Die Sparsholt-Affäre - Hollinghurst, Alan
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Bewertung von Volker M.

Über fast achtzig Jahre erstreckt sich der Erzählbogen, den Alan Hollinghurst in seinem Roman spannt. Achtzig Jahre in fünf Zeitsprüngen zeigen am Beispiel einer …


    Gebundenes Buch

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Im Oktober 1940 kommt der junge David Sparsholt nach Oxford. Der gut aussehende Athlet und Ruderer ist sich anfangs nicht der einnehmenden Wirkung bewusst, die er auf andere hat - besonders auf den einsamen und romantisch veranlagten Evert Dax, Sohn eines gefeierten Romanciers, der selbst literarische Ambitionen verfolgt. Während der Blitzkrieg London erschüttert, wird Oxford zu einem seltsamen Rückzugsort, an dem die Verdunkelung geheime Liebesbeziehungen verbirgt. Hier nimmt die Sparsholt-Affäre ihren Anfang, von der auch siebzig Jahre später noch ganz Großbritannien sprechen wird.
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Produktbeschreibung
Im Oktober 1940 kommt der junge David Sparsholt nach Oxford. Der gut aussehende Athlet und Ruderer ist sich anfangs nicht der einnehmenden Wirkung bewusst, die er auf andere hat - besonders auf den einsamen und romantisch veranlagten Evert Dax, Sohn eines gefeierten Romanciers, der selbst literarische Ambitionen verfolgt. Während der Blitzkrieg London erschüttert, wird Oxford zu einem seltsamen Rückzugsort, an dem die Verdunkelung geheime Liebesbeziehungen verbirgt. Hier nimmt die Sparsholt-Affäre ihren Anfang, von der auch siebzig Jahre später noch ganz Großbritannien sprechen wird.

Ein großer atmosphärischer Roman über einen Kreis von Freunden, die über drei Generationen hinweg durch Kunst, Literatur und Liebe verbunden sind. Entwaffnend geistreich, berührend und brillant beobachtet untersucht Hollinghurst die gesellschaftlichen Veränderungen des zwanzigsten Jahrhunderts, deren Folgen noch heute zu spüren sind.
  • Produktdetails
  • Verlag: Blessing
  • Seitenzahl: 542
  • Erscheinungstermin: 11. März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 229mm x 147mm x 46mm
  • Gewicht: 737g
  • ISBN-13: 9783896676269
  • ISBN-10: 3896676261
  • Artikelnr.: 54464737
Autorenporträt
Hollinghurst, Alan
Alan Hollinghurst wurde 1954 in Stroud geboren. Er studierte in Oxford und arbeitete anschließend als Literaturkritiker für das Times Literary Supplement. Hollinghurst hat zahlreiche Preise erhalten, darunter den Sommerset Maugham Award und 2004 den Booker Prize für seinen Roman Die Schönheitslinie. Alan Hollinghurst lebt in London.
Rezensionen
Besprechung von 19.03.2019
Was wir
ERLEBT HABEN
Der englische Schriftsteller Alan Hollinghurst ist ein
Stilist auf der Höhe von Henry James.
Jetzt hat er seinen ersten Altersroman geschrieben.
VON GUSTAV SEIBT
Alan Hollinghursts neuer Roman beginnt mit einer geheimen homoerotischen College-Affäre im Oxford des Jahres 1940 und er endet 2012 mit der Wiederverliebung eines sechzigjährigen Mannes, der vor Kurzem seinen langjährigen Ehepartner zu Grabe getragen hat. Was sich in diesen siebzig Jahren gesellschaftlich verändert hat, ist so grundstürzend, es verlief so schnell wie noch nie in vergleichbar kurzen Zeiträumen der menschlichen Geschichte. Dies bewusst und anschaubar zu machen, dafür ist der aus dem 19. Jahrhundert ererbte Generationenroman eine immer noch tragfähige Form.
In „Des Fremden Kind“ hatte Hollinghurst ihn 2011 schon einmal erprobt; damals begann er 1913 und endete 2008. Ein ganzes englisches Jahrhundert, das sich um eine preziöse Dichtung aus dem Ersten Weltkrieg und ihre Nachwirkungen drehte. Die „Sparsholt-Affäre“ ist hundert Seiten und dreißig Jahre kürzer.
Längst wird Hollinghurst von der Kritik als bester englischsprachiger Stilist unserer Epoche gefeiert, Vergleiche mit Henry James fallen so oft und selbstverständlich, dass deutsche Leser sich das rechte Staunen darüber vielleicht erst erwerben müssten: Wie wäre das, wenn ein lebender Schriftsteller immer wieder, ohne Widerspruch zu erregen, als neuer Fontane oder Thomas Mann beschrieben würde? Die Kontinuität der Kunst, ihre longue durée, würde, wenn die Urteile stimmen, die gesellschaftlichen Umbrüche, die Hollinghursts Romane zeigen, sieghaft überspielen. Und ja: So ist es wohl.
Diesmal hat der Autor ein neues Formexperiment gewagt, indem er einen erzählerischen Perspektiven- und Stilwechsel zwischen dem ersten und vier übrigen Teilen des Romans inszeniert. Das erste Kapitel, das von einer nur wenige Wochen dauernden hitzigen Bezauberung einer Oxforder Freundesgruppe durch einen jungen athletischen Kommilitonen handelt, ist eine Ich-Erzählung, preziös und anspielungsreich, als sei’s ein Stück von Evelyn Waugh. Der junge Bodybuilder, auf dem Sprung zur Royal Air Force – abgedunkelte Bombennächte grundieren das Geheimnis der Liebe, die ihren Namen nicht nennen darf – ist David Sparsholt, der Mann des Titels.
Der Liebestrouble um Sparsholt bringt nun nicht nur den Bericht eines zum Schriftsteller werdenden Kommilitonen hervor, sondern auch eine Akt-Zeichnung eines anderen, und beide Dokumente wandern fortan durch den Roman. Dessen titelgebende „Affäre“ allerdings besteht nicht in dem flüchtigen studentischen Schmerzglück von 1940, sondern in einem großen Skandal um 1966, in den der längst zum Familienvater und wohlhabenden Unternehmer gereifte Sparsholt verwickelt ist. Sie ist so spektakulär, dass jeder Träger dieses Namens sofort mit ihr in Verbindung gebracht wird.
Man darf an eine Variante des Profumo-Skandals denken, der 1962 einen Tory-Abgeordneten mit der Welt der Prostitution verbunden zeigte. Hollinghursts fiktive „Sparsholt-Affäre“ ist allerdings noch dramatischer, weil sie in der schwulen Welt spielt, einer damals noch strafrechtlich bewehrten Zone. Genaueres erfährt man nicht – es geht um einen Parlamentsabgeordneten, um Stricher, und neben Sparsholt ist dessen bester Freund verwickelt. Sparsholt musste für ein paar Jahre ins Gefängnis, mit allen dramatischen sozialen Folgen, darunter die Trennung von seiner Frau.
Diese Geschichte hängt wie ein Wolke des Unheils über dem Geschehen des Vordergrunds, das sich nicht im Starkstrommodus des dramatischen Skandals, sondern im Schwachstrom seelischer Subtilitäten abspielt. Die Spannung von Vordergrund und Hintergrund gehört zu den wichtigsten Kunstmitteln der mit feinster Balance konstruierten Erzählung.
Sie verläuft in Zeitsprüngen. Auf 1940 folgt 1965, dann kommt von den siebziger Jahren bis zur Zeit um 2010 jedes Jahrzehnt einmal dran. Der eigentliche Held des Romans ist Jonathan Sparsholt, der Sohn des 1940 angebeteten und 1966 ins Gefängnis geworfenen Air-Force-Helden. Dieser Jonathan nun ist offen schwul, er wird Maler, er kann sein Leben leben, weil Homosexualität in England am Ende der sechziger Jahre entkriminalisiert wird. So zart Hollinghurst die Kunst- und Bildungswelten seiner Figuren zeichnet, nie lässt er die brutale äußere Bedingung der Gesetzeslage außer Acht.
Die meisten der Figuren von 1940 leben weiter (nur der Zeichner des Akt-Bildes ist im Krieg gefallen), und wie es sich im Generationenpanorama gehört: „Durcheinander mischt sie alle das Dasein.“ Es fällt schwer, einen zweiten lebenden Autor zu nennen, der das langsame Altern, das mählich-unaufhaltsame seelische und körperliche Vorrücken in der Zeit, subtiler schildern könnte.
Seit jeher rühmt man vollkommen zurecht Hollinghursts Fähigkeit, homosexuelles Begehren in allen Abstufungen vorzuführen, die Welt ins Fluidum ungewohnt selbstverständlicher Homoerotik zu tauchen. Auch das neue Buch glänzt da und zeigt die langsame Verführung ebenso wie die spontane Geilheit, gelingenden und misslingenden Sex, das erste Erschrecken und melancholische Erfahrenheit. Aber die neue Eroberung in der „Sparsholt-Affäre“ sind doch die fünfzig Schattierungen psychophysischer Zeit. Schöner und reicher ist das Altwerden selten dargestellt worden.
Nie auch hat Hollinghurst Frauen besser porträtiert als hier, wo eine ganze Galerie von ihnen erscheint, von der Sekretärin im Krieg über selbstbewusste Lesben, mit denen Jonathan Kinder hat, bis zur gnadenlos tüchtigen Fernsehmoderatorin, die von Jonathan Sparsholt ein „Konversationsstück“, ein National-Portrait-Gallery-taugliches Familienbildnis verlangt. Heikle Porträtsitzungen gehören zu den lustigsten Szenen des Buches, das übrigens auch den ersten Besuch des jungen Jonathan auf einer Kunstauktion erschütternd komisch erzählt.
Eine kurze Geschichte der britischen Malerei flankiert die kurze Geschichte der englischen Literatur, die der Roman auch bietet – denn der erste Lover des schönen David in Oxford ist der Sohn eines damals berühmten Großromanciers, den die Studentengruppe zu einer Lesung einlädt. Das langsame Verblassen des Ruhms dieses Mannes quer durch den Roman ist ebenso komisch wie am Ende traurig, denn keineswegs errichtet die Literatur durchweg Monumente dauerhafter als Erz. Der Dichterruhm welkt parallel zu den schönen Körpern des Personals. Zu den Selbstreflexionen des Romans gehört auch die Wahrnehmung Jonathans in einer Ausstellung teurer riesenformatiger Malerei: "Das Zeitgenössische hatte ihn abgehängt."
Ebenso verblasst allerdings allmählich auch der Fluch des Sparsholt-Skandals, der das Leben von Jonathan jahrzehntelang bedrückte, immer nämlich, wenn er seinen Namen nennen musste. Am Ende müssen die Menschen auf ihren Telefonen googeln, um sich zu vergewissern, was da mal genau war. Solche technischen Veränderungen sind Zeitmarker, die Hollinghurst elegant nutzt. Als der verwitwete Jonathan sich wieder ins Nachtleben wagt, wird er mit dem konfrontiert, was inzwischen geschah: Junge Männer, die auf Datingapps unterwegs sind, Freunde haben, denen sie elektronisch beim Sex zuschauen, ohne sie je persönlich getroffen zu haben, die neben dem abgeschleppten Spatz auf dem Sofa immer noch mit zehn weiteren Tauben auf dem Dach chatten.
Bei aller Melancholie endet der Roman überhaupt nicht grämlich. Er zeigt in mehrfacher Variation die Liebe zwischen Männern unterschiedlicher Generationen „ er sei „gerontophil“, erklärt einer aus den Sparsholt-Kreisen selbstironisch. Wann hat es das zuletzt gegeben? In der Anakreontik? Im Schenkenbuch von Goethes „Divan“? Das Vergehen der Zeit, es erscheint auch in Beerdigungsszenen, für deren Traurigkeit, Peinlichkeit und offenbar kaum zu umschiffende Komik Hollinghurst inzwischen Spezialist geworden ist. Dass es wahre Elternliebe gibt – das mühsame Verhältnis von Jonathan zu seinem gefallenen Vater gehört zu den Rührungspunkten des Roman –, mag man in einem so schwulen Buch vielleicht nicht erwarten, aber es gehört natürlich zum Unterfutter eines Generationenbuchs.
Irgendwann wird, recht spät darin, eine Musikkassette eingelegt. Das seltsam langsame Auf- und Zugehen des Kassettenmauls begreift der Erzähler als Verwunderung dieses überholten Speichermediums darüber, dass es überhaupt noch vorhanden ist. Keine Einzelheit geht in diesem überreichen Buch verloren. Damit wir wissen, was wir erlebt haben, werden Romane geschrieben, sagte Milan Kundera vor einem Vierteljahrhundert. Die „Sparsholt-Affäre“ ist so ein Buch.
Bombennächte grundieren
eine Liebe, die
ihren Namen nicht nennen darf
Die Bildungswelten werden
zart erzählt, die äußere
Gesetzeslage aber ist brutal
Alan Hollinghurst:
Die Sparsholt-Affäre. Roman.
Aus dem Englischen von
Thomas Stegers.
Blessing Verlag,
München 2019.
542 Seiten, 24,00 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"ein epischer Bilderbogen über das Leben mehrerer Männer und ihre homoerotischen Sehnsüchte, über Strafe, Heimlichkeit und Freiheit." WDR 5
Besprechung von 15.05.2019
Klingt etwas nach Ironie der Verzweiflung

Alan Hollinghurst arbeitet in seinem Roman "Die Sparsholt-Affäre" den Umgang mit Homosexualität in England seit dem Zweiten Weltkrieg auf.

David Sparsholt ist ein Bild von einem Mann. Kein Wunder, dass er den Namen einer marmornen Michelangelo-Statue trägt. Ein makelloser Muskelmann. Breite Schultern. Blaue Adern, die sich auf den Oberarmen abzeichnen. Dazu auch noch mit einem "herrlichen" Kopf, "wie ein römischer Gladiator", heißt es in dem Roman des britischen Autors Alan Hollinghurst. Sparsholt ist noch keine achtzehn Jahre alt, ein Ruderer. In seinem Zimmer in einem College-Gebäude von Oxford trimmt er sich mit Gewichten und "vollführt etwas mit einem Seil". Gegenüber gaffen die Mitglieder eines Literaturklubs durch das Fenster ins erleuchtete Zimmer des schönen Athleten, sie beobachten ihn, bis der Laden zugeklappt wird. Was nicht lange dauert, zum Schauen bleibt nur die kurze Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und Verdunkelung, denn wir schreiben das Jahr 1940.

Man geht mit Taschenlampen umher in der Nachtschwärze der Universitätsstadt, sogar die Taschenlampen sind noch abgeklebt, so dass nur ein kleiner Streifen Licht übrig bleibt. Im Himmel darüber fliegen deutsche Flugzeuge mit ihren Bomben Richtung London weiter, doch nicht nur deshalb ist die Stimmung angespannt. Bei den Mitgliedern des Spanner-Klubs am Fenster ist eine allgemeine Begierde erwacht nach diesem anziehenden Athleten, ob nun bei Männlein oder Weiblein, eine Begierde, die von nun an durch diese Geschichte vibriert.

Und David? Der hat eine Verlobte. Er wartet auf seine Einberufung zur Royal Air Force, ist ein sachlicher Typ, studiert nicht Geisteswissenschaften, sondern etwas Technisches und will Ingenieur werden. Eine testosterongesättigte Hetero-Existenz also. Wäre da nicht seine Verbindung zu dem feinsinnigen Kunstfreund Evert Dax, der ihn dazu bringt, seine homosexuellen Neigungen zu entdecken. Und seinen Geschäftssinn auf diesem besonderen Feld - er erhält 20 Pfund, die er dringend braucht. Beides wird ihm nicht unbedingt guttun.

Wie es nun weitergeht mit dem schönen David? Das herauszufinden wird mühsam nach der Lektüre des ersten, virtuosen, 117 Seiten langen Teils des Romans. Gleich zu Beginn scheint das Buch sein fesselndes Thema gefunden zu haben. Und doch scheint der Autor, 2004 für seinen Roman "Die Schönheitslinie" mit dem Man Booker Preis ausgezeichnet, auf den folgenden gut 400 Seiten danach zu suchen. In vier weiteren Blöcken schreitet er durch die Jahrzehnte bis ins Jahr 2012, und dabei ändert sich alles. Die Erzählperspektive - der erste Teil ist in der Ich-Form geschrieben. Die Hauptfigur - alles dreht sich jetzt um Sparsholts Sohn Johnny, einen seit seiner Initiation durch einen haltlosen französischen Austauschschüler offen schwul lebenden Mann, der sich in der Londoner Kulturszene etabliert. Die Mitglieder des Literatur-Klubs tauchen zwar bis auf einen Maler, der im Krieg gefallen ist, später wieder auf.

Und auch dieser lebt fort durch eine Zeichnung, die er von David gemacht hat - sein nackter Körper, allerdings ohne Kopf und "das Geschlecht durch einen verschmierten Fleck angedeutet". Doch ausgerechnet einer kommt über lange Zeit nur noch indirekt vor: David. Auch die nach ihm benannte "Sparsholt-Affäre" wird nicht beschrieben. Man muss sich die Einzelheiten zusammenklauben aus vielerlei Episoden. Offenbar geschah der Skandal in den sechziger Jahren, hat nicht nur mit homosexuellen Handlungen zu tun, die damals in England noch ungesetzlich waren, sondern mit männlichen Prostituierten und Betrug. Beteiligt sind neben David Sparsholt, der sogar hinter Gitter musste, ein Geschäftsfreund und ein Parlaments-Abgeordneter. Johnnys Eltern lassen sich scheiden, der Sohn, und damit auch der Leser, hält nur noch sparsamen Kontakt mit dem Vater. Nur noch einmal taucht der vom Sockel gefallene Kriegsheld leibhaftig auf, schon mehr als siebzig Jahre alt, immer noch stählern und gutaussehend.

Mit dem Witz und oft auch dem sauberen Timing des englischen Konversationstons ("Die Bilder schienen den Anwesenden im Raum eine gewisse Qualität zu verleihen . . .") erzählt Hollinghurst hauptsächlich von anderen Dingen. Von weiteren Objekten der Begierde, vom zwanghaften Blick auf Schritt und Hinterteil potentieller Gespielen, von den unterschwelligen Bieterdramen auf einer Kunst-Auktion - und einer Trauergesellschaft aus alten Freunden, die in der Wohnung der Verstorbenen zu ihrer Überraschung Wertgegenstände entdecken, die schon vor langer Zeit rätselhafterweise aus ihren Häusern verschwunden sind. Frauen treten auf. Wenn sie hetero sind, gleichen sie fast schon Karikaturen, erwähnt sei nur der überdimensionale Busen von Johnnys Mutter Connie.

Johnnys Erlebnisse lassen sich auch lesen wie ein historischer Abriss der Londoner Schwulen-Gesellschaft - allerdings unter Auslassung der schmerzhaften achtziger Jahre. Johnny heiratet einen Mann, wird Vater einer Tochter, die ein lesbisches Paar zu Müttern hat. Und man erlebt, wie der ganze Kreis altert. Tröstlicherweise gibt es bei Hollinghurst genug junge Schwule, die auf alte Männer stehen. Die Art, wie der in die Jahre gekommene Evert Dax im Roman von seinem "gerontophilen" Geliebten gesehen wird, erzählt aber dann doch von Wunschdenken: Den "sexy Speck" um die Mitte und die "liebenswerten Altersfalten" unter den Armen. Klingt ein bisschen nach der Ironie der Verzweiflung, gegen die nur noch Alkohol hilft. Getrunken jedenfalls werden große Mengen in dieser Gesellschaft.

Bestens unterhalten, erreicht der Leser schließlich das Ende des Romans. Und würde doch Hunderte von gelesenen Seiten dafür hergeben, mehr zu erfahren über den verschlossenen David und das Verhältnis zwischen Vater und Sohn.

EVI SIMEONI

Alan Hollinghurst: "Die Sparsholt-Affäre". Roman.

Aus dem Englischen von

Thomas Stegers. Blessing Verlag, München 2019.

544 S., geb., 24,- [Euro].

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