Sayonara, meine Bücher - Ôe, Kenzaburô
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Kogito ist verletzt - ein Gewaltakt hat ihn aus der Bahn geworfen. In schlaflosen Nächten und den Gesprächen mit seinem Freund Shigeru lässt er sein Leben Revue passieren. Fragen nach seiner schriftstellerischen Identität kommen auf, Erinnerungen an seine Kindheit, an das Haus in den Bergen und an die Großmutter, die ihm die Geschichten der Gegend erzählte. Kogito steht am Ende seines Lebens, wäre es nicht an der Zeit, mit dem Schreiben aufzuhören, sich von den eigenen wie von den fremden Büchern zu verabschieden? 'Sayonara, meine Bücher' beleuchtet auf bewegende Weise den Werdegang eines der…mehr

Produktbeschreibung
Kogito ist verletzt - ein Gewaltakt hat ihn aus der Bahn geworfen. In schlaflosen Nächten und den Gesprächen mit seinem Freund Shigeru lässt er sein Leben Revue passieren. Fragen nach seiner schriftstellerischen Identität kommen auf, Erinnerungen an seine Kindheit, an das Haus in den Bergen und an die Großmutter, die ihm die Geschichten der Gegend erzählte. Kogito steht am Ende seines Lebens, wäre es nicht an der Zeit, mit dem Schreiben aufzuhören, sich von den eigenen wie von den fremden Büchern zu verabschieden? 'Sayonara, meine Bücher' beleuchtet auf bewegende Weise den Werdegang eines der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit und ist zugleich eine anregende und überraschende Hommage an die Welt der Bücher.
  • Produktdetails
  • Verlag: S. Fischer
  • Artikelnr. des Verlages: 1012100
  • Seitenzahl: 361
  • Erscheinungstermin: 12. August 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 137mm x 31mm
  • Gewicht: 500g
  • ISBN-13: 9783100552136
  • ISBN-10: 310055213X
  • Artikelnr.: 23826291
Autorenporträt
Ôe, Kenzaburô
Kenzaburô Ôe, geboren 1935 auf der Insel Shikoku, Romanistik-Studium an der Tokyo University mit einer Abschlussarbeit über Sartre. Er schrieb Essays, Geschichten und Romane. Mit 23 Jahren erhielt Ôe den renommierten Akutagawa-Preis, es folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen - darunter 1994 der Nobelpreis für Literatur. Ôe lebt in Tokio. Zuletzt ist von ihm der Roman »Licht scheint auf mein Dach« erschienen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.11.2008

Ich auf Japanisch
Kenzaburô Oe liest im Literaturhaus Frankfurt

Er würde gerne Wissenschaftler anstellen, die ein Gerät erfinden, mit dem man alle Mobiltelefone in einem Umkreis von fünf Kilometern zum Schweigen bringen könnte. Er ist der Meinung, die japanische Kultur steuere auf die schlechtesten Zeiten zu, die sie je gekannt habe. Von den Handy-Romanen, die in seiner Heimat immer populärer werden, hält er wenig. Kenzaburô Oe hatte eine gehörige Portion Kulturpessimismus mit in das Literaturhaus Frankfurt gebracht. An die Schöne Aussicht gekommen war der Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1994, um seinen neuen Roman "Sayonara, meine Bücher" vorzustellen. In Japan ist er vor drei Jahren erschienen, nun hat ihn der S. Fischer Verlag auf Deutsch herausgebracht.

Birgitta Assheuer las Passagen aus Nora Bierichs Übertragung ins Deutsche, zwischendurch offenbarte Kenzaburô Oe im Gespräch mit Fischer-Lektor Hans-Jürgen Balmes und Übersetzerin Heike Patzschke die künstlerisch produktivere Kehrseite seiner ein wenig starren Gegenwartsabstinenz - eine radikale Skepsis gegenüber jeglicher festgefügten Idee, was das sei, ein Ich, ein Bewusstsein, ein Autor, ein Werk oder eine Stimme. In "Sayonara, meine Bücher" gerät der autornahe und dem Leser schon aus "Tagame. Berlin - Tokyo" bekannte Protagonist Kogito ohne sein Zutun in ein Gewaltverbrechen, wird verletzt und denkt während seiner mühsamen Rekonvaleszenz über sein Leben und seine Bücher nach.

Aus dieser Situation entwickelt der 1935 auf der Insel Shikoku geborene Schriftsteller ein Spiel des vielstimmigen Erzählens, das er gerne aufführt, seit er sich im Japan der Nachkriegszeit mit westlichen Klassikern von Dostojewski über T. S. Eliot bis Beckett beschäftigt hat. Wie bei einem "in seinen Farbschichten verrutschten Farbdruck", heißt es im neuen Roman, scheint hinter dem Ich Kogitos allmählich ein anderes, jüngeres Ich auf, das die Romane, die Kogito geschrieben haben wird, noch nicht oder gar nicht geschrieben hat. Metapoetische Prosa, die langsam entsteht. "Wenn ich einen Roman geschrieben habe, verwende ich sehr viel Zeit darauf, ihn umzuschreiben", sagt der Autor. "So wird aus einem Roman, der eigentlich in der Ich-Form erzählt wird, ein Roman, von dem man den Eindruck hat, dass zwei Personen erzählen." Der Roman, an dem Kenzaburô Oe augenblicklich arbeitet, soll der letzte sein - wieder einmal.

FLORIAN BALKE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.11.2008

Die rätselhafte Torheit eines alten Mannes
Vorzeichen in großen Holzkisten: Ein Buch von Kenzaburo Ôe, an dem man das Fragen lernen kann
„Kogito Chôkô, der trotz seines Alters in Gewalttätigkeiten verwickelt und schwer verletzt worden war und nun zum ersten Mal im Krankenhaus lag, geriet in Verlegenheit, wenn er überraschend Besuch bekam.” So, in gelassenem und fast trockenem Ton und doch mit einem Anflug von Geheimnis, beginnt der Roman von Kenzaburo Ôe; und so geht es weiter. Wie diese Gewaltverwicklung sich ergeben hat, erfährt man nie genau; sie wird zunächst immer unverständlicher, denn das Leben, in das der alte und geachtete Schriftsteller zurückkehrt (er hat wie Ôe selbst den Nobelpreis gewonnen), scheint in einer Bahn tiefen Friedens zu verlaufen. Bei dem unerwarteten Besuch handelt es sich um Shigeru, Kogitos Gefährten seit Kindheitstagen, einen nunmehr erfolgreichen Architekten in Amerika, den er seit Jahren aus den Augen verloren hatte.
Shigeru, so haben er und Kogitos Tochter es zusammen eingefädelt, wird den Sommer zusammen mit dem Freund am Ort ihrer gemeinsamen Kindheit verbringen, einem Dorf in den Wäldern von Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln, wo der Schriftsteller ein merkwürdiges Doppelhaus besitzt, welches einst von Shigeru gebaut wurde: das „Gerontion”, benannt nach einem Gedicht von T.S. Eliot, und das „Mad Old Man House”, in dessen Namen sich eine Anspielung auf W.B. Yeats verbirgt.
Sie bleiben nicht allein. Außer Kogitos Frau, der Tochter und dem geistig behinderten Sohn finden sich auch zwei Studenten ein, eine Chinesin und ein Russe, die Shigeru zur Unterstützung Kogitos geholt hat, und später noch drei weitere junge Leute, ein zwillingshaftes Paar von Auslandsjapanern und ein Mädchen. Aus den intellektuellen Gesprächen, die sie alle miteinander führen, schält sich langsam der Umriss einer Verschwörung heraus: Shigeru, Theoretiker des „Unbuild”, und seine jungen Mitarbeiter planen einen Bombenanschlag in Tokyo, der sich mit dem 11. September messen kann. Gleichzeitig soll Kogito, der sich in einer Schaffenskrise befindet, daraus den vitalen Impuls für ein neues Buch empfangen.
Allerdings muss man den freiwilllig-unfreiwilligen Mitwisser, damit er nichts ausplaudert, unter Hausarrest stellen, der so schonend wie möglich vollzogen wird. Es erweist sich bald, dass die Verschwörer sich technisch übernommen haben, man will sich nunmehr mit dem einzelnen Stockwerk eines Bürohochhauses begnügen; und schließlich einigt man sich darauf, Kogitos „Gerontion”-Haus in die Luft zu sprengen: Auch das könnte noch als ein Fanal gegen das atomare Gewaltmonopol der Großmächte gelten. Kogito gibt seine Zustimmung und hilft mit, dass bei der Explosion keine Menschen zu Schaden zu kommen – was dann aber doch geschieht, denn einer der jungen Bombenleger wird getötet. Es gibt einen mittelgroßen Skandal und polizeiliche Untersuchungen; aber als sich die beiden Protagonisten zehn Jahre später noch einmal begegnen, ist so ziemlich Gras über die Sache gewachsen.
In fremden Bezirken
Es gibt Bücher, die scheinen sich schlicht und klar zu entfalten, und doch spürt der Leser, dass er hier etwas Entscheidendes nicht versteht. In einem solchen Fall sollte er vor allem versuchen, seinem Unverständnis das Maß zu nehmen. (Die eher kleinere Schwierigkeit liegt darin, dass Ôes Buch offenbar eine lange Vorgeschichte in früheren Büchern hat, wo Vieles, was sich hier nur andeutet, schon ausführlicher erzählt wurde.) Das Buch spricht von zwei fremden Bezirken zugleich: Japan; und dem Alter. Gerade solche Dinge, die dort am selbstverständlichsten sind, befremden hier am meisten, denn gerade sie werden nie explizit thematisiert. Die beiden Häuser des Schriftstellers heißen, wie gesagt, „Gerontion” und „Mad Old Man House” – geht man fehl, wenn man darin Alter und Torheit als Doppelmotiv erkennt? Die Torheit des Alters, äußert Kogito einmal, interessiere ihn mehr als dessen Weisheit. Aber wäre es denn reine Torheit, die Kogito einwilligen lässt, sein eigenes Haus zur Zerstörung freizugeben? Die zeichenhafte Gewalt, die sich misslingend gegen ihren Urheber kehrt, hat in Japan ihren mächtigen Präzedenzfall: Yukio Mishima, ein anderer japanischer Literatur-Nobelpreisträger, hatte 1970 mit einigen Getreuen eine Militärdienststelle überfallen und versucht, durch diese Aktion die japanischen Streitkräfte zum Staatsstreich aufzurufen; als das nicht klappte, beging er Harakiri und ließ sich von einem Sekundanten den Kopf abschlagen. Die Gründe für das Scheitern der „Mishima-Lösung” werden im Buch ausführlich erörtert. Muss man die zunehmende Einschränkung des Terrorprojekts als gezielte Engführung oder als klägliche Schrumpfung begreifen? Hat man die theoretischen Ausführungen, die die Akteure in ihren langen Diskussionen geben, ernst zu nehmen, oder sollen sie sich selbst als wirres Gefasel entlarven? Oder liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen? Es ist offensichtlich, dass das Buch einen ironischen Einschlag hat – aber wie weit reicht er, und worauf richtet er sich? Und in welchem Maß entzündet sich am tief sitzenden Stachel der Gewalt das zivile Gewebe dieser Gesellschaft und Literatur?
Der Roman trägt den Abschied von den Büchern im Titel. Ganz am Ende findet Kogito zu einer anderen Art des Schreibens: „Vorzeichen” will er sammeln – dies ist im Japanischen die Bedeutung seines Nachnamens Chôkô. Solche Vorzeichen betreffen Menschen, die an einen Punkt gelangt sind, von dem es kein Zurück mehr gibt; zerbrochene Menschen. Das fertige Werk soll dann nicht im üblichen Sinn publiziert, sondern in großen Holzkisten gelagert werden, aber mit Deckeln, die leicht genug sind, dass auch ein Dreizehn- oder Vierzehnjähriger sie öffnen kann. „Sie sind die Leser, auf die ich hoffe. Mit meinem Stil der Vorzeichen will ich in ihnen die Idee wecken, die dort beschriebenen Zeichen der Zerstörung umzustürzen.”
Hier steht man an der Grenze
Der Rezensent gesteht, dass er hier an den ihm dunkelsten Teil des Buchs gekommen ist. Irgendetwas am Sinnumfang des japanischen Worts „Chôkô” will auf keine Weise in die andere Sprache hinüber, ein Umstand, an dem die Übersetzerin Nora Bierisch gewiss unschuldig ist. Hier steht man an der Grenze dessen, was eine bloße Rezension vermag. Sie hat es mit dem einzelnen, durch die Buchdeckel abgegrenzten Werk zu tun, wie es sich dem unbefangenen allgemeinen Leser in die Hand legt. Um mehr zu verstehen, müsste man zu einer wissenschaftlichen Behandlung übergehen. Ohne sie gelangt man hier nicht zu Antworten, sondern allein zu Fragen, die man darum so genau wie möglich fassen sollte. BURKHARD MÜLLER
KENZABURO ÔE: Sayonara, meine Bücher. Roman. Aus dem Japanischen von Nora Bierisch. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008, 362 S., 22,90 Euro.
Der japanische Nobelpreisträger Kenzaburo Ôe auf einer Pressekonferenz in Tokyo, 2004. Foto: Reuters/Issei Kato
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Hubert Winkels gibt sich als großer Verehrer Kenzaburo Oes zu erkennen, den er zu "Zivilität in Person und in Schriftgestalt" erklärt. Den neuesten Roman "Sayonara, meine Bücher" kann er jedoch nur als ein "Buch für Kenner" empfehlen, Neulesern wird sich Oes Großartigkeit damit nicht unbedingt erschließen. Winkels beschreibt den Roman als eine von vielen Motiven, Handlungen und Theorien durchzogen und von dem Dualismus von Aktion und Kontemplation geprägt. Auch sieht er viele andere Autoren darin ein- und zusammenfließen: Dostojewski, Celine, Beckett, Eliot. Es sei ein "virtuoses Glasperlenspiel", meint Winkels, der es jedoch nicht klingen und knallen gehört hat. Das musste er sich selbst dazudenken.

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