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A heart-wrenchingly moving first novel set in Glasgow during the Thatcher years, Shuggie Bain tells the story of a boy's doomed attempt to save his proud, alcoholic mother from her addiction.

Produktbeschreibung
A heart-wrenchingly moving first novel set in Glasgow during the Thatcher years, Shuggie Bain tells the story of a boy's doomed attempt to save his proud, alcoholic mother from her addiction.
  • Produktdetails
  • Verlag: Pan Macmillan
  • Artikelnr. des Verlages: 85230
  • Seitenzahl: 430
  • Altersempfehlung: ab 18 Jahre
  • Erscheinungstermin: 15. April 2021
  • Englisch
  • Abmessung: 197mm x 132mm x 35mm
  • Gewicht: 316g
  • ISBN-13: 9781529019292
  • ISBN-10: 152901929X
  • Artikelnr.: 60400917
Autorenporträt
Douglas Stuart was born and raised in Glasgow. After graduating from the Royal College of Art, he moved to New York, where he began a career in fashion design. Shuggie Bain, his first novel, won the Booker Prize and the Sue Kaufman Prize of the American Academy of Arts and Letters and was shortlisted for the National Book Award for Fiction, the Kirkus Prize and the Center for Fiction First Novel Prize. His short stories have appeared in the New Yorker and his essay on Gender, Anxiety and Class was published by Lit Hub. He lives in New York.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.08.2021

Thatcher, das Musical
Nach zwanzig Jahren als Modedesigner schreibt Douglas Stuart einen Roman über die Armut
in Glasgow. Und noch im tiefen Fall rettet er seine Figuren mit einer opulenten Sprache
VON FELIX STEPHAN
Die Literatur des neuen sozialen Naturalismus, die in Frankreich von Annie Ernaux, Édouard Louis und Didier Eribon popularisiert wurde und in Deutschland ihre Vertreter in Deniz Ohde und Christian Baron hat, tritt in der Regel asketisch auf. Die Texte selbst sind nicht opulenter möbliert als die Sozialwohnungen, in denen die Protagonisten leben, die Temperatur ist heruntergeregelt, als sei auch dem Roman selbst der Strom ausgegangen, bevor der Monat zu Ende war. Es herrscht ein am epischen Theater geschulter Illusionsverzicht. Wie in einem literarischen White Cube tritt die Sprache vornehm beiseite, um den Blick auf den Gegenstand nicht zu verstellen. Bei Douglas Stuarts Booker Prize prämiertem Debütroman „Shuggie Bain“, der auf den ersten Blick derselben Schule entspringt, liegt die Sache nun deutlich anders.
Der Roman spielt im Glasgow der Achtzigerjahre. Margaret Thatchers Wirtschaftsreformen haben soeben ganze Stadtviertel in die Arbeitslosigkeit entlassen, Alkoholismus und Depression greifen um sich, die Selbstmordraten steigen dramatisch. Der Schock sitzt den einstmals stolzen Stahl- und Hafenarbeitern tief in den Knochen und wenn sie morgens am Straßenrand ihre ersten Biere trinken, tragen sie noch ihre Arbeitsjacken, als stünde die nächste Schicht unmittelbar bevor. Über den Eingangstoren der Fabriken vergilben die Schriftzüge und wer noch nicht ganz an den Alkohol verloren ist, fährt Taxi in den besseren Gegenden.
In diesem Umfeld heiratet die Protestantin Agnes McGowan den Katholiken „Big Shug“ Bain, ebenfalls Taxifahrer. Aus einer ersten Ehe mit einem braven Protestanten mit wenig Fantasie, „der wusste, welches Glück er mit Agnes hatte, und sie deswegen auf Händen trug“, hat sie schon zwei Kinder, aber sie konnte die Eintönigkeit ihres Familienalltags nicht ertragen und verlässt ihren Mann zum Entsetzen der Eltern für Big Shug. Zusammen bekommen sie ein weiteres Kind, die Hauptfigur des Romans. Es trägt den Namen seines Vaters, Shuggie Bain.
Die Familie wohnt bei Agnes’ Eltern, insgesamt drängen sich in der kleinen Arbeiterwohnung sieben Leute. Shug übernachtet oft bei einer seiner Geliebten. Bald überredet er Agnes, endlich in eine eigene Wohnung zu ziehen, besorgt ihr eine Unterkunft in Pithead, einer heruntergekommenen ehemaligen Arbeitersiedlung am Rande der Stadt, und eröffnet ihr erst dort, dass er selbst in die neue Wohnung nicht mit einziehen werde.
An dieser Stelle tritt zum ersten Mal ein zentrales Stilmittel des Romans auf: die maßlose, ins Groteske gesteigerte Bösartigkeit einzelner Figuren, die frostige Abwesenheit jeder Gnade. Die Figuren sind auf trockene Weise grausam zueinander: Die Nachbarinnen machen einander unermüdlich fertig, die Mitschüler erniedrigen den weibischen Shuggie, die Vergewaltigungen in diesem Roman zählt man irgendwann nicht mehr mit.
Douglas Stuart aber hat keinen politischen Roman geschrieben, die Bösartigkeit seiner Figuren hat etwas Intrinsisches, Absolutes, Märchenhaftes. Als Big Shug seine Familie in dem staubigen Loch am Stadtrand abgeliefert hat, um sich sogleich zu einer seiner zahlreichen Geliebten zu verziehen, erzählt Douglas Stuart das so: „Agnes packte ihn am Pulloverkragen. Shug griff nach seinem Geldgürtel und küsste sie energisch mit der Zunge. Er musste die kleinen Knochen ihrer Hand zerquetschen, damit sie losließ. Sie hatte ihn geliebt, und er hatte sie vollkommen brechen müssen, bevor er sie endgültig verließ. Agnes Bain war ein zu kostbares Exemplar, um sie der Liebe eines anderen zu überlassen. Er durfte nicht mal Scherben übrig lassen, die ein anderer später einsammeln und kleben könnte.“ Der Plan geht auf: Agnes zerbricht, fortan bestimmt ihre Alkoholsucht ihren Alltag.
Nach dieser Exposition handelt der größte Teil des Buches von der Agonie, in der Agnes die Jahre in Pithead verbringt. Stuart erzählt von diesem richtungslosen Verfall überwiegend aus der personalen Perspektive des jüngsten Sohnes Shuggie, der anfangs gerade erst sechs, sieben Jahre alt ist, wegen der Hilflosigkeit seiner Mutter aber sehr schnell älter werden muss. Wenn sie betrunken ist, muss er die Rasierklingen verstecken, sie von der Tür fernhalten, klingelnde Nachbarn abwimmeln. Er ist gleichzeitig ihr Pfleger und Hüter ihres Rausches. Der Roman widmet der tauben Regelmäßigkeit im Tagesablauf der alkoholkranken Agnes Bain Hunderte Seiten. Vor ihrem kleinen Sohn verhält sie sich, als wäre sie unbeobachtet, deshalb wird der kindliche Blick zum klinischen Wahrheitsinstrument. Plausibel ist die Erzählperspektive nicht immer, Stuart wechselt die Perspektiven munter durch, manchmal innerhalb einzelner Absätze, für den Booker Prize hat es trotzdem gereicht. Einen eigenen Preis hätte die Übersetzerin Sophie Zeitz verdient, die den Glasgower Stahlarbeiterdialekt in ein ortloses Proletarier-Deutsch übertragen hat, das nach Rostock und Bottrop, nach Rothmann und Grass gleichzeitig klingt, aber tatsächlich das Kunststück vollbringt, kein Regionalismus zu werden.
Ein Tag im Leben der Agnes Bain startet also in der Regel damit, dass sie angekleidet auf dem Sofa aufwacht, einen trockenen Mund hat und würgen muss, weil die Galle in ihrem Rachen brennt. Auf ihrem Arm hängt noch der Telefonhörer, weil sie nachts, wenn sie sich in die Nähe der Bewusstlosigkeit getrunken hat, stets Leute anruft, die sie für ihr Schicksal verantwortlich macht, und die sie wüst beschimpft: alte Schulfreunde, Nachbarinnen, den Taxifunk. Dann lauscht sie eine Weile dem Pochen in ihrem Kopf. Dann stellt sie fest, dass das Haus leer ist, und der Junge offenbar wieder allein zur Schule gegangen ist.
Dann zündet sie sich eine Zigarette an und begibt sich auf die Suche nach halbvollen Flaschen, Dosen, Teetassen, und stößt währenddessen „durch ihre Vorderzähne schrille, schlürfende Geräusche der Wut aus“. Wenn die Sozialhilfe, die montags ausbezahlt wird, aufgebraucht ist, bricht sie den Gaszähler auf, und trägt die Münzen zum Laden. Den Rest des Monats wird es wieder kalt sein in der Wohnung. Und wenn Shuggie nach der Schule nach Hause kommt, wird er sie wieder so betrunken vorfinden, dass er nach Essen gar nicht fragt, sondern sich in seinem winzigen Zimmer vor ihrem ziellosen Zorn verborgen hält.
Die Besonderheit des Romans besteht nun darin, dass er diese depravierte Lebensweise, die sich permanent am Rande des Tierischen, Kreatürlichen bewegt, sprachlich kontrastiert mit opernhaften, opulenten Bildern und einem eisernen Willen zur Schönheit. Als Shug seine Frau an einer Stelle wieder einmal zusammenschlägt, sie an ihren Haaren zu Boden reißt und die Tür gegen ihren Hinterkopf schlägt, „als wäre sie eine störrische Teppichdecke“, und ihr dann gegen das Kinn tritt, sodass ihre „perlweiße Haut“ aufplatzt, liegt Agnes am Ende des Absatzes „glitzernd und flauschig am Boden wie ein abgelegtes Partykleid“.
Der Alkohol hat Agnes jeder Persönlichkeitsmerkmale beraubt, außergewöhnlich schön bleibt sie aber bis zum Ende. Shuggie Bain kann sich nicht sattsehen an ihr, er erlebt sie als makellos und engelsgleich, als eine schottische Undine. Ihr Wille zur Schönheit hat nicht zuletzt eine moralische Dimension: Er erhebt sie in den Augen des Sohnes über die Nachbarinnen, die sich kaum mehr die Mühe machen, überhaupt aus ihren Pyjamas zu steigen, bevor sie sich am Bordsteinrand zu ihren Zigarettenrunden treffen. Agnes hingegen lässt, selbst wenn keinerlei Essen mehr im Hause ist und Shuggie nach der Schule wieder ein paar Schluck Starkbier trinkt, um das Rumoren seines leeren Magens zu beruhigen, auf ihr Äußeres nichts kommen. Bevor sie das Haus verlässt, legt sie Ohrringe und Lippenstift an, zieht den guten Mantel über und klebt die Laufmaschen ihrer Strumpfhosen.
Zwei Jahrzehnte arbeitete Douglas Stuart hauptberuflich als Modedesigner in New York, unter anderem für Calvin Klein und Ralph Lauren. Der amerikanischen Vogue sagte er nach dem Booker Prize in einem Interview, die Mode habe ihn vor allem deshalb interessiert, weil sie „Geschichten erzählen könne“. Das Prinzip der Auflösung sozialer Widersprüche in Opulenz überträgt er in „Shuggie Bain“ zurück auf die Romanform, weshalb der nun über weite Strecken aussieht, als habe Tyler Mitchell die Glasgower Arbeitersiedlungen fotografiert. Kunstphilosophisch ist die Geste nicht ganz uninteressant ist: Liegt in opulenter Schönheit, im Effekt, in der Illusion letztlich doch eine erlösende Kraft, eine Ermächtigungsform, die existenzielle Härten zu bannen imstande ist, auch in der Literatur? In Deutschland hat nicht zuletzt Friedrich Schiller genau das lange geglaubt.
Agnes Bain jedenfalls sieht schon einmal aus, wie eine „Göttin der Rosen“, wenn sie erhobenen Hauptes und mit frischem Nagellack durch ihr Elendsviertel zum Alkoholgeschäft marschiert, die „roten Äderchen von den Jahren der Winter und des Trinkens strahlten fröhlich auf ihren Wangen. Es war, als hätte sie Walt Disney persönlich angemalt und zum Leben erweckt, eine handfeste, rauchende Version von Schneewittchen“. Wenn sich die Größe eines Autors an der Furchtlosigkeit bemisst, mit der er sich dem Klischee, ja dem Kitsch nähert, ist mit diesem Debüt ein großer Autor geboren.
Das zentrale Stilmittel ist die
groteske Bösartigkeit der
Figuren, ihre Gnadenlosigkeit
Soziale Widersprüche in
Opulenz auflösen: Ein Prinzip
der Mode geht in Literatur über
Die Industriestadt Glasgow traf die Thatcher-Ära hart: Stadtbild aus den Achtzigerjahren.
Foto: raymond depardon / Magnum Photos / Agentur Focus
Douglas Stuart: Shuggie Bain. Roman. Aus dem Englischen von Sophie Zeitz. Hanser Berlin,
Berlin 2021.
496 Seiten, 26 Euro.
Douglas Stuart ist in Glasgow geboren. Für sein Debüt „Shuggie Bain“ bekam er gleich den Booker Prize.
Foto: Clive Smith
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A heartbreaking novel, a book both beautiful and brutal . . . All that grief and sadness and misery has been turned into something tough, tender and beautifully sad. The Times