Woolgathering - Smith, Patti
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Nach "Just Kids" erscheint nun mit der erweiterten Auflage von "Woolgathering" ein Memoir, in dem Patti Smith auf ihre Jugendjahre zurückblickt.

Produktbeschreibung
Nach "Just Kids" erscheint nun mit der erweiterten Auflage von "Woolgathering" ein Memoir, in dem Patti Smith auf ihre Jugendjahre zurückblickt.
  • Produktdetails
  • Norton Critical Edition
  • Verlag: Norton
  • Seitenzahl: 80
  • Erscheinungstermin: Januar 2012
  • Englisch
  • Abmessung: 192mm x 123mm x 18mm
  • Gewicht: 176g
  • ISBN-13: 9780811219440
  • ISBN-10: 0811219445
  • Artikelnr.: 33271375
Autorenporträt
Patti Smith, geboren 1946 in Chicago, Rockmusikerin, Dichterin, Performance-Künstlerin, Malerin und Fotografin. Seit dem Album Horses (1975) eine Ikone der Punk-, Wave- und Frauenbewegung. 2008 zeigte Patti Smith ihr künstlerisches Werk in Paris. 2007 wurde Patti Smith in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen. Patti Smith hat zwei Kinder und lebt in New York City.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 30.11.2013

Pilgerfahrt einer Gedankenretterin

Früher wäre sie eine Mystikerin gewesen. Heute ist Patti Smith als "Traumsammlerin" im Gespinst von Phantasien und Wachsein unterwegs.

Von Rose-Maria Gropp

Dem kleinen Buch wohnt von allem Anfang an ein Zauber inne. Es ist eine Fügung des Schicksals, die seine Entstehung markiert. Ein warmer Ton behält seine bezwingende Melodie vom ersten Satz bis zur letzten Seite: "1991 lebte ich mit meinem Mann und zwei Kindern am Stadtrand von Detroit in einem alten Steinhaus, gelegen an einem Kanal, der in den Lake Saint Clair mündete. Efeu und Purpurwinde kletterten an den bröckelnden Mauern empor. Den Balkon umrankte eine Fülle von Weinreben und Wildrosen, in deren Geschlinge Tauben nisteten." So richtet sich Patti Smith "an den Leser", bevor ihre Erzählung, die keine ist, beginnt, und sie fügt hinzu: "Ich liebte meine Familie und unser Zuhause aufrichtig, doch in diesem Sommer litt ich an einer schlimmen und unbeschreiblichen Schwermut. Ich saß stundenlang da, wenn ich die Hausarbeit erledigt hatte und die Kinder in der Schule waren, unter den Trauerweiden, tief in Gedanken versunken."

Das schreibt die Frau, die nicht viele Jahre zuvor den Punk dichtete und sang, ehe es ihn gab, und wilder, als es ihn je noch geben würde, der selbsternannte "Rock'n'Roll Nigger", die ungebärdige Heroine aus dem schwerfrommen Elternhaus, mit der strahlenden Blässe und Schmalheit einer Heiligen. In dieser "Gemütsverfassung" wird sie von Raymond Foye, der mit dem Maler Francesco Clemente den Verlag "Hanuman Books" gegründet hatte, aufgefordert, ihm ein Manuskript zu schicken; ein Hanuman-Buch war nur 7,5 mal zehn Zentimeter klein, wie "ein winziges indisches Gebetbuch", sagt Patti Smith. Sie tut das, sie schreibt sich in ihrer schönen zierlichen Handschrift auf Karopapier zurück zu ihrer Seele, die daran gesunden wird. "Woolgathering" - so heißt im Original, was jetzt auf Deutsch als "Traumsammlerin" erschienen ist - sind Wach-Tagtraum-Szenarien. Sie steigen auf aus einer beunruhigt sehnsüchtigen, wenngleich behüteten Kindheit, sie wehen an fremdartige Orte, innere und äußere, in die Natur und in geschlossene Räume, sie ziehen hinein in visionäre Momente. Erlösung liegt in der Sprachwerdung, Befreiung in der Poesie, wirklich haucht Patti Smith der abgewetzten Worthülse noch einmal Leben ein.

Die Übersetzung von Brigitte Jakobeit nimmt dieses Vibrieren auf, spürt seinem Tonus nach, durch alle Kapitel und Episoden. Wer Patti Smiths fiebernde schwebende Texte, deren rhythmische Leidenschaft kennt, weiß, wie großartig die Übertragung gelungen ist. Ähnlich hat das Walter Hartmann vor mehr als dreißig Jahren getan, für die zweisprachige Ausgabe von Patti Smiths in jedem Sinn rauschhaft entgrenztem Buch "Babel", 1980 bei Zweitausendeins. Wie überhaupt "Babel" und "Traumsammlerin", zusammen betrachtet, die Fülle ihrer Erkundungen spiritueller und wirklicher Welten auffalten. Sie war das schon immer: eine Gottsucherin, im Gespinst der Existenz. Die "Wollsammler" schenkte dem schlaflosen Mädchen ein alter seltsamer Mann, der Elritzen, noch so eine Merkwürdigkeit, verkauft am Rand von Chicago, in einem verfallenden Schuppen auf einer Wiese nah dem Heim, in dem Patti Smith aufwächst: "Das Bild der Wollsammler auf jener schläfrigen Wiese zog auch mich in den Schlaf. Ich wanderte mit ihnen, durch Disteln und Dornen, und meine einzige Aufgabe war es, flüchtige Gedanken zu retten wie Wollbüschel aus dem Kamm des Windes."

So gesellt sie sich den Wollsammlern zu, keinen Moment schicksalsfaul, doch demütigen und erhobenen Hauptes Bewältigerin aller Fährnisse. Vielleicht wäre Patti Smith vor ein paar Jahrhunderten eine Mystikerin gewesen. So ist sie eben eine Erscheinung in unserer entgeisterten Gegenwart. Wie ein kleiner pulsierender Vogelkörper liegt "Traumsammlerin" in der Hand, etwas größer im Format als das Hanuman-Büchlein, das in erweiterter Fassung 2011 in Amerika herauskam, mit verzauberten Schwarzweißfotografien zwischen den Texten. Es ist ein Kleinod, zu geben an alle, die eine Seele in sich fühlen.

Patti Smith: "Traumsammlerin".

Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013. 107 S., S/W-Abb., geb., 16,99 [Euro].

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