 Euro.
Für religiös „unmusikalische“
Leser ist das starker Tobak
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