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Eheleute, die nach der Trennung den Ring nicht vom Finger bekommen; andere, die ihn weiter tragen, weil er ihnen einfach zu gut steht; eine Frau, der, nichts ahnend, während ihr Mann im Keller werkelt, die Scheidungspapiere zugestellt werden; Väter, die die Biege machen; ein Paar, das die Reise in die Karibik auch nach der Trennung durchzieht. "Das Ende der Liebe war ein großer Zombiefilm."
Lorrie Moores Figuren stehen an einem Scheideweg. Das Leben ist sie hart angegangen, aber in ihrem ganz alltäglichen Mut stemmen sie sich Fehlschlägen und Enttäuschungen entgegen. "Alle Männer sind
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Produktbeschreibung
Eheleute, die nach der Trennung den Ring nicht vom Finger bekommen; andere, die ihn weiter tragen, weil er ihnen einfach zu gut steht; eine Frau, der, nichts ahnend, während ihr Mann im Keller werkelt, die Scheidungspapiere zugestellt werden; Väter, die die Biege machen; ein Paar, das die Reise in die Karibik auch nach der Trennung durchzieht. "Das Ende der Liebe war ein großer Zombiefilm."

Lorrie Moores Figuren stehen an einem Scheideweg. Das Leben ist sie hart angegangen, aber in ihrem ganz alltäglichen Mut stemmen sie sich Fehlschlägen und Enttäuschungen entgegen. "Alle Männer sind Aliens!", ruft eine ihrer strauchelnden Heldinnen empört und verwundert zugleich. Und doch beginnen sie immer wieder, sich auf das Wagnis Liebe einzulassen. Scharfsinnig, lakonisch, traurig und doch tröstlich, Lorrie Moore ist ihren Figuren ganz nah. Sie nimmt das Außergewöhnliche ihrer gewöhnlichen Existenz in den Blick, behütet und bewahrt ihre Würde. "Danke, dass ich kommen durfte" ist ein leuchtendes, strahlendes Buch, beißend in seinem Humor, mitreißend in seiner emotionalen Kraft.
  • Produktdetails
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Seitenzahl: 206
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 208 S. 210 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 136mm x 27mm
  • Gewicht: 360g
  • ISBN-13: 9783827011978
  • ISBN-10: 3827011973
  • Best.Nr.: 41857494
Autorenporträt
Lorrie Moore, geb. 1957 in Glens Falls, New York, lebt in Madison und lehrt Anglistik an der University of Wisconsin. Moore gehört zu den renommiertesten Autorinnen zeitgenössischer amerikanischer Literatur.
Rezensionen
Besprechung von 02.07.2015
Sätze zum Aufschub des Weltuntergangs

Lorrie Moore ist eine Meisterin der kurzen Erzählung - oft rasend komisch. Ihr neuer Band dreht sich um verlorene Lieben und aussichtslose Neuanfänge.

Die Amerikaner sind gut dran. Jedenfalls, was ihr Verhältnis zur Kurzgeschichte angeht. Sie halten sie, völlig zu Recht, für eine dem Roman ebenbürtige Form, und Schriftsteller, die vor allem Kurzgeschichten schreiben wie Lorrie Moore, werden mit diesen berühmt und für sie verehrt. Und übersetzt werden sie auch, sogar ins Deutsche, obwohl bei uns die Kurzgeschichte bei weitem nicht den Respekt bekommt, den sie verdient.

Lorrie Moore hat zwar auch zwei Romane geschrieben, ihre natürliche Form des Erzählens aber ist die Kurzgeschichte geblieben. Sie selbst glaubt, Geschichten seien gegenüber dem Roman "reiner", es werde weniger in ihnen gelogen, und die Kürze garantiere, wenn es gutgeht, die Größe dessen, was mit einer Short Story erreicht werden könne. Wahrheit natürlich, darum geht es ja immer. Sie braucht nur einen kleinen Raum für sie. Die Kurzgeschichte, hat Lorrie Moore in einem großen Interview mit der Zeitschrift "The Believer" vor ein paar Jahren gesagt, hat nichts zu verlieren.

Dass kann sie, die Meisterin dieser Form, gut sagen. Aber ihre Geschichten lesen sich auch so. Mit vollem Risiko geschrieben und dann sicher über die Strecke gebracht. Auch die acht kurzen Storys, die in ihrem jüngsten Erzählband versammelt sind - nur zwei sind länger als vierzig Seiten, die anderen manchmal deutlich unter zwanzig - kommen mit einer Schnodderigkeit im Ton daher, die einen denken lässt: Eine Welt, in der einer Schriftstellerin derart komische Sätze zur Beschreibung der Enttäuschungen einfallen, die das Leben für ihre Figuren parat hat, kann nicht völlig dem Untergang geweiht sein. "Was war aus dem heißen Hippie geworden, den sie geheiratet hatte? Jetzt war er kratzbürstig und distanziert und leergewütet. In seinen blaugrünen Augen herrschte das Nichts. So groß sie auch funkelten, sie waren falsch - wie Schmuck aus dem Kaugummiautomaten." So denkt Kit (in der Geschichte "Nicht realisierte Verluste") über ihren Ehemann nach, der sie zur Scheidung vorladen lässt, ohne seine Absichten vorher kundgetan zu haben, was Kit aber nicht davon abhält, den letzten Familienurlaub noch gemeinsam anzutreten. Dabei geht ihr Koffer verloren.

Lorrie Moores Kurzgeschichten sind Reaktionen auf die kleinen Störungen im Betrieb des Lebens. Klein, weil sie meistens nicht der Tod sind, sondern fast immer in der Liebe geschehen, und da gibt es bis zum Ende die Hoffnung, irgendwann gehe es vielleicht mit einem anderen Menschen anders aus. Diese Hoffnung haben auch Ira und Zora und Kit und Rafe und KC und all die anderen Leute in diesem Band. Diese Figuren entstehen (wie in den anderen Büchern dieser Autorin) daraus, wie sie sprechen, mehr noch als daraus, worüber sie sich unterhalten. Ihr Ton, ihre Wortwahl machen klar, woher sie kommen. Sie sind weiß, die meisten mittelalt, die meisten aus der Mittelklasse, die meisten Akademiker. Sie verbindet über die Geschichten hinweg die Einsamkeit in ihren Liebesbeziehungen, falls sie noch in einer Liebesbeziehung leben, oder die etwas andersgeartete Einsamkeit, die der Trennung folgt.

Wirklich groß werden im Leben der Figuren aber auch jene Störungen im Betrieb nicht, die das Zeug dazu hätten - der Krieg im Irak zum Beispiel, der im Hintergrund der ersten Geschichte beginnt. Ira ist seit kurzem geschieden, aber sein Ehering steckt auf seinem Finger fest. Seine Tochter wächst halb bei ihm auf. Freunde verkuppeln ihn bei einem Sederessen mit Zora, ihrerseits alleinerziehend und beängstigend offen in ihren halbwüchsigen Sohn verknallt. Das Fernsehen zeigt die ersten Bilder des Bombardements von Bagdad. Und Ira denkt Sätze wie diesen: "Wo die Zuneigung eine Bruchlandung machte, konnte die Höflichkeit nachrücken."

Das ist auch im Deutschen ein schöner Satz in dieser etwas zu angestrengten Story, die im amerikanischen Original "Debarking" (aussteigen, verlassen, wie in: jemand verlässt das Schiff) heißt, was zum Originaltitel des ganzen Buchs, "Bark" (Bellen), einen spielerisch lautähnlichen, nicht sinnhaften Zusammenhang herstellt. Ein Wortspiel, das in keiner anderen Sprache wiederholbar ist. Frank Heibert aber, einer der besten Übersetzer für zeitgenössisches Amerikanisch und für dieses ganz spezielle intellektuell gefärbte Umgangssprachliche, in dem Lorrie Moore schreibt, nennt diese Geschichte "Verbellt". Dabei heißt das Buch im Deutschen wie die letzte Geschichte der Sammlung "Danke, dass ich kommen durfte". Heibert versucht hier, etwas aus dem Original zu retten, das durch den deutschen Titel sowieso schon verloren ist.

Es gibt immer wieder Stellen in dieser Übersetzung, an denen der Wille unübersehbar ist, im Deutschen etwas nachzudichten, das es eigentlich nicht hergibt. Lorrie Moores Sprache ist vertrackt, und Frank Heibert will uns zeigen, dass das Deutsche da mithalten kann. Nicht immer ist das zum Besten dieser Erzählungen. Gibt es wirklich das Wort "unterfickt" (für: "underfucked", was Lorrie Moore gar nicht benutzt, sie schreibt: "undernookied", da sollte man dann schon genau sein) im Deutschen? Und "I will read your palm", auch wenn es anzüglich gemeint ist, als "ich bring dich auf die Palme" zu übersetzen, ist gewagt. Was sich mitunter overwritten liest, könnte overtranslated sein.

Wie es sich gehört, ist die allertraurigste Geschichte die letzte, und wie es sein muss in einem Band über die Liebe, spielt sie auf einer Hochzeit. "Danke, dass ich kommen durfte" steht auf dem T-Shirt des DJs, der auch der erste Mann der Braut ist. Ist das nicht zum Schießen?

VERENA LUEKEN

Lorrie Moore: "Danke, dass ich kommen durfte". Storys.

Aus dem amerikanischen Englisch von Frank Heibert. Berlin Verlag, Berlin 2015. 206 S., geb., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Wenn die Liebe schwindet, bleibt viel zu erzählen: Lorrie Moore gelingt es auf lakonische und zugleich poetische Weise, die Schwierigkeiten einzufangen, die das voneinander Loslassen mit sich bringt.«, Neues Deutschland, Irmtraut Gutschke, 28.01.2016