Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871-1945 - Keiper, Gerhard; Kröger, Martin

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Alle Angehörigen des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen 1871 und 1945 erfasst dieses auf fünf Bände angelegte Nachschlagewerk, dessen zweiter Band jetzt vorliegt. Auf der Grundlage der erstmals vollständig ausgewerteten Personalunterlagen der Behörde und zahlreicher weiterer Quellen bietet es in standardisierter Form Informationen jeweils zu Lebensdaten, Herkunft und Familie, Konfession, Ausbildungsgang, Parteizugehörigkeit, zu den einzelnen Stationen der Laufbahn im Auswärtigen Dienst und zu Tätigkeiten außerhalb dieses Dienstes. Darüber hinaus enthalten die Artikel neben Photos…mehr

Produktbeschreibung
Alle Angehörigen des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen 1871 und 1945 erfasst dieses auf fünf Bände angelegte Nachschlagewerk, dessen zweiter Band jetzt vorliegt. Auf der Grundlage der erstmals vollständig ausgewerteten Personalunterlagen der Behörde und zahlreicher weiterer Quellen bietet es in standardisierter Form Informationen jeweils zu Lebensdaten, Herkunft und Familie, Konfession, Ausbildungsgang, Parteizugehörigkeit, zu den einzelnen Stationen der Laufbahn im Auswärtigen Dienst und zu Tätigkeiten außerhalb dieses Dienstes. Darüber hinaus enthalten die Artikel neben Photos bibliographische Hinweise und Angaben zum Verbleib des Nachlasses. Aufgenommen sind neben den Außenministern alle Beamten und Angestellten des höheren Dienstes - in der Berliner Zentrale vom "Wissenschaftlichen Hilfsarbeiter" und Referenten bis zum Staatssekretär, in den Auslandsmissionen Diplomaten und Konsuln ebenso wie Dolmetscher und Sachverständige für Handel und Wirtschaft, Kultur und Presse. Das Lexikon bietet damit Informationen, die in keinem anderen Nachschlagewerk verfügbar sind. Gleichzeitig liefert es die kollektive Biographie einer staatlichen Funktionselite, für deren weitere Erforschung und Beurteilung hier ein sicheres Fundament gelegt wird.
Rezensionen
Besprechung von 10.12.2004
Räte und Exzellenzen

DAS DIPLOMATENLEXIKON ist etwas für Kenner, weniger etwas für Genießer, weil es trotz vieler Photos keine historischen Vorder- oder Hintergründe bietet. Daß Heinrich Goering (noch ohne Umlaut) nicht nur Ministerresident in Port-au-Prince, sondern auch Vater des "zweiten Manns" im "Dritten Reich" war, läßt sich anhand der Kinder "aus II. Ehe: Karl, Olga (1889), Hermann (12.1.1893), Paula, Albert" verständlicherweise nur erahnen. Kaum nachvollziehbar ist jedoch beispielsweise, daß Erich Kordt, der Leiter des Ministerbüros von 1938 bis 1941, nicht als Hitler-Gegner ausgewiesen wird. Der geneigte Leser erfährt gerade einmal, daß der am 1. November 1937 der NSDAP beigetretene Diplomat und "Obersturmbannführer im SS-Hauptamt" im "Jan. 1948 Zeuge der Verteidigung im Prozeß vor dem Amerikan. Militärtribunal IV in Nürnberg, Fall 11 (,Wilhelmstraßenprozeß')" gewesen sei. Obwohl jene Vernehmung erst im Juni stattfand, hätte ein kleiner Hinweis nicht geschadet, daß Kordt seine gegen das nationalsozialistische Regime gerichteten mutigen Aktivitäten von 1938/39 später vor Gericht als Initiativen des angeklagten Staatssekretärs Ernst von Weizsäcker ausgab. Demgegenüber quillt die Sekundärliteratur zu Harry Graf Kessler fast über. Vom unbekannten kaiserlichen Konsul in Fiume Georg Gabriel über den legendären wilhelminischen Geheimrat Friedrich von Holstein, den Stellvertretenden Abteilungsleiter und "Verbindungsmann zum Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" Kurt Georg Kiesinger (den Bundeskanzler von 1966 bis 1969) und den "Wissenschaftlichen Hilfsarbeiter" Wilhelm Kopf (der bis 1936 Kalbskopf hieß) bis zu Alexander Kyd von Rebenburg, der vom Kohleimporteur in Budapest 1944 als Angestellter der Deutschen Gesandtschaft zum Zensor beim ungarischen Rundfunk aufstieg: Alle Angehörigen des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen Reichsgründung und Reichsuntergang sind erfaßt (Lebensdaten, Konfession, Herkunft, Eheschließung, Kinder, Ausbildung, Parteizugehörigkeit, Stationen der Laufbahn, Tätigkeiten nach einem Ausscheiden, Verbleib des Nachlasses und bibliographische Angaben). Die Bearbeiter Gerhard Keiper und Martin Kröger ergänzen damit durch penible Auswertung der Personalakten und anderer Quellen vorzüglich die vierzig Dokumentenbände der in den zwanziger Jahren entstandenen Edition "Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871-1914" und die sechzig Bände der 1995 endlich abgeschlossenen "Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945". (Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt durch den Historischen Dienst. Band 2: G-K. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2005. XIV und 715 Seiten, 158,- [Euro].)

RAB.

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Besprechung von 24.01.2005
Frack, Anzug, Uniform
Kollektivbiografie: Diplomaten unter Kaiser, Republik und Führer
Auch der mit Spannung erwartete zweite von fünf geplanten Bänden dieses bedeutenden bio-bibliografischen Langzeitprojekts, das vom Historischen Dienst des Auswärtigen Amtes verantwortet wird, erfüllt alle Erwartungen: Vollständigkeit, Genauigkeit und Übersichtlichkeit. Aufgenommen wurden 680 Namen, so dass man die später einmal erreichte Gesamtzahl auf gut 3000 hochrechnen kann. Jeder Eintrag folgt einem standardisierten Raster und dokumentiert Herkommen, Ausbildung, Familiensituation, Laufbahn und Primär- wie Sekundärschrifttum. Aufgenommen wurden alle Mitarbeiter, Beamte und Angestellte, des höheren Innen- und Außendienstes des Auswärtigen Amtes von der Kaiserzeit bis zum Ende des Dritten Reichs. Das Spektrum umfasst demnach alle Ränge vom Botschafter und Gesandten bis zu den Sachbearbeitern.
Das so entstandene Repertorium ist vor allem für Neuzeithistoriker hilfreich, da sie die in den Akten vorkommenden Namen zuverlässig identifizieren können. Nicht minder wichtig ist jedoch der Beitrag zu einer später einmal zu schreibenden Kollektivbiografie der deutschen Eliten im Untersuchungszeitraum. Erste Konstanten lassen sich bereits jetzt festhalten: Es überwiegt das nord- und mitteldeutsche protestantische Bürgertum, obschon ein hoher Prozentsatz von Aristokraten auffällt. Darunter befinden sich bedeutende Namen, etwa Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst oder mehrere Grafen Hardenberg, Hatzfeld oder aus anderen alten Geschlechtern. Vom Ausbildungsprofil her dominieren Juristen, häufig mit Doktortitel, gefolgt von Philologen, die wegen guter Sprach-, Geschichts- und Kulturkenntnisse gefragt waren. Frauen sind äußerst selten und bekleiden nur nachgeordnete Tätigkeiten; auch Juden fehlen. Dies spricht für den konservativen Charakter der Mitglieder des Auswärtigen Amtes, bei denen ansonsten Unauffälligkeit Trumpf war. So haben die meisten Karrierebeamten mindestens zwei, meist drei Regimes gedient, und eine ansehnlich Zahl von Botschaftern der späteren Bundesrepublik hatten ihre Laufbahn in der Weimarer Republik begonnen (Wilhelm Haas, ab 1952 in Ankara, Moskau und Tokio, Hans Heinrich Herwarth von Bittenfeld, ab 1955 in London und Rom, Hans Kroll, ab 1953 in Belgrad, Tokio und Moskau, und so weiter). Ob dies auch für die DDR gilt, bleibt zu überprüfen.
Stereotypen und Quereinsteiger
Die Mehrzahl der Lebensläufe ist farblos und stereotyp, doch gerade deshalb aussagefähig. Interessanter sind allein die Biografien von Quereinsteigern oder solchen Mitarbeitern, die den Dienst schon nach kurzer Zeit quittierten, um sich anderweitig zu betätigen: als Schriftsteller (Gerhard Heller, Verfasser von „Un Allemand à Paris”, dem Bericht über seine Zensurtätigkeit bei der Pariser Propaganda-Kompanie im Zweiten Weltkrieg), Journalisten (Franz Grosse, Chefredakteur der Gewerkschaftszeitung Das Volk und Leiter der Volkswirtschaftsabteilung der IG Bergbau), Politiker (Hans Gmelin, 1955 bis 1975 Oberbürgermeister von Tübingen), Industrielle (Reinhard Henschel, nach Kriegsende Repräsentant für die gleichnamige Lokomotiv-Fabrik), Anwälte (Friedrich Grimm, nach beiden Weltkriegen Spezialist für „Kriegsschuldfragen”) oder Hochschulprofessoren (Justus Hashagen, Kultur- und Universalhistoriker).
Gelegentlich ist ein Lebensweg bizarr: Ein Alim Idris aus Kyzyljar in Sibirien trat 1916 in die Nachrichtenstelle für den Orient ein, wurde 1922 kultureller Repräsentant der Republiken Buchara und Usbekistan in Deutschland, gründete 1925/26 die Gesellschaft für islamische Gottesverehrung in Berlin und endete 1944 als Lehrer bei der Ausbildungsstätte für islamische Geistliche beim Osttürkischen Waffenverband des SS-Hauptamtes in Dresden.
Die beigegebenen Porträtphotos erlauben bereits auf den ersten Blick gewisse Zuordnungen: In der Kaiserzeit dominieren der Frack oder die ordengeschmückte Uniform. Ein gepflegter Bart verleiht den Diplomaten ein würdevolles Aussehen. In der Weimarer Republik trägt man Anzug und Schlips und ist glatt rasiert. Im Dritten Reich finden sich häufig Uniformen von Wehrmacht, SA und SS, dazu gelegentlich das Parteiabzeichen im Knopfloch. Der gerade bei diesen Personen immer wieder anzutreffende Religionseintrag „gottgläubig” weist meist auf ein erhöhtes Engagement für den Nationalsozialismus hin. Die beiden SA-Botschafter Siegfried Kasche (Zagreb) und Manfred Freiherr von Killinger (Bukarest), die durch den Strang beziehungsweise durch Selbstmord endeten, sind die prominentesten Vertreter dieser Parteidiplomatie. Zwei namhafte Widerständler des 20. Juli, Hans Bernd von Haeften und Ulrich von Hassell, die ihren Mut in Plötzensee mit dem Leben bezahlten, ehren die Namensgalerie. So lädt der Band nicht nur zum gelegentlichen Nachschlagen ein, sondern bietet eine Fülle von Lebensläufen, die eng mit der wechselvollen deutschen und internationalen Geschichte der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts verbunden sind.
FRANK-RUTGER HAUSMANN
MARIA KEIPERT, PETER GRUPP (Hrsg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871-1945. Band 2: G-K, bearbeitet von Gerhard Keiper und Martin Kröger. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn u.a. 2005. 715 S., zahlr. Abb., 158 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Zufrieden zeigt sich der "RAB." zeichnende Rezensent mit dem "Biografisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes", das alle Angehörige des höheren Auswärtigen Dienstes zwischen Reichsgründung und Reichsuntergang (1871-1945) erfasst (Lebensdaten, Konfession, Herkunft, Eheschließung, Kinder, Ausbildung, Parteizugehörigkeit, Stationen der Laufbahn, Tätigkeiten nach einem Ausscheiden, Verbleib des Nachlasses und bibliografische Angaben). Allerdings ist der Band seines Erachtens eher "etwas für Kenner" als für "Genießer", weil er trotz vieler Photos keine historischen Vorder- oder Hintergründe biete. Dass etwa Heinrich Goering (noch ohne Umlaut) nicht nur Ministerresident in Port-au-Prince, sondern auch Vater des "zweiten Manns" im "Dritten Reich" war, lasse sich anhand der Kinder "aus II. Ehe: Karl, Olga (1889), Hermann (12.1.1893), Paula, Albert" verständlicherweise nur erahnen. Auch hält er es für "kaum nachvollziehbar", dass Erich Kordt, der Leiter des Ministerbüros von 1938 bis 1941, nicht als Hitler-Gegner ausgewiesen wird. Davon abgesehen sieht der Rezensent in diesem Diplomatenlexikon eine vorzügliche Ergänzung der vierzig Dokumentenbände der Edition "Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871-1914" und der sechzig Bände der "Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945".

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