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Raw, captivating, and undeniably real, Nic Stone boldly tackles American race relations in this stunning debut.

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Produktbeschreibung
Raw, captivating, and undeniably real, Nic Stone boldly tackles American race relations in this stunning debut.
  • Produktdetails
  • Verlag: Simon & Schuster Ltd
  • Seitenzahl: 224
  • Altersempfehlung: 14 bis 99 Jahre
  • Erscheinungstermin: 3. Mai 2018
  • Englisch
  • Abmessung: 198mm x 131mm x 20mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9781471175565
  • ISBN-10: 1471175561
  • Artikelnr.: 51008810
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.09.2018

Sein Name ist Justyce
Zwischen Leben und Tod: Die Erfahrungen eines afroamerikanischen
Schülers, der die brutale Realität des Alltags erlebt
VON KIM MAURUS
Wer an Waffen und die USA denkt, der denkt vermutlich an die Amokläufe an amerikanischen Highschools in den vergangenen Monaten, an Donald Trump und an die Waffenlobby NRA. Vielleicht aber auch an Menschen wie Jordan Davis, Michael Brown oder Jordan Edwards, die mit vielen anderen Opfern eines gemeinsam haben: Sie waren schwarz, minderjährig, unbewaffnet und sie wurden in unserem Jahrhundert von einem weißen Polizisten auf offener Straße erschossen.
Einen Roman über die US-amerikanische Polizeigewalt und Racial Profiling zu schreiben ist wichtig. Und Nic Stone, eine junge afro-amerikanische Schriftstellerin aus Atlanta, tut es mit einem so verqueren Geschick, dass man danach mehr zu diesem so fundamentalen wie fundamental schrecklichen Thema lesen möchte.
Der Protagonist heißt Justyce, dessen Name „wie Justice, Gerechtigkeit“ ausgesprochen wird, wie er selbst erklärt. Er ist schwarz, er gehört zu den Besten seiner Schulklasse und er hat eine Zusage für die Elite-Universität Yale. Das alles interessiert den weißen Polizisten herzlich wenig, der ihm mitten in der Nacht Handschellen anlegt, weil Justyce seine betrunkene Freundin in deren Auto bugsiert. Weil es für den Polizisten so aussah, als klaue er das Auto. Oder weil der Polizist das so sehen wollte. So wirft das Buch einen in die Lebensrealität eines 17-Jährigen, für den nach diesem Zwischenfall eine Welt zusammenbricht und eine neue entsteht, voller verständnisloser Macht und Ungerechtigkeit, die ja schon allein mit Justyces Namen nicht vereinbar ist. Und die ihn dazu bringt, in regelmäßigen Abständen Briefe an Martin Luther King Jr. zu schreiben und seine Irritation darin kundzutun.
Vieles an dem Buch ist zunächst verwirrend. Die Briefe in anderer Schriftart scheinen nur dazu zu dienen, die Geschichte irgendwie weiterzuspinnen. Die Diskussionen, die Justyce im Schulunterricht mit seinen Klassenkameraden führt, fließen lediglich als Transkript ein; mit Ausdrücken, die nur schwer an Highschool-Kids erinnern, was vermutlich der Übersetzung ins Deutsche geschuldet ist. Genauso sind immer mal wieder schräg formulierte Artikel der örtlichen Berichterstattung zwischen den Kapiteln eingefügt. All das wirkt ein wenig gezwungen und abstrakt, bis man begreift: Die Hautfarbe zum Gegenstand von Klassenraumdiskussionen zu machen, dazu muss man sich zwingen, das ist für viele abstrakt. Und überlange, detaillierte Briefe an einen bedeutenden verstorbenen Bürgerrechtler geben einem da vielleicht Halt und vor allem Glauben an die eigene Würde.
Deswegen gelingt Nic Stone ihr Romandebüt, weil sie nicht politisch schreibt oder der Verbitterung über die soziale Realität Raum gibt, sondern den Alltag eines afro-amerikanischen Jugendlichen ablichtet und nüchtern demonstriert, dass die Hautfarbe auch im Jahr 2018 noch zwischen Leben und Tod entscheidet. Und spätestens dann, wenn es zu jenem tragischen Vorfall kommt, der Justyce den Boden unter den Füßen wegzieht, der eindeutige Parallelen zu den echten Vorfällen in den USA hat, ist das keine Fiktion mehr oder einfach nur spannende Dramaturgie. Dann ist das blanke und schonungslose Realität, Folge der aktuellen Politik. (ab 13 Jahre)
Nic Stone: Dear Martin. Aus dem Englischen von Karsten Singelmann. Rowohlt Rotfuchs, Reinbek 2018. 256 Seiten, 17,99 Euro.
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