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Was sind Bilder? Wie unterscheiden sie sich von Worten? Was genau sind Bilder heute , also in einer Zeit, in der die Macht des Sichtbaren größer scheint als je zuvor und in der der pictorial turn den linguistic turn abgelöst hat? W. J. T. Mitchell, einer der Pioniere der Visual Culture Studies , beantwortet diese Fragen, indem er das Zusammenspiel des Sichtbaren und des Sagbaren in allen kulturellen Bereichen untersucht, von der Literatur über die bildende Kunst bis zu den Massenmedien. Der Band versammelt seine wichtigsten Aufsätze, die längst als Klassiker der bildwissenschaftlichen Forschung gelten.…mehr

Produktbeschreibung
Was sind Bilder? Wie unterscheiden sie sich von Worten? Was genau sind Bilder heute , also in einer Zeit, in der die Macht des Sichtbaren größer scheint als je zuvor und in der der pictorial turn den linguistic turn abgelöst hat? W. J. T. Mitchell, einer der Pioniere der Visual Culture Studies , beantwortet diese Fragen, indem er das Zusammenspiel des Sichtbaren und des Sagbaren in allen kulturellen Bereichen untersucht, von der Literatur über die bildende Kunst bis zu den Massenmedien. Der Band versammelt seine wichtigsten Aufsätze, die längst als Klassiker der bildwissenschaftlichen Forschung gelten.
  • Produktdetails
  • suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2261
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 497
  • Erscheinungstermin: 7. Mai 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 175mm x 106mm x 30mm
  • Gewicht: 307g
  • ISBN-13: 9783518298619
  • ISBN-10: 3518298615
  • Artikelnr.: 49453335
Autorenporträt
Mitchell, W. J. T.§W. J. T. Mitchell ist Professor für Englisch und Kunstgeschichte an der Universität Chicago und Herausgeber von Critical Inquiry. Sein Buch The Last Dinosaur Book: The Life and Times of a Cultural Icon war für den Pulitzer-Preis nominiert.
Rezensionen
»Fast im Plauderton werden Einsichten in die Bild- und Kunstwelt vermittelt, die ihresgleichen suchen.«
Monopol - Magazin für Kunst und Leben

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 19.11.2008

Im Bann der Schokopyramide
Totem, Fetisch und Idol: W. J. T. Mitchell beschreibt, wie unsere Kultur den Bildern reale Macht und Leben verleiht
Wer das Café im Richelieu-Flügel des Louvre in Paris besucht, kann dort ein Schokoladentörtchen bestellen, dessen Form genau der Pyramide nachgebildet ist, die zum Wahrzeichen des Museums geworden ist, seit I. M. Pei es vor rund zwanzig Jahren umgebaut hat. Auf der Terrasse sitzend, lässt sich also, mit Blick auf die große gläserne Eingangs-Pyramide, deren schokoladiges kleines Abbild verspeisen. Ich gestehe, dass mir dies, aller Vorliebe für Süßes zum Trotz, unmöglich ist, ja dass mir sogar schon unwohl wird, wenn ich nur sehe, wie andere Touristen mit ihrer Gabel in eine Pyramidenspitze stechen. Ich schaue dann ängstlich, ob die große Pyramide nicht ihrerseits einbricht oder ob nicht wenigstens Sprünge im Glas entstehen. Auch dass nach Zehntausenden verkaufter Schokopyramiden dem Vorbild noch nichts passiert ist, beruhigt mich nur bedingt.
Aber seit der Lektüre von W. J. T. Mitchells Buch „Das Leben der Bilder” weiß ich zumindest, dass ich mich für solch vermeintlich atavistische Anwandlungen nicht zu schämen brauche – weil sie nämlich geradezu anthropologische Konstanten zu sein scheinen. So notiert der in Chicago lehrende Professor für Kunstgeschichte und Anglistik gleich auf den ersten Seiten seines Buchs die Überzeugung, „magische Haltungen gegenüber Bildern” seien „in der modernen Welt ebenso machtvoll, wie es in den sogenannten Zeiten des Glaubens der Fall war”. Selbst ein „doppeltes Bewusstsein” gegenüber Bildern sei nichts spezifisch Modernes, ja viele Menschen schwankten immer schon „zwischen naivem Animismus und nüchternem Materialismus, mystischen und kritischen Haltungen”.
Mitchell will sich auf keine der beiden Seiten schlagen, sondern einen „dritten Weg erkunden”, den ihm Friedrich Nietzsche weist. Wie dieser die Götzen „aushorchen” wollte, indem er an sie „mit dem Hammer wie mit einer Stimmgabel" rührte, so geht es dem Bildwissenschaftler darum, sich in einer Form von Kritik zu üben, „die gerade genügend Kraft besitzt, den Bildern einen Widerhall zu entlocken, die aber nicht so stark ist, sie zu zerschlagen”. Unter Bildern versteht Mitchell freilich nicht nur „pictures” und damit materiell gebundene Bilder, sondern ebenso und allgemeiner „images”, die unabhängig von einem Trägermedium sind. Bei ihnen kann es sich also auch um innere Bilder handeln. Zugleich lässt er selbst noch Skulpturen und die Werke der Architekten als Bilder gelten.
Der Animismus dieser Zeit
Was götzenhaft verehrte oder magisch überhöhte Bilder anbelangt, so unterscheidet Mitchell zwischen Totems, Fetischen und Idolen. Die Schokopyramide wäre wohl zur ersten Rubrik zu zählen, die der Autor (Glück für mich) als die harmloseste klassifiziert. Hier gerät ein Abbild zum Symbol für das Repräsentierte und wird als so stark eingeschätzt, dass das, was ihm widerfährt, direkt auf das Vorbild rückzuwirken droht. Um ein Fetisch werden zu können, müsste die kleine Leckerei hingegen allein aufgrund ihrer materiellen Substanz oder konkreten Gestalt heftiges Begehren wecken; sie wäre dann nicht Symbol, sondern in ihrer realen Präsenz ein Ding, dem man vieles – natürlich zu vieles – zutraut. So würde die Schokopyramide fetischisieren, wer sie etwa in dem Glauben verzehrte, dadurch unbesiegbar oder erleuchtet zu werden. Zum Idol jedoch stiege sie erst auf, wenn sie die Macht bekäme, diejenigen, die ihr ausgesetzt sind, in ihren Bann zu ziehen und in ihrer Welterfahrung nachhaltig und verbindlich zu prägen. Das dürfte bei einem Stück aus der Confiserie-Abteilung eher unwahrscheinlich sein.
Während Fetische oft eine individuelle Angelegenheit bleiben, sind Idole für Mitchell am gefährlichsten, können sie doch ganze Gesellschaften paralysieren. In einer etwas saloppen Metapher vergleicht er Fetische, Totems und Idole mit den T-Shirt-Größen „small”, „medium” und „large”. Wie sehr ihn diese Trias beschäftigt, wird deutlich, wenn man einen zweiten neuen Band zur Hand nimmt, der unter dem Titel „Bildtheorie” zahlreiche Texte Mitchells versammelt (darunter auch zwei Kapitel von „Das Leben der Bilder”). Immer wieder geht es darin darum, die verschiedenen Formen einer Überschätzung von Bildern zu unterscheiden. Diesen eine Art von Leben zuzuschreiben, verbindet sie letztlich aber alle: Auch wer sich aufgeklärt gibt, könne, so Mitchell, „über kurz oder lang” nicht umhin, auf Metaphern zu rekurrieren, die den Bildern Geist, Willen oder Begehren unterstellten.
Indem er sich auf diese Metaphern offensiv einlässt und ausführlich reflektiert, was es heißt, dass Bilder wie Lebewesen etwas wollen, läuft W. J. T. Mitchell manchmal jedoch Gefahr, jenen dritten Weg zu verlassen und selbst in die Nähe zu Bildergläubigen zu geraten, die Artefakte animistisch deuten und anthropomorphisieren. Als linksliberaler Akademiker neigt Mitchell zudem dazu, das Leben der Bilder als das Leben Benachteiligter oder gar Ausgestoßener zu deuten und sich zu ihrem Anwalt zu machen. So sei „das Geschlecht der Bilder weiblich”; die „Frage nach dem, was Bilder wollen, ist daher untrennbar mit der Frage verbunden, was Frauen wollen”. Beide, so die Antwort, strebten nach Macht, weil sie zu wenig davon hätten. Damit nicht genug: Bilder sind auch wie Schwarze, ja ein Idol werde „wie der schwarze Mann sowohl verachtet als auch verehrt”. Idolatrie und Ikonoklasmus sind also nur zwei Seiten desselben Phänomens; beides entsteht daraus, dass man Bilder als das „Andere” unheimlich findet und daher nicht nur überschätzt, sondern zugleich fürchtet und loswerden will. In einem Aufsatz beschreibt Mitchell Bilder als „Migranten”, die „obdachlos, staatenlos, displaced persons, Exilierte” seien. Im selben Zusammenhang vergleicht er ikonoklastische Akte mit ethnischen Säuberungen.
Das mag als rhetorische Geste verführerisch sein, ist aber nicht nur geschmacklos, sondern auch erschreckend pauschal. Generell gehört das Differenzieren nicht zu Mitchells Vorlieben. Wenn er den vermenschlichenden Metaphern für Bilder schon so beflissen folgt, dann wünscht man sich, dass er neben weiblichen auch männliche Bilder, ja verschiedene Ethnien und Lebensformen von Bildern identifiziert oder sich auch für ihr Sozialleben – also dafür, wie sie untereinander agieren – interessiert. Doch all das sucht man vergeblich. Damit gelingt es Mitchell aber auch nicht, die Bilder aus ihrer Andersheit zu erlösen und dazu beizutragen, dass ihnen künftig weniger extreme Emotionen entgegengebracht werden. Schließlich bleibt er hinter Analysen des Kunsthistorikers Hans Belting zurück, der in seiner „Bild-Anthropologie” (2001) den dritten Weg besser trifft und es versteht, idolisierende oder fetischisierende Weisen des Umgangs mit Bildern daraus abzuleiten, dass das auf ihnen Repräsentierte zugleich an- und abwesend ist.
Kunst- oder Bildwissenschaft?
Am ehesten dürfte Mitchells Ansatz fruchtbar zu machen sein, wenn man ihn auf die Forschungen Bruno Latours und Hartmut Böhmes bezieht, die in den letzten Jahren bedeutende Arbeiten zu einer Philosophie der Dingkultur vorgelegt haben. Gerade Böhmes Versuch, die Moderne als Epoche zu charakterisieren, in der Formen der Magie in vielfältigen Fetischismen fortleben, weist viele Parallelen zu Mitchells Bildtheorie auf. Doch zeigt Böhme vor allem die positiven individualpsychologischen und sozialen Dimensionen des modernen Fetischismus auf, der damit nicht länger als pathologisches Phänomen erscheint. Wo Mitchell auf der Stelle tritt, wenn er sich an den Metaphern ergötzt, die Bilder als lebendig nehmen, liefert Böhme eine vielschichtige Mentalitätsgeschichte der Moderne. In sie ließen sich einige der von Mitchell behandelten Idolisierungen, so etwa aus dem Feld des Terrorismus oder der Gentechnik, gut einordnen.
Die Integration bildtheoretischer Erörterungen in dingphilosophische Kontexte hätte auch den Vorteil, dass man den oft etwas albern anmutenden Streit darüber, ob die Kunstwissenschaft nicht lieber als universale Bildwissenschaft auftreten sollte, überwinden könnte. An die Stelle akademischer Besitzansprüche träte dann vielleicht die Einsicht, dass sich Artefakte jeglicher Art nicht einzelnen Disziplinen zuordnen lassen, da ihre Interpretation immer schon deren jeweilige Kompetenzen übersteigt. Damit hätte man aber auch Mitchell wieder als Verbündeten, dessen Ausführungen mit am überzeugendsten sind, wenn er sich gegen eine „Disziplinierung” einer Bildwissenschaft, aber ebenso gegen Proklamationen einer Interdisziplinarität ausspricht. Dafür kreiert er den Begriff der „Undisziplin” und erhofft sich davon, dass ein Gegenstandsbereich bei seiner Untersuchung keinen festgelegten Methoden unterworfen wird; vielmehr soll immer wieder „ein Moment der Erschütterung oder des Bruchs möglich sein, in dem die Kontinuität gestört und die Praxis in Frage gestellt wird”. Solche Sätze verraten einen neugierigen Wissenschaftler und machen Mut, eigene Fixierungen zu überwinden. Also werde ich mir beim nächsten Besuch im Café des Louvre doch endlich eine Schokopyramide bestellen. WOLFGANG ULLRICH
W. J. T. MITCHELL: Bildtheorie. Aus dem Englischen von Heinz Jatho. Herausgegeben von Gustav Frank. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2008. 497 Seiten, 32,80 Euro.
W. J. T. MITCHELL: Das Leben der Bilder. Eine Theorie der visuellen Kultur. Aus dem Englischen von Achim Eschbach, Anna-Viktoria Eschbach und Mark Halawa. Mit einem Vorwort von Hans Belting. Verlag C. H. Beck, München 2008. 272 Seiten, 14,95 Euro.
In dem Café im Richelieu-Flügel des Louvre kann man sich eine Pyramide aus Schokolade bestellen, die der Glaspyramide im Hof des Museums gleicht. „Magische Haltungen gegenüber Bildern”, schreibt W. J. T. Mitchell, sind in der modernen Welt ebenso mächtig wie einst in den Zeiten des Glaubens. Foto: Celentano/laif
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Bilderfluten und die Frage, was das Bild von uns will, sieht Mario Scalla in diesem Buch mit zentralen Texten des amerikanischen Bildwissenschaftlers W. J. T. Mitchell auf ganz undeutsche Weise behandelt. Scalla freut die "endlich" greifbare Textauswahl aus mehreren Gründen. Einmal wegen des "theoretischen Mehrwerts", handelt es sich bei Mitchells Kritik unserer Sehkultur doch um ein, wie er findet, avanciertes Programm, das eine Rezeption über Fachkreise hinaus verdient. Dann aufgrund von Mitchells (post-)strukturalistischer Prägung, die den Rezensenten in den Genuss einer komplexen, gegen die kategorische Trennung von Bild und Text gerichtete Argumentation bringt, hin zu einer "kritischen Ikonologie", die Velasquez, Plakatkunst und Karikatur kombiniert und kommentiert.

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