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Es sind die dreißiger Jahre: In der Kaiserhofstraße in Frankfurt am Main leben Schauspieler, Transvestiten, Freudenmädchen, Burschenschaftler - und die Familie Senger. Als Kommunisten und Juden mussten sie aus dem zaristischen Russland fliehen und haben hier ein neues Zuhause gefunden - bis Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift. Valentin Sengers Mutter Olga erkennt früh den Ernst der Lage: Mit gefälschten Papieren verschleiert sie die Spuren ihrer Herkunft ...
Mit einem Nachwort von Peter Härtling.
"Dass die untergetauchte Familie Senger mitten in Frankfurt am Main überlebt hat, ist ein
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Produktbeschreibung
Es sind die dreißiger Jahre: In der Kaiserhofstraße in Frankfurt am Main leben Schauspieler, Transvestiten, Freudenmädchen, Burschenschaftler - und die Familie Senger. Als Kommunisten und Juden mussten sie aus dem zaristischen Russland fliehen und haben hier ein neues Zuhause gefunden - bis Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift. Valentin Sengers Mutter Olga erkennt früh den Ernst der Lage: Mit gefälschten Papieren verschleiert sie die Spuren ihrer Herkunft ...

Mit einem Nachwort von Peter Härtling.

"Dass die untergetauchte Familie Senger mitten in Frankfurt am Main überlebt hat, ist ein Wunder. Und dass es dieses Buch (...) jetzt wieder gibt, ist ein Segen."
Brigitte
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.19057
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 11. November 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm
  • Gewicht: 315g
  • ISBN-13: 9783596190577
  • ISBN-10: 3596190576
  • Artikelnr.: 33374569
Autorenporträt
Senger, Valentin
Valentin Senger, geboren 1918 in Frankfurt am Main, arbeitete nach einer Lehre zum Technischen Zeichner als Konstrukteur. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er Journalist und arbeitete zunächst für die Sozialistische Volkszeitung, später für den Hessischen Rundfunk. Valentin Senger starb 1997 in Frankfurt am Main.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 11.04.2010

Ein Buch für eine ganze Stadt

Eine Familie jüdischer Kommunisten überlebt den Nationalsozialismus in Frankfurt. Mit einem Lesefest wird nun an Valentin Senger und seinen Roman "Kaiserhofstraße 12" erinnert.

VON FLORIAN BALKE

FRANKFURT. Wäre es nach einigen der Nachbarn gegangen, hätte es dieses Buch gar nicht geben dürfen. Sein Autor Valentin Senger, 1918 in der Wohnung seiner Eltern im Hinterhaus der Frankfurter Kaiserhofstraße 12 zur Welt gekommen, wäre als junger Mann mit seiner Mutter, seinem Vater und seinen Geschwistern zur Flucht aus der Heimatstadt getrieben oder in die Ghettos und Vernichtungslager des Ostens deportiert worden.

Stattdessen gibt es dieses Buch, erschienen zum ersten Mal 1978 im Luchterhand Verlag, das die wundersame Geschichte davon erzählt, wie es Senger und seiner Familie gelang, in der Mitte Deutschlands und mitten in Frankfurt der Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, obwohl sie Juden waren, kommunistisch dachten und vielen Bekannten und Hausgenossen gegenüber weder das eine noch das andere verschwiegen hatten.

Zu den unwahrscheinlichen, absurden und traurigen Wendungen der Familiengeschichte gehört es, dass es schließlich nur Valentin, seinem Vater und seiner Schwester Paula gelang, die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft zu überleben. Seine Mutter, deren Tatkraft und Ideenreichtum es zu verdanken war, dass die Familie so lange durchhielt, starb kurz vor Kriegsende, weil ihr Herz den Anstrengungen des Überlebenskampfes nicht länger gewachsen war. Valentins jüngerer Bruder Alex, wie der Autor nach dem Tod der Mutter als Soldat zur Wehrmacht eingezogen, fiel an der Ostfront.

Frankfurt, die Stadt, zu deren Bürgern die Sengers gehörten, bis sie es nicht länger sein sollten, erscheint in "Kaiserhofstraße 12" als Ort des Bösen wie des Guten. Kenntnisreich und erinnerungssatt erzählt Sengers Buch davon, was in seiner Straße und seiner Stadt das Gemeinwesen ausmachte, das zwischen 1933 und 1945 zusammenbrach. Aus diesem Grund widmen das Frankfurter Kulturamt und der Verlag Schöffling & Co., der den Roman dieses Jahr neu herausgebracht hat, der "Kaiserhofstraße 12" nun das Festival "Frankfurt liest ein Buch".

Vom 21. April bis zum 9. Mai soll der Roman in der ganzen Stadt gelesen werden. Freunde des 1997 gestorbenen Autors erinnern sich im Gespräch an Valentin Senger, seine Witwe Irmgard, die ihren späteren Mann in den Jahren des Krieges kennenlernte und 1949 zu ihm und seiner Familie in die Kaiserhofstraße zog, wird auf mehreren Veranstaltungen sprechen.

Ob andere Verlage es schaffen werden, die in diesem Jahr zum ersten Mal veranstaltete Initiative in den nächsten Jahren mit anderen Frankfurt-Büchern fortzuführen, wird sich zeigen. Sicher ist, dass sich für die Premiere kaum ein besseres Buch hätte finden lassen als "Kaiserhofstraße 12": Es erzählt von Frankfurts dunkelsten Stunden und Orten, vom Gestapo-Hauptquartier in der Lindenstraße und von den Bombardements der letzten Kriegsjahre, berichtet aber auch davon, wie der Versuch der Sengers, sich durch Glück, Lüge und Zufall zu retten, nur gelingen konnte, weil Nachbarn für sich behielten, was sie wussten, und ein Polizist bereit war, die Einwohnermeldekarte der Familie zu fälschen.

Das Buch spielt nicht nur in der detailliert beschriebenen Umgebung und Einwohnerschaft der Kaiserhofstraße, sondern lebt auch von vielen anderen Frankfurter Orten. Ob der kleine Valentin an einem Abend vor 1930, dem Jahr, in dem der Vater arbeitslos wird, an der Hauptwache auf die Straßenbahn wartet, mit der dieser von seiner Tätigkeit als Dreher in den Adlerwerken heimkommt, oder ob Valentin, nun 20 Jahre alt, am Morgen des 10. November 1938 auf dem Weg zu seiner eigenen Arbeit in Sachsenhausen ist und auf dem Eisernen Steg davon hört, dass die Synagoge an der Börnestraße brennt - Frankfurt ist mehr als nur ein Schauplatz des Buches. Es ist, neben der Familie, ein weiterer Akteur des Romans und wird vom Geschehen genauso gezeichnet wie sie.

Als vielleicht einziges Dokument bewahrt "Kaiserhofstraße 12" darüber hinaus die Erinnerung an viele Orte und Menschen, von denen das Buch spricht. Das reicht von dem Haus, nach dem es benannt ist, das in den sechziger Jahren dem Bau eines Parkhauses zum Opfer fiel, bis zu den Menschen, an die es zurückdenkt, von den "zwei Nutten aus Nummer 4" bis zum jüdischen Hilfsarbeiter Max Himmelreich, der Valentin im Hausflur erste Gerüchte darüber erzählt, dass die Juden, die man zur Umsiedlung in den Osten bringe, in Wahrheit ermordet werden. Für fast drei Wochen bietet "Frankfurt liest ein Buch" die Gelegenheit, mehr über Valentin Senger und die Geschichte Frankfurts zu erfahren.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.08.2010

KURZKRITIK
Gegen das Verhängnis
Valentin Sengers Geschichte einer
Rettung in Frankfurt am Main
Dies ist die Geschichte einer wundersamen Rettung: Mitten in der Frankfurter Innenstadt überlebt eine fünfköpfige jüdische Familie die Nazizeit. Die Familie Senger, die eigentlich Rabisanowitsch heißt, weil sie auf der Flucht vor Pogromen aus Russland zugewandert ist, muss sich nicht einmal verbergen, sondern täuscht Normalität vor: Der Vater, der sogar „jidelt“, geht zur Arbeit, die Kinder zur Schule, und die Mutter koordiniert das mühselige Geschäft, ein scheinbar unausweichliches Verhängnis durch immer neue Lügengewebe aufzuhalten.
Das von Tag zu Tag mit stets ungewissem Ausgang neu zu organisierende Versteckspiel funktioniert freilich nur deshalb, weil auch die nichtjüdische Umgebung der Familie mitspielt und beweist, was auch in finsterer Zeit möglich war: Nachbarn, Mitschüler, Lehrer und Berufskollegen, ein Polizist, der beide Augen zudrückt, ein Beamter, der falsche Papiere ausstellt, ein gründlich untersuchender Arzt, der einfach ignoriert, dass sein junger Patient beschnitten ist. Valentin Senger (1918-1997) hat diese Geschichte selbst erlebt; er erzählt sie mit Leichtigkeit und viel jüdischem Humor, voller hinreißender Episoden, die novellesk oder boccacciesk zu nennen, sich nur deshalb verbietet, weil sie wahr sind und oftmals von Menschen handeln, die plötzlich verschwinden und nicht mehr zurückkehren.
Dieses Buch, spannender als ein Roman zu lesen, war Ende der siebziger Jahre schon einmal erschienen. Die verdienstvolle Neuausgabe, bereichert um einen dokumentarischen Bildteil, hat das Zeug zu einem Hausbuch. VOLKER BREIDECKER
VALENTIN SENGER: Kaiserhofstraße 12. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2010. 317 Seiten, 19,90 Euro. 
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"Kenntnisreich und erinnerungssatt erzählt Sengers Buch davon, was in Frankfurts Straßen und in der Stadt das Gemeinwesen ausmachte."
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung