Papstkirche und Volkskirche im Konflikt - Dorsch-Jungsberger, Petra E.
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Die katholische Kirche ist das größte Kommunikationsunternehmen der Welt. Doch die Pflege der Kirchengemeinschaft ist unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. vernachlässigt worden: Sie weigerten sich, religiöse Klarheit über die neuen Sittengesetze der Zivilgesellschaft zu schaffen. Stattdessen verlegten sie sich auf Propaganda und schließlich Schweigen. Doch Dank der aktiv gewordenen Medienöffentlichkeit wurde nicht nur die umfassende Vertuschungspolitik des Vatikans in Sachen Missbrauch bekannt, sondern auch, dass sich in der Gemeindekirche eine Kultur des Ungehorsams…mehr

Produktbeschreibung
Die katholische Kirche ist das größte Kommunikationsunternehmen der Welt. Doch die Pflege der Kirchengemeinschaft ist unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. vernachlässigt worden: Sie weigerten sich, religiöse Klarheit über die neuen Sittengesetze der Zivilgesellschaft zu schaffen. Stattdessen verlegten sie sich auf Propaganda und schließlich Schweigen. Doch Dank der aktiv gewordenen Medienöffentlichkeit wurde nicht nur die umfassende Vertuschungspolitik des Vatikans in Sachen Missbrauch bekannt, sondern auch, dass sich in der Gemeindekirche eine Kultur des Ungehorsams entwickelt hatte, die das Schisma zwischen Papstkirche und Volkskirche offenbarte. Franziskus, dem bewusst war, dass er ein "Feldlazarett" übernommen hatte, hat starke Zeichen gesetzt, um eine Versöhnung der Gläubigen mit dem Papst einzuleiten.
  • Produktdetails
  • Religion - Medien - Kommunikation Bd.7
  • Verlag: Lit Verlag
  • Seitenzahl: 512
  • Erscheinungstermin: Oktober 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 159mm x 32mm
  • Gewicht: 827g
  • ISBN-13: 9783643122261
  • ISBN-10: 3643122268
  • Artikelnr.: 40424514
Autorenporträt
Petra Dorsch-Jungsberger, Dr. phil, Dr. phil habil. Professor für Kommunikationswissenschaft (emerita) Universität München.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.01.2015

Fliegender Fels
Papst-PR: Die Medienstrategie
der katholischen Kirche
Auf dem Gebiet der Medienschelte war lange vor Pegida und anderen Zukurzgekommenen die katholische Kirche führend. Da wurden Journalisten gerne mal mit Nazis verglichen und Zeitungen als Ausgeburt des Bösen verteufelt. Wenn es vor dem Jüngsten Gericht eine Instanz gibt, die das Verhältnis von katholischer Kirche und Medien zuverlässig bewerten kann, dann die Wissenschaft. Petra Dorsch-Jungsberger macht mit ihrer umfangreichen Studie über die Public Relations, die Öffentlichkeitsarbeit der Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, einen Anfang. In der Reihe „Religion – Medien – Kommunikation“ analysiert die Münchner Kommunikationswissenschaftlerin, wie sich die Oberhäupter der Kirche von Rom in den vergangenen gut dreißig Jahren darstellten und wie sie ankamen. Die Ergebnisse überraschen nicht, sie bestätigen vielmehr das Bild, das die Medien selbst von den Päpsten zeichneten.
  Johannes Paul II. ließ sich wirkungsvoll inszenieren, vor allem fürs Fernsehen. Allein die vielfältigen Attribute dieses Papstes, die sie sammelte, lassen Dorsch-Jungsbergers Sorgfalt bei der Recherche erahnen. „Showman of god“ und „Fliegender Fels“ treffen ihn wohl am besten. Seine Zeremonial- und PR-Berater waren Vollprofis: Sobald Johannes Paul im weißen Ski-Anorak die Piste hinunterwedelte, stand schon ein Kamerateam bereit. Und auf längeren Flügen nahm er sich Zeit für die Journalisten. Dorsch-Jungsberger interpretiert Johannes Pauls oft kumpelhaften Umgang mit der Presse als gelungenen Versuch, die Reporter als Hofberichterstatter ins vatikanische Geschehen einzubetten.
  Die mediale Saat ging unmittelbar nach dem Tod in den Santo-Subito-Rufen seiner vielen Anhänger auf, die alle Ärgernisse dieses Pontifikats vergessen ließen. Der polnische Pontifex ging als Sieger über den Kommunismus in die Geschichte ein. Auf anderen Feldern kämpfte er vergeblich: Als er etwa in der Frage der Geburtenkontrolle per Kampagne die Räder der Zeit zurückdrehen wollte, scheiterte er. Sogar einen muslimischen Großimam hatte er im Kampf gegen „einen Lebensstil, wie er typisch ist für gewisse Schichten einer entwickelten, materiell reichen und säkularisierten Gesellschaft“, als Mitstreiter gewonnen, wie Dorsch-Jungsberger in ihrer detailreichen Studie ausführt.
  Die Probleme seines Nachfolgers waren im Grunde oft die gleichen, auch unter Johannes Paul gab es schon Missbrauchsskandal – nur dass sich Benedikt XVI. medial denkbar schlecht verkaufte. Wie Dorsch-Jungsberger die PR Benedikts XVI., besonders die kuriale Vertuschungspolitik im Missbrauchsskandal, Revue passieren lässt, erscheint dieser Pontifikat als ein einziges Desaster.
  Beide Päpste, schreibt die Medienwissenschaftlerin, hätten ihren Anteil daran, „dass die Volkskirche sich zumindest in der westlichen Welt in der schlimmsten denkbaren Lage befindet“. Und Franziskus schreibt sie ins Stammbuch, dass mit Propaganda nichts mehr auszurichten sei – und „mit Öffentlichkeitsarbeit nur dann, wenn diese von Reformen begleitet ist“. Diese Analyse ist ein schonungsloser Überblick über die jüngste Kirchengeschichte. Man kann sie auch als Abrechnung verstehen – und das bei aller Wissenschaftlichkeit der Autorin.
RUDOLF NEUMAIER
Petra E. Dorsch-Jungsberger: Papstkirche und Volkskirche im Konflikt. Die Kommunikationsstrategien von Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus. Lit-Verlag, Berlin 2014. 502 Seiten, 29,90 Euro.
Johannes Paul II. gelang es, die
Reporter als Hofberichterstatter
in den Vatikan einzubetten
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit Interesse und Skepsis liest Rezensent Jörg Bremer diesen Band, der verspricht, die Kommunikationsstrategie der modernen Päpste seit Pius XI. offen zu legen. Immerhin erfährt er eine Menge über die mit Presse- und Kommunkationsarbeit befassten Institutionen im Vatikan, der ja immerhin eigene Zeitungen und Radiostationen unterhält. Aber so etwas wie eine Kommunikationsstrategie der Päpste hat Bremer trotz der von ihm zum Teil beobachteten Begeisterung der Autorin nicht entdeckt. Und schon gar nicht bei Franziskus, der zwar gerne mal leutselig herumpalavert, aber bei bestimmten institutionellen Vorgängen genauso verschlossen und hierarchisch sei wie seine Vorgänger, so Bremer. So wurden die Protokolle zur aktuellen Synode über Familienpolitik nur auszugsweise veröffentlicht - dafür aber interveniert der Papst gern persönlich, etwa per Video bei einer Konferenz evangelikaler Christen, so Bremer. Die Begeisterung der Autorin kann er also nicht teilen, aber mit anregenden Informationen hat sie ihn offenbar versorgt.

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