EUR 24,99
Portofrei*
Alle Preise inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Gebundenes Buch

Jetzt bewerten

"Intelligent, anpassungsfähig, verschwiegen und zuverlässig" BND-Notiz über Klaus Barbie
Die unglaubliche Nachkriegskarriere von Klaus Barbie, einstiger Gestapo-Chef und "Schlächter von Lyon", einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher, ab 1947 Agent des amerikanischen Geheimdienstes CIC und ab 1966 Informant des Bundesnachrichtendienstes.
Der Historiker Peter Hammerschmidt hat umfassend und hartnäckig recherchiert, um die komplette Biographie Klaus Barbies nach 1945 aufzudecken. Er ging bis zum Bundeskanzleramt, damit ihm Einblick in Barbies BND-Akte gewährt wurde. Er interviewte
…mehr

Produktbeschreibung
"Intelligent, anpassungsfähig, verschwiegen und zuverlässig"
BND-Notiz über Klaus Barbie

Die unglaubliche Nachkriegskarriere von Klaus Barbie, einstiger Gestapo-Chef und "Schlächter von Lyon", einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher, ab 1947 Agent des amerikanischen Geheimdienstes CIC und ab 1966 Informant des Bundesnachrichtendienstes.

Der Historiker Peter Hammerschmidt hat umfassend und hartnäckig recherchiert, um die komplette Biographie Klaus Barbies nach 1945 aufzudecken. Er ging bis zum Bundeskanzleramt, damit ihm Einblick in Barbies BND-Akte gewährt wurde. Er interviewte Zeitzeugen, fand unveröffentlichte Briefe des ehemaligen SS-Hauptsturmführers und schließlich 2012 dessen zwischen 1987 und 1991 entstandenen Memoiren. Und er belegt endgültig: Barbie, der ab 1951 als Klaus Altmann in Bolivien lebte, stand in den 1960er Jahren auf der Gehaltsliste des BND, war noch bis 1968 über die Firma MEREX am bundesdeutschen Waffenhandel mit Lateinamerika beteiligt und hatte weltweite Kontakte zu seinen alten Kameraden. Engagiert und spannend erzählt Peter Hammerschmidt, in welch skandalösem, so umfassend noch nicht bekannten Ausmaß NS-Kriegsverbrecher nach 1945 geschützt wurden.
  • Produktdetails
  • S. Fischer Geschichte
  • Verlag: S. Fischer
  • Seitenzahl: 560
  • 2014
  • Ausstattung/Bilder: 2014. 560 S. 220 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 148mm x 45mm
  • Gewicht: 795g
  • ISBN-13: 9783100296108
  • ISBN-10: 3100296109
  • Best.Nr.: 40840263
Autorenporträt
Peter Hammerschmidt, geboren 1986, ist Historiker und promovierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er lebt in Ramstein-Miesenbach/Pfalz. Für seine Dissertation über Klaus Barbie musste er bis zum Bundeskanzleramt gehen, um Einblick in alle Akten zu erhalten. 2011/12 war er wissenschaftlicher Fachberater für den Dokumentarfilm »Aribert Heim - Die Jagd nach Dr. Tod«.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Wichtig und spannend findet Rolf-Dieter Müller Peter Hammerschmidts Biografie über den NS-Mörder und BND-Mann Klaus Barbie. So haarsträubend die Geschichte der blendenden Nachkriegskarriere Barbies als BND-Zuträger in Bolivien ist, so genau und differenziert vermag der Autor sie dem Rezensenten unter Einbezug neuen Aktenmaterials aus den USA und persönlicher Texte Barbies zu vermitteln. Dass Hammerschmidt sich stets der Problematik der disparaten Quellen, besonders der Originaltöne Barbie bewusst bleibt, hält Müller für lobenswert. Lesbar ist die Studie laut Rezensent nicht zuletzt aufgrund der großen Überzeugungskraft und des Eifers des Autors, vor allem betreffend Barbies zweite "Karriere" in Bolivien.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 07.10.2014
Moral kann sich ein Dienst kaum leisten
Klaus Barbie - ein eher durchschnittlicher NS-Täter als CIA- und BND-Zuträger

Unter Hunderten von höheren SS- und SD-Führern, die sich schwerster Verbrechen schuldig gemacht haben, finden sich nur wenige Namen, die noch heute einer größeren Öffentlichkeit bekannt sind. Klaus Barbie, der "Schlächter von Lyon", gehört dazu. Dabei war der Gestapo-Offizier, als Hauptsturmführer vergleichbar dem Hauptmann, kein großes Licht im SS-Staat. Der 22-Jährige arbeitslose Abiturient aus katholischem Lehrerhaushalt hatte seit 1935 beim SD seine Ausbildung begonnen und sich zu einem höchst effizienten Fachmann für die Verfolgung von politischen Gegnern entwickelt. Mit kaltem Zynismus praktizierte er seine Verhör- und Foltermethoden in den besetzten Niederlanden, dann im französischen Dijon und als Gestapo-Chef in Lyon.

Eine vielfach beschriebene historische Größe wurde Barbie, weil er nach dem Krieg von den Franzosen als Kriegsverbrecher gesucht, vom amerikanischen Militärgeheimdienst aber gedeckt und in Dienst genommen wurde und schließlich seit 1951 ein zweites Leben als Klaus Altmann in Bolivien führen konnte. Er war einer jener zwielichtigen Figuren des Nazi-Exils, die sich als Nachrichten- und Waffenhändler ein Zubrot verdienten. Als Spezialisten für die Bekämpfung politischer Gegner war ihr Rat in manchen Ländern gefragt. Barbie belieferte zeitweilig den CIA mit Informationen und hatte 1966 zum westdeutschen BND für wenige Monate einen Kontakt. In Bolivien fand er bis 1983 eine - auch politisch - neue Heimat und wurde Berater diverser Militärregierungen. Bekannt wurde Barbie erst durch die Kampagne der "Nazijägerin" Beate Klarsfeld, seine Auslieferung und den spektakulären Prozess in Frankreich.

Diese teils haarsträubende und verschlungene Geschichte ist jetzt in einer Studie noch einmal aufgearbeitet worden, die mehr Licht in die für viele beteiligten Behörden peinlichen Vorgänge bringt. Mit großem persönlichem Einsatz hat der Autor gleichsam jeden Stein umgedreht, unter dem weitere Details und Informationen verborgen sein konnten. Während er in Deutschland einigen Erfolg hatte und zum Beispiel beim Bundesamt für Verfassungsschutz sowie beim Bundesnachrichtendienst Einblick in einige für ihn vorbereitete Akten nehmen durfte, haben die Vereinigten Staaten viele historisch relevante Akten zurückgehalten. Zeugenvernehmungen, die in Frankreich unter Verschluss sind, fand er in Kopie an der Stanford University.

Die wichtigen Aktenbestände französischer Geheimdienste blieben ihm aber verschlossen. Unter den autobiographischen Quellen, die Peter Hammerschmidt verwenden konnte, findet sich nicht nur der Abituraufsatz von Barbie, sondern auch dessen Memoiren, die in der Haft verfasst wurden. Wichtige Erkenntnisse hat er Gerd Heidemann zu verdanken, der 1979 Barbie in La Paz zusammen mit dem SS-Obergruppenführer Karl Wolff besuchte. Über die Probleme seiner höchst heterogenen Quellen ist sich der Autor bewusst und weiß damit umzugehen. Oft kann er nur Barbie selbst zu Wort kommen lassen, weil andere Belege fehlen und ihm die Aussagen über weite Strecken als zuverlässig erscheinen. Das bleibt problematisch.

So entstand mit großem Eifer und Überzeugungskraft eine gut lesbare, gelungene Biographie eines vielleicht eher durchschnittlichen NS-Täters. Das kleine Anfangskapitel über Kindheit und Jugend vermittelt kaum Hinweise auf die spätere Karriere. Auch der Abschnitt über Barbies Tätigkeit für den Sicherheitsdienst im Zweiten Weltkrieg skizziert im Wesentlichen die bekannten Tatsachen. Die beiden wichtigsten Fälle, Barbies Rolle bei der Ergreifung und Ermordung von Jean Moulin, dem legendären Führer der Résistance, sowie bei der Deportation der jüdischen Kinder von Izieu, erscheinen allerdings etwas unterbelichtet.

Ein größeres Kapitel ist der unmittelbaren Nachkriegszeit gewidmet, als Barbie im Solde der Vereinigten Staaten stand, weil die amerikanischen Militärs annahmen, über ihn Zugang zu konspirativen Zirkeln ehemaliger SS-Chargen zu erhalten. Die Gefahrenabwehr der Besatzungsmacht wirkt aus heutiger Sicht ähnlich unkoordiniert, planlos und ineffizient wie das Agieren deutscher Sicherheitsbehörden in der NSU-Affäre. Als durch die kommunistische Infiltration der westlichen Besatzungszonen und die Destabilisierungsbemühungen Stalins insbesondere gegenüber Frankreich der Kalte Krieg einen ersten Höhepunkt erreichte, wandelte sich das Interesse der Amerikaner. Sie hatten es mit einem skrupellosen Gegner zu tun und glaubten, sich mit Mitteln wehren zu müssen, auch wenn die zeitweilige Kooperation mit politisch belasteten Nazis und gesuchten Kriegsverbrechern intern durchaus umstritten gewesen ist.

Das größte Interesse des Verfassers gilt der zweiten "Karriere" von Klaus Barbie alias Klaus Altmann in Bolivien. Für die Hilfe der CIA bei der Flucht 1951 gibt es Indizien, aber keine Beweise, ebenso hinsichtlich der möglichen Rolle der Organisation des Reinhard Gehlen, die sich im Dienste der CIA ab 1956 zum Bundesnachrichtendienst mauserte. Danach konnte sich Barbie in aller Ruhe in Südamerika mit allerlei Geschäften und Kontakten etablieren, während die Ermittlungsbemühungen deutscher Staatsanwälte und Diplomaten im Sande verliefen.

Als der BND Anfang der 60er Jahre sein gesteigertes Informationsbedürfnis hinsichtlich der politischen Entwicklung in Südamerika zu befriedigen versuchte, hatte er wohl kaum eine andere Möglichkeit, als auf die Netzwerke deutscher Geschäftsleute zurückzugreifen. Bolivien galt als besonders anfällig für die kommunistische Guerrilla. Man schickte einen "Tipper" ins Land, der glaubte, in Altmann eine geeignete Quelle mit zahlreichen Verbindungen gefunden zu haben. Unter dem Decknamen Adler lieferte dieser 1966 einige politische Berichte, deren Inhalt nicht erhalten ist. Schon bei seiner allzu nachlässigen Überprüfung hätte auffallen können, dass "Altmann" ein gesuchter Kriegsverbrecher war. Erst seine Weigerung, zu einer Schulung nach Deutschland zu kommen, weckte Misstrauen.

Als sich Barbie dann mit dem deutschen Botschafter überwarf und mit Hilfe eines Bekannten Belastungsmaterial der Stasi besorgte, wurde er von Pullach "abgeschaltet". Im Zuge von Waffengeschäften für die bolivianische Regierung besuchte er die Vereinigten Staaten und blieb unbehelligt, obwohl seine Identität den Behörden bekannt gewesen ist. Ob die CIA seine Aktivitäten direkt unterstützte oder ihn nur beobachtete, ist nicht mit letzter Gewissheit zu beantworten. Hammerschmidt hält es für erwiesen, dass Barbie als militärischer Berater "im Hintergrund" bolivianischer Putschisten tätig blieb und deren Verhör- und Folterspezialisten mit seinen Kenntnissen unterstützte - den Einsatz an vorderster Front allerdings sorgsam mied.

Es sei das Spionage-Geschäft "so schmutzig, da muss man wirklich schon Charakter haben, um das durchzustehen", erklärte Barbie 1979 dem "Stern"-Reporter Gerd Heidemann. Mit diesem Zitat am Ende der spannenden und wichtigen Untersuchung schließt der Autor eine durchaus differenzierende Beurteilung des spektakulären Falls. Doch abseits von Fehlern und Pannen der Vergangenheit bleibt die Frage, wie viel "Moral" sich ein Nachrichtendienst leisten kann. Wenn sich der "Dienst" heute bei der Gefahrenabwehr gegen islamistischen Terrorismus nur auf Informanten einlassen darf, die auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen und honorige Persönlichkeiten sind, dann bliebe ihm vermutlich nur die Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen. Dann könnte man ihn auch abschaffen, wie manche Kritiker es gern sehen würden.

ROLF-DIETER MÜLLER

Peter Hammerschmidt: Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014. 555 S.,24,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Peter Hammerschmidt hat mit seiner Studie eine beeindruckende Rechercheleistung vorgelegt, mit der er ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte abschließend aufgearbeitet hat.