Europa und der Islam - Cardini, Franco
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Dieses glänzend geschriebene Buch erzählt die Geschichte von 13 Jahrhunderten voller Mißverständnisse und Mystifikationen, die Europa und den Islam voneinander getrennt haben. Dabei kommen Kriege und Eroberungen wie die Kreuzzüge, die " Reconquista" oder die Zurückdrängung des Osmanischen Reichs vom Balkan ebenso zur Sprache wie politische und wirtschaftliche Aspekte und nicht zuletzt die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Europa und dem Islam.
Der Islam klopft heute erneut an die Pforte Europas - wie schon im 7. und 8. Jahrhundert, als muslimische Heere weite Bereiche des
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Produktbeschreibung
Dieses glänzend geschriebene Buch erzählt die Geschichte von 13 Jahrhunderten voller Mißverständnisse und Mystifikationen, die Europa und den Islam voneinander getrennt haben. Dabei kommen Kriege und Eroberungen wie die Kreuzzüge, die " Reconquista" oder die Zurückdrängung des Osmanischen Reichs vom Balkan ebenso zur Sprache wie politische und wirtschaftliche Aspekte und nicht zuletzt die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Europa und dem Islam.

Der Islam klopft heute erneut an die Pforte Europas - wie schon im 7. und 8. Jahrhundert, als muslimische Heere weite Bereiche des Mittelmeerraums eroberten, oder zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert, als das Osmanische Reich Europa in Bann hielt. Die historischen Umstände sind jeweils verschieden, aber heute wie früher läuft der Westen Gefahr, den Islam grundlegend mißzuverstehen. Das beginnt mit der Ansicht, daß Europa der Hort des Christentums sei und daß alle, die in Europa leben, ohne Christen zu sein, Fremde oder gar Invasoren sind. Aber auch die wohl-wollende Hinwendung zum Islam ist sehr oft von Vorurteilen geprägt.

Die Islamwissenschaft entstand im 16. und 17. Jahrhundert unter anderem mit dem Ziel, den Koran besser zu verstehen, um die " Ungläubigen" besser bekehren zu können. Die im Spätmittelalter aufgekommenen Phantasien von fliegenden Teppichen und Wunderlampen sowie die Nachahmung muslimischer Kostüme und Architektur in der Neuzeit prägen bis heute ein Islam-Bild, das sich dem " Geschmack am Exotischen" verdankt. /P
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1589
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 312
  • Erscheinungstermin: September 2004
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 126mm x 25mm
  • Gewicht: 302g
  • ISBN-13: 9783406510960
  • ISBN-10: 3406510965
  • Artikelnr.: 12867601
Autorenporträt
Franco Cardini, geboren 1940, ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Florenz. Seine weltweite Lehrtätigkeit u.a. in Paris, Göttingen, Wien und Madrid, Boston und Sao Paulo, Jerusalem und Damaskus hat ihn international bekannt gemacht. Zahlreiche Veröffentlichungen zur mittelalterlichen Geschichte, insbesondere zur Geschichte Jerusalems und der Kreuzzüge.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.12.2000

Krisenherd Compostela
Wirklich nur ein Missverständnis? Franco Cardinis Studie zur Konfrontation von Europa und Islam
Von der Begegnung zweier Kulturen möchte Franco Cardini in seinem Band „Europa und der Islam” erzählen – es ist, signalisiert der Untertitel, die Geschichte eines Missverständnisses. Das ist, bei allem Verständnis für sprachliche Deeskalation, denn doch etwas blass für die Geschichte eines jahrhundertelangen Kampfes und, seitens der Europäer, den Dreischritt von blankem Unwissen zur Dämonisierung des Feindes und schließlich zu einer beispiellosen Verstehensanstrengung. Nicht erzählen möchte Cardini die islamische Hälfte der Geschichte – das Buch ist in der Reihe „Europa bauen” erschienen, und deshalb interessiert vor allem, wie der Islam als das Andere zur Selbstfindung Europas beitrug – als „gewalttätige Geburtshelferin” der modernen europäischen Identität.
Tatsächlich hätte der Kreuzzugs-Experte Cardini einiges dazu zu sagen. Aber seine Liebe zum unwesentlichen Detail und eine manchmal etwas wirre Darstellung machen es dem Leser nicht leicht. Wie ein Buch, das Kriege, Raumgewinne und -verluste so unermüdlich referiert, ohne Karten auf den Markt kommen konnte, ist unbegreiflich; ohne einen universalhistorischen Atlas, etwa John Haywoods „Völker, Staaten und Kulturen”, ist das Auf und Ab nicht nachzuvollziehen.
Fast 1000 Jahre, erklärte 1990 Bernard Lewis in seinem Vortrag „Europa und der Islam”, drohte Europa Gefahr vom weltweit expandierenden Islam – von den ersten, atemberaubend schnellen Eroberungen im 7.  Jahrhundert bis zur zweiten Belagerung von Wien 1683. Im Westen etwa unterwarfen die Araber in nur sieben Jahrzehnten Nordafrika und fast die gesamte Iberische Halbinsel. Freilich sah man die Ereignisse zunächst nicht so dramatisch, wie die großen Vereinfacher von Gibbon bis Lewis es suggerieren: Die Bevölkerung Spaniens, ebenso die der byzantinischen Gebiete und selbst noch Konstantinopels vor dem Fall hieß die neuen Herrscher oft willkommen. Und die Fürsten betrieben, das zeigt Cardini, hüben wie drüben Realpolitik ohne Rücksicht auf ihren Glauben, das heißt: Christen und Muslime verbündeten sich nach Lust und Laune.
Es musste einiges geschehen, bevor die Reconquista als religiös gebotene „Antwort Europas” auf die „islamische Herausforderung” erscheinen konnte – nämlich die Entdeckung eines Apostelgrabs in Compostela im christlichen Nordspanien, das rasch zum bedeutenden, europäische Identität stiftenden Wallfahrtsort neben Rom und Jerusalem aufstieg, dazu eine Welle neuer Spiritualität und der unbedachte Angriff al-Mansurs 996 auf eben dieses Compostela. Nun galt es für alle Christen, das Grab des heiligen Santiago zu verteidigen, die Pilgerfahrt verband sich mit dem Kampf gegen die Muslime, und der Papst kam auf die glorreiche Idee, für die Teilnahme an einem Feldzug die Sünden zu vergeben. Von hier war es nicht mehr weit bis zum ersten Aufruf 1095, das Heilige Grab in Jerusalem zu befreien. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen: Die Kreuzzüge, dieses aberwitzige Unternehmen, wurden zur europäischen Massenbewegung. Doch was fürs Selbstbewusstsein Europas so wichtig war – für die Muslime war es ein Nichts, eine kaum vermerkte Reihe von Grenzzwischenfällen.
Wunder der Wissenschaft
Glücklicherweise widmet sich Cardini auch dem, was über der militärischen Konfrontation gern übersehen wird: der Aneignung arabischer Kulturschätze durch die Christen, vom Papier über Mathematik und Medizin bis hin zur Philosophie in der berühmten Übersetzerwerkstatt von Toledo, in Palermo am Hof Friedrichs II. und anderswo. Ein gewaltiger Fortschritt für die Wissenschaften in Europa, getragen von Bewunderung für die erkennbar weit überlegenen Leistungen der weltlichen arabischen Kultur. Der Begriff der Bewunderung, den Cardini hier benutzt, führt dabei eher in die Irre: Die erste Koranübersetzung entstand natürlich mit der Absicht, die Irrlehre eines falschen Propheten zu widerlegen. Im übrigen währte die Bewunderung nicht allzu lang: Seit Petrarca gewann ein humanistischer Antiarabismus an Boden, der sich in einem Akt der Abgrenzung von den Sarazenen lautstark aufs griechisch-römische Erbe berief.
Das fürs moderne Selbstbewusstsein Europas wichtigste Ereignis war aber der Fall Konstantinopels 1453. Erst jetzt, so Cardini, verband sich der Kreuzzugsgedanke mit der Idee der Verteidigung Europas. Papst Pius II. brachte das neue Geschichtsbild auf den Punkt: „In der Vergangenheit wurden wir in Asien und Afrika, also in fremden Ländern geschlagen. Jetzt aber trifft man uns in Europa, unserer Heimat, unserem Zuhause. ” Und er erklärte Europa zum eigentlichen Zentrum der Christenheit. Diese – von zwei Jahrhunderten Türkenfurcht beflügelte – Gleichsetzung von Kontinent und Religion ist es, die es bis heute manchem schwer macht, Muslime in Europa als Europäer zu denken.
Man hätte darum gern etwas über Merkwürdigkeiten wie das spätmittelalterliche Spanien erfahren: eine hispanoarabische Kultur, die auf ihre katholische Identität pocht – und nach der europaweit gefeierten Reconquista Granadas 1492 fast 500 000 Mauren erst zwangstaufte und dann vertrieb. Aber kulturtheoretisch informierte Überlegungen zur Identitätsbildung sucht man bei Cardini vergebens. Der große Wurf ist dem Mediävisten nicht gelungen – aber doch Stück Aufklärung.
LUDWIG AMMANN
FRANCO CARDINI: Europa und der Islam. Geschichte eines Mißverständnisses. Aus dem Italienischen von Rita Seuß. Verlag C. H. Beck, München 2000. 308 Seiten, 54,90 Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.01.2001

1086 - Wo bitte geht's zum Abendland?
Selbst die Kreuzfahrer hatten keinen Plan von der heiligen Sache: Franco Cardini räumt mit Mißverständnissen über Europas Verhältnis zum Islam auf

Jahresangaben, Monatsnamen, Tagesdaten, Ortsbezeichnungen, Eigennamen - eine Information folgt schnell der vorhergehenden. Etwas zu behalten, scheint unmöglich. Alles löst sich auf in einzelne Begebenheiten, Nebenschauplätze, Randgebiete. "Europa" scheint es gar nicht gegeben zu haben, nur hier eine kleine Schlacht oder ein Angriff, dort eine Eroberung oder eine Vertreibung. Auch das, was man gewöhnlich unter "Islam" versteht, verschwimmt. Kaum einer der großen muslimischen Denker wird genannt, kein Herrscher-Porträt entworfen, keine theologische Schule erklärt.

Die umfangreiche Zeittafel am Ende des Buches verdeutlicht, wovon in ihm die Rede ist: Kriege, Raubzüge, Schlachten, Siege, Angriffe, Vertreibungen, Eroberungen und Niederlagen. Eine Gewichtung erfolgt nicht. Die Eintragung "1914 - 1918 Erster Weltkrieg" hat genau den gleichen Stellenwert wie "1365, 10.-16. Oktober. Peter Lusignan, der König von Zypern, überfällt und plündert Alexandria". Der Autor sagt es nicht so deutlich, läßt es aber doch erkennen: Die Christen haben den Islam nicht als eine religiöse Einheit, die es zu bekämpfen galt, verstanden; die Muslime wußten nichts von einem christlichen Abendland, das erobert werden mußte.

In seiner "Geschichte eines Mißverständnisses", so der Untertitel des Werkes, zerstört Franco Cardini unaufhörlich Mythen. Selbst der Kreuzzuggedanke wird als "Mythos" bezeichnet, als "der weiße Wal der Christenheit", denn: "In jedem Fall kann man die Kreuzzüge nicht als Religionskrieg deuten. Kein Theologe und kein Kirchenrechtler hat jemals explizit den Gedanken geäußert, letztes Ziel der Kreuzzüge sei die Bekehrung der Ungläubigen." Mit diesen und ähnlich spitzen Formulierungen will der Autor darauf hinweisen, daß die zahlreichen Berührungen zwischen Muslimen und Christen rund um das Mittelmeer nicht dazu berechtigen, von "dem Islam" oder von "Europa" als Einheit zu sprechen, zumal in den ersten Jahrhunderten der Begegnung die Christen von den religiös-theologischen Ausrichtungen der Muslime weder Kenntnis hatten, noch sich überhaupt dafür interessierten.

Das änderte sich erst, so die These des Autors, nach der Jahrtausendwende, nachdem al-Mansur im Jahre 997 die nordspanische Stadt Compostela - die Verehrungsstätte für den Apostel Jakobus - geplündert und zerstört hatte. Die Verheerung dieser Wallfahrtsstätte habe bei den Christen keine Angst oder Bestürzung ausgelöst, sondern nur Entrüstung und religiösen Eifer. Die Schändung des Apostelgrabes sei eine Angelegenheit gewesen, die (zum ersten Mal) "die gesamte Christenheit" betroffen habe: "Denn nirgendwo sonst entstand europäisches Bewußtsein, wuchs europäische Identität."

Für die Christen war Compostela der Wendepunkt, für die Muslime der Sieg al-Mutamids über Alfons VI. in Zallaqa (dem heutigen Sagrajas) am 23. Oktober 1086. Der Muslim hatte dem Christen jede Art von Kompromißverhandlungen verwehrt mit dem Hinweis, sein einziges Argument seien Schwerter, Lanzen und ein großes Heer. Al-Mutamid ging es nicht allein um einen weiteren Sieg, sondern um die Vernichtung der Christen. Cardini bezeichnet die Schlacht im spanischen Zallaqa als "eine der verheerendsten Niederlagen der Christen in ihrer ganzen Geschichte", denn die Christen sahen "sich einem neuen Islam gegenüber". Dieser in der Sicht von Cardini so wichtigen Schlacht von Zallaqa widmet die "Encyclopaedia of Islam" (Bd. VII, 1993) unter dem Stichwort "al-Mu'tamid Ibn 'Abhad" dürre eineinhalb Zeilen.

Cardinis Urteil über die Kreuzzüge und seine Bewertung der Kämpfe um Compostela und Zallaqa - um nur diese drei Beispiele zu nennen - machen den Leser ein wenig staunen, doch genau dies ist beabsichtigt: Der Autor möchte anregen zu einem neuen Lesen der Quellen einschließlich der Volksdichtungen, Heldenepen, Gedichte und fromme Spiele. Vorurteile werden als Mythen entlarvt, scheinbare Selbstverständlichkeiten über "die" Muslime und "die" Christen hinterfragt.

Der Autor behandelt die Geschichte detailliert bis ins 16. Jahrhundert, der Rest wird kursorisch auf wenigen Seiten beschrieben. Die letzte Jahreszahl ist die der islamisch-iranischen Revolution von 1979. Wer eine Geschichte von 1357 Jahren (von 622 bis 1979) auf 270 Textseiten entfaltet, dem sollte nicht vorgehalten werden, ihm sei dieser oder jener Fehler unterlaufen. ("Die ersten Muslime waren großteils christliche Konvertiten.") Dieses gelehrte Buch - die italienische Originalausgabe erschien 1999 - sollte gelesen werden als eine eindringliche Frage, ob das, was wir über die Wechselbeziehungen zwischen Europa und dem Islam zu wissen meinen, wirklich den historischen Tatsachen entspricht. Die Antworten, die das Buch hervorrufen wird, machen es zu einer wichtigen Lektüre.

FRIEDRICH NIEWÖHNER.

Franco Cardini: "Europa und der Islam". Geschichte eines Mißverständnisses. Aus dem Italienischen von Rita Seuß. C.H. Beck Verlag, München 2000, 308 S., geb., 54,90 DM.

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"Die Geschichte des Mißverständnisses ist noch nicht ans Ende gelangt, aber dieses alles in allem faszinierende, unbedingt lesenswerte Buch zeichnet sie - bis in die unmittelbare Gegenwart nach."
Stefan Weidner, Neue Zürcher Zeitung

"Dieses gelehrte Buch - sollte gelesen werden als eine eindringliche Frage, ob das, was wir über die Wechselbeziehungen zwischen Europa und dem Islam zu wissen meinen, wirklich den historischen Tatsachen entspricht. Die Antworten, die das Buch hervorrufen wird, machen es zu einer wichtigen Lektüre." Friedrich Niewöhner, Frankfurter Allgemeine Zeitung