Charlotte Perriand - Barsac, Jacques
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Die Innenarchitektin Charlotte Perriand (1903-1999) ist eine Schlüsselfigur der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Als eine der ersten Frauen in der Männerdomäne Architektur entwarf sie Häuser aus Fertigelementen sowie die Einrichtung von Studentenappartements und Möbel, die heute zu den Klassikern gehören. In der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret von 1927 bis 1937 entstanden unter anderem die berühmte Liege LC4 oder der Sessel LC2. Perriand, die auch für staatliche Institutionen und Firmen wie die Air France arbeitete, entwickelte ihre Möbel jeweils für…mehr

Produktbeschreibung
Die Innenarchitektin Charlotte Perriand (1903-1999) ist eine Schlüsselfigur der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Als eine der ersten Frauen in der Männerdomäne Architektur entwarf sie Häuser aus Fertigelementen sowie die Einrichtung von Studentenappartements und Möbel, die heute zu den Klassikern gehören. In der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret von 1927 bis 1937 entstanden unter anderem die berühmte Liege LC4 oder der Sessel LC2.
Perriand, die auch für staatliche Institutionen und Firmen wie die Air France arbeitete, entwickelte ihre Möbel jeweils für bestimmte Orte und liess sie in Kleinserien produzieren. Heute haben sie einen sehr hohen Sammlerwert.
Buch ist Band 3 der umfangreichen dreibändigen Monografie.
  • Produktdetails
  • Verlag: Scheidegger & Spiess
  • 1. Aufl.
  • Seitenzahl: 528
  • Erscheinungstermin: 23. März 2017
  • Englisch
  • Abmessung: 312mm x 243mm x 48mm
  • Gewicht: 3272g
  • ISBN-13: 9783858817488
  • ISBN-10: 3858817481
  • Artikelnr.: 40140508
Autorenporträt
Jacques Barsac realisierte Dokumentarfilme über Charlotte Perriand, Le Corbusier, Jean Cocteau und Winston Churchill. Seit 2001 beschäftigt er sich ausschliesslich mit Perriands Werk. Barry Bergdoll ist Professor für Kunstgeschichte an der Columbia University sowie Kurator für Architektur und Design am MoMA, New York.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.05.2014

Flugzeug im Esszimmer
Ein Bildband über die Gestalterin Charlotte Perriand
Dass auch Möbel auf Diät gesetzt werden können, hat Charlotte Perriand bewiesen. 1926 entwarf die Französin für den Pariser Salon des artistes décorateurs ein Wohnzimmer, für das sie sich offenbar zum Ziel gesetzt hatte, so viele Schmuckelemente, unterschiedliche Muster, Stoffe und Formen wie möglich unterzubringen. Optisch ließ das die Messekoje explodieren. Nur zwei Jahre später gestaltete Perriand für den selben Salon dann ein Esszimmer, dem sie ein Radikalkur in puncto Form und Material verordnet hatte: Die Stühle scheinen auf Zehenspitzen zu balancieren, so schlank sind ihre gebogenen Stahlrohrbeine, der Tisch ist kaum mehr als eine dünne Linie, und auch sonst muss das Auge suchen, um an den spiegelglatten Oberflächen irgendwo hängen zu bleiben. Das silberglänzende Metall dürfte für damalige Betrachter in etwa so heimelig gewirkt haben wie ein Besuch im Krankenhaus.
  „Ein Esszimmer für das Zeitalter der Flugzeuge, kurzen Haare, kurzen Röcke, Jazz und Cocktails“, schrieb ein damaliger Kritiker begeistert und verfasste damit einen Steckbrief für die Entwerferin gleich mit. Denn Charlotte Perriand (1903-1999) trug nicht nur einen der glamourösesten Kurzhaarschnitte überhaupt, sie begeisterte sich auch für die Erfindungen ihrer Zeit – vor allem, wenn sie Geschwindigkeit versprachen: Citroëns, Flugzeuge, neue Fahrräder. Und sie liebte das Reisen. Ihrer Mutter, die wie der Vater in Paris als Schneider arbeitete, schrieb sie, da war sie noch keine 20 Jahre alt: „Ich bin wie gemacht für das Reisen. Ich vergöttere es über alles, das Unerwartete.“
  Kein Wunder, dass ein solches Leben auch Erstaunliches hervorbringt. Charlotte Perriands Werk entwickelte sich, nicht zuletzt durch ihre Reisen, die sie schon früh in die Sowjetunion, nach Japan und Brasilien führten, zu einem der spannendsten und vielseitigsten Beiträge in der Design- und Architektgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der breiten Öffentlichkeit jedoch ist Perriands Bedeutung erst in den vergangenen Jahren durch Ausstellungen und Publikationen langsam bewusst geworden. Architektur und Design sind nach wie vor eine Männerdomäne, gerade in vorderster Reihe. Auch wohlverdienten Ruhm muss sich eine Frau dort hart erkämpfen.
  Umso wichtiger, dass Jacques Barsac mit seinem dreiteiligen Werkverzeichnis über Charlotte Perriand, dessen erster Band (1903-1940) gerade erschienen ist, nun die besten Argumente liefert, warum wir es hier mit einer Großmeisterin des Gestaltens zu tun haben. Die englischsprachige Publikation mit berauschend schönem Bildmaterial von Barsac, der Perriand bei ihrer Autobiografie „A Life of Creation“ (2002) half, seitdem drei Bücher über sie verfasste und für das Werkverzeichnis den kompletten Nachlass aufgearbeitet hat, zeigt aber auch, warum Perriands Ansätze nichts an Aktualität verloren haben: ihre Arbeit mit neuen Materialen und klaren Formen. Ihr Wunsch, von regional traditioneller Architektur zu lernen. Aber auch ihr Vorsatz, kostengünstig zu entwerfen, und nur das, was wirklich notwendig ist. Nicht zu vergessen ihrDurchdringen des Raums. Gerade das hat ja der Pariserin die immer wichtiger werdende Fähigkeit gegeben, auf kleiner Fläche viel Platz zu schaffen. Der leidenschaftlichen Skifahrerin, die ihre ersten Lebensjahre beim Onkel auf dem Land verbracht hat, gelang das in mondänen Winterchalets genauso wie bei der kostengünstigen 14-Quadratmeter-Klause zum Wohnen.
  Der Grund, warum Charlotte Perriand Jahrzehnte lang kaum als eigenständige Entwerferin wahrgenommen wurde, hat übrigens einen Namen: Le Corbusier. Zehn Jahre lang arbeitete sie als Büropartnerin mit ihm und seinem Cousin Pierre Jeanneret in der Rue de Sèvres. Sie war dort für Möbel und Ausstattung verantwortlich und goss die Moderne-Wünsche der beiden Architekten in Stuhl- und Sesselformat. Die Einrichtung der Villa La Roche stammt genauso von ihr wie die eingebauten Möbel der Villa Savoye. Damit entwarf Charlotte Perriand – sicherlich mit Einfluss ihrer Büropartner – das, was heute als Designikone gilt und dementsprechend teuer verkauft wird. Doch die mondäne Chaiselongue wurde als LC4 weltbekannt, der quadratische Sessel als LC2, der gepolsterte Stuhl als LC7. Le Corbusier hatte nach dem Krieg, als es zur Wiederauflage der Entwürfe kam, Perriands und Jeannerets Namen einfach gestrichen. Fürs Foto mag der Meister Charlotte Perriand die Gloriole gegönnt haben, wirklich strahlen aber durfte nur er.
LAURA WEISSMÜLLER
  
Jacques Barsac: Charlotte Perriand. Complete Works. Volume 1: 1903–1940. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2014. 512 Seiten, 120 Euro.
Die anhaltende Verkanntheit
dieser Großmeisterin des Designs
hat einen Namen: Le Corbusier
Perriands Esszimmer stammt von 1928. Im selben Jahr drückte Jeanneret, ihr Büro- und Lebenspartner, auf den Auslöser. Sie selbst fotografierte 1933 das abgebildete Fundstück.
Fotos (von oben im Uhrzeigersinn): Photograph Rep/AChP;Pierre Jeanneret/AChP; AChP
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