The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage - Padua, Sydney
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Sydney Padua is an animator and visual effects artist, usually employed in making giant monsters appear to be attacking people for the movies. She started drawing comics by accident with the webcomic 2D Goggles or The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage and is still trying to figure out how to stop. Originally from the Canadian prairie, she now lives in London with her husband and far too many books.…mehr

Produktbeschreibung
Sydney Padua is an animator and visual effects artist, usually employed in making giant monsters appear to be attacking people for the movies. She started drawing comics by accident with the webcomic 2D Goggles or The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage and is still trying to figure out how to stop. Originally from the Canadian prairie, she now lives in London with her husband and far too many books.
  • Produktdetails
  • Verlag: Penguin Uk
  • Seitenzahl: 315
  • Erscheinungstermin: 25. August 2016
  • Englisch
  • Abmessung: 231mm x 169mm x 27mm
  • Gewicht: 540g
  • ISBN-13: 9780141981536
  • ISBN-10: 0141981539
  • Artikelnr.: 44700119
Autorenporträt
Sydney Padua is an animator and visual effects artist, usually employed in making giant monsters appear to be attacking people for the movies. She started drawing comics by accident with the webcomic 2D Goggles or The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage and is still trying to figure out how to stop. Originally from the Canadian prairie, she now lives in London with her husband and far too many books.
Rezensionen
Besprechung von 18.08.2015
Gloria, viktorianisches Zeitalter!

Sydney Padua ist ein Meisterstück geglückt: Ihr Comic über Ada Lovelace und Charles Babbage, zwei Informatikpioniere des neunzehnten Jahrhunderts, ist klüger als ganze Buchreihen.

Doch, es ist ein Comic. Dagegen mag sich die Verfasserin, Sydney Padua, noch so sehr sträuben. "Ich hatte nicht die Absicht, einen Lovelace-und-Babbage-Comic zu zeichnen", schreibt sie. "Einmal, weil ich keine Comiczeichnerin bin. Und dann wusste ich nichts über viktorianische Geschichte, Naturwissenschaft oder Mathematik." Alles egal: Sydney Padua hat einen Comic gezeichnet, der zum Besten gehört, was dieses Metier zu bieten hat. Zum Lehrreichsten auch, und das nicht nur betreffs viktorianischer Geschichte, Naturwissenschaft und Mathematik. Und zum Lustigsten sowieso. Das fängt schon mit dem Vorwort an, aus dem die eben zitierten Sätze stammen.

"Lord Byron", so erläutert Sydney Padua darin (Byron, sehr gebildet!), "hat über die Publikation seines ,Childe Harold's Pilgrimage' gesagt, er sei am nächsten Tage aufgewacht und berühmt gewesen." Und das sei auch ihr passiert, als sie im Frühling 2009 eine kleine Bildergeschichte über Ada Lovelace ins Internet gestellt hat. Dazu muss man wissen, dass Sydney Padua zwar keine Comic-, aber eine Trickfilmzeichnerin ist, also ein Profi. Die gebürtige Kanadierin lebt in London und hat an Brad Birds legendärem Animationsfilm "Der Gigant aus dem All" (1999) ebenso mitgearbeitet wie an Andrew Stantons eher berüchtigtem Effektfilm "John Carter" (2012). Für Lovelace interessierte sie sich, weil eine Freundin das Ada Lovelace Festival leitet, bei dem neueste Errungenschaften von Frauen in der Informationstechnologie präsentiert werden.

Wer war Ada Lovelace? Sydney Padua wusste es auch nicht und sah in Wikipedia nach. Die 1815 geborene und 1852 gestorbene Dame war die Tochter von Lord Byron. Aber nicht das hat sie berühmt gemacht, sondern ihre Zusammenarbeit als Mathematikerin mit Charles Babbage (1791 bis 1871), der auch Mathematiker war, aber vor allem Konstrukteur einer Rechenmaschine, die als Vorläufer aller heutigen Computer gilt, der nie gebauten "Analytical Engine". Von ihr aber existiert eine theoretische Beschreibung, die maßgeblich von Ada Lovelace verfasst wurde. Man könnte auch sagen: Sie war die erste Programmiererin der Welt. Deshalb wird sich vom 2. September an eine Ausstellung im Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum dem Schaffen Ada Lovelaces widmen.

Ein tolles Leben war das, zumal im Zusammenspiel mit Babbage. Beide waren Exzentriker, intellektuell brillant, leicht reizbar, gesellschaftsunfähig. Sydney Padua zeichnete darüber eine Geschichte in gerade mal fünfzehn Bildern und stellte sie ins Netz: "Ada Lovelace - The Origin", heute noch dort zu finden (http://sydneypadua.com/2009/03/31/the-lovelace-adventures-pt-2/). Was dann geschah, beschreibt sie so: "Ich wachte am nächsten Tag auf und war einigermaßen klickwürdig im Internet geworden, was irritierend genug war. Alarmierend aber war, dass ich als jemand betrachtet wurde, der vorhatte, einen Webcomic über irgendwelche Abenteuer von Ada Lovelace und Charles Babbage zu zeichnen. Fast alle hatten übersehen, dass mein Paralleluniversum-Schluss ein Witz sein sollte."

Das Missverständnis hätte vermieden werden können, wenn Padua ihre nur als Einzelepisode geplante Geschichte nicht als "The Lovelace Adventures" angekündigt hätte - und wenn Comicfans nicht daran gewöhnt wären, dass in ihrer Erzählform alles möglich ist. Padua ist nicht die Einzige, die eigentlich eine Parodie auf Comic-Klischees bieten wollte und dann durch deren Erfolg gezwungen wurde, selbst Comiczeichnerin zu werden; das bekannteste deutsche Beispiel ist Manfred Schmidt, der Zeichner von "Nick Knatterton". Im Gegensatz zu Schmidt, der sich mit dem Erfolg in einer von ihm als minderwertig angesehenen Kunstform nie abfinden konnte und lieber erfolgreicher Animator geworden wäre, ist die erfolgreiche Animatorin Padua stolz auf ihren Comic. Denn die ungeplanten Abenteuer von Ada Lovelace und Charles Babbage gibt es mittlerweile: Vor kurzem erschien bei Pantheon in New York der mehr als dreihundertseitige Band "The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage". Untertitel: "The (Mostly) True Story of the First Computer". Und auf der Rückseite warnt irgendein Wissenschaftler: "Lassen Sie sich nicht vom Wort ,Comic' täuschen." Recht hat er, aber Comicfreunden und generell Liebhabern exzellenter Lektüre sei gesagt: Lassen Sie sich nicht durch solche Warnungen täuschen. Sie bekommen etwas, was nur als Comic so gut sein kann.

Pantheon ist ohnehin der verlegerische Ritterschlag für jeden Comiczeichner. Dort sind Art Spiegelmans "Maus", Ben Katchors "Jew of New York", Chris Wares "Jimmy Corrigan" und seine "Building Stories", Daniel Mazzucchellis "Asterios Polyp" und Richard McGuires "Here" erschienen - also die wichtigsten amerikanischen Comics der letzten dreißig Jahre. Marjane Satrapis Bücher wurden für dieses Haus ebenso ins Englische übersetzt wie "Die Katze des Rabbiners" von Joann Sfar. Eine Debütantin wie Sydney Padua aber kam dort noch nie zum Zuge.

Ihr Buch ist allerdings so ausgereift, wie man es sich nur erträumen kann. Stilistisch orientieren sich die Bilder an Will Eisner, dem ersten Zeichner, der den Begriff "Graphic Novel" gebrauchte. In den siebziger Jahren verlegte sich der frühere Krimicomic-Künstler auf autobiographische Stoffe, für die er das Comicformat neu erfand: Er zeichnete in der Größe von normalen Romanen (also kleinere Formate), hielt sich aber an keine festgelegten Seitenzahlen mehr, gab das feste Panelraster der Comicseiten zugunsten oft freigestellter Bilder und ungewöhnlicher Bild-Text-Kombinationen auf und ließ in Schwarzweiß drucken, damit die größeren Umfänge überhaupt finanzierbar waren. Dazu entwickelte er einen kontrastreichen Stil mit cartoonartigen Figuren, aber detailreichen, teilweise akribisch naturalistischen Hintergründen. Genauso zeichnet nun auch Sydney Padua.

Aber sie treibt Eisners Comicrevolution noch weiter. "Lovelace und Babbage" enthält umfangreiche reine Textpassagen; schon die für die Buchpublikation völlig neu gezeichnete und erweiterte erste Episode bietet auf jeder Seite kleingedruckte Fußnoten, die bisweilen mehr Platz einnehmen als die Bilder. Ein extrem textlastiger Anhang mit historischen Zeugnissen über die Protagonisten und Erläuterungen zur Funktionsweise der "Analytical Engine" macht allein fünfzig Seiten aus, und immer wieder ist auch der eigentliche Comic durchsetzt von Kommentaren, Anmerkungen und Zusammenfassungen, die so genau recherchiert sind, dass daraus nicht weniger entsteht als eine Biographie von Ada Lovelace und zumindest ein intellektuelles Porträt von Charles Babbage. Ihre wechselseitige Verachtung für die schönen Künste zugunsten der eindeutigen Wissenschaft der Mathematik wird im Falle Lovelaces auf ihre Kindheit als Byron-Tochter zurückgeführt, in der die Mutter und sie den ständig reisenden Dichtergatten und -vater nie zu Gesicht bekamen, und im Falle von Babbage auf dessen Misanthropie.

Das Ganze ist zudem noch ein irrer Spaß. So postuliert Padua zum Beispiel ein Treffen von Lovelace mit dem englischen Dichter Samuel Taylor Coleridge zum Zeitpunkt, als der gerade an seinem bekanntesten Gedicht, "Kubla Khan" arbeitete. Grundlage ist eine Notiz Coleridges über eine rätselhafte Person aus dem Dorf Porlock, deren unangekündigter Besuch ihn bei der gerade ersonnenen ersten Fassung des Gedichts unterbrach und diese bis auf Bruchstücke vergessen ließ. Warum hätte "the person from Porlock" Lovelace sein sollen? "Weil sie dazu erzogen worden war, Poesie zu zerstören, und weil sie buchstäblich eine Person aus Porlock war - das Dorf liegt ganz nahe am Landgut der Lovelaces." Doch dann fährt Padua fort: "Einige mögen einwenden, dass sie erst achtzehn Jahre nach der Abfassung des Gedichts geboren worden ist, aber diese Unstimmigkeit kann leicht durch Unregelmäßigkeiten in den zeitartigen Kreisbahnen des Paralleluniversums erklärt werden." Da sind sie wieder: die Comic-Klischees, diesmal die der Superheldenwelten. Doch dank diesem Scherz haben wir einiges über britische Literaturgeschichte gelernt.

Und noch mehr lernt man bei Padua über Mathematik und Informatik, denn Babbage hatte sich für seine "Analytical Engine" der 1847 formulierten Booleschen Algebra mit ihren formalisierten Verknüpfungen und der von Leibniz verfeinerten binären Zahlen bedient. Booles Besuch im Hause Babbage, wie Padua ihn imaginiert, ist ein Höhepunkt grotesker Komik, aber zugleich auch eine Schule logischen Denkens. Während die nicht minder grandios dargestellte Visite von Königin Victoria mehr über deren Persönlichkeit erzählt als stapelweise Geschichtsbücher - alles natürlich ergänzt durch Paduas lustvoll ausufernde Fuß- und Endnoten, für deren Tonfall ein Beispiel genügen möge (wieder zu Byron, immer noch sehr gebildet): "Sie müssen sich Elvis kombiniert mit dem modischen politischen Radikalismus Che Guevaras und der mit hässlichen sexuellen Gerüchten legierten intellektuellen Statur Roman Polanskis vorstellen, um dem zeitgenössischen Ruhm von Lord Byron nahezukommen." Mit solch anschaulichen Mischungen arbeitet die Zeichnerin auch selbst bei der Konstruktion der beiden Hauptfiguren: Ihre Ada Lovelace etwa vereint den Emanzipationsgestus von Madonna mit der Kampfkraft von Emma Peel und dem grimmigen Humor von Gertrude Stein.

Nach langer Erläuterung hier noch einmal kurz: Sydney Paduas gezeichnetes Sach-, Lach- und Lehrbuch ist fabelhaft. Nur wird man kaum auf eine deutsche Übersetzung hoffen dürfen, denn wer kennte hier schon diese beiden Helden? Aber wenn man sie kennenlernen will, dann bitte so.

ANDREAS PLATTHAUS

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