Thomas Mann Chronik - Heine, Gert; Schommer, Paul
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Im Jahre 1965 erschien von Hans Bürgin und Hans-Otto Mayer "Thomas Mann. Eine Chronik seines Lebens". Das Buch wurde zu einem Standardwerk, und es diente jahrzehntelang nicht nur der Wissenschaft, sondern wurde auch von vielen Lesern als Nachschlagewerk geschätzt, obwohl es naturgemäß - in seiner unveränderten Form - immer weiter hinter den sich beständig vermehrenden Quellenfunden zu Leben und Werk zurückbleiben mußte.Gert Heine und Paul Schommer, die, wie ihre Vorgänger Bürgin und Mayer, auf eine langjährige passionierte Tätigkeit in Sachen Thomas Mann sich stützen können, kamen nach…mehr

Produktbeschreibung
Im Jahre 1965 erschien von Hans Bürgin und Hans-Otto Mayer "Thomas Mann. Eine Chronik seines Lebens". Das Buch wurde zu einem Standardwerk, und es diente jahrzehntelang nicht nur der Wissenschaft, sondern wurde auch von vielen Lesern als Nachschlagewerk geschätzt, obwohl es naturgemäß - in seiner unveränderten Form - immer weiter hinter den sich beständig vermehrenden Quellenfunden zu Leben und Werk zurückbleiben mußte.Gert Heine und Paul Schommer, die, wie ihre Vorgänger Bürgin und Mayer, auf eine langjährige passionierte Tätigkeit in Sachen Thomas Mann sich stützen können, kamen nach eingehender Prüfung zu der Erkenntnis, daß eine ergänzende Neubearbeitung der alten Chronik nur zu einer unbefriedigenden Lösung geführt hätte. Gerade die Vielzahl der inzwischen an den Tag gekommenen Dokumente, vor allem aber die Tagebücher, eröffnen einen Facettenreichtum von Thomas Mann sowohl als Dichter wie als Mensch, der in den frühen 60er Jahren nicht einmal zu ahnen war. Die nunmehr nach eigenen Prinzipien erstellte Chronik von Heine und Schommer versucht zudem, in großem Umfang die zeitgenössische Beurteilung Thomas Manns mit einzubeziehen.Dem wissenschaftlichen Charakter des Buches entsprechend, das doch zugleich immer auch als biographisches Lesebuch konzipiert ist, sind alle Fakten mit Quellenhinweisen versehen. Überlieferungen, die nicht als authentisch zu verifizieren sind und als hartnäckige Klischees bis dato immer weiter tradiert worden sind, werden, soweit nicht überhaupt als falsch entlarvt, zumindest als zweifelhaft eingegrenzt.Gert Heine ist als Mitarbeiter u.a. am Regestenwerk und an den Ergänzungen zur Werkbibliographie Georg Potempas sowie als Herausgeber des Buches "Thomas Mann in Dänemark" hervorgetreten. Paul Schommer hat - neben der Mitarbeit an den Ergänzungen zur Thomas-Mann-Bibliographie - u.a. die Briefe Erich Neumanns an Thomas Mann herausgegeben.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klostermann
  • Erscheinungstermin: März 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 172mm x 45mm
  • Gewicht: 1116g
  • ISBN-13: 9783465032359
  • ISBN-10: 3465032357
  • Artikelnr.: 12688712
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.01.2005

Ein süßes Nichts von Handlung
Die "Thomas Mann Chronik" von Gert Heine und Paul Schommer

Das Leben großer Autoren wird schließlich selbst zum Roman. Weshalb sonst sollte man sich eine Chronik vornehmen, die die Tagesabläufe einer weltausgreifenden Schreibtischexistenz ausbreitet, punktgenau dem Kalender folgend, über viele Jahrzehnte? "Goethes Leben von Tag zu Tag" hat es auf Tausende von Seiten gebracht, und Leser dieser Chronik sind sich weitgehend einig, daß keine davon zuviel sei. Gert Heine und Paul Schommer, die Autoren der neuen "Thomas Mann Chronik", begnügen sich mit sechshundert Seiten. Ihr Buch ersetzt das Standardwerk "Thomas Mann - Eine Chronik seines Lebens" von Hans Bürgin und Hans-Otto Mayer (1964). Der rapide gewachsene Kenntnisstand, nicht zuletzt durch die Publikation der Tagebücher, hat eine gänzliche Neufassung nötig gemacht.

Das Ungleichgewicht der einzelnen Jahresumfänge hat sich dadurch allerdings eher noch verstärkt. Im letzten Lebensdrittel fließt der Strom der Überlieferung am breitesten, und man hätte sicher für jedes Jahr einen umfangreichen Band zusammenstellen können - was beweist, daß diese Chronik ihren Autoren nicht nur immense Faktenkenntnis, sondern auch eine große Leistung hinsichtlich Auswahl, Straffung und Pointierung abverlangt hat. In den ersten Jahren und Jahrzehnten ist die Quellenlage dagegen spärlich. 1877 - Thomas Mann ist zwei Jahre alt - gibt es nur drei knappe Einträge, darunter die Aussage einer älteren Verwandten.

Die Autoren wollten nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern ein lesbares Buch vorlegen. Deshalb kommt Thomas Mann möglichst oft selbst zu Wort. Zu vielen Chronik-Einträgen gibt es Zitate aus Briefen, Tagebüchern, Aufsätzen und Interviews, viele darunter, auf die man als Leser sonst kaum gestoßen wäre. "Als Kind wollte ich Konditor oder Trambahnschaffner werden", äußerte Mann gegenüber der "Bayerischen Volkszeitung" 1932. "Als ich sah, daß daraus nichts wurde, verzichtete ich überhaupt." Bekanntlich hat er den Weg in die Schriftstellerei als Verlegenheitslösung gesehen. Wer nichts wird, wird Wortwirt.

Weiter trägt zur Lesbarkeit bei, daß die zunehmend von Repräsentationspflichten bestimmte Mann-Existenz in anderen Stimmen gespiegelt wird: Was die Presse schrieb und der Rundfunk zu melden hatte, wenn der Schriftsteller irgendwo auftrat. Es gab Zeiten, in denen Lesungen aus dem "Zauberlehrling" oder dem "Hochstapler Felix Grull" angekündigt wurden. Am 8. Januar 1918 las Thomas Mann im Kunstverein Essen, eine Pleite. Der Berichterstatter der "Essener Volkszeitung" meinte: "Der Kruppsaal lichtete sich zum Schluß zusehends. Ich kann das so gut verstehen. Der ganze Abend ein Nichts von Handlung. 1 1/2 Stunden z. B. braucht er zur Schilderung eines Menschen, der nach Davos fährt, um sich da irgendwo in ein Bett zu legen."

Gelegentlich unternimmt der Band rezeptionsgeschichtliche Seitenblicke ("Was Thomas Mann fehlt, ist eine in Farben schwelgende, üppig quellende, blühende Phantasie und Fabulierkunst", urteilt eine Literaturgeschichte 1917), findet aus solcher Distanz aber immer schnell zurück zu den Details des Tagesgeschehens. Natürlich wird nicht jeder Friseurbesuch oder Spaziergang mit dem Hund verzeichnet; eine gewisse kulturelle Höhe müssen die Ereignisse schon mitbringen, sei es die Begeisterung über Hitchcock-Filme ("sensationelle Regie") oder Theater-Langeweile bei Dürrenmatt ("Wie mans heut so macht") und Pirandello ("italienischer Bluff").

Arbeitsberichte, wie sie das Tagebuch zu fast jedem Datum enthält, finden nur in Ausnahmefällen Eingang. Zum Beispiel am ersten Weihnachtstag 1953, an dem der Achtundsiebzigjährige festhält: "Bin wohl der einzige Mann weit und breit, der sich heute zur Arbeit setzt." Schlichte Fakten wie die Ausschlagung des Stalin-Friedenspreises 1954 bekommen erst durch knappe O-Töne vom Autor aussagekräftige Färbung: "Was man der ,freien Welt' zuliebe alles ablehnt. Es sind schon rund 300 000 Franken." Kurz: Diese Chronik ist ein Buch, in dem man sich festlesen kann - eine Biographie mit ganz eigenen, lakonischen Reizen.

WOLFGANG SCHNEIDER

Gert Heine/Paul Schommer: "Thomas Mann Chronik". Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2004. 626 S., geb., 49,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Überzeugt zeigt sich Rezensent Wolfgang Schneider von dieser "Thomas Mann Chronik", die Gert Heine und Paul Schommer vorgelegt haben. Sie ersetzt seines Erachtens Hans Bürgins und Hans-Ottos Mayer Standwerk "Thomas Mann - Eine Chronik seines Lebens" von 1964. Nicht nur die "immense Faktenkenntnis" der Autoren, sondern auch ihre Leistung bei der Auswahl, Straffung und Pointierung des umfangreichen Materials haben Schneider beeindruckt. Er würdigt zudem die gute Lesbarkeit des Werkes. Zu vielen Chronik-Einträgen gebe es Zitate aus Briefen, Tagebüchern, Aufsätzen und Interviews. Mann komme sehr oft selbst zu Wort. Auch werde Manns Existenz in den Stimmen von Presse und Rundfunk gespiegelt. Fazit des Rezensenten: "Diese Chronik ist ein Buch, in dem man sich festlesen kann - eine Biografie mit ganz eigenen, lakonischen Reizen."

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