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Wyatt sondiert mal wieder die Möglichkeiten. Eine Bank wäre toll oder ein Geldtransporter. Doch soll er sich deswegen mit dreisten, jungen Idioten und Meth-Köpfen einlassen? So groß ist seine Verzweiflung dann doch nicht, zumal ihm ein Broker in Queensland einen One-Man-Job anbietet. Ein flämisches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert - von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs erbeutet - sei im Erholungsort Noosa, in der sengenden Hitze der Sunshine Coast im Haus eines Pädophilen aufgetaucht und eine israelische Auftraggeberin biete viel Geld dafür. Ganz nach Wyatts Geschmack, denn er kann den…mehr

Produktbeschreibung
Wyatt sondiert mal wieder die Möglichkeiten. Eine Bank wäre toll oder ein Geldtransporter. Doch soll er sich deswegen mit dreisten, jungen Idioten und Meth-Köpfen einlassen? So groß ist seine Verzweiflung dann doch nicht, zumal ihm ein Broker in Queensland einen One-Man-Job anbietet. Ein flämisches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert - von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs erbeutet - sei im Erholungsort Noosa, in der sengenden Hitze der Sunshine Coast im Haus eines Pädophilen aufgetaucht und eine israelische Auftraggeberin biete viel Geld dafür. Ganz nach Wyatts Geschmack, denn er kann den Coup in Eigenregie ausbaldowern ...Auch im neuen Wyatt-Roman zeigt sich Dishers Gespür für Atmosphäre und für Charaktere, die bis hin zur allerletzten Nebenfigur lebendig und authentisch daherkommen.
Autorenporträt
Garry Disher wurde 1949 im Süden Australiens geboren und wuchs auf einer Farm auf. Auf sein Konto gehen preisgekrönte Kinderbücher, klassische Romane, Sachbücher und Crime Fiction. Hierzulande gelang ihm mit Letzterem auf Anhieb der Durchbruch: Sein Romandebüt GIER um den Berufsverbrecher Wyatt wurde 2000 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, genauso wie 2002 sein erster Polizeiroman DRACHENMANN. Zuletzt erschien: BITTER WASH ROAD. Garry Disher lebt mit seiner Familie auf der Mornington Halbinsel.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 31.10.2019

Entweder alle Toten zählen oder keiner
Kurzkritiken: Krimis aus Amerika, Kirgisistan und Australien. Auch Wyatt ist endlich wieder da, der Held von Garry Disher
Es glüht unter Campell’s Run, schon fünfzig Jahre lang, tief in der Erde. Aber erst nach zehn Jahren machte das Minenfeuer sich an der Oberfläche bemerkbar, ein kleiner Krater in einem Hinterhof, ein Erdspalt, der sich öffnet und eine Harley schluckt. Der Ort, der ein Zentrum des Kohleabbaus war, ist längst am Ende, wüstes, vergessenes Hinterland, ohne Zukunft. In diese Öde aus toten Bäumen und Erdspalten wird Police Chief Dove Carnahan zu einem Mordfall gerufen: „In eins dieser schwelenden Löcher im Boden hat jemand das tote Mädchen gesteckt.“ Zuvor hat er es angezündet, die Leiche ist stark verkohlt. Um sie rauszuholen, muss einer in das Loch steigen, und Carnahan macht’s, „ich ziehe sie sanft an mich, wobei ich das Geräusch, den Geruch und das Gefühl von versengtem Fleisch und verbrannten Knochen ignoriere und mir das Mädchen vorzustellen versuche, das sie war, bevor ihr Herz zu schlagen aufhörte und ihre Seele sich verflüchtigte“. Dove ist die leichteste unter den Cops, aber auch die mit dem exklusivsten Outfit – „einen irisblauen Rock mit Blazer und neue taupefarbene Lacklederpumps, die ich gerade mit einem Dreißig-Prozent-Gutschein bei Kohl’s gekauft habe. Meine Bluse hat ein leuchtendes Blumenmuster zu Ehren des strahlenden Sommertags.“
Dove Carnahan, eben fünfzig geworden, ist die erste Polizeichefin der Stadt, und der Roman von Tawni O’Dell erzählt, durch die Krimiintrige hindurch, von Frauen in der amerikanischen Gesellschaft, ihren Rollen in der Familie, wie sie mit Vorurteilen zurechtkommen und mit dem Alter. Es ist ein Matriarchat und auch Dove erprobt in der Gemeinschaft mit ihren Geschwistern Formen der Mütterlichkeit. Manchmal mag der Kommissar Borubaew ziemlich tiefsinnig werden, zum Beispiel, wenn er sich plötzlich wieder an die junge Drogentote erinnert in der Anatomie, wo sie „ihrer Geheimnisse, Hoffnungen und Identität beraubt“ wurde. „Ich sah ihre blasse Haut und die Einstiche der Spritze vor mir, hatte den Moment ihres Todes noch in der Nase. Ich wusste von den Kindern dieser Welt, die nie ihre sein würden, von dem Zuhause, auf das sie so stolz, dem Mann, der ihr treu gewesen wäre. Entweder alle Toten zählen oder keiner. Eine Philosophie, nach der ich bisher zu leben hatte. Und die mich eines Tages vielleicht umbringen würde.“ In diesen Momenten der Trauerarbeit schlägt der coole Sarkasmus des Erzählers, in der Noir-Tradition von Chandler und Hammett, ins Pathos um. Borubaew, Kommissar in Kirgisistan, ist in diesem abschließenden Band der Tetralogie von Tom Callaghan plötzlich ein Ex – und ein Spielball in den Macht- und Wirtschaftsspielen zwischen der asiatischen Mafia, dem Minister für Staatssicherheit, seiner Freundin, der Killerin Saltanat, und Drogendealern in Bangkok. Er wird Drogenbaron und skizziert uns, wie das Drogengeschäft der Zukunft verlaufen könnte.
Wyatt ist wieder da, der kriminelle ProfiHeld von Garry Disher, noch ein bisschen einzelgängerischer als Richard Starks Parker. Einzelgängerei als Lebensform, das heißt harte Arbeit. Nie auffallen, keine Spur hinterlassen, immer wieder die Identitäten wechseln. Wyatt braucht Geld, und zwar – weil die Jungs heute drogensüchtig sind und die einfachsten Regeln der Spurlosigkeit nicht beachten – einen Solojob. Das soll diesmal der Diebstahl eines Gemäldes sein, eine ländliche Szene von David Teniers. So rutscht Wyatt in aktuelle Turbulenzen um Restitutionen und dann weiter in die um Pädophilie. Und hat erstmals mit einer Frau zu tun, die selbst eine Waffe in die Hand nimmt.
Existenzialismus ist in der australischen Weite noch stärker konturiert als in den amerikanischen Städten. „Er hatte keine Geschichte, es sei denn, man könnte eine hervorzaubern aufgrund der Tatsache, dass er jetzt existierte und zuvor nicht existiert hatte. Und eines Tages nicht mehr existieren würde.“ Am Ende zieht Wyatt ab mit einer Tüte voll Geld und einem kleinen australischen Meister, Hans Heysen. GÖT
Tawni O’Dell: Wenn Engel brennen. Aus dem Englischen von Daisy Dunkel. Ariadne/Argument Verlag, Hamburg 2019. 452 Seiten, 21 Euro.
Tom Callaghan: Erbarmungsloser Herbst.
Aus dem Englischen von Kristian Lutze und Sepp Leeb. Atlantik/Hoffman und Campe, Hamburg 2019. 349 Seiten, 12 Euro.
Garry Disher: Hitze. Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller. Pulp Master, Berlin 2019. 278 Seiten, 14,80 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.12.2019

Schule der Wahrnehmung

Gelungene Kriminalliteratur steht immer noch im Ruf, stilistisch nicht der Rede wert, aber handwerklich sauber zu sein. Demnach hätte der Autor eines Thrillers besonders auf die Dramaturgie und den Detailreichtum zu achten, während er Sprache, Stil und ein komplexes Gedankengewebe vernachlässigen könnte. Es ist bezeichnend, dass diese Auffassung häufig von Lesern geteilt wird, die Krimis mit skandinavischer Dutzendware identifizieren und sich nie den rhetorischen Tollheiten James Ellroys oder der Finesse eines Richard Price ausgeliefert haben. Als Einstiegsdroge für Skeptiker des Genres empfehlen sich die Bücher des Australiers Garry Disher. In "Hitze", dem achten Roman um den Berufskriminellen Wyatt, bilden Stil und handwerkliche Genauigkeit eine Einheit. Wyatt erhält den Auftrag, ein flämisches Gemälde des siebzehnten Jahrhunderts aus einem Haus an der Sunshine Coast zu stehlen. Dummerweise gibt es noch weitere, nicht ungefährliche Interessenten, die falsche Fährten legen und sich gegenseitig hinters Licht führen. Auf zweihundertsiebzig Seiten macht Disher aus den Zutaten der klassischen Heist-Story eine Schule der Wahrnehmung, wobei Inhalt und Form die perfekte Symbiose eingehen. Wir sehen die erzählte Welt mit den Augen der wachsamen Hauptfigur, scannen jede Straße, jeden Raum und jedes Gesicht mit dem Blick des Profis. Die klaren und kantig geschliffenen Sätze verdichten sich dabei zu einer Manier, die auf kompositorischer Strenge basiert und uns zugleich eine atemlose Lektüre bereitet.

span.

Garry Disher: "Hitze". Ein Wyatt-Roman.

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller.

Pulp Master Verlag, Berlin 2019. 278 S., br., 14,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Klasse findet Rezensentin Sylvia Staude den australischen Autor Garry Disher, und von seinem Meisterdieb Wyatt hat sie noch lange nicht genug: Wyatt ist auf unaufgeregte Art ein bisschen cooler, ein bisschen schlauer und und ein bisschen vorsichtiger als andere Typen seines Schlags. Wie Staude erzählt, soll er diesmal ein flämisches Gemälde für eine israelische Erbin stehlen, die sich nur den bürokratischen Aufwand sparen will. Wie Disher in diesem Plot den Faktor Mensch ins Spiel bringt, hält Staude mal wieder für schön ausgefuchst.

© Perlentaucher Medien GmbH