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Als ihr zu Hause die Luft wegbleibt, ergreift Miriam Spies mitten im Winter die Flucht nach Marokko. Denn wo kann man sich besser von deutscher Ordnung erholen als hier: Funktionierende Uhren sind in Marokko ebenso selten wie verbindliche Fahrpläne. Preise werden verhandelt, Hilfsbereitschaft ist selbstverständlich.
Mit einem Minimum an Geld, Plan und Gepäck macht sie sich auf die Reise durch ein Land, dessen Winter kalt und verregnet sind. Mal übernachtet sie in einer Studenten-WG, mal bei einer traditionellen marokkanischen Familie, mal im Hippie-Hostel. Ihr Reiseroman erzählt vom
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Produktbeschreibung
Als ihr zu Hause die Luft wegbleibt, ergreift Miriam Spies mitten im Winter die Flucht nach Marokko. Denn wo kann man sich besser von deutscher Ordnung erholen als hier: Funktionierende Uhren sind in Marokko ebenso selten wie verbindliche Fahrpläne. Preise werden verhandelt, Hilfsbereitschaft ist selbstverständlich.

Mit einem Minimum an Geld, Plan und Gepäck macht sie sich auf die Reise durch ein Land, dessen Winter kalt und verregnet sind. Mal übernachtet sie in einer Studenten-WG, mal bei einer traditionellen marokkanischen Familie, mal im Hippie-Hostel. Ihr Reiseroman erzählt vom Unterwegssein durch eine fantastisch fremde Welt, von kauzigen Reisebegleitern, Minutenfreundschaften, schlaflos durchwachten Nächten und skurrilen Lebenswegkreuzungen.

Ihre Reise führt sie nach Nador, Tanger, Chefchaouen, Essaouira, Marrakesch, Casablanca und Rabat. Die großen historischen Stätten wie den Djeema el Fna sucht sie ebenso auf wie die dunklen Ecken, die man angeblich besser meidet. Doch umgeben von Bettlern und Veteranen, Krämern, Löwenmüttern und Studenten lernt Miriam bald: In Marokko reist man nie allein.
  • Produktdetails
  • Verlag: Conbook Verlag
  • Auflage
  • Seitenzahl: 288
  • Erscheinungstermin: 11. September 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 137mm x 30mm
  • Gewicht: 400g
  • ISBN-13: 9783958892583
  • ISBN-10: 3958892582
  • Artikelnr.: 56142511
Autorenporträt
Miriam Spies, 1982 in Mainz geboren, studierte Germanistik, Kulturanthropologie und Buchwissenschaft. Sie ist Autorin des Buchs Das ist DAF. 2014 reiste sie zum ersten Mal auf den Spuren der Beatgeneration nach Tanger. Seitdem war sie jedes Jahr mindestens einmal dort.

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.10.2019

Gepresst, nicht gebrüht
Miriam Spies reibt sich freudig an marokkanischen Lebensgewohnheiten
Langsam beruhigt sich Dulamah wieder. Er hatte geschimpft, dass diese Tabletten schädlich seien für den Körper, überdies verboten im Islam – und was Miriam sich überhaupt einbilde, Drogen einzuführen. Dulamahs Bruder Wassim dolmetscht zwischen den zweien, der Deutschen und dem Marokkaner. Irgendwann wird den beiden jungen Männern klar, dass Miriam Spies, die ihnen bei einem früheren Besuch in Marokko zur Freundin geworden ist, doch nicht schachtelweise Speed dabei hat. Sondern Koffeintabletten.
Die drei fahren durch die Nacht, sind müde. Die Tabletten sollen Dulamah, der am Steuer sitzt, helfen, wach zu bleiben. „Erst gluckste es nur leise, von Kopfschütteln begleitet, aus ihnen heraus“, schreibt Spies in ihrem amüsanten Buch „Im Land der kaputten Uhren“, als sich die Situation entspannt. Bis die Brüder schließlich „lauthals lachend mit den Köpfen auf Lenkrad und Armaturenbrett lagen und sich Tränen aus den Augen wischten“. Kaffee in Tablettenform zu pressen, statt ihn aufzubrühen und seine Aromen zu genießen, so etwas Verrücktes könnten sich nur Europäer ausdenken.
Es ist eine von vielen Szenen aus dem Buch über einen Roadtrip der Autorin durch Marokko, die von mannigfachen kulturellen Differenzen handeln. Wobei Miriam Spies, die Konfrontationen nicht scheut, nie aus einem Gefühl der Überlegenheit heraus argumentiert. Zwar streitet sie immer wieder mit etlichen der Freunde und Bekannten, denen sie auf der Reise neuerlich begegnet. Einem wirft sie vor, er entschuldige mit seiner religiösen Ergebenheit, wonach es angeblich egal sei, was er tue oder lasse, da ohnehin Allah alles richte, lediglich sein Phlegma. Sie hält ihren Atheismus aber nicht per se für fortschrittlicher oder aufgeklärter als den Gottesglauben der meisten jungen Marokkaner, mit denen sie verkehrt. Und dass sie für ihre Koffeintabletten ausgelacht wird und ihre Freunde darin ein Dekadenz-Phänomen sehen, leuchtet ihr ein.
„Zum Glück verfügten die Jungs über genügend Humor, um meine fehlende Diplomatie auszugleichen“, schreibt die Autorin an einer Stelle. Sie ist durchaus angriffslustig, sie verteidigt ihre Ungläubigkeit, ihr Nicht-Verheiratetsein. Und sie ärgert sich über die maßlose Unpünktlichkeit vieler Marokkaner, die mitunter auch eine Unzuverlässigkeit ist. So scheitern Pläne – jedenfalls nimmt Miriam Spies das so wahr. Für Marokkaner bedeute ein geplatztes Treffen aber „kein Scheitern im eigentlichen Sinn, sondern lediglich eine Planänderung“.
Toleranz bedeutet für Miriam Spies, sich auf das Fremde einzulassen, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Aber nicht notwendigerweise, alles, vor allem das Ärgerliche – und womöglich sogar noch aus einer falsch verstandenen Nachsicht heraus – immer klaglos zu akzeptieren. „Die sind halt so“ – das kann und will sie nicht gelten lassen, zumal das eine unzulässige Verallgemeinerung wäre. Sie verlangt, als Frau respektvoll behandelt zu werden in einer Gesellschaft, in der das nicht immer gegeben ist. Sie kämpft dafür, sich nicht ausnutzen zu lassen als Fremde von Taxi- oder Busfahrern und anderen potenziellen Neppern.
Sie bringt diesen Respekt aber selbst auch auf. Für ihre Gastgeber, für die vielen ihr unbekannt bleibenden Menschen, die ihr über die kleinen und auch größeren Tücken des Alltags hinweghelfen. Und eines wird ziemlich deutlich: Sie fühlt sich deutlich wohler im Kreis von Marokkanern als bei den Europäern, unter die sie auch immer wieder gerät. Weil sie unter den anderen Reisenden ein aufrichtiges Interesse an den Menschen, die sie besuchen, sehr häufig vermisst. Und genervt ist von einem verbreiteten Habitus einer Aussteigerexistenz, obwohl der vermeintliche Ausstieg sich lediglich auf die Dauer eines Jahresurlaubs erstrecke.
„Im Land der kaputten Uhren“ erzählt keine Abenteuer- und keine Aussteiger-Geschichte. Es geht in diesem Buch um die Reibungen, die erzeugt werden, wenn jemand wie die Autorin, westlich geprägt, mit wachem Verstand in Milieus eintaucht, zu denen sie durch ein ähnliches Alter und gemeinsame Interessen zwar einen Zugang hat. In denen sie jedoch nie aufgehen wird. Dazu hat sie als Deutsche zu viele Privilegien, genießt und beansprucht sie Freiheiten, die sich ihre marokkanischen Freunde alle erst erkämpfen müssten.
Spies ist interessiert an der Energie, die bei dieser Reibung entsteht. Nicht selten befeuert die ihren Humor. Es ist eine Kunst, Situationen so zu schildern, dass sich deren Komik auch jenen erschließt, die nicht dabei waren. Miriam Spies beherrscht sie vortrefflich. Deshalb wird eine grauenvolle Busfahrt, auf der sich mehrere Passagiere übergeben müssen, zur fulminanten Slapstick-Nummer. An deren Ende der erste Eindruck mal wieder nicht der richtige war.
STEFAN FISCHER
Miriam Spies: Im Land
der kaputten Uhren. Mein marokkanischer Roadtrip. Con Book Verlag,
Neuss 2019. 284 Seiten, 14,95 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.07.2020

Die Magie der Geschichten

Miriam Spies begibt sich mit dem Zufall als Reiseführer per pedes, Anhalter oder Nachtbus auf Winterreise durch Marokkos mythische Stätten. Das Buch steigert sich im Flow des Road Trips und mit zunehmender Magie nordafrikanischer Orte und Nächte. Hymnisch beschreibt sie die "weiße Stadt" Tanger als Sehnsuchtsort französischer Maler und Dichter seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts und legendäre "Stadt der Lichter und Stimmen", der "Schmuggler und Spione" voller "Kif und Tee und Träume". Sie umreißt die bewusstseinsverändernde Begegnung mit der "blauen Stadt" Chefchaouen und den gegen den "bösen Blick" blaugetünchten Häusern als "Moment, als das Wundern in ein namenloses Staunen überging", und das süchtig machende Blau als "Whisky, der einem so lange schmeichelt, bis er einen in die Tiefe reißt". In Essaouira begibt sie sich auf Spurensuche der Hippiezeit und Musiklegenden wie Jimi Hendrix als dem "berühmtestes Wahnsinnigen der Stadt". Und verliert und verlustiert sich in den Souks von Marrakesch als Paralleluniversum einer "orgiastisch-sensorischen Springflut" und touristisches Mitmachtheater im Irrgarten des Seins. Die Kulturanthropologin überzeugt durch vergleichende Beobachtungen etwa über "Nichtstun" als Tätigkeit und positiv konnotierte Abwesenheit von Agitation, die Magie des Geschichtenerzählens, Gebetsrufe der Muezzins, die als "atonale Klangglocke" über den Städten schweben, Gastfreundschaft als Selbstzweck und das Wachsen durch Missverständnisse auf kulturellem "Spiegelsplitterparkett". Gekonnt schmückt Spies ihr Buch aus mit Zitaten aus "Tausendundeiner Nacht" oder Reminiszenzen anderer Marokko-Fahrer von Edith Wharton bis Helge Timmerberg. Doch schlägt sie auch kritische Töne an, wenn es um chinesische Billigware geht, die Händlern zu schaffen macht, um Flüchtlingsleid, den "Todesstreifen, der Afrika von Europa trennt", oder die Defizite der Monarchie. Marokko erscheint Spies als ein Land der Widersprüche: islamisch in den Augen des Westens und westlich in den Augen der Muslims. Am Ende des erheiternden wie erhellenden Roadtrips und marokkanischen Wintermärchens gerät die "westliche Arroganz, was die Vorherrschaft der Vernunft, der Ratio, gegenüber mythischen Weltzugängen angeht", ins Wanken.

sg.

"Im Land der kaputten Uhren. Mein marokkanischer Roadtrip" von Miriam Spies. Conbook Verlag, Neuss 2019. 288 Seiten. Broschiert, 14,95 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Als Frau on the road in einem muslimisch geprägten Land - Alltägliches wird zum Abenteuer, und westliche Zivilisationsgewissheiten fliegen über Bord. Offenund vorurteilsfrei bewegt sich Miriam Spies im Fremden, um Vermittlerin zwischen den Kulturen zu werden. Ein packender Reisebereicht aus einem Land, das zwischen Tradition und Aufbruch oszilliert.« (Boris Kerenski, Mitherausgeber von Tanger Telegramm)