Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 1 - 5 - Wehler, Hans-Ulrich
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"Eine Meisterleistung deutscher Geschichtsschreibung."
Richard J. Evans, Frankfurter Rundschau
"Ein gigantisches Projekt, das die Arbeitskraft eines einzelnen Forschers zu überfordern schien."
Volker Ullrich, Die Zeit
"Ein beeindruckendes Zeugnis des Anspruchs und der Produktivität, die Wehler zu einer herausragenden Figur des intellektuellen Deutschlands gemacht haben."
Hermann Rudolph, Der Tagesspiegel
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Produktbeschreibung
"Eine Meisterleistung deutscher Geschichtsschreibung."

Richard J. Evans, Frankfurter Rundschau

"Ein gigantisches Projekt, das die Arbeitskraft eines einzelnen Forschers zu überfordern schien."

Volker Ullrich, Die Zeit

"Ein beeindruckendes Zeugnis des Anspruchs und der Produktivität, die Wehler zu einer herausragenden Figur des intellektuellen Deutschlands gemacht haben."

Hermann Rudolph, Der Tagesspiegel
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Durchges. Studienausg.
  • Erscheinungstermin: 15. September 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 238mm x 238mm x 142mm
  • Gewicht: 5608g
  • ISBN-13: 9783406578724
  • ISBN-10: 3406578721
  • Artikelnr.: 23825662
Autorenporträt
Hans-Ulrich Wehler, geboren 1931, studierte Geschichte und Soziologie an den Universitäten Köln, Bonn, Athens/Ohio (USA). 1960 Promotion, 1968 Habilitation. Von 1968 bis 1970 war er Privatdozent in Köln, 1970/1971 Professor an der Freien Universität Berlin. Seit 1971 war er Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität Bielefeld, 1972 Gastprofessor an der Harvard University, Cambridge/Massachussetts, 1976 an der Princeton University, Princeton/New Jersey, 1983/1984 an der Stanford University, Stanford/California, 1989 an der Harvard University. 1996 Emeritierung, 1997 Yale University. 1999 wurde Hans-Ulrich Wehler zum auswärtigen Ehrenmitglied des amerikanischen Historiker-Verbandes ernannt. Im Jahr 2003 erhielt er den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, 2004 wurde er Ehrensenator der Universität Bielefeld. 2014 erhielt er den Lessing-Preis für Kritik. Hans-Ulrich Wehler verstarb 2014.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 01.09.2008

Erfolgsgründe einer kraftstrotzenden Leistungsgesellschaft
Bundesrepublik und DDR bilden den Abschluss von Hans-Ulrich Wehlers Monumentalwerk „Deutsche Gesellschaftsgeschichte”
Nun ist es getan. Hans-Ulrich Wehler hat sein Monumentalwerk nach einem Vierteljahrhundert abgeschlossen. Imposant stehen fünf Bände „Deutsche Gesellschaftsgeschichte” vor uns, beginnend im Jahr 1700, nun ins Ziel getragen mit der Epoche der Bonner Republik 1949 bis 1990 (siehe SZ vom 12. August). Schon rein quantitativ ist dies eine beeindruckende Lebensleistung, die ihresgleichen sucht. Der Ironman der deutschen Geschichtswissenschaft hat den Olymp erklommen und sich von der Konkurrenz seiner Generationsgenossen abgesetzt. Sein viel zu früh verstorbener Kontrahent Thomas Nipperdey bewältigte lediglich das gestreckte 19. Jahrhundert, Heinrich August Winkler entzog sich der verbissenen Leistungsschau, als er die deutsche Geschichte publikumsfreundlich als „langen Weg nach Westen” erzählte, ohne methodische Winkeldiskussionen zu führen. Als Kopf der „Bielefelder Schule” ist es Wehler stets um mehr gegangen: Der Verfechter des agonalen Prinzips will den Beweis erbringen, dass die Gesellschaftsgeschichte als Historische Sozialwissenschaft allen anderen theoretischen Ansätzen einer Politik- und Kulturgeschichte überlegen ist, wenn es darum geht, eine übergreifende Synthese vorzulegen.
In der Tat ist der Blick in Wehlers Standardwerk für jeden Geschichtsstudenten zur Pflicht geworden – ob es sich um die deutsche „Doppelrevolution” von 1848/49, das Kaiserreich oder den „zweiten Dreißigjährigen Krieg” (1914-1945) handelt, stets findet man dort nicht nur zuverlässige Orientierung, sondern vor allem komplexe Problembeschreibungen, die im besten Sinne zum Weiterdenken anregen. Vielfach wurde bemerkt, dass sich Wehler mittlerweile vom methodischen Rigorismus seiner Einleitungsfanfare von 1987 entfernt hat. Zwar hält er weiterhin die Orientierung an seinen vier „Achsen”: Wirtschaft, soziale Ungleichheit, politische Herrschaft und Kultur durch, aber natürlich erzählt auch er konventionell Politikgeschichte, befleißigt sich relativ impressionistischer Sozialpsychologismen und weiß um dramatische, also kontingente historische Lagen. Nicht alles lässt sich auf sozioökonomische Strukturen zurückführen. Die personalistische Interpretation des Nationalsozialismus als charismatische Herrschaft des „Führers” im vorangegangenen Band hat deswegen alte Weggefährten wie Hans Mommsen verschreckt, der das Dritte Reich aus sozialgeschichtlicher Perspektive strikt funktionalistisch gedeutet hat.
Wehler irritiert das nicht. Unbeirrt und ohne merklichen Selbstzweifel pflügt er seine Bahn durch die deutsche Geschichte. Für die jüngeren Leser ist es kaum noch entschlüsselbar, wem sein ausdauerndes Säbelrasseln gilt, wenn er es den verbohrten Vertretern einer hoffnungslos veralteten Politikgeschichte oder den detailverliebten Kulturhistorikern so richtig zeigt. Das hat mitunter etwas Komisches, sieht man doch weder von der einen noch von der anderen Spezies kaum mehr jemanden frei herumlaufen, der Wehlers Zerrbildern ähnelte. Umgekehrt hat man Wehlers Nehmerqualitäten schätzen gelernt. Er hat nicht nur heftig ausgeteilt, sondern bisher noch jede Polemik als sportliche Herausforderung verstanden. Diese Tugend – soviel lässt sich jetzt sagen – wird ihm auch in diesem Bücherherbst helfen.
Der Bielefelder Ordinarius hat lange gezögert, seine Darstellung so nahe an die Gegenwart heranzuführen. Vermutlich hat ihn eine Mischung aus Ehrgeiz und sanftem Drängen des Verlages dazu gebracht, sich der Epoche zuzuwenden, die er „von Anfang an als Zeitgenosse” miterlebt hat. Als Lobredner der alten Bundesrepublik dokumentiert Wehler eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die sich früh abzeichnete, nämlich schon 1949 mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes. Jedem, der sich für das wechselvolle Auf und Ab politischer Prozesse interessiert, wird von Wehler eine Absage erteilt – „da alle Grundentscheidungen frühzeitig gefallen und beibehalten worden sind”. Ist das der praktizierte Verfassungspatriotismus seines Gummersbacher Jugendfreundes Jürgen Habermas, oder haben wir es hier mit einem Ende der Geschichte zu tun? Angesichts einer solchen eingefrorenen Vernünftigkeit der politischen Ordnung kann der Historiker eigentlich einpacken, wäre da nicht die Aufgabe, noch einmal genau die Erfolgsgründe einer ökonomisch kraftstrotzenden Leistungsgesellschaft zu präsentieren. Das Wirtschaftswunder trug das Demokratiewunder, der Leistungsfanatismus des Nationalsozialismus brauchte nur marktgesellschaftlich umgepolt zu werden, und der Radikalnationalismus mutierte in Form eines Loyalitätstransfers zur Europabegeisterung, alles begleitet vom reibungslos funktionierenden „Hyperpragmatismus” der Vergangenheitsbewältigung. Sicherlich klingen diese psychosozialen Erklärungsmuster plausibel. Aber ob sie als genuiner Ertrag einer kritischen Sozialgeschichte gelten können?
Der akribische historische Sozialwissenschaftler gerät immer wieder mit dem meinungsfreudigen Polemiker Wehler ins Gehege. Nüchtern und sachlich bilanziert er auf der einen Seite demographische Daten, Erwerbsquoten, Konsumentwicklungen, Produktionsziffern, analysiert Klassengrenzen, Elitegruppen und Bildungschancen; auf der anderen Seite scheut Wehler kein deutliches Wort, wenn es um die Beurteilung politisch-kultureller Fragen geht. In der Verdammung der Achtundsechziger lässt er sich von niemandem überbieten, ohne allerdings die gesellschaftlich bedingten Entstehungsgründe der Protestbewegung zu diskutieren. In leichter Überschätzung des eigenen Berufsstandes werden ausführlich die Fischer-Kontroverse (1964 wurde die deutsche Kriegsschuld am Ersten Weltkrieg zum Streitfall) und der „Historikerstreit” als paradigmatische Identitätsdebatten der Bundesrepublik referiert. Da der engagierte Zeitzeuge gerade so gut in Schwung ist, muss auch noch „die historisch ahnungslose, krude Interpretation” des Holocaust-Forschers Daniel Goldhagen abgefertigt werden. Dass sie erst 1996 die deutschen Feuilletons erreichte, tut nichts zur Sache. Wird der Name Helmut Kohls erwähnt, darf das Adjektiv „provinziell” nie fehlen, Wehlers Verehrung für den anderen Helmut übertrifft hingegen beinahe alle Beweihräucherungen, die diese Inkarnation der Verantwortungsethik sonst so entgegennimmt.
Während derlei Emotionen zur Unterhaltung des Lesers beitragen, gibt der strenge Methodiker Wehler mit seiner Einbeziehung der DDR ein wirkliches Rätsel auf. Nun dürfte man ja erwarten, dass die ostdeutsche Bevölkerung in einer „deutschen Gesellschaftsgeschichte” durchaus ihren Platz hat. Es wäre jedenfalls zu problematisieren, inwiefern man überhaupt von einer oder eher von zwei Gesellschaften sprechen muss. Doch die DDR interessiert Wehler nur als Negativfolie, vor der sich die Überlegenheit der Bundesrepublik umso eindrucksvoller abhebt. „Aus welchen Gründen ist die wirtschaftliche Entwicklung der DDR nicht ebenso erfolgreich verlaufen wie in der Bundesrepublik?” Diese Frage demonstriert die ganze Lustlosigkeit, sich mit einem Forschungsfeld zu beschäftigen, das man laut Wehler mit all seinen Irrwegen „der florierenden DDR-Forschung getrost überlassen” kann. Dass ihn die DDR schon vor 1989 nicht interessierte, kompensiert er nun durch eine Brachialrhetorik, mit der der Kalte Krieg noch einmal gewonnen werden könnte. Sehr angetan ist Wehler von seiner Begriffsschöpfung von der „sowjetischen Satrapie”, die er in streng Weberianischer Manier noch einmal präzisiert. Auf einer einzigen Buchseite ist nicht nur von Satrapen, sondern vom Ulbricht- und Honecker-Regime als dem „relativ selten erörterten Typus des patriarchalisch-autoritären Sultanismus” und vom darin agierenden „Ökonomiezar” Günter Mittag die Rede.
Beschwert sich Wehler an einer Stelle über die vermeintliche Dämonisierung der Stasi, tituliert er sie kurz danach als „rote Gestapo”. Egal wie berechtigt dieses scharfe moralisch-politische Urteil sein mag: Darin liegt kein Argument dafür, sich nicht mit der Lebenswirklichkeit der ostdeutschen Gesellschaft in ihren Bedingungen und Wandlungen zu beschäftigen. Ansonsten würden sich totalitäre Regime ja nur durch die Monstrosität ihrer Verbrechen als historischer Forschungsgegenstand qualifizieren.
„The proof of the pudding is the eating”, hat Wehler immer leistungsgewiss verkündet. Wie überlegen ist nun die synthetische Kraft der Bielefelder Gesellschaftsgeschichte? Man hat Probleme, in dieser gigantischen Nebeneinanderordnung soziologischer und statistischer Fakten die Synthese zu finden. Der Sonderweg-inspirierten Sozialgeschichte scheint die Fragestellung abhanden gekommen zu sein, müssen wir doch mittlerweile bei Wehler lesen, dass Deutschland eigentlich immer Teil des Westens gewesen ist. Hitler doch nur ein Betriebsunfall? Alle Nachweise für den verhängnisvollen Einfluss ostelbischer Rittergutsbesitzer vergeblich? Wehler macht es uns nicht ganz einfach, diesen Thesenschwenk von der defensiven Modernisierung zur westlichen Verankerung nachzuvollziehen. Sein Kontrahent Winkler hat für seine Verwestlichungsgeschichte zumindest handfeste Kriterien aufgeboten: eine Orientierung an freiheitlichen Verfassungswerten und an der Demokratie als gelebter Selbstregierungspraxis.
In Wehlers Modernisierungsgeschichte kommen solcherlei wertegeleitete Maßstäbe allenfalls verdeckt zur Geltung; so etwas wie gesellschaftliche Liberalisierung lässt sich mit seinen „ Achsen”nicht erfassen. Diese Geschichtsschreibung präsentiert die politische Kultur der Bundesrepublik in der Starrheit ihrer Institutionen und Verbände. Sicherlich treten hier gewisse deutsche Eigenheiten zutage, die einen Vergleich mit anderen europäischen Staaten ermöglichen, aber so recht lebendig wird dieses Land nicht. Es ist bezeichnend, dass sich Wehler mit den Rahmendaten der „Buchproduktion” beschäftigt, nicht aber mit den Inhalten des kulturellen Lebens. Wehlers überzeugende Analyse der „amorphen Mittelschichten” und der zunehmenden sozialen Ungleichheit ist kaum mit seinem Befund zu verbinden, dass die „Klassenkultur” insgesamt „außerordentlich stabil geblieben” sei – schon gar bei der von ihm diagnostizierten Pluralität von „Bürgertümern”.
Das Ziel einer rational konzipierten Totalgeschichte erweist sich letztlich als illusorisch: Zu vieles rutscht durch die Maschen der Historischen Sozialwissenschaft. Mit ihr lassen sich schleichende Verschiebungen im politischen System, in den Handlungsmodi und Verhaltensweisen politischer Akteure und sozialer Bewegungen kaum verstehen. Über die Reformbedürftigkeit einer weitgehend konsolidierten Demokratie ist hier viel weniger zu lernen als etwa aus Andreas Wirschings systemtheoretisch inspiriertem „Abschied vom Provisorium”. Wehler ist natürlich viel zu klug, um die Bundesrepublik als gelobtes Land der demokratischen Ankunft zu beschreiben. In seinen eingestreuten Beobachtungen und tagesaktuellen Kommentaren finden sich durchaus skeptische, ernstzunehmende Töne. Wie Heinrich August Winkler gibt er sich als rechter Sozialdemokrat der Agenda 2010 zu erkennen, plädiert für einen intelligenten Umbau des Wohlfahrtsstaats wie für die ernsthafte Reform des Bildungswesens und warnt vor einem neuen Subproletariat als Gefahr für das 21. Jahrhundert. Das mag alles richtig sein, ist aber in einer Gesamtschau, die im Jahr 1990 endet, so fehl am Platz wie die ständige Warnung vor der Gefahr des islamistischen Fundamentalismus durch türkische Ghettobildung in deutschen Großstädten.
Diesem sein Opus magnum abschließenden Kraftakt Hans-Ulrich Wehlers fehlt der Drive, es fehlt der Sinn für Veränderungen und Entwicklungen. Fast grimmig verwirft Wehler alle neueren soziologischen Moden von der Risiko- bis zur Erlebnisgesellschaft und hält am eigenen Entwurf fest. Die ausschließlich nationalstaatlich definierte Gesellschaft bleibt blass, wenn regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands unter den Tisch fallen und ein vergleichender Blick zu den europäischen Nachbarn fehlt. Am meisten verwundert der Verzicht auf eine originelle These, denn es gibt in dieser Selbstbehauptungsgeschichte nichts, was man vor 25 Jahren nicht schon bei „konservativen” Historikern wie Hans-Peter Schwarz hätte lesen können. Es bleibt der Verdacht, dass der Historiker Wehler gar keine rechte Frage an die deutsche Geschichte der Nachkriegszeit hatte. Das Weltbild des Zeitzeugen Wehler scheint schon seit längerem unerschütterlich fest verdübelt zu sein. Der Leistung, die seine jetzt vollendete deutsche Gesellschaftsgeschichte darstellt, wird gleichwohl kein guter Bundesrepublikaner seine Bewunderung versagen können. JENS HACKE
HANS-ULRICH WEHLER: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 5: Bundesrepublik und DDR 1949-1990. Verlag C. H. Beck, München 2008. 529 S., 34,90 Euro.
Alle fünf Bände der Gesellschaftsgeschichte gibt es ab Mitte September ebenfalls bei C. H. Beck in einer kartonierten Sonderausgabe im Schuber für 98 Euro.
Die DDR ist bloß eine Negativfolie für den Erfolg des Westens
Das Ziel einer rational konzipierten Totalgeschichte ist unerreichbar
Der beispiellose Aufbau-Erfolg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg ist das leitende Thema von Hans-Ulrich Wehlers neuem Buch, in dem sich Statistik und Polemik begegnen. Als Lehrstuhlinhaber an der nordrhein-westfälischen Reformuniversität in Bielefeld seit 1971 – deren Errichtung vom Ende der sechziger Jahre bis 1975 diese Bilderserie dokumentiert – war der Historiker selbst Teil jener Expansionsgeschichte. Foto: Universitätsarchiv Bielefeld
Der Historiker Hans-Ulrich Wehler, Jahrgang 1931 Foto: Tom Specht
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