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"...ein Leseerlebnis der besonderen Art." NZZ am Sonntag
Nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" gab es einen unverrückbaren Ort, der Halt und Geborgenheit versprach: die Familie. Sie erwies sich als der einzige Wert, der den Nationalsozialismus weitgehend unversehrt überdauert hatte. Eines aber konnte die Familie nicht - sie konnte nicht jene Widersprüche und Konflikte aussperren, die im ersten Nachkriegsjahrzehnt die Gesellschaft begleiteten. Zu ihrer vielleicht größten Hypothek wurde das Verdrängen und Verschweigen. Das war der Nährboden für die berüchtigten Familiengeheimnisse der…mehr

Produktbeschreibung
"...ein Leseerlebnis der besonderen Art." NZZ am Sonntag

Nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" gab es einen unverrückbaren Ort, der Halt und Geborgenheit versprach: die Familie. Sie erwies sich als der einzige Wert, der den Nationalsozialismus weitgehend unversehrt überdauert hatte. Eines aber konnte die Familie nicht - sie konnte nicht jene Widersprüche und Konflikte aussperren, die im ersten Nachkriegsjahrzehnt die Gesellschaft begleiteten. Zu ihrer vielleicht größten Hypothek wurde das Verdrängen und Verschweigen. Das war der Nährboden für die berüchtigten Familiengeheimnisse der deutschen Gesellschaft nach 1945, an deren Gift bisweilen noch die Enkelgeneration laboriert. So wurden aus großen Erwartungen nicht selten große Enttäuschungen, die bis heute nachwirken.

Der deutsche Familienkosmos der Nachkriegszeit war eine historisch einzigartige "Versuchsanordnung". Florian Huber liefert den Schlüssel zum Verständnis dieser Zeit und der folgenden Generationen.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch .31300
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 347
  • Erscheinungstermin: 1. August 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 122mm x 25mm
  • Gewicht: 248g
  • ISBN-13: 9783492313001
  • ISBN-10: 3492313000
  • Artikelnr.: 49603388
Autorenporträt
Huber, Florian
Florian Huber, geboren 1967, promovierte als Historiker zur Besatzungspolitik der Briten in Deutschland. Er ist der Autor von historischen Büchern wie »Meine DDR. Leben im anderen Deutschland« und »Schabowskis Irrtum. Das Drama des 9. November«. Als Filmemacher hat Florian Huber preisgekrönte Dokumentarfilme zu zeitgeschichtlichen Stoffen produziert, darunter der Mauerfall, das mysteriöse Ende des Dichters Antoine de Saint-Exupéry sowie die Olympischen Spiele von 1936.
Rezensionen
»Sein nah an den Quellen geschriebenes Buch ist bildmächtig wie ein Roman aufgebaut, in dem sich die mit einander verwobenen Lebensgeschichten nach und nach spannungsreich enthüllen.«, Westfälischer Anzeiger/ dpa, 27.07.2017
Besprechung von 17.07.2017
„Das Wasser
bis zum Hals“
Florian Hubers düsteres
Panoptikum der Nachkriegszeit
Der Bund lässt 2023 die finanziellen Mittel für die Suche von Vermissten des Zweiten Weltkriegs auslaufen. Der Suchdienst des Roten Kreuzes wird sich dann aktuell drängenderen Themen widmen, etwa der Suche nach vermissten Flüchtlingen. So lautete eine Meldung vor einigen Tagen. Sie lenkte den Blick wieder mal auf die Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Das Schicksal der im Krieg Gefallenen, Verschollenen und Verwundeten bewegt noch immer zahllose Angehörige.
Und die Aufarbeitung in den Familien ist längst nicht abgeschlossen. Mancherorts fängt sie sogar gerade erst an – mit Fragen der Enkel und Urenkel. Die zehntausendfach verkauften Bücher über die Traumata der zweiten und dritten Generation beweisen das immense Interesse. Eines, das aus dieser Masse herausragt, ist das des Historikers und Filmemachers Florian Huber. Und zwar aus zweierlei Gründen: wegen seiner ungewöhnlichen Machart und wegen seines Verzichts auf psychologische Deutungen.
Huber lässt in diesem Buch Menschen zu Wort kommen, die von der Zeit nach der totalen Niederlage berichten, einfache Soldaten, NS-Verbrecher, emsige Unternehmer, einsame Frauen und verwirrte Kinder – meist aus Briefen, Tagebucheinträgen oder späteren Erinnerungen. All das verwebt er in raffinierter Weise zu einer großen Erzählung über verwundete Seelen, schweigende Väter und Mütter und kaputte Familien. Mit der Montage starker Zitate entsteht so ein recht düsteres Panoptikum der Zeit zwischen 1945 und 1958, etwa mit diesem: „Nichts wurde uns erklärt. Wir Kinder schwammen mit den Eltern in einem großen Teich, in dem niemand ertrinken wollte, alle umherruderten und sich niemand mitteilte, warum einem das Wasser bis zum Hals stand.“
Das alles ist in seiner Herangehens- und Zitierweise ganz und gar unwissenschaftlich – die ausgewählten Menschen repräsentieren auch sicher nicht das gesamte Spektrum der deutschen Nachkriegszeit, was in vielen Passagen doch zu Verallgemeinerungen führt. All das aber wird aufgewogen durch den Mut zur starken Sprache (ein sehr oft verwendetes Wort ist bei Huber „Sehnsucht“, das viele Historiker wohl lieber nicht in ihre Analysen aufnehmen würden) und die Kühnheit, das Erzählte für sich wirken zu lassen, anstatt dem Ganzen noch einen erklärenden Überbau zu verpassen. Die Berichte sprechen für sich – und entfalten gerade deshalb ihre besondere Wirkung.
Noch immer lagern Kisten voller Erinnerungen auf Dachböden und in Kellern, die noch nie geöffnet wurden. Geschichten von Tätern und von Opfern sinnloser Gewalt. Die Suche nach den Vermissten wird also in absehbarer Zeit enden, die Suche nach den Geschichten aus der Weltkriegszeit nicht.
ROBERT PROBST
Florian Huber: Hinter
den Türen warten die
Gespenster. Das deutsche
Familiendrama der
Nachkriegszeit. Piper
München 2017, 22 Euro.
E-Book: 19,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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