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Ariane ist Abiturientin, intelligent, voller moderner Ideen, auch zur Emanzipation und zur Liebe. Da ihr die Männer zu Füßen liegen, gibt sie sich besonders cool. Und will mit ihnen so spielen, wie Männer es mit Frauen tun. Als sie dem älteren Konstantin begegnet, achten beide darauf, sich bloß nicht ineinander zu verlieben. Doch es kommt anders.Eine Liebesgeschichte, die bei ihrem Erscheinen 1920 Wellen schlug. So lesen gleich zwei von Vladimir Nabokovs weiblichen Figuren in Der Späher diesen Roman Anets.»Konstantin musste immerzu an Arianes Lüge denken. Blitzschnell hatte sie erfasst, dass…mehr

Produktbeschreibung
Ariane ist Abiturientin, intelligent, voller moderner Ideen, auch zur Emanzipation und zur Liebe. Da ihr die Männer zu Füßen liegen, gibt sie sich besonders cool. Und will mit ihnen so spielen, wie Männer es mit Frauen tun. Als sie dem älteren Konstantin begegnet, achten beide darauf, sich bloß nicht ineinander zu verlieben. Doch es kommt anders.Eine Liebesgeschichte, die bei ihrem Erscheinen 1920 Wellen schlug. So lesen gleich zwei von Vladimir Nabokovs weiblichen Figuren in Der Späher diesen Roman Anets.»Konstantin musste immerzu an Arianes Lüge denken. Blitzschnell hatte sie erfasst, dass es jetzt nicht anders ging, und hatte sich sogleich in schwindelnde Höhen aufgeschwungen. Wenn er sie da oben schweben sah, empfand er die Angst, die einen befällt, wenn man mit den Blicken einem Akrobaten folgt, der in der Kuppel des Zirkuszelts ein Kunststück vollbringt, bei dem er ums Leben kommen könnte.«
Autorenporträt
CLAUDE ANET, eigentlich Jean Schopfer, geboren 1868 in Morges (Schweiz). Er studierte an der Sorbonne und an der École du Louvre und arbeitete als Reporter u. a. für Le Temps und Le Petit Parisien. 1892 wurde er französischer Tennismeister. Als Korrespondent des Journal wurde er 1917 Augenzeuge der Russischen Revolution in Sankt Petersburg. Neben Reiseliteratur und Theaterstücken veröffentlichte Anet mehrere Romane, darunter Ariane, jeune fille russe (1920), der für den Prix Goncourt nominiert und u. a. von Billy Wilder mit Audrey Hepburn verfilmt wurde. Claude Anet starb 1931 in Paris.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.07.2021

Liebeszweikampf in drei Etappen

Ein Klassiker, frisch wie eh und je: Zur Neuübersetzung von Claude Anets Roman "Ariane - Liebe am Nachmittag"

Wieder einer dieser unverändert frischen Romane aus dem Zwischenkriegs-Frankreich, die fast tänzelnd daherkommen. Auch ihm gelingt das Kunststück, psychologische Dichte aus minimalistischer Handlung und Beschreibung zu extrahieren: So gesehen ist es funktionale Literatur - aber im Sinne des Bauhauses, also der Eleganz. Worum geht es? Um eine außergewöhnliche junge Frau, Ariane, laut Originaltitel Russin, und um ihre große Liebe in Gestalt des mondänen Konstantin Michail. Was banal klingt, verbirgt eine spannende Versuchsanordnung.

Nach einer Kindheit in westeuropäischen Metropolen kommt Ariane Nikolajewna als vierzehnjährige Halbwaise in die russische Provinz, zu ihrer Tante Warwara Petrowna. Die pensionierte Ärztin in ihren Vierzigern gestaltet das eigene Leben nach Gutdünken: "Sie war stets die Frau eines einzigen Mannes; nur wechselte sie den oft." Ihrer Nichte bläut sie ein, "das Romantische" sei die "Wurzel allen Übels". Ariane lernt der Leser im Moment ihres Schulabschlusses kennen, Verehrer jeden Alters und Standes liegen dem Charme und boshaften Witz der Siebzehnjährigen zu Füßen. Ihr bornierter Vater hat für sie nur die Ehe in petto, Ariane jedoch will in Moskau studieren.

Deshalb geht sie einen Pakt mit dem Teufel ein, in Gestalt des hinkenden Ingenieurs Michail Iwanowitsch Bogdanow: Er finanziert das Studium, als Gegenleistung muss sie in den Ferien Zeit mit ihm verbringen - das Schlimmste steht zu befürchten. Diese Hypothek trägt die junge Frau, die Moskau erobern will. Konkret kapert sie dort Konstantin Michail, der geschäftlich in der Stadt weilt, einen wohlhabenden, attraktiven Mann. Die beiden gehen einen weiteren Pakt ein: eine zeitlich begrenzte Affäre ohne Liebe.

Konstantin ist von vornherein verzaubert: "Bei Ariane kannte er keine Langeweile. Man kam gar nicht auf solche Gedanken, so anregend, witzig, fröhlich, ernsthaft, aufmüpfig, wunderlich, schwierig, verletzlich war sie und in ihrer Selbstverliebtheit eingeschlossen wie in einer uneinnehmbaren Festung." Intensiven Sinnesgenüssen zum Trotz ist es eine intellektuelle Liebe, "ein Fieber der Gedanken und Gefühle", das seine Temperatur aus spritzigen Unterhaltungen bezieht. Ariane ist eine begabte Erzählerin, sie schmückt Kindheitserinnerungen aus oder errichtet "Denkgebäude von reinstem Materialismus": "So wandelte sie wie trunken durch die Welt der Gedanken." Stets droht die Gefahr, sich zu verlieben, die näher besehen ihr Gegenteil ist. Ariane und Konstantin sind füreinander gemacht, bringen es in ihrem Stolz aber nicht über sich, die blasierte Attitüde aufzugeben: "Jedes Treffen war also ein Kampf zwischen männlicher Hitzigkeit und weiblicher Kühle." Konstantin bekommt Ariane nicht zu fassen: "Seine Geliebte war sie nur in Form eines Hirngespinstes."

Der Liebeszweikampf kennt drei Etappen: Nach ersten Moskauer Monaten lieben sie sich zwei Wochen an einem sonnenüberfluteten Strand der Krim; es folgt eine Trennung von einem Vierteljahr, die Geschäfte rufen Konstantin nach New York. Im folgenden Herbst sehen sie sich wieder, und die Schlacht der Egos wird mit neuer Bitterkeit gekämpft, bis sie ein überraschendes Ende findet.

Das Pseudonym Claude Anet hat sich der in der Schweiz geborene Jean Schopfer (1868 bis 1931) bei einem Liebeskonkurrenten von Jean-Jacques Rousseau geborgt. Schon das belegt seinen interessanten Charakter: Der begabte Tennisspieler, der 1892 als erster Franzose den Vorgänger von Roland-Garros gewann, studierte an der Sorbonne und der École du Louvre. Anschließend arbeitete er als Journalist und wurde 1917 Zeuge der Revolution in Sankt Petersburg; Russland kannte er also aus eigener Anschauung. Das verhindert nicht (seltene) lokalkoloritsüchtige Kommentare über "den unerschöpflichen Reichtum der russischen Seele", die zu den wenigen Schwächen des Romans gehören.

Ansonsten versteht man, was die Leser verführt und Billy Wilder zur Verfilmung mit Audrey Hepburn ("Love in the Afternoon", 1957) veranlasst hat. Anet gelingt die Zeichnung zweier starker Köpfe zwischen Zynismus und Verletzlichkeit, deren kämpferische Umarmung Glanz und Elend der modernen Liebe ausdrückt. Mit ihnen fragt man sich, ob Liebe radikal ehrlich sein sollte, wie Ariane postuliert, oder sich "in gewisse Illusionen hüllen" sollte, wie Konstantin behauptet - schwere Fragen in leichtem Ton, den Kristian Wachingers Neuübersetzung (die erste ohne Weglassungen oder Zusätze) gut trifft.

Fragt sich nur, ob Anet den Seiltanz durchhält: Das Ende überrascht dadurch, dass es etwas enthüllt, was eigentlich offensichtlich war - die Lösung, die es bietet, scheint hingegen denkbar konventionell. Aber selbst dieser Eindruck täuscht, was am Weg dorthin liegt. Mit Konstantin rätselt der Leser über Arianes Kälte im Bett, über das Geheimnis, das sie offenbar um jeden Preis verteidigt. Die Perspektive wechselt jedoch zu Ariane, und noch die finale Enthüllung trägt subtil zu einem Gleichgewicht bei. Sprich: Anet ist ein Balance-Künstler der Standpunkte, und wenn er am Ende eine traditionelle Liebesidee vertritt, wird das Verhältnis von Mann und Frau doch neu austariert.

NIKLAS BENDER

Claude Anet: "Ariane - Liebe am Nachmittag". Roman.

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Kristian Wachinger. Dörlemann, Zürich 2021, 272 Seiten, geb., 23,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Niklas Bender lernt die Balance der Liebe kennen mit Claude Anets 1920 erstmals erschienenem Roman aus dem Zwischenkriegsfrankreich. Die Frische und Eleganz, mit der der Autor seine Russland-Kenntnisse in einer psychologisch dichten Liebesgeschichte um eine junge Frau und zwei Männer unterbringt, hält Bender für entzückend. Das Wesen der "modernen Liebe" zwischen Geheimnis, Verletzlichkeit und Sturm kann der Autor in seinem Buch anhand unterschiedlicher Standpunkte vermitteln, findet Bender.

© Perlentaucher Medien GmbH