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Scharfsinnig nimmt hier die »grand old lady« Edith Wharton die amerikanische High-Society in Europa aufs Korn. Susy und Nick Lansing, beide ebenso unternehmungslustig wie brillant auf dem gesellschaftlichen Parkett, haben leider ein unpraktisches Manko: Sie sind ohne einen Cent. Weil sie trotzdem das Leben im Luxus lieben, verlegen sie sich ungeniert aufs Schmarotzen. Die beiden spüren immer mehr, dass sie unfrei sind, abhängig von ihren reichen Freunden. Eines Tages kommt es zum Eklat.…mehr

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Produktbeschreibung
Scharfsinnig nimmt hier die »grand old lady« Edith Wharton die amerikanische High-Society in Europa aufs Korn. Susy und Nick Lansing, beide ebenso unternehmungslustig wie brillant auf dem gesellschaftlichen Parkett, haben leider ein unpraktisches Manko: Sie sind ohne einen Cent. Weil sie trotzdem das Leben im Luxus lieben, verlegen sie sich ungeniert aufs Schmarotzen. Die beiden spüren immer mehr, dass sie unfrei sind, abhängig von ihren reichen Freunden. Eines Tages kommt es zum Eklat.

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Autorenporträt
Edith Wharton (1862-1937) entstammte der New Yorker Patrizierschicht. Als Kind verbrachte sie längere Zeit in Frankreich, Deutschland und Italien, so dass sie, wie sie später meinte, Europa 'unausrottbar im Blut' hatte. Sie genoss eine sorgfältige Erziehung, ihre frühen literarischen Neigungen wurden jedoch kaum gefördert; schriftstellerische Ambitionen ziemten sich für Töchter aus ihren Kreisen nicht. Edith Wharton übersiedelte nach einer schwierigen Ehe 1906 nach Paris. Sie widmete sich nun ganz ihrer dichterischen Aufgabe, schrieb Romane, Erzählungen, Reiseberichte, kulturhistorische Essays. Ihre Vielseitigkeit und ihr Erzähltalent wurden mehrfach geehrt: 1921 erhielt sie den Pulitzerpreis, 1923 verlieh ihr die Yale University als erster Frau die Ehrendoktorwürde; es folgten die Goldene Medaille des National Institute of Arts and Letters und die Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters. Edith Wharton gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Amerikas.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.06.1995

Engel der Verwüstung
Edith Wharton, ihre Automobile und "Der flüchtige Schimmer des Mondes" Von Rolf Vollmann

Im Jahre 1908 gab es in Deutschland ungefähr 15000 Autos, Frankreich produzierte mehr als doppelt so viele Wagen wie Deutschland, Im- und Export hielten sich ungefähr die Waage, in Frankreich werden also 30000, 40000 Autos gefahren sein, aber Frankreich ist ein weites Land. Frühe große Autoreisen durch Europa haben die Aura einer wunderbaren Unschuld, niemand machte sich verdächtig, wenn er sich von diesen neuen Reisegefühlen fasziniert zeigte. Valery Larbaud (Jahrgang 1881) läßt seinen Barnabooth einen großen Wagen fahren, Proust (1871) sah Dörfer und Städte sich neu und schöner ordnen, als er endlich einen Motor vorn im Wagen hatte statt lahme Pferde vor einer Kutsche, Gide (1869) ließ gern den Fahrtwind sich durch die Locken sausen, und Henry James (1843), ein Mittsechziger damals, freute sich immer wie ein Kind, wenn ihn in Kent, wohin er sich zurückgezogen hatte, mit ihrem Auto - dem eigenen - seine schöne amerikanische Freundin und Kollegin Edith Wharton (Jahrgang 1862) besuchte. Einen "Engel der Verwüstung" und einen "Feuervogel", letzteres sicher des Wagens wegen, nannte dieser phantastische Kindskopf sie dann, und eben im Jahre 1908 nahm sie ihn tatsächlich mit auf einen sieben- oder achtwöchigen Trip durch Frankreich, darüber schrieb sie dann auch ein sehr hübsches kleines Buch.

Überhaupt, sage ich jetzt in Parenthese, zumal ich ausschließlich Romanciers genannt habe eben unter den Liebhabern des Automobils, überhaupt fängt der moderne Roman (Perspektive, Stil, innerer Monolog und diese ganzen überflüssigen Subtilitäten hin und her) dort an, wo die Leute in den Romanen Autos fahren; die Leute in den Pferdekutschen versteht man eigentlich noch nicht ganz.

Welchen Wagen die schöne reiche Edith 1908 fuhr, weiß ich nicht; es gibt aber ein Foto aus dem Jahre 1904, dort sitzt sie, in Massachusetts, wo sie sich ein luxuriöses Haus gebaut hatte, mit James auf den Rücksitzen eines sogenannten Phaëtons, eines offenen kleinen Viersitzers. Vorn am Lenkrad sitzt, mit Mütze, Handschuhen und Brille, Teddy - das ist Edward Robbins Wharton (Jahrgang 1850), ein sogenannter "socialite" aus Boston, also einer von den oberen Zehntausend, ein Hätschelkind, das Edith 1885 geheiratet hatte, obwohl alle dachten, sie würde den besten und treuesten ihrer Freunde und Liebhaber nehmen, nämlich Walter Van Rensselaer Berry, einen reichen Anwalt und Diplomaten und guten Bekannten Prousts.

Edith neigte zu starken Melancholien, Teddy war Neurastheniker und also keine große Stütze für sie, außerdem veruntreute er ihr Geld; kurz nach ihrem Autotrip mit James trennte Edith sich von Teddy, 1913 wurden die beiden geschieden. Berry war nach wie vor ein solcher Anbeter, daß er selber nie heiratete, Edith ihrerseits hatte dann sofort eine offenbar sehr befriedigende längere Affäre mit William Norton Fullerton (Jahrgang 1865), einem der engsten Freunde James', der sich erst nach seiner Jugend - er hatte damals Oscar Wilde gut gekannt - zur Heterosexualität durchgerungen hatte, darin dann aber eine allgemein bewunderte Karriere machte. Als eine seiner Lieben merkte, daß er auch Männer gemocht hatte, beschoß sie mit einem Gewehr seinen Schreibtisch (er war verreist) und versuchte ihn zu erpressen. James schrieb ihm dazu freundschaftlich-tröstende Briefe: "Entflieh diesem damned circle. in Deine Arbeit, in Dein Genie, in Deine Kunst, in Dein Wissen" - daraufhin nahm Fullerton sich dann bald der wunderbaren Edith Wharton an.

Diese, von der wir beinahe ein halbes Hundert Bücher haben, hatte, unter anderem, damals gerade das "House of Mirth" geschrieben, "Das Haus der Freude", ein glänzendes Porträt jener New Yorker High-Society, aus der Edith nach Europa geflohen war - das ist dieselbe Gesellschaft, in der dann, fünfzehn Jahre später, ihr großer Roman "The Age of Innocence" spielt (,Zeit der Unschuld" bei Piper, wo es noch zwei kleine Romane von ihr gibt: "Winter" und "Sommer"). Wie James, der erst mit vierzig Jahren auf der Höhe seiner Kunst war (,Bildnis einer Dame", 1881) und dann mit sechzig Jahren eines seiner Meisterwerke schrieb (,Die Gesandten", 1903), verfaßte auch Edith Wharton erst in vorgerücktem Alter ihre besten Bücher, so etwa 1928 ihre ganz ingeniösen "Kinder".

Unser Buch stammt aus dem Jahre 1922. Edith war ruhiger geworden, reiste nicht mehr so unablässig durch die Welt, der Engel der Verwüstung und der Feuervogel waren Vergangenheit. Dieser "Flüchtige Schimmer des Mondes" (ganz im Sinne der Blumenbordüre des Umschlags ein bißchen verkitscht für "The Glimpse of the Moon") ist keins der ganz großen Bücher der Autorin, sondern eher eins der Bücher, die solche Schriftsteller dann auch schreiben, nicht mit links, das nicht, aber doch ein bißchen mehr zur Erholung als für die Unsterblichkeit - alle großen Leute tun das.

Eine strahlende junge Frau und ein junger Schriftsteller heiraten, wohlerzogen beide, immer in der High-Society dabei, aber eher ausgehalten als wirklich dazugehörig - man läßt ihnen die Häuser, die man in Italien hat, nämlich wenn man sie selber nicht braucht. Die junge Frau, die eigentlich ganz gern eingetaucht lebt in diese immer überflüssiger gewordene und ein bißchen sinnleere Gesellschaft, nimmt alle Annehmlichkeiten gern entgegen in dem ganzen Glück mit ihrem jungen Mann, dieser aber reagiert beinahe übersensibel auf alle die ganz heimlichen Torts, mit denen die feinen Leute ihre Gaben versehen. Das geht so weit, daß er seine schöne Frau fast für ehrlos hält und sie verläßt; die gute Gesellschaft glaubt das vorausgesehen zu haben, die junge Frau heiratet beinahe einen alten Freund, der zu sehr viel ererbtem Geld kommt, ihr Mann heiratet beinahe ein sehr sprödes kluges Ding, Tochter einer emporgekommenen Familie, der er den gebildeten Sekretär spielt - beinahe, beinahe das alles, denn das Buch hat ein Happy-End, das merkt man von Anfang an.

Glänzend ist aber nun, wie Edith Wharton, über das ganze Buch hin und ehe die beiden jungen Leute dann so etwas wie die Wahrheit entdecken, die verborgene Brüchigkeit eines Daseins spürbar macht, das Wahrheit will, sich aber auf Sicherheit verläßt. Sie ist wunderbar versiert in allen Nuancen der Konversation, und genau auf diesem Feld melden sich die Schrecken: Die beiden jungen Leute scheinen auch in ihren Reden ein Herz und eine Seele, aber dann, ob zu Recht oder nicht, schleicht sich über die Sensibilität des jungen Mannes so etwas wie Mißtrauen oder ein gewisser Hang zur Verletzlichkeit in die schönen Gespräche, selbst unterm Mond am Comer See (der Comer See ist für amerikanische Romanciers immer der Inbegriff Europas, und das ja mit Recht spätestens seit Stendhal). Winzig kleine Risse tun sich auf im gegenseitigen Vertrauen, die beiden sondieren den Boden, ehe sie ihn gemeinsam betreten, und gehen dann so vorsichtig, als könne er überall hochgehen, wie ein Minenfeld. Die Lektüre solcher Konversationspartien ist außerordentlich verstörend, Edith Wharton schreibt so unaufdringlich suggestiv, daß man ihr erlegen ist, ehe man es merkt, und nun selber alle Welt um sich her, die so stabil schien, wanken sieht.

Erst am Ende lenkt sie ein: Während die beiden an ihrer Scheidung arbeiten, finden sie sich wieder - ein schnelles, fast märchenhaftes Happy-End, auch wenn die Autorin niemals einen Zweifel an ihm gelassen hat. Sachlich begründet ist dieses Happy-End, als die junge Frau sich von der Gesellschaft löst und ihr Mann wieder Sehnsucht nach seiner Schriftstellerei kriegt; ob das Mißtrauen nun wirklich geheilt ist, ob also nur die Gegenwart der unanständig reichen Gesellschaft schuld an den Krankheiten war und ob die Wahrheit, in die sich das Mißtrauen nun auflösen möchte, so relativ mittellos ihr Dasein fristen kann, wie die beiden am Ende des Buches sind, glücklich in ihrem berechtigten Wiederfinden - das sind Fragen, die die kluge Autorin offenläßt, jetzt auf festem Boden wieder nach dem schlimmen Ritt über das dünne Eis. Die blumigen Umschlagbordüren täuschen ein bißchen, man braucht sehr gute Nerven für diesen Roman.

Vorn auf den Umschlag, zwischen die Bordüren, ist ein junges Paar montiert, nach einem Gemälde eines gewissen John Singer Sargent, in irgendwie ambivalenter Harmonie. Sargent war mit James und mit Edith Wharton befreundet, James schrieb einen langen Essay über Sargent, Edith Wharton bestellte bei ihm 1912 eine Kohlezeichnung von James. Im folgenden Jahre, 1913, subskribierten sich 269 Freunde James' auf ein repräsentatives Porträt, das Sargent von ihm machen sollte; er machte es, mußte es aber ein Jahr später schon restaurieren, in der Royal Academy hatte eine etwas labile Suffragette das Gemälde mit einem Fleischermesser attackiert, "um für die Freiheit der Frau zu kämpfen", wie sie dann vor Gericht angab.

Edith Wharton: "Der flüchtige Schimmer des Mondes". Roman. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Inge Leipold. Piper Verlag, München/Zürich 1994. 358 S., geb., 42,-DM.

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