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Das Porträt eines Landes in der Zerreißprobe.
"Wird jemand für das vergossene Blut zahlen? Nein. Niemand." Michail Bulgakow schrieb das in Kiew, in den Wirren des russischen Bürgerkriegs, als sich in der Ukraine im Wochentakt die Grenzen verschoben. Den Deutschen gehörte damals ein Stück des Landes, den Polen schon nicht mehr, obwohl ihnen früher ein sehr großes gehört hatte. Ein kleineres den Österreichern, den Litauern lange fast alles, den Russen später der Rest, den Sowjets am Ende das Ganze. Allein den Ukrainern gehörte nichts. Ein Jahrtausend lang lebten sie zwischen Grenzen, die sich…mehr

Produktbeschreibung
Das Porträt eines Landes in der Zerreißprobe.

"Wird jemand für das vergossene Blut zahlen? Nein. Niemand."
Michail Bulgakow schrieb das in Kiew, in den Wirren des russischen Bürgerkriegs, als sich in der Ukraine im Wochentakt die Grenzen verschoben.
Den Deutschen gehörte damals ein Stück des Landes, den Polen schon nicht mehr, obwohl ihnen früher ein sehr großes gehört hatte. Ein kleineres den Österreichern, den Litauern lange fast alles, den Russen später der Rest, den Sowjets am Ende das Ganze. Allein den Ukrainern gehörte nichts. Ein Jahrtausend lang lebten sie zwischen Grenzen, die sich unter ihren Füßen stetig verschoben.
Und die nun wieder in Bewegung geraten sind.

Als Staat existiert die Ukraine erst seit 1991; was sie vorher war, ist unter ihren Bewohnern so umstritten wie unter ihren europäischen Nachbarn. Jens Mühling erzählt von Begegnungen mit Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutschen, Kosaken, Schmugglern, Archäologen und Soldaten, deren Standpunkte kaum unterschiedlicher sein könnten. Sein Buch schildert ihren Blick auf ein Land, über das wir kaum etwas wissen - obwohl es mitten in Europa liegt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 1. Aufl.
  • Seitenzahl: 288
  • Erscheinungstermin: 11. März 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 153mm x 28mm
  • Gewicht: 446g
  • ISBN-13: 9783498045340
  • ISBN-10: 3498045342
  • Artikelnr.: 44102194
Autorenporträt
Mühling, Jens
Jens Mühling, geboren 1976 in Siegen, arbeitete zwei Jahre lang für die «Moskauer Deutsche Zeitung», seit 2005 ist er Redakteur beim Berliner «Tagesspiegel». Seine Reportagen und Essays über Osteuropa wurden mehrfach ausgezeichnet und sein erstes Buch «Mein russisches Abenteuer» war in Großbritannien für den renommierten Dolman Travel Book Award nominiert.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

In Jens Mühlings neuem Buch "Schwarze Erde" ist Rezensent Nicolas Freund durch die Ukraine gereist und hat entdeckt, dass es nicht die eine, sondern nur viele Geschichten dieses Landes gibt. Diese hat der "Tagesspiegel"-Redakteur, der für seine literarische Reportage von Galizien über Kiew bis nach Donezk reiste, in diesem teilweise sehr amüsanten und unterhaltsamen Buch versammelt, berichtet der Kritiker, der hier etwa die Zerrissenheit des Landes erlebt. Neben den bewegend erzählten Skurrilitäten liest Freund aber auch Mühlings kritisch-besorgte Berichte über Antisemitismus, Verschwörungstheorien und faschistische Weltsichten.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.03.2016

Mitten in
Europa
Jens Mühlauer sammelt
in der Ukraine Geschichten
Das Zentrum Europas liegt in der Ukraine, und zwar in den Karpaten. Genau neben einem windigen Parkplatz in der Nähe von Rachiw. Markiert wird es von einem blau-weißen, brusthohen Obelisken, den man, so behaupten wenigstens die Fremdenführer dort, dreimal umrunden soll. Das bringe Geld, Glück oder beides. So genau kann das niemand sagen. Auch das mit dem Mittelpunkt Europas ist eigentlich nicht so ganz sicher. Aber die Touristen glauben es gerne und die Geografie-Studenten in Lwiw ebenfalls. Es kommt ja nur darauf an, ob man Kasachstan zu Europa zählt oder nicht.
  Sicher ist, dass die Ukraine näher ans Zentrum Europas gerückt ist, wo auch immer dieses liegen mag. Die orangene Revolution von 2004 ist weiter westlich mit großer Anteilnahme verfolgt worden, wie auch die Straßenkämpfe während der Maidan-Proteste im Winter 2013 / 2014, als im Zentrum Kiews Barrikaden errichtet wurden, von denen man meinte, es gäbe sie nur noch auf Gemälden von der Französischen Revolution.
  Die Geschichte vom vermeintlichen Zentrum Europas ist eine Anekdote aus „Schwarze Erde. Eine Reise durch die Ukraine“ von Jens Mühling, die in ihrer rührenden Skurrilität sehr viel über dieses Land erzählt, das ein unabhängiger Staat sein will, aber gleichzeitig, je nachdem, wen man fragt, auch ein Teil Russlands oder Europas sein möchte. Der Journalist Mühling hat mehrere Jahre in Moskau gearbeitet und ist inzwischen Redakteur beim Tagesspiegel in Berlin. Für seine literarische Reportage hat er von Galizien im Westen über Kiew bis nach Donezk im Osten kleine Geschichten über die Ukraine und ihre Bewohner gesammelt und selbst erlebt.
  Die schwarze Erde aus dem Titel kann für die Erde der Ukraine stehen, angeblich eine der fruchtbarsten der Welt, aber auch für den verbrannten Boden, den Kriege und Konflikte bis heute auf dem Territorium hinterlassen. Die Zerrissenheit der Region ist das Thema des Buches, dem sich Mühling aber unkompliziert annähert. Skurriles wie die Geschichte von dem angeblichen Zentrum Europas, das übrigens nur ein alter Fixpunkt zur Vermessung des ehemaligen Habsburgerreichs ist, erzählt er humorvoll und unterhaltsam. Oft sind seine Berichte aber kritisch und besorgt: In Lwiw besucht er eine Bar, die zugleich als Waffenlager der Nationalisten dient. In Berdytschiw holt er weit aus und erzählt die Geschichte des Rassenkundlers Karl Stumpp, der in der Gegend nach Volksdeutschen suchte. Bei Kiew besichtigt er das bizarre Anwesen des Ex-Präsidenten Janukowitsch, inklusive Yachthafen, Salzgrotte und eigenem Jagdrevier. Einmal wird er verhaftet. Verstörend sind Antisemitismus, Verschwörungstheorien und faschistische Weltsichten, die ihm immer wieder aufgetischt werden.
  Keines der Gespräche und Erlebnisse taugt richtig zur Allegorie: Die eine Erzählung von der Ukraine gibt es in diesem Buch nicht,sondern nur Geschichten, von denen jede einen Teil des Landes zeigt und die alle für sich selbst stehen können.
NICOLAS FREUND
              
Jens Mühling: Schwarze Erde. Eine Reise durch die Ukraine. Rowohlt Verlag, Hamburg 2016. 288 Seiten, 19,95 Euro. E-Book 16,99 Euro.
Die Bar ist auch Waffenlager,
und immer wieder tischt einer
Verschwörungstheorien auf
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Ein Kaleidoskop eines Landes, das mit sich selbst im Unreinen zu sein scheint. Deutschlandradio Kultur