Lenz im Libanon - Ostermaier, Albert

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In Büchners Novelle zieht sich der Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz zurück, da er die Welt nur auf dem Kopf gehend erträgt. Der Schriftsteller Lenz in Albert Ostermaiers Roman flüchtet sich vor dem Betrieb. Er entdeckt für sich Beirut, das ihm eine Lösung verspricht und damit ein Ende der Schreib- und Selbstkrise. Und so irrt Lenz durch die libanesische Stadt und gerät zwischen den Fronten unter Beschuss. Er flüchtet in Ruinen und in das Halbdunkel, er erinnert sich an den Bürgerkrieg, an Szenen, die er nicht erlebt haben kann, Albträume, denen er entkommen wollte.
In Lenz im
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Produktbeschreibung
In Büchners Novelle zieht sich der Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz zurück, da er die Welt nur auf dem Kopf gehend erträgt. Der Schriftsteller Lenz in Albert Ostermaiers Roman flüchtet sich vor dem Betrieb. Er entdeckt für sich Beirut, das ihm eine Lösung verspricht und damit ein Ende der Schreib- und Selbstkrise. Und so irrt Lenz durch die libanesische Stadt und gerät zwischen den Fronten unter Beschuss. Er flüchtet in Ruinen und in das Halbdunkel, er erinnert sich an den Bürgerkrieg, an Szenen, die er nicht erlebt haben kann, Albträume, denen er entkommen wollte.

In Lenz im Libanon erkundet Albert Ostermaier bis ins erschreckendste Detail das gegenwärtige Kaleidoskop der Gewaltexplosionen: im einzelnen Menschen und zwischen den Mächtigen. Der Roman erzählt in seinem blutige Realität und metaphorische Erforschung verbindenden voranstürmenden Rhythmus von Alltag und Sehnsucht eines Schriftstellers.
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.4669
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 189
  • Erscheinungstermin: 7. April 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 118mm x 16mm
  • Gewicht: 203g
  • ISBN-13: 9783518466698
  • ISBN-10: 3518466690
  • Artikelnr.: 44111490
Autorenporträt
Ostermaier, Albert
Albert Ostermaier ist 1967 in München geboren, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. 1995 erschien sein erster Gedichtband Herz Vers Sagen, der mit dem Lyrikpreis des PEN Liechtenstein ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr fand die Uraufführung seines ersten Stückes Zwischen zwei Feuern - Tollertopographie im Marstall des Bayerischen Staatsschauspiels statt. Seither gilt Ostermaier als einer der wichtigsten Gegenwartsdramatiker. Es folgten Uraufführungen seiner Stücke am Nationaltheater Mannheim, am Schauspiel Hannover, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Bayerischen Staatsschauspiel und am Wiener Burgtheater. Seine Theaterstücke werden von vielen namhaften Regisseuren inszeniert, u.a. von Andrea Breth, Lars Ole Walburg und Martin Kusej. Neben seinen zahlreichen Lyrik-Bänden und Theaterstücken schrieb er 2008 seinen ersten Roman Zephyr, 2011 Schwarze Sonne scheine, der auch als Hörbuch erschien und mit dem Preis der Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde, 2013 den Roman Seine Zeit zu sterben und 2015 ist der neueste Roman Lenz im Libanon erschienen, der aktuell in 2017 auch auf Arabisch publiziert wurde. Die Lyrikbände Flügelwechsel Fußball-Oden und Gedichte sowie der Gedichtband Ausser mir sind ebenfalls bei Suhrkamp erschienen. Anfang 2019 wird der neue Gedichtband Über die Lippen veröffentlicht. Albert Ostermaier wurde mit namhaften Preisen und Auszeichnungen geehrt, u.a. dem Kleist-Preis, dem Bertolt-Brecht-Preis und in 2011 mit dem »Welt«-Literaturpreis für sein literarisches Gesamtwerk. Er ist seit 2015 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er ist zudem Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft und Kurator bei der DFB-Kulturstiftung. Albert Ostermaier hat verschiedene Gastprofessuren und Poetikdozenturen übernommen. Als Künstlerischer Leiter diverser Festivals erlangte Albert Ostermaier großes Ansehen. Das Thomas Bernhard Festival »Verstörungen« kuratiert er seit 2014 zusammen mit Raimund Fellinger in Goldegg/Österreich.
Rezensionen
"Albert Ostermaier hat mit Lenz im Libanon eine neue Ebene in seinem Werk erreicht."
Sabine Dultz, Oberbayerisches Volksblatt Online 24.04.2015
Besprechung von 10.05.2015
Beirut, 2014

Der Schriftsteller Lenz ist auf der Flucht. Er will raus aus seinem alten Leben, aus einer schmerzlichen Affäre, raus aus einem Leben voller Gegensätze. Er flieht also die "winterdunkle" Bundesrepublik und fliegt in den Libanon. Die inneren und äußeren Widersprüche aber begleiten ihn: Er hält sich selbst kaum aus, betont aber, sich "selbst" zu suchen, er hasst Körperkontakt und ist doch auf der Suche nach Sinnlichkeit. Er erträgt das Leiden nicht und halluziniert ständig Gewaltausbrüche. Schnell wird klar: Was er eigentlich sucht, was er sich verspricht von Beirut, ist das "Aushaltenkönnen der Widersprüche". Dabei ist er zerrissen zwischen Erfahrungshunger und Ruhebedürfnis, lustvoller Bedrohung und hilfloser Überforderung. Immer wieder befällt ihn eine "unbeschreibliche Angst", dann vermischt er sein eigenes Erleben mit Eindrücken aus dem Fernsehen. Lenz sucht die Wirklichkeit und findet Bilderserien.

Nachts läuft er durch Steinwüsten und Häusergerippe, tanzt in Clubs. Tagsüber besucht er ein Flüchtlingslager. Die Obszönität seiner eigenen Flucht wird ihm hier unerträglich. Seine Leiden müssen lächerlich wirken im Vergleich zu den Opfern des Terrors und der Bürgerkriege: "Was für Phantomschmerzen in den Augen derer, die hier warteten, geduldig die Bürokratie der Menschwerdung über sich ergehen ließen."

Albert Ostermaiers Roman ist eine Reise in die, wie er es nennt, "Darkrooms der Seele" - des Protagonisten Lenz, aber auch der jungen Männer, die im Namen Allahs in den Krieg ziehen. In den Monologen seiner Hauptfigur und den langen Gesprächen mit seinen Bekanntschaften wechseln politische Aktualität und philosophische Erörterung. Der Roman wird hier manchmal fast zu einem dialogischen Essay. Gleichzeitig spielt der Autor mit literarischen Referenzen. Neben wörtlichen Auszügen aus Georg Büchners Erzählung "Lenz" finden sich auch Bezüge zum Existentialismus, zu Albert Camus' "Fremden" zum Beispiel.

Das ist eine ziemlich schwindelerregende Mischung. Und auch wenn die Poetisierungslust mit dem Autor dabei manchmal durchgeht, wenn manches Wortspiel gewollt, manche Alliterationsreihe übertrieben wirkt, entwickelt Ostermaiers "Lenz" eine poetische Wucht: "Diese Betonblocks, diese Betonbalkone, Fenster wie Zielscheiben. (. . .) Beton mit Hautausschlag, Bürgerkriegsakne, platzender Asphalt, bröckelnder Verputz, Platten, Plakate. (. . .) Lenz denkt an die Weihnachtsbäume, atmet die kalte Luft ein und wünscht sich den Schnee auf den Berghängen in die Hände. Einen Ball zu formen und ihn auf einen der jungen Soldaten zu werfen."

Mit seinem ihn selbst anwidernden Selbstmitleid, seinen subtil beschriebenen inneren Konflikten und seinem manchmal an deren Unbarmherzigkeit verzweifelnden Blick auf die Welt steht Lenz bei Albert Ostermaier exemplarisch für die Aporien der westlichen Welt. Ihm selbst ist das Aushalten der Widersprüche am Ende nur um den Preis innerer Leere vergönnt. Den Sieg über die Angst bezahlt er mit hoffnungsloser Gleichgültigkeit. Die Gesellschaft hat ihn wieder.

Constantin Hühn

Albert Ostermaier: "Lenz im Libanon". Roman. Suhrkamp, 190 Seiten, 19,95 Euro

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»Albert Ostermaier hat mit Lenz im Libanon eine neue Ebene in seinem Werk erreicht.«
Sabine Dultz, Oberbayerisches Volksblatt Online 24.04.2015