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Thomas Asbridge berichtet erstmals gleichberechtigt und in wechselnder Perspektive von den von Christen wie von Muslimen verübten Grausamkeiten und erduldeten Leiden. Ausführlich macht der polyglotte Historiker Gebrauch auch von den arabischen Quellen. Asbridge nimmt nicht nur die politischen, sondern auch die religiösen Beweggründe aller Seiten ernst. Auch von überraschend freundlichen Begegnungen zwischen Kreuzfahrern und Sarazenen erfahren wir: von Momenten des interkulturellen Austauschs, Beispielen friedlicher Koexistenz im Heiligen Land, Gesten religiöser Toleranz und Zeugnissen der…mehr

Produktbeschreibung
Thomas Asbridge berichtet erstmals gleichberechtigt und in wechselnder Perspektive von den von Christen wie von Muslimen verübten Grausamkeiten und erduldeten Leiden. Ausführlich macht der polyglotte Historiker Gebrauch auch von den arabischen Quellen. Asbridge nimmt nicht nur die politischen, sondern auch die religiösen Beweggründe aller Seiten ernst. Auch von überraschend freundlichen Begegnungen zwischen Kreuzfahrern und Sarazenen erfahren wir: von Momenten des interkulturellen Austauschs, Beispielen friedlicher Koexistenz im Heiligen Land, Gesten religiöser Toleranz und Zeugnissen der Freundschaft über die feindlichen Lager hinweg. Diese große Gesamtdarstellung nimmt die politischen und religiösen Beweggründe aller Seiten ernst und veranschaulicht die immense Kriegslogistik. In packenden Szenen schildert Asbridge all die Belagerungen und Eroberungen und entwirft lebendige Porträts von Saladin und Richard Löwenherz, dem tragischen Leprakönig Balduin IV. oder der Jerusalemer Königin Melisende.

Thomas Asbridge berichtet erstmals gleichberechtigt und in wechselnder Perspektive von den von Christen wie von Muslimen verübten Grausamkeiten und erduldeten Leiden. Ausführlich macht der polyglotte Historiker Gebrauch auch von den arabischen Quellen. Asbridge nimmt nicht nur die politischen, sondern auch die religiösen Beweggründe aller Seiten ernst. Auch von überraschend freundlichen Begegnungen zwischen Kreuzfahrern und Sarazenen erfahren wir: von Momenten des interkulturellen Austauschs, Beispielen friedlicher Koexistenz im Heiligen Land, Gesten religiöser Toleranz und Zeugnissen der Freundschaft über die feindlichen Lager hinweg.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Originaltitel: The Crusades. The War for the Holy Land
  • 8. Aufl.
  • Seitenzahl: 807
  • Erscheinungstermin: 27. November 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 141mm x 63mm
  • Gewicht: 772g
  • ISBN-13: 9783608949216
  • ISBN-10: 3608949216
  • Artikelnr.: 41926110
Autorenporträt
Thomas Asbridge, geboren 1969 in Großbritannien, lehrt Mittelalterliche Geschichte am Queen Mary College der University of London. Der Autor, der 2004 in England schon eine umfassende Geschichte des Ersten Kreuzzugs vorgelegt hat, ist nicht nur einer der besten Kenner der Quellen. Er kennt auch die geographischen Gegebenheiten aus eigener Anschauung: Denn über 500 Kilometer des alten Kreuzfahrerwegs von der Türkei bis Jerusalem hat er selbst erwandert.
Inhaltsangabe
Einleitung: DIE WELT DER KREUZZÜGE 13 Europa im Mittelalter 16 Die muslimische Welt 29 Erster Teil: AUFBRUCH DER KREUZFAHRER 43 1 Heiliger Krieg, Heiliges Land 45 Papst Urban und der Kreuzzugsgedanke 45 Byzanz 60 Der Zug durch Kleinasien 69 2 Syrisches Martyrium 75 Ein Zermürbungskrieg 80 Verrat 84 Die Belagerten 88 Verzögerung und Verirrung 97 3 Die Heilige Stadt 104 Im Himmel und auf Erden 105 Die Erstürmung Jerusalems 112 Nachwirkungen 118 Erinnerung und Vorstellung 124 4 Die Entstehung der Kreuzfahrerstaaten 131 Beschützer der Heiligen Stadt 132 Das Königreich Gottes 134 Die Konfrontation mit dem Islam 144 Die Krise im lateinischen Syrien (1101 - 1108) 154 Herrscher im heiligen Königreich 163 Oberster Herr von Outremer (1113 - 1118) 172 5 Outremer 182 Das Blutfeld 183 Der Umgang mit Niederlagen 186 Eine Kreuzfahrer-Gesellschaft? 193 Zangi - Tyrann des Ostens 210 6 Wiedergeburt der Kreuzzugsidee 217 Der Kreuzzugsgedanke im frühen 12. Jahrhundert 217 Der Aufruf zum zweiten Kreuzzug 221 Ein Heiliger spricht - Bernhard von Clairvaux und der zweite Kreuzzug 226 Das Ideal wird ausgeweitet 232 Das Werk der Könige 235 Unterwegs ins Heilige Land 238 Zweiter Teil: DIE ANTWORT DES ISLAMS 245 7 Wiedererwachen des Islams 247 Zangi, Vorkämpfer des Islams 247 Widerstand gegen den Kreuzzug 254 8 Nur ad-Din - Licht des Glaubens 261 Die Schlacht von Inab 262 Die Straße nach Damaskus 268 Neue Aufgaben 275 Versuch und Erfolg 281 Der Traum von Jerusalem 285 9 Der Reichtum Ägyptens 290 Ägypten im Mittelalter 290 Ein neues Schlachtfeld 292 Saladin, Herrscher Ägyptens (1169 - 1174) 300 Heerführer oder Herrscher 304 10 Erbe oder Usurpator 311 Ein Held für den Islam 312 Der Nachfolger Nur ad-Dins 314 Saladins ajjubidisches Reich 323 Der Lepra-König 325 Konfrontation 333 11 Der Sultan des Islams 344 Herrschaftsdrang 344 Der Krieg gegen die Franken 351 Der Stachel lateinischer Aggression 353 Verwandlung 361 12 Der heilige Krieger 366 Ein vereinter Islam? 368 Ein Königreich in Scherben 371 Zu den Hörnern von Hattin 373 Der Sturz des Kreuzes 383 Saladins Absichten im September 1187 387 Das wiedergewonnene Jerusalem 391 Dritter Teil: KAMPF DER CHAMPIONS 395 13 Zum Kreuzzug berufen 397 Predigten für den dritten Kreuzzug 398 Cur de Lion 404 Die Könige nehmen das Kreuz 411 Verzögerungen in England und Frankreich 413 Vorbereitungen: Finanzen und Logistik 416 Aufbruch ins Heilige Land 419 14 Neue Herausforderungen für den Eroberer 422 Nach dem Sieg 422 Die große Belagerung von Akkon 429 Kriegssturm 445 Stillstand 455 15 Die Ankunft der Könige 461 Die Reise ins Heilige Land 462 Die Könige greifen ein 463 Richard Löwenherz vor Akkon 465 Das Schicksal Akkons 473 Der einzige König 481 Kaltblütig 484 16 Löwenherz 490 Die größte Stunde 492 Die Schlacht von Arsuf 501 17 Jerusalem 512 Entscheidungen und Enttäuschungen 512 Die Einnahme der Heiligen Stadt 523 Neuorientierung 527 Krise und Verwandlung 529 18 Schwere Entscheidungen 534 Die ajjubidische Strategie Anfang 1192 535 Der zweite Vormarsch auf Jerusalem 538 Endspiel 546 Das Ergebnis des dritten Kreuzzugs 549 Vierter Teil: DER KAMPF UMS ÜBERLEBEN 555 19 Erneuerung 557 Wandel im lateinischen Westen 557 Papst Innozenz III. 559 Der vierte Kreuzzug 565 Das Feuer bewachen 571 Outremer im 13. Jahrhundert 574 20 Neue Wege 590 Der fünfte Kreuzzug 591 Der Kreuzzug Friedrichs II. 602 Ein neuer Horizont 612 21 Ein Heiliger im Krieg 619 König Ludwig IX. von Frankreich 620 Kriegsvorbereitungen 622 Sturmangriff am Nil 626 Der Niedergang der Ayyubiden 630 Die Eroberung Ägyptens 633 Zwischen Sieg und Niederlage 641 Der Büßer-König 647 Fünfter Teil: SIEG IM ORIENT 653 22 Der Löwe von Ägypten 655 Neue Mächte im Vorderen Orient 656 Baibars und das Mamlukensultanat 665 Der Krieg gegen die Franken 676 23 Rückgewinnung des Heiligen Landes 684 Der zweite Kreuzzug Ludwigs IX. 685 Die Schlinge wird enger gezogen 687 Versuche und Triumphe 694 12
Rezensionen
"Thomas Asbridge erzählt die Geschichte der Kreuzzüge eindringlich und in epischer Länge ... Der Leser hat den Eindruck, in der vordersten Reihe dabei zu sein." Christian Jostmann, Süddeutsche Zeitung, 19.10.2010 "Asbridge zeigt, dass sich Kreuzritter und Muslime nicht nur auf grausamste Art niedermetzelten, sondern sich auch arrangieren konnten, dass sie Handelsbeziehungen pflegten, gemeinsam den Hamam besuchten und wenn nötig gar unheilige Allianzen - zum Beispiel gegen den christlichen Kaiser von Byzanz - schmiedeten." Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2011 "Im Perspektivwechsel geschildert, erfahren Laien und Fachleute in diesem umfangreichen Werk alles über den Krieg um das heilige Land im Mittelalter und seine wechselnden Herrscher." P.M. History, Nr.1, 2011 "Eine spannend zu lesende Geschichte der Kreuzzüge. ...Packend schildert Asbridge einzelne Schlachten und porträtiert wichtige Protagonisten." DAMALS, Dezember 2011 "Eine beeindruckende neue Gesamtdarstellung der Orient-Kreuzzüge von 1096 bis 1291. Dezidiert stellt Asbridge die christlichen Quellen des Mittelalters gleichwertig neben- und gegeneinander. Eindrucksvoll sind die packenden szenischen Beschreibungen im Stil englischer Geschichtsschreibung, mit sprachlicher Gestaltungskraft klug aus den Quellen entwickelt." Prof. Dr. Bernd Schneidemüller, DAMALS, Januar 2011 "Ein großes historisches Werk in narrativer Höchstform." Nürnberger Nachrichten, 04.12.2010 "Das Buch verbindet gründliche Darstellung und Analyse mit geradezu romanhafter Sprache." Christian Knatz, Darmstädter Echo, 09.01.2012…mehr

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.10.2010

Quecksilberwickel für die Christenritter

Von klaren Fronten und Motiven in einem Kampf des Westens gegen den Orient konnte schon damals keine Rede sein: Thomas Asbridge dröselt Politik und militärische Strategien der Kreuzzüge auf.

Sultan Saladin nannte sich stolz "Sultan des Islams und der Muslime". Als er am 2. Oktober 1187 den Widerstand der Lateiner gebrochen hatte und nach Jerusalem vorgedrungen war, wies er einen von den Christen geforderten Unterwerfungsvertrag mit den Worten zurück: "Weder Sicherheit noch Gnade für euch! Unsere ganze Leidenschaft ist, euch ewige Erniedrigung zu bereiten. Morgen nehmen wir euch im Sturm, morden und machen viele Gefangene unter euch, vergießen das Blut der Männer und schleppen Frauen und Kinder in Knechtschaft!" Er habe sich, wie Zeitgenossen berichten, dann jedoch davon überzeugt, dass die Gegner noch in der Lage waren, die Moschee auf dem Tempelberg zu zerstören und Tausende versklavte Muslime zu töten. So gewährte er den Christen gegen Lösegeld freien Abzug. An seiner Selbstverpflichtung hielt er auch fest, als manche seine Großmut missbrauchten; der Patriarch von Jerusalem soll sogar die Goldplatten und Silberarbeiten der Auferstehungskirche abmontiert und mitgeschleppt haben, obschon diese Gegenstände offensichtlich nicht zu seiner mobilen Habe gehörten.

Als Erster hat wohl Voltaire Saladins Milde rühmend dem hemmungslosen Morden gegenübergestellt, das die christlichen Kreuzzügler bei der Eroberung der Stadt 1099 verübt hatten. Lessing hat das rezipiert, während Friedrich Schiller, der kritische Universalhistoriker, 1790 deutliche Vorbehalte gegen eine Glorifizierung des Sultans von Ägypten hegte. Der Saladin-Mythos ("der edle Heide"), dem erst die Romantik zum Durchbruch verhalf, hatte jahrhundertelang keine Parallelen in der muslimischen Welt, bis Kaiser Wilhelm II. 1898 am Grab des Ajjubiden in Damaskus einen Bronzekranz niederlegte und muslimische Dichter zur Wiederentdeckung des Sultans bewegte.

Während Lloyd George den Ersten und General Eisenhower den Zweiten Weltkrieg als "großen Kreuzzug" bezeichneten, förderte die Gründung des Staates Israel, die als "Pakt zwischen Imperialismus und Zionismus" und Ergebnis einer "Neuauflage der Kreuzzüge" (Gamal Abdel Nasser) verstanden wurde, den Gegenmythos von Saladin als muslimischem Befreier. In unserer Zeit ließen sich die Staatenlenker Hafiz al-Assad in Syrien und Saddam Hussein als zweite Saladins propagieren, zumal der Iraker darauf hinweisen konnte, wie der Kurde Saladin aus Tikrit zu stammen. Keine Worte muss man darüber verlieren, dass der amerikanische Präsident George W. Bush 2001 Al Qaida in die Hände spielte, als er seinen "Krieg gegen den Terrorismus" einen "Kreuzzug" nannte.

Mythen und jeglicher Instrumentalisierung von Geschichte zu ideologischen Zwecken entgegenzutreten ist Aufgabe der Geschichtswissenschaft, und so sind Historiker in aller Welt seit dem 11. September darum bemüht, die These vom unvermeidlichen Kampf des Westens gegen den Orient und einer ungebrochenen Tradition von Kreuzzügen der Christen gegen die Muslime zu widerlegen. Der junge Londoner Mediävist Thomas Asbridge hat dies in einer dickleibigen Geschichte der Kreuzzüge getan, die das Geschehen zwischen 1096 und 1291 durch einen ständigen Perspektivenwechsel zwischen beiden Parteien beleuchtet. Begünstigt war sein Vorhaben dadurch, dass sehr viele arabische Quellen inzwischen in englischen Übersetzungen vorliegen.

Nicht nur die Lateiner, auch die Araber und später die Türken ließen sich in den jahrzehntelang unterbrochenen Kampagnen von höchst unterschiedlichen Motiven leiten, von religiösen Antrieben ebenso wie vom Macht-, Gewinn- und Ruhmstreben, und niemals standen sich Christen und Muslime militärisch und politisch geschlossen gegenüber. Andererseits lebten die Angehörigen der verschiedenen Religionen in der Levante so eng miteinander, dass kultureller Austausch unvermeidlich war. Asbridge weist hier auf die Übersetzungen arabischer Literatur in Antiochien hin. So konnte Stephan von Pisa die Lebensqualität der Lateiner verbessern, als er das "Königliche Buch" des al-Majusi übertrug. Man lernte nun "über die Verschönerung des Körpers", wie unerwünschter Haarwuchs zu beseitigen, hingegen der Umfang von Brust und Hoden zu steigern sei, oder erfuhr aus dem Kapitel über das Reisen, dass gekühltes Rosenwasser gegen Sonnenstich, eine Abreibung mit Öl auf Eichhörnchenfell gegen Erfrierungen helfe, ja Quecksilberwickel wurden gegen Lausbefall empfohlen.

Was die Kunst - vor allem Architektur - angeht, wird schon seit längerem über einen Kreuzfahrerstil diskutiert, also hybride Mischungen westeuropäischer und arabischer, aber auch byzantinischer Elemente und Traditionen. König Fulko von Jerusalem ließ etwa um 1135 für seine Gemahlin Melisende wohl an der Grabeskirche ein Gebetbuch anfertigen, an dem französische, von griechischen Vorbildern beeinflusste Schreiber und Maler ebenso arbeiteten wie Elfenbeinschnitzer für die Einbände, die ornamentale Muster des Islams nachahmten.

Asbridges Anliegen ist allerdings kaum die Kulturgeschichte von Outremer, sondern der Ereigniszusammenhang von Politik und militärischem Konflikt. Er brilliert nirgends mit subtilen Textinterpretationen, löst aber mit chronologischen Analysen geduldig viele vermeintliche Kausalketten auf. Dem Anliegen seines Buches gemäß versuchte er überall, den Beweggründen für das Handeln der Mächtigen auf die Spur zu kommen, muss indessen oft eingestehen, der "historische Kontext und die Komplexität der menschlichen Natur" ließen kein eindeutiges Urteil zu.

Manchmal argumentiert er ungenau und wohl auch unbewusst von Ressentiments geleitet. Dem Aufruf zum ersten Kreuzzug habe Papst Urban II. dadurch zum Durchbruch verholfen, dass er seine Predigt von Clermont 1095 auf eine drastische Dehumanisierung der Muslime anlegte; andererseits behauptet Asbridge, "dass die Vorstellung eines Konflikts mit der muslimischen Welt in das eigentliche Wesen des Kreuzzugs nicht eingeschrieben war".

Tatsächlich ist aber Urbans Predigt überhaupt nicht authentisch überliefert; aus verschiedenen seiner Urkunden wissen wir dagegen, dass der Papst den Kampf der Christen gegen die Muslime in Spanien (Reconquista) zum Muster für die Auseinandersetzung zwischen "Christen und Sarazenen" in Asien genommen hat. Er ließ sich offenbar vom Spruch des Propheten Daniel anregen, dass Gott die Zeiten wandele, und schloss daraus, nach den "Heiden" begünstige der Himmel nun wieder die Christen.

Im Mai 1098 formulierte Urban II.: "Gott hat in unseren Tagen in Asien die Türken, in Europa die Mauren durch die Hilfe der christlichen Kräfte bekämpft und einst berühmte Städte durch besondere Gnade seinem Kult restituiert." Auch wenn hier nicht ausdrücklich von Muslimen die Rede ist, hat es wenig Sinn, einen christlich-muslimischen Konflikt als ursprüngliches Motiv der Kreuzzüge zu leugnen, selbst wenn man darüber diskutieren kann, ob es konkret um die Entlastung der Griechen von türkischer Bedrohung oder um die Befreiung Jerusalems von arabischer Herrschaft ging. Und selbstverständlich sollten Historiker niemals vom "Wesen" einer Sache sprechen und dieses gar von deren "Ursprüngen" ableiten, zumal wenn sich Menschen vieler Generationen und Herkünfte jahrhundertelang der gleichen Sache angenommen und sie verändert haben.

MICHAEL BORGOLTE

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Das hat Valentin Groebner selten erlebt, dass ein Historiker sein Thema derart runterbricht! Die Kreuzzüge, meint der britische Thomas Asbridge nämlich, sind überschätzt. Weder sind sie die Geburtsstunde der europäischen Kultur gewesen noch der Beginn des großen Zusammenstoßes der Kulturen. Was in Kreuzzugspredigten erzählt und in klösterlichen Gedächtniskulturen tradiert wurde, habe wenig mit der historischen Realität zu tun gehabt, gibt Groebner die Thesen des Autors wieder, und sehr bald hätten die venezianischen Handelsstützpunkte in der Levante die Kontakte zwischen Orient und Okzident sehr viel stärker geprägt, als die Legenden von Richard Löwenherz und Saladin glauben machen. Der Rezensent findet das alles sehr erfrischend, wie weit er dem Autor folgen möchte, lässt Groebner ein wenig offen. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Kreuzzüge vielleicht nicht als historische Ereignisse so ungeheuer bedeutsam gewesen sein mögen, als lange nachwirkende Fiktionen waren sie es aber durchaus.

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