True Meanings - Weller,Paul
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Produktdetails
Trackliste
LP 1
1The soul searchers
2Glide
3Mayfly
4Gravity
5Old castles
6What would he say?
7Aspects
LP 2
1Bowie
2Wishing well
3Come along
4Books
5Movin on
6May love travel with you
7White horses
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.10.2018

Bei den Goldbergs zur Silberhochzeit

Der Haus-Cembalist des Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, Johann Gottlieb Goldberg, hat wahrscheinlich nie erfahren, dass die "Dreißig Veränderungen", die Johann Sebastian Bach um 1740 schrieb, einmal seinen Namen tragen würden. Das Ehepaar Judith und Robert Goldberg aus Massachusetts hingegen, das 1969 zu Bachs "Goldberg-Variationen" geheiratet hatte und die Kunst großzügig förderte, spielte durchaus mit dem eigenen Namen, als es sich zur Silberhochzeit "New Goldberg Variations" wünschte. Der Cellist Yo-Yo Ma stellte Kontakt zu amerikanischen Komponisten wie John Corigilano, Kenneth Frazelle oder Peter Schickele her, die an dem Projekt mitwirkten. Nur erlebte Robert Goldberg die Vollendung nicht mehr: Er starb 1994. Der Cellist David Geringas hat die vollendeten Stücke kombiniert mit Originalen und Bearbeitungen von Bachs Musik und sie gemeinsam mit dem Pianisten Ian Fountain aufgenommen (dreyer gaido). Es ist eine CD geworden, die Innigkeit und Witz, meditative Versenkung und jazzartige Temperamentsausbrüche vereint. Zwei Musiker, die ihre Instrumente erlesen beherrschen, sind hier in kostbarer Einmütigkeit zu erleben.

jbm.

*

Cécile McLorin Salvant gilt als die große schwarze Hoffnung des Jazzgesangs, doch in Europa konnte sich die exaltierte Amerikanerin mit einer Vorliebe für schrille, bunte Brillengestelle trotz eines fulminanten Auftritts beim Jazzfest Berlin vor einigen Jahren - ihrem Kollegen Gregory Porter gelang hier der Durchbruch - noch nicht so recht durchsetzen. Vielleicht schafft sie es ja mit ihrem neuen Großwerk "The Window" (Mack Avenue/In-Akustik), das mit gleich 17 Liedern und über siebzig Minuten Spieldauer ziemlich ausufernd geraten ist. Stevie Wonders "Visions" gibt sie als verhuschte Klavierballade, danach folgt ein Schmankerl des "Great American Songbooks" auf das nächste - von Cole Porters "Were Thine That Special Face" über Leonard Bernsteins "Somewhere" bis zu "By Myself" aus der Feder von Howard Dietz und Arthur Schwartz. Am Klavier (und manchmal an der Orgel) wird Salvant begleitet von Sullivan Fortner und der große Höhepunkt des Albums kommt ganz zum Schluss. Da singt Cécile McLorin Salvant die einzigartige Ballade "The Peacocks" des Pianisten Jimmy Rowles, zu der die britische Sängerin Norma Winstone einst einen Text schreiben durfte - besser geht's nicht.

roth

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Bei erstklassigen Festivals für Barockmusik tritt er auf und leitet als einer der jüngsten Konzertmeister das Ensemble Concerto Köln: Evgeny Sviridov aus Sankt Petersburg bringt mit großem Stilbewusstsein diese CD mit Violinsonaten von Giuseppe Tartini, am Continuo begleitet von Stanislav Gres (Cembalo) und Davit Melkonyan (Cello), heraus (Ricercar/outhere). Reizvoll sind dabei die Herausforderungen für die linke Hand (Triller, Skalen, Doppelgriffe), aber auch für die Bogenhand, die Sviridov exzellent beherrscht. Bemerkenswert an den Sonaten ist eine Nähe zu italienischer Dichtung und Oper, die Giuseppe Tartini in Padua, Prag und anderswo umgab. Zwei Sonaten stellt er einen Vers aus Tassos Epos "Das befreite Jerusalem" voran, mit morgenländisch anmutenden Klangfarben im Violinpart. Beredt wirkt auch das Adagio der F-Dur-Sonate Nr. 12, das einer gesungenen Arie aufs Haar gleicht. Als Motto diente der Arienvers "Lascia ch'io dica addio" (Lass mich Lebwohl sagen) aus einer Oper von Alessandro Scarlatti. Mit vielfältigen Verzierungen, doch immer im präzisen Zeitmaß, bringt Sviridov seine Geige - in Neapel 1725 gefertigt - mit bewegend menschlichem Ausdruck zum Singen.

art

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Ahuuuuhuhuahuuuu, so lautet der mantra-ähnlich wiederholte Refrain am Ende des Liedes "Bowie" auf Paul Wellers neuem Album "True Meanings" (Warner Music). Ein sehr sanftes Wolfsgeheul ist es, das der Sechzigjährige in diesen vierzehn Songs anstimmt, ein britisch beherrschtes, von Lebensweisheit gemildertes Wildtierjaulen. Mit jedem neuen Take - Gitarre und Klavier, Gitarre und Klarinette, Gitarre und. . . - fühlt man sich, als hätte man in einem Londoner Reihenhaus an einer dunkelrot lackierten Haustür geklingelt, wäre vom Butler eingelassen und in einen Salon geführt worden mit der Bitte, Platz zu nehmen und auf den Hausherrn zu warten. Eintritt Paul Weller, hager, teuer und schwarz gekleidet, silberhaarig, gebräunter Teint, zerfurchte Züge. Der Mann, den alle "Modfather" oder "Vater des Britpop" nennen, verehrt für seine Solo-Alben "Paul Weller" (1992) und "Wild Wood" (1993), haucht auf "True Meanings" ins Mikrofon, als gälte es, angesichts der Mysterien des Lebens ganz still und andächtig zu werden. "God is only just a melody. . .", Gott ist ein gelungener Song, das scheint er ernst zu meinen. Die Songs heißen denn auch "The Soul Searchers", "Movin On" oder "May Love Be With You". Covent-Garden-Straßenmusikanten-Musik? Well(er)ness-Musik. Drei Mal Om, Namasté. We miss you, David Bowie.

hue

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