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Joseph Conrad, Aby Warburg und Robert Oppenheimer sind die Begleiter - der Ariadnefaden in Patrick Marnhams Reisebuch aber führt zu den Ursprüngen der Bombe von Hiroshima: von Brüssel mit seinem gigantischen Justizpalast, erbaut aus den Einkünften der kongolesischen Horrorkolonie, in den heutigen Kongo, dorthin, woher das Uran kam. Und weiter nach New Mexico mit seiner ausgelöschten Indianer-Kultur und dem Vermächtnis von Robert Oppenheimer und Aby Warburg, zwei "verrückten Genies", die sich der zerstörerischen Kraft der Wissenschaft im 20. Jahrhundert auf ganz unterschiedliche Weise näherten.…mehr

Produktbeschreibung
Joseph Conrad, Aby Warburg und Robert Oppenheimer sind die Begleiter - der Ariadnefaden in Patrick Marnhams Reisebuch aber führt zu den Ursprüngen der Bombe von Hiroshima: von Brüssel mit seinem gigantischen Justizpalast, erbaut aus den Einkünften der kongolesischen Horrorkolonie, in den heutigen Kongo, dorthin, woher das Uran kam. Und weiter nach New Mexico mit seiner ausgelöschten Indianer-Kultur und dem Vermächtnis von Robert Oppenheimer und Aby Warburg, zwei "verrückten Genies", die sich der zerstörerischen Kraft der Wissenschaft im 20. Jahrhundert auf ganz unterschiedliche Weise näherten. Die Reise endet in Fukushima, wo 2011 die in Hiroshima und Nagasaki entfesselten Kräfte aufs Neue sichtbar wurden.
  • Produktdetails
  • Verlag: Berenberg
  • Best.Nr. des Verlages: 3483
  • Seitenzahl: 373
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 400 S. 200 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 198mm x 136mm x 27mm
  • Gewicht: 454g
  • ISBN-13: 9783937834832
  • ISBN-10: 3937834834
  • Best.Nr.: 42866685
Autorenporträt
Patrick Marnham, geboren 1943 in Jerusalem, aufgewachsen in England, ist Biograf und vielfach ausgezeichneter Reiseschriftsteller. Als BBC-Korrespondent lebte er in Afrika, dem Mittleren Osten und Zentralamerika. Er veröffentlichte Biografien über Diego Rivera, Georges Simenon, Jean Moulin und Mary Wesley. Er lebt in Oxfordshire.
Rezensionen
Besprechung von 01.12.2015
Sonne der
Finsternis
Patrick Marnham erkundet die
Ursprünge des Nuklearzeitalters
Als am frühen Morgen des 16. Juli 1945 in New Mexiko die erste Kernwaffenexplosion, der sogenannte Trinity Test, durchgeführt wurde, sollen die Vögel angefangen haben zu singen und die Tiere, die sich sonst nur bei finsterer Nacht aus ihren Verstecken wagen, sollen vor Schreck über den plötzlichen Aufgang dieser künstlichen Sonne in Schockstarre gefallen sein. Der Schriftsteller Cormac McCarthy beschreibt die Explosion am Ende seines Romans „Grenzgänger“ als unheimliches, nicht zu verstehendes Ereignis, das sich wie in Konkurrenz zur Schöpfung über die Natur legt. Nach der von Menschen gemachten Sonne wurde es erst noch einmal dunkel, bevor an diesem 16. Juli die Sonne ein zweites Mal aufging.
Der BBC-Reporter und ehemalige Afrika-Korrespondent Patrick Marnham hat sich auf „Reisen zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters“ begeben: Mit einem Filmteam um den Regisseur Manu Riche, der über das selbe Thema einen Dokumentarfilm gedreht hat, reiste er in den Kongo, wo bis heute unter haarsträubenden Bedingungen das Uran für Atomwaffen abgebaut wird, nach New Mexiko, wo die erste Bombe gezündet wurde, und nach Japan, wo in Hiroshima und Nagasaki diese Waffen das erste Mal zum Einsatz kamen und sich erst 2011 im Atomkraftwerk von Fukushima eine weitere atomare Katastrophe ereignete.
Marnhams Buch ist ein ambitioniertes Projekt. Zu gleichen Teilen soll es Geschichte, wissenschaftliche Quellenkunde, Reportage und literarischer Essay sein. Als weitere Referenz zu den historischen Stätten der Bombenentwicklung greift er auf drei Persönlichkeiten und deren Werke zurück: Joseph Conrad und seinen epochalen Roman „Herz der Finsternis“, Aby Warburg und seine Thesen zum Schlagentanz der Hopi-Indianer New Mexikos, dem das Buch seinen Titel verdankt, sowie den Physiker Robert Oppenheimer, praktisch den Erfinder der Atombombe. Alle drei sind bei ihm Gestalten am Rande des Wahnsinns.
Mit dieser Fülle an Informationen zieht Marnham weite Kreise um die Idee und die Entwicklung dieser Waffe, die in ihrem Irrsinn alle anderen Erfindungen der Menschheit in den Schatten stellt. Dem wiederkehrenden Motiv der Finsternis geht er auf fast literarische Weise nach. „Schlangentanz“ ist so keine bloße historische Abhandlung der Bombenentwicklung, sondern eine psychologische, soziologische und kulturelle Spurensuche. In der belgischen Kolonialgeschichte, in der Vorstellung der amerikanischen Siedler, einem gottgegebenen Recht folgend den amerikanischen Kontinent zu besiedeln oder in dem brutalen Sozialdarwinismus, mit dem die jungen Vereinigten Staaten den Indianern ihr Land entrissen, vermutet Marnham die Ströme, die auf jenes Herz der Finsternis zulaufen, in dessen Zentrum er die Unvorstellbarkeit dieser Bombe lokalisiert. Auf fast wundersame Weise findet er auch nach den entferntesten Exkursen über Indianerkultur und das belgische Königshaus wieder zu seinem Kernthema zurück.
„Schlangentanz“ ist ein waghalsiges, aber glücklicherweise in seinem ganz eigenen Wahnsinn wunderbar funktionierendes Buch geworden, dem es gelingt, in seinem poetischen Verfahren aus unvereinbar scheinenden Quellen neues Wissen über etwas eigentlich Unbegreifliches zu schaffen.
NICOLAS FREUND
  
Patrick Marnham: Schlangentanz. Reise zu den Ursprüngen des Nuklearzeitalters. Aus dem Englischen von Astrid Becker und Anne Emmert. Berenberg Verlag, Berlin 2015. 376 Seiten. 25 Euro.
Geschichtsschreibung, Essay
und Reportage in einem
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Patrick Marnhams Buch über die Ursprünge des Nuklearzeitalters ist ein ambitioniertes Projekt, das der Autor bravourös zu meistern weiß, versichert Rezensent Nicolas Freund. Allein dass der Journalist hier Geschichte, wissenschaftliche Quellenkunde, Reportage und literarischen Essay verknüpft und in den Kongo, nach New Mexiko, Hiroshima, Nagasaki und Fukushima reist, ringt dem Kritiker größte Anerkennung ab. Seine Schilderungen aber darüber hinaus auch noch mit Joseph Conrads "Herz der Finsternis", Robert Oppenheimer und Aby Warburgs Thesen über den Schlangentanz der Hopi-Indianer zu verweben, verschlägt Freund schlicht den Atem. Und so kann der Kritiker dieses Buch als sensationell und lehrreich empfehlen.

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