Fata Morgana - Celati, Gianni

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In diesem außerordentlichen Buch fordert Celati unsere Phantasie heraus, indem er von Orten und Menschen erzählt, die uns unbekannt sind und nichts mit unserem Leben zu tun haben. Oder vielleicht doch? Ein wunderbarer Roman über Sinnestäuschungen und die Fallen, die sie uns stellen. Zum Beispiel die, daß wir uns an der Spitze des Fortschritts befänden. Oder die, daß wir unverwechselbar seien.…mehr

Produktbeschreibung
In diesem außerordentlichen Buch fordert Celati unsere Phantasie heraus, indem er von Orten und Menschen erzählt, die uns unbekannt sind und nichts mit unserem Leben zu tun haben. Oder vielleicht doch?
Ein wunderbarer Roman über Sinnestäuschungen und die Fallen, die sie uns stellen. Zum Beispiel die, daß wir uns an der Spitze des Fortschritts befänden. Oder die, daß wir unverwechselbar seien.
  • Produktdetails
  • Quartbücher
  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl: 220
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 224 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 144mm x 22mm
  • Gewicht: 380g
  • ISBN-13: 9783803132055
  • ISBN-10: 3803132053
  • Best.Nr.: 20846141
Autorenporträt
Gianni Celati wurde 1937 in Sondrio geboren. Er studierte an der Universität in Bologna und schloss sein Studium mit einer Dissertation über James Joyce ab. 1975 übernahm Celati eine Professur für Englische und Amerikanische Literatur an der Universität von Bologna, zog sich jedoch fünf Jahre später aus dem Wissenschaftsbetrieb zurück, um sich dem Schreiben und der Filmarbeit zu widmen. Neben seinen eigenen literarischen Veröffentlichungen ist er auch Übersetzer zahlreicher Autoren ins Italienische, darunter Jonathan Swift, Mark Twain und Roland Barthes. Celati lebt im südenglischen Brighton und in Bologna.
Rezensionen
Besprechung von 16.12.2006
Wir beten an, was uns hinunterzieht

Ist in der Geschichte der Vernunft schon das letzte Wort gesprochen? Der italienische Autor Gianni Celati inszeniert in der Wüste einen Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei.

Von Winfried Wehle

Er gilt als der literarischste Autor des zeitgenössischen Italien; einer von vier oder fünf aus der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, die bleiben werden. Der Neunundsechzigjährige hat jetzt, nach eigenem Bekunden, das letzte Buch - sein letztes Wort? - vorgelegt. Es ist wie der besondere Film, den das Fernsehen am späten Abend zeigt. Sein Titel: "Fata Morgana". Zwar wird es "Roman" genannt; enthält aber einen phantastischen Bericht, der auf raffinierte Weise erzählt, warum es mit dem Erzählen ein Ende hat: "Die Wörter haben sich vor dem Schreibenden zurückgezogen." Doch mit diesem Schlußwort von Gianni Celati hört nichts auf. Er ist lediglich in der Geschichte des Verstummens angekommen, die die Rhetorik der Moderne wie ihren Schatten begleitet.

Doch wer darüber einen Roman schreiben will, muß, was sich der Sagbarkeit entzieht, gleichwohl sagbar machen. Celatis Erzähler greift dazu auf einen vielsagenden Schauraum zurück, in dem viele kulturelle Eintragungen flimmern: die Wüste. Aus ihrer Ortlosigkeit läßt er, wie eine "Fata Morgana", ein "Nirgendwo", eine Utopie aufsteigen. Celati inszeniert dort einen phantastischen Kampf der Kulturen. Schauplatz ist Gamuna-Valley, ein verlorener Außenposten des Lebens in einer endlosen Wüstengegend. Der Ort wurde seit längerem spurlos verlassen. Unerbittlich hatte die Natur begonnen, sich zurückzuholen, was die Zivilisation ihr abgenommen hatte. Sand wanderte durch die kaputten Fenster und Türen in die Häuser ein; Unkraut, Büsche, Bäume haben darin Platz genommen; die Dächer sind undicht; die Autos am Straßenrand verrottet: ein Unort im freien Verfall.

Eine Frage der Erdanschauung.

Verfall? Es kommt auf die Betrachtung an. Denn die Gamuna, die hier eines Tages aufgetaucht sind, fanden diese Unordnung vollkommen in Ordnung. Doch welch ein Leben kann aus solchen Ruinen noch blühen? Hier beginnt die hintersinnige, beunruhigende Faszination dieser Geschichte: Die Gamuna stellen die Welt auf den Kopf: sie lassen sich, umfassend, fallen. Nur notdürftig - im Sinne des Substantivs - erhalten sie ein ziviles Minimum aufrecht. Damit erscheinen sie als Primitive, die alles, was sie bewegt, nach unten zieht. Denn ihre Weltanschauung ist umstürzend anders: Erdanschauung. Der "bleischwere Zauber der Erde" hat es ihnen angetan.

Willig gehen sie in den Veränderungen auf, die die Natur an ihnen vollzieht. Darauf sind ihre Riten abgestimmt. Die Jungen werden in einer Art Jugendweihe mit Exkrementen getauft; die Toten auf dem Katheder der ehemaligen Schule aufgebahrt, bis sie verwesen und die Fliegen kommen, Zeichen dafür, daß sich die Körper verflüchtigen und eins werden mit dem "Wesen des großen Atems", dem Wind, der aus der Wüste kommt und die Verlockungen weckt, die "im Körper nisten". Die wollüstigen Frauen mit dem "scheelen Blick einer Eule" und üppigem Busen bringen die männlichen Wesen - sie könnten von Giacometti stammen - zur Raserei. Früher endeten die Bestattungsfeste in allgemeiner Kopulation. Doch auch in Gamuna-Valley gibt es Fortschritt. Der Erzähler läßt die Männer aus ihrer Begehrlichkeit einen geradezu postmodernen Schluß ziehen. Selbst das wenige, von dem sie glauben, daß aus ihm etwas Höheres, Mächtigeres spricht: Die Wüste hat sie gelehrt, daß alles nur Luftspiegelungen sind, die von der großen Entropie ablenken. Was bringt es, ihnen nachzulaufen? Allenfalls Spuren im Sand. Die Gamuna sind darüber zu Artisten der Erkenntniskritik geworden. Ihre einzig zulässige Wahrheit ist, keine einzig zulässige Wahrheit zuzulassen. Und: Sie üben sich in der Kunst, die Zeit zu verlieren. Dadurch kommen sie dem Rhythmus der Erde näher. Selbst ihre Sprache hat sich dieser Entselbstung angepaßt. Sie wird vom Morgen zum Abend anders und weniger; nachts spricht man nur noch "mit geschlossenem Mund".

Die Gamuna könnten also nach ihrer - bizarren - Fasson selig werden, würden Utopien nicht erfunden, um entdeckt zu werden. Die dort, die Zivilisierten, sollten auf die hier, die Unzivilisierten, reagieren. Darin liegt Celatis List der Utopie. Wen es jemals nach Gamuna-Valley verschlagen hat, den bedrückt das Leben dort wie ein Albtraum an Trostlosigkeit und Trübsinn. Kann man auf diese Primitiven anders als primitiv reagieren?

Der Wahn der Zivilisierten.

Und so kommen sie gelegentlich am Wochenende, um die Eingeborenen von ihren Hubschraubern aus abzuschießen; holen sich Frauen für ihre Bordelle; wollen sie gar alle ausrotten, weil in ihrer Gegend Bodenschätze vorkommen sollen - empörende kolonialistische Menschenverachtung. Doch gerade dadurch kommt das Unzivilisierte heraus, über das die Zivilisierten glauben, erhaben zu sein. Sie sind ihrerseits, wie die Gamuna, von Halluzinationen befallen; nur daß sie es nicht wahrhaben. Deshalb ihre barbarischen Entladungen. Das Vernünftige ist eben nur eine Insel in einem Meer von Leidenschaften.

Einem ist diese Verblendung allerdings aufgegangen: dem Erzähler. Er sitzt in einem abgelegenen Ort in der Normandie. Vor ihm liegen die Aufzeichnungen eines orientalischen Anthropologen; die Berichte eines argentinischen Ethnologen und die Tagebücher einer vietnamesischen Krankenschwester. Alle hatten versucht, die Abwärtsbewegung im Leben der Gamuna auszuhalten und zu begreifen - vergeblich. Jetzt bemüht sich der Erzähler, aus der Distanz zu verstehen, was sie aus der Nähe nicht begreifen konnten. Er zieht alle diskursiven Register. Doch was helfen ihm die Leitfäden von Kolonialchronik, Reisetagebuch, Kulturgeschichtsschreibung, Völkerkunde, Utopie, Gullivers Reisen? Am Ende gibt er auf. Das Leben der Gamuna ist in keine zivilisierte Form zu bringen. Es gibt Dinge, die über ihren Verstand gehen. Mehr noch: "der Schreibende" beginnt zu ahnen, daß auch er nur mit kultivierten Halluzinationen hantiert.

Folgerichtig wendet er sich zuletzt seinem eigenen Schreiben zu. Einen geordneten Bericht wollte er verfassen; eine unordentliche Fiktion ist herausgekommen. Doch es gibt einen, dem sein Scheitern ein strenges Vergnügen bereitet: den Autor, der sich zu Beginn fast unbemerkt unters Personal gemischt und beobachtet hat, wie der Schreibende Opfer seiner hintersinnigen Parodie wurde. In letzter Hinsicht kann etwas nur als Fiktion wahr sein.

- Gianni Celati: " Fata Morgana". Roman.

Aus dem Italienischen übersetzt von Marianne Schneider. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2006. 221 S., geb., 19,50 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 10.02.2007
Wir sind Trugbilder, Baby
Alles zerbröselt: In „Fata Morgana” erfindet Gianni Celati ein Wüstenvolk, das die Zivilisation das Gruseln lehrt
Warum machen die Tropen eigentlich so traurig? Weil die Zivilisierten die sogenannten Primitiven langsam, aber sicher zu Fall bringen, erklärte der französische Anthropologe Claude Lévi-Strauss in den fünfziger Jahren. Seit seinem Reisebericht über den Untergang der brasilianischen Indianervölker haben sich etliche Ethnologen-Generationen über das Fremde, das Andere und den westlichen Fortschrittswahn den Kopf zerbrochen. Und wurden dabei immer trauriger. Denn je mehr man über das Fremde und Andere nachdenkt, desto unverständlicher wird es und desto deutlicher tritt zutage, dass das Verstehen selbst ein riesengroßer Fake ist: Man beschreibt und erklärt sich den Mund fusselig, doch die Wörter können nichts oder kommen schließlich gar nicht mehr, pilzbefallen wie sie sind seit der Moderne.
Unsere kleinen Hausgötter
Ein fremdes Volk und die zerfallende Sprache sind die beiden Stoffkreise, die der italienische Schriftsteller Gianni Celati in seinem neuen Roman sehr intelligent und kunstvoll miteinander verwebt: „Fata Morgana” ist ein fiktiver Reisebericht über das Wüstenvolk der Gamuna, dessen Territorium irgendwo zwischen einem Basaltmassiv und einer Sandwüste versteckt liegt, auf einem ungenannten Kontinent mit manchmal afrikanischen, manchmal aber auch südamerikanischen Zügen. Die Gamuna leben in einer Stadt, die sie von einer früheren Zivilisation übernommen haben: Sie bewohnen fremde Häuser, tragen fremde Kleider und verehren die Ölporträts der vormaligen Bewohner wie kleine Hausgötter.
Dabei bröckelt überall der Putz, und in einer ehemaligen Bank ranken sich exotische Gewächse um den Tresor. Wo Kultur war, soll Natur werden, denn der Sand rieselt einfach zurück auf alles, was der einstigen Population lieb und teuer war. Auf eine verspielt-phlegmatische Weise schert sich dieses Wüstenvolk einen Dreck um die Errungenschaften der westlichen Welt, und der Roman wartet dazu mit einer ganzen Serie von fein ziselierten Ruinenbildern auf: Ihre Toten betten die Gamuna auf die Katheder der einstigen Schulen, und in den rostigen Autos halten sie ihre Mittagsschläfchen.
Doch vor allem das rätselhafte Innenleben dieser Population fesselt den nicht minder geheimnisvollen Erzähler. Der männliche Gamuna wirkt „fadenförmig”, sein Blick zitternd, und je älter er wird, „um so mehr beängstigt ihn das Leben und um so leichter kommt er auf der Straße ins Schlittern.” Dieses allgemeine Schwanken korrespondiert perfekt mit der gamunischen Philosophie: Das Leben im Wachzustand ist bloß eine Fata Morgana, eine Projektion unserer Wünsche in die Außenwelt; aber nachts, im Traum, wird in Palästen gefeiert, werden Geschäfte gemacht und sogar Fußballspiele ausgetragen. So sehr sind die Wüstenbewohner vom Prinzip der Luftspiegelungen überzeugt, dass sich Veränderungen im Diesseits einfach nicht lohnen und nur ein gepflegter, transzendentaler Trübsinn übrig bleibt. Man ergibt sich dem „bleischweren Zauber der Erde”, der selbst die Vögel in dieser Region zum Abstürzen bringt. Und geht dem Müll und den aggressiven Ausländern lieber aus dem Weg.
Verhuscht und bräsig könnte man die Gamuna also nennen, und damit wäre die Falle schon zugeschnappt, die Gianni Celati dem zerstörerischen Überlegenheitsgefühl des Westens stellt. Nimmt man die Gamuna als Weicheier wahr, ist man nur der Projektion auf den Leim gegangen, mit deren Hilfe der Okzident alle anderen als passiv dastehen lässt. Spätestens hier verwandelt sich der Reisebericht in eine Parodie, die den Leser ein bisschen für die Ödnis entschädigt, die ihn auf jeder Seite umgibt: Sämtliche ausländischen Abenteurer, die das Territorium bereisen, werden irre an der Melancholie der Gamuna. An dieser Tristesse glitscht einfach alles ab, was sich mit imperialer Geste über das Wüstenvolk erheben wollte: „Was den Abenteurern fehlt, ist der große Traum von den Kolonialkriegen gegen exotische Völker, die es zu unterwerfen gilt. Denn der durchschnittliche männliche Gamuna ist eigentlich schon zu unterwürfig; und das ist das Deprimierende.”
Dass dabei nur aus zweiter Hand berichtet wird, ist ein erzählerischer Trick, mit dem sich der Roman auf die nächste Ebene spielt: Der namenlose Schreiber wertet die Tagebücher anderer Reisender aus und lässt seine eigenen Träumereien und Erfindungen über den ethnologischen Bericht wuchern. Nicht umsonst hat Gianni Celati „Gullivers Reisen”, den Klassiker aller pessimistischen Reisesatiren, ins Italienische übertragen. Dieses altehrwürdige Genre, sagt er, „macht durch den Spiegel einer imaginären Welt unsere eigene Gesellschaft mit ihren Lastern und Gebrechen sichtbar.” Der Schriftsteller, Übersetzer und Dokumentarfilmer, der in England lebt und dieses Jahr siebzig wird, zählt zu den bekanntesten Stilisten der italienischen Gegenwartsliteratur, obwohl (oder weil) er den Betrieb meidet und sich Jahre Zeit lässt für ein neues Buch. Auch der Universität hat er nach wenigen Jahren als Professor für englische und amerikanische Literatur den Rücken gekehrt.
Saurierknochen der Moderne
Dass Celati zuletzt in Afrika unterwegs war und einen Film über ein senegalesisches Dorf gedreht hat, merkt man „Fata Morgana” an; die Forscher-Aura, die seine ironischen Bilder versprühen, hat durchaus eine empirische Basis. Aber auch die moderne Phantastik hat im Roman ihre Spuren hinterlassen: „Die unsichtbaren Städte” von Italo Calvino – in den siebziger Jahren Celatis Entdecker und Förderer – zeichnen sich ebenso ab wie Dino Buzzatis finster-allegorische „Wüste der Tartaren” von 1940. Und aus theoretischer Warte kommen all die Ethnologen-Geschichten über Mythos, Inzest und Initiation dazu: Wie ausgebleichte Saurierknochen liegen die Überreste des Strukturalismus in der Wüstenlandschaft der Gamuna herum.
Mehr als ein Reisebericht ist „Fata Morgana” deshalb eine Versuchsanordnung, ein surreales Wüsten-Schachspiel voller Verliererfiguren zwischen Zivilisation und Barbarei. Gianni Celatis lakonischer, genau kalkulierter Stil – kongenial von Marianne Schneider ins Deutsche übertragen – bringt dabei allmählich eine zweite große Gedankenpyramide zum Vorschein: die Sprache selbst mit ihren Vexierspielen und Luftspiegelungen. Was die Halluzinationen nun genau darstellen (sind sie Abbilder von etwas Wirklichem oder nur „irisierender Schein”, wie die Gamuna meinen?), darum kreist der Roman mit immer neuen, vom Wüstenvolk geborgten Sprachmeditationen über die Sinnlosigkeit des Daseins.
Manchmal wirken diese elaboriert-schlichten Sätze ein bisschen altmodisch in ihrem Modernismus – als sei der Roman in einer allzu fein geklöppelten, experimentellen Trauerschleife hängengeblieben. Aber das macht nichts, denn dafür wird man mit dem verträumten Irrwitz der Gamuna entschädigt: Jenseits des grauen Alltags führen die Zitterer und Zauderer ihr ausschweifendes Traumleben, ihre Frauen sind wilde Schönheiten und ihre Geschichtenerzähler spielen den Verfasser des Reiseberichts locker an die Wand. Wie das Geschichten-Erfinden funktioniert, scheint das Wüstenvolk besser zu wissen als jeder westliche Beobachter. Wobei ja der krisengeschüttelte Erzähler die Mythen aufzeichnet – und schon hat sich der Leser, melancholisch gebannt vom Flimmern der Ebenen, selbst in einen Gamuna verwandelt. JUTTA PERSON
GIANNI CELATI: Fata Morgana. Roman. Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2006. 224 Seiten, 19,50 Euro.
Das Leben im Wachzustand ist bloß eine Fata Morgana. Foto: Jupiterimages
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Nach der Lektüre ahnt Jutta Person, warum die Tropen traurig machen. In Gianni Celatis Buch nämlich erkennt die Rezensentin mehr als einen fiktiven Reisebericht mit "fein ziselierten Ruinenbildern". Auf Besuch beim Wüstenvolk der Gamuna sichtet Person eine Falle, denn Celati stellt das Wüstenvolk zunächst einmal so phlegmatisch dar, dass sich das "zerstörerische Überlegenheitsgefühl des Westens" bestätigt fühlen kann. Doch die Gegensätze zwischen den aktiven Zivilisierten und den passiven Gamuna machen schnell klar, dass es sich bei dem Text um eine, wenngleich empirisch fundierte (Celati war selbst als ethnologischer Filmer unterwegs) Parodie eines Reiseberichts handelt. Zum Glück findet Person auch Verlässliches, wie die Anleihen bei Calvino oder Ethnologisches zum Thema Mythos, Inzest und Ähnliches. Alles in allem möchte Person von dem Buch als von einer melancholisch gefärbten "Versuchsanordnung" sprechen, in der Zivilisation und Barbarei, vermittelt durch eine "elaboriert-schlichte" und "kongenial" übertragene Sprache und einen genauen Stil, einen surrealen Tanz aufführen.

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