Gebrauchsanweisung fürs Museum - Bernheimer, Konrad O.
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Neuer Blick auf Alte Meister Wohin sollte man bei einem Bild als Erstes sehen? Wie wird ein Gemälde zum Klassiker? Der Autor, einer der größten Kunstkenner, fordert dazu auf, den Blick fürs Detail zu üben. Er verrät, was Bilder erzählen, wenn man sie aufmerksam genug betrachtet. Welche Kunstwerke zu Unrecht unterschätzt werden, welche Museumsstädte eine Entdeckungsreise wert sind. Was Museen in Berlin oder Braunschweig, Neuburg an der Donau oder New York, Paris oder Rom außer Kulturgenuss sonst noch zu bieten haben: von kühner Architektur über originelle Museumsshops und raffinierte Küche bis…mehr

Produktbeschreibung
Neuer Blick auf Alte Meister
Wohin sollte man bei einem Bild als Erstes sehen? Wie wird ein Gemälde zum Klassiker? Der Autor, einer der größten Kunstkenner, fordert dazu auf, den Blick fürs Detail zu üben. Er verrät, was Bilder erzählen, wenn man sie aufmerksam genug betrachtet. Welche Kunstwerke zu Unrecht unterschätzt werden, welche Museumsstädte eine Entdeckungsreise wert sind. Was Museen in Berlin oder Braunschweig, Neuburg an der Donau oder New York, Paris oder Rom außer Kulturgenuss sonst noch zu bieten haben: von kühner Architektur über originelle Museumsshops und raffinierte Küche bis hin zum besten Blick auf die Stadt. Und was es mit dem "Bilbao-Effekt" auf sich hat.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch .27740
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 220
  • Erscheinungstermin: 14. Oktober 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 116mm x 26mm
  • Gewicht: 258g
  • ISBN-13: 9783492277402
  • ISBN-10: 3492277403
  • Artikelnr.: 56142474
Autorenporträt
Konrad O. Bernheimer, 1950 in Rubio, Venezuela, als Sohn eines deutsch-jüdischen Vaters und einer venezolanisch-katholischen Mutter auf einer Kaffeeplantage geboren, Kunstsammler und -händler. Schon als Kind wurde er von seinem Großvater Otto Bernheimer in die Geschäfte des bekannten Münchner Familienbetriebs, Antiquitätenhandel und ehemaligs königlich-bayrischer Hoflieferant, eingeführt. Als Sohn des von den NS-Machthabern enteigneten Kurt Bernheimer führte Konrad Bernheimer nach einem Aufenthalt bei Christie's von 1977 an das Familienunternehmen. Vom Einrichtungshaus und Antiquitätenhandel verwandelte er das Geschäft zum international tätigen Kunsthandel. Lange war er einer der führenden Händler für Gemälde Alter Meister. 2015 zog er sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Er ist verheiratet und hat vier Töchter. Nach dem Verkauf seiner Londoner Galerie lebt er mit seiner Familie wieder ganz in München. 2015 erschien von ihm die Familiengeschichte »Narwalzahn und Alte Meister: Aus dem Leben einer Kunsthändlerdynastie«.
Inhaltsangabe
7 Vorbemerkung
9 Der Besuch im Museum
15 Die Kunst der Kunstbetrachtung
21 Alte Meister oder Die Schule des Sehens
25 Historien und Geschichten
49 Was Porträts erzählen
65 Wie aus Alltagsszenen große Kunst entsteht
79 Im Lichte der Natur
93 Was ist still am Stillleben ?
99 Ist Picasso ein Klassiker ?
109 Große Museen - große Architektur
143 Die Kunst in der Welt des Massentourismus
153 Große Ausstellungen: Eventkultur oder Eye-Opener ?
175 Sind Kirchen die besseren Museen ?
195 Private versus staatliche Museen
209 Zum Schluss
213 Nachwort und Dank
215 Empfohlene Literatur
Rezensionen
"Plädoyer fürs Staunen", Süddeutsche Zeitung, 07.11.2019

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.11.2019

Plädoyer fürs Staunen
Konrad O. Bernheimer hat eine „Gebrauchsanweisung fürs Museum“ geschrieben. Darin nimmt der Münchner
Kunsthändler die Leser mit auf eine Entdeckungsreise zu den Alten Meistern in aller Welt
VON EVELYN VOGEL
Wahrscheinlich können nicht viele Menschen von sich behaupten, sie seien im Museum aufgewachsen.“ Natürlich ist auch Konrad O. Bernheimer, der aus einer Münchner Kunsthändlerdynastie stammt und dessen Familie während der Zeit des Nationalsozialismus emigrieren musste, nicht in einem Museum „aufgewachsen“. Aber der Museumsbesuch gehört für den in Venezuela geborenen, im Alter von vier Jahren mit einem Teil der Familie nach München zurückgekehrten Bernheimer so zwingend zu seiner Kindheit, seiner Karriere und schließlich zu seinem ganzen Leben, dass man dem heute 69-Jährigen diese Vereinnahmung des Museums gerne nachsieht.
Mit diesem ersten Satz in seinem Buch „Gebrauchsanweisung fürs Museum“ (Piper Verlag) gibt Bernheimer den Ton vor, in dem er seine Leser mitnimmt auf eine Entdeckungsreise zu den Alten Meistern in Museen und Sammlungen in aller Welt. Es ist ein sehr persönlicher Ton, geprägt von vielen Erinnerungen des Kunstliebhabers, -sammlers und -händlers an Museums- und Kirchenbesuche, an privilegierte Entdeckungsreisen zu Privatsammlungen und an exklusive Führungen durch Palazzi und Villen voller Kunst. Und immer führt er seine Leser zu Alten Meistern, die – wie er schreibt – „einen anderen Zugang erfordern“ als die Malerei späterer Stilrichtungen, ganz besonders der Zeitgenössischen Kunst, die „vom Kunstmarkt mit seinen explodierenden Preisen“ und von einem „ungebremsten Kommerz“ geprägt sei. Die Marktentwicklung habe er falsch eingeschätzt, als er einst vor dem „Platzen der Blase“ warnte und dafür „Lügen gestraft“ wurde, wie der Grandseigneur des Münchner Kunsthandels freimütig bekennt.
Sein Aktionsfeld und Lieblingsgebiet ist also das Altmeisterliche, dem er sich auch sprachlich mit einem mitunter altväterlich anmutendem Autorenplural zuwendet: „Von London reisen wir …“, „von Vermeer machen wir uns auf …“, oder wir fliegen „über den großen Teich“, wo „wir“ dann verweilen oder noch bleiben müssen, um uns – neben all den bedeutenden Kunstwerken – „die große Villa inmitten eines paradiesischen Parks“ anzusehen oder die Köstlichkeiten eines nahe gelegenen Restaurants zu genießen. Die Vorzüge zeitgenössischer Museumsarchitektur können diesen Connaisseur ebenso begeistern wie der Charme original erhaltener Wohnhäuser großer Sammlerpersönlichkeiten.
Die oft schwärmerisch-poetische Sprache mag im 21. Jahrhundert ein wenig irritieren, allein: Sie passt zu diesem scheinbar immer lebensfroh gestimmten, optisch fast barock wirkenden Menschen, der sich seine Fähigkeit, stets neu ins Staunen zu geraten, bewahrt hat. Beobachten konnte man dies vor einiger Zeit bei der Florentiner-Ausstellung in der Alten Pinakothek. Da stand er vor der Marienverkündigung von Fra Filippo Lippi – einem Werk, das er nach eigenem Bekunden gewiss an die hundert Mal gesehen hatte, da es ja in der Alten Pinakothek zu Hause ist – und konnte sich daran kaum sattsehen. Wenn er dann in seinem Buch das Gemälde eine seiner „Lieblings-Verkündigungen“ nennt und wortreich beschreibt, wie Lippi in der Zeit der Frührenaissance im gesellschaftlichen Umfeld der Medici den Auftrag für das Hochaltarbild erhielt und dem bekannten Motiv durch diverse Details zu einem ganz eigenen Ausdruck verhalf, dann wirkt diese Begeisterung zutiefst authentisch, und man kann sich ihr nur schwer entziehen.
Aber Konrad Bernheimer ist nicht nur ein Kenner und Schwärmer, er ist auch ein praktisch veranlagter Mensch. So nimmt er die „Gebrauchsanweisung“ geradezu wörtlich, wenn er darauf hinweist, an welchem Eingang man den langen Schlangen vor dem Louvre entgehen kann und warum es wichtig ist, bei Besuchen in italienischen Kirchen stets etliche Euro-Münzen dabei zu haben. Er preist die Vorzüge gut gemachter Museumswebseiten und von Online-Tickets zur Vorbereitung und zur Planung eines Besuchs. Nur dass im Buch teils elend lange Webadressen zu Bildquellen abgedruckt sind, ergibt keinen Sinn. Da wäre ein QR-Code zum Scannen praktischer gewesen.
Auch wenn er Blockbuster-Schauen in Zeiten der Event-Kultur kritisch beäugt, erkennt er doch ihr Potenzial als „Eye-Opener“ an – sofern sie gut gemacht sind. Insgesamt ist das ganze Buch aber ein Plädoyer, auch ohne besonderen Anlass ins Museum zu gehen. „Denn jedes Bild hat Ihnen eine Geschichte zu erzählen. Sie müssen nur hinsehen und hinhören!“ Bei Konrad O. Bernheimer tut man das gern.
Konrad O.  Bernheimer: Gebrauchsanweisung fürs Museum, Buchvorstellung: Do., 7. Nov., 19 Uhr, Jüdisches Gemeindezentrum, St.-Jakobs-Platz 18
Die schwärmerisch-poetische
Sprache passt zu dem
lebensfrohen Menschen
Eines der Lieblingsbilder von Konrad O. Bernheimer: Die Verkündung Mariae von Fra Filippo Lippi, um 1443/45, aus der Alten Pinakothek.
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München
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