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Es beginnt als harmloser Ferienausflug im Sommer 1989: Ein übergewichtiger Musikkritiker aus Westberlin, ein weltberühmter Pianist aus Hannover und ein einfältiger Jurastudent aus Bologna wollen Südtirol abseits der touristischen Hauptrouten erkunden, geführt von einem dubiosen einheimischen Gymnasiallehrer und Auskenner. Zu viert in einen engen Fiat Panda gequetscht, kutschieren sie kreuz und quer durchs Land. Bald stellen die Reisenden fest, dass ihr Chauffeur nur ein Bein und keinen Plan hat - dafür eine Schwäche für geistige Stärkungen. So führt ihre Tour sie nicht nur zu verschlossenen…mehr

Produktbeschreibung
Es beginnt als harmloser Ferienausflug im Sommer 1989: Ein übergewichtiger Musikkritiker aus Westberlin, ein weltberühmter Pianist aus Hannover und ein einfältiger Jurastudent aus Bologna wollen Südtirol abseits der touristischen Hauptrouten erkunden, geführt von einem dubiosen einheimischen Gymnasiallehrer und Auskenner. Zu viert in einen engen Fiat Panda gequetscht, kutschieren sie kreuz und quer durchs Land. Bald stellen die Reisenden fest, dass ihr Chauffeur nur ein Bein und keinen Plan hat - dafür eine Schwäche für geistige Stärkungen. So führt ihre Tour sie nicht nur zu verschlossenen Kirchen und in einsame Bergdörfer, sondern von Gasthaus zu Gasthaus. Mal heiter, mal tiefsinnig diskutieren sie über Bach, Beethoven, Literatur, Weltpolitik, Frauen und die Erschaffung der Welt aus alkalischem Salz. Je betrunkener sie werden, desto aberwitziger kreist ihr Disput zwischen Weisheit, Schalk und Wahn, hoher Kunst und derbem Leben, Tod und Vergessen. Als noch ein weiterer Passagier
einsteigt, spitzen die Dinge sich zu. Ob sie jemals heil zurückkommen?
Eine bizarre Tour d'Horizon zu geologischen und menschlichen Abgründen, grotesk und komisch, minutiös und universell: Vier Männer in einem Fiat Panda, in dem sich eine ganze Welt entfaltet.
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 281
  • Erscheinungstermin: September 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 131mm x 27mm
  • Gewicht: 376g
  • ISBN-13: 9783871341625
  • ISBN-10: 3871341622
  • Artikelnr.: 44983623
Autorenporträt
Selge, Albrecht
Albrecht Selge, geboren 1975 in Heidelberg, aufgewachsen in Westberlin, studierte Germanistik und Philosophie in Berlin und Wien. Sein erster, von der Presse hochgelobter Roman «Wach» (2011) wurde für den Alfred-Döblin-Preis nominiert und mit dem Klaus-Michael-Kühne-Preis des Harbour Front Literaturfestivals Hamburg ausgezeichnet. Albrecht Selge lebt als freier Autor mit seiner Familie in Berlin.
Rezensionen
Ein das Risiko schrägen Humors nicht scheuendes Buch ... Albrecht Selge schreibt virtuos, ihm ist ein furioses Kammerstück gelungen. Spiegel Online

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Christoph Schröder folgt Albrecht Selges Roadmovie zunächst durchaus amüsiert nach Südtirol: Vier mehr oder weniger kulturell gebildete Männer unterwegs von Gasthaus zu Gasthaus in einem Fiat Panda. Die Grenzen der Konstellation werden Schröder allerdings rasch schmerzhaft bewusst. Das langsame Absaufen der Figuren im Bier- und Schnapsdunst findet er als Handlung dann doch arg wenig. Mehr als altherrenhafte Albernheiten und langweilige Bildungsfrüchte hat das Buch auch bald nicht mehr zu bieten, meint Schröder. Auch Selges Verweise auf Klassiker der Besäufnisliteratur helfen da wenig, meint er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.10.2016

Flachmänner
Albrecht Selge fordert die
Besäufnisliteratur heraus
Der Fiat Panda ist ein nicht zu unterschätzendes italienisches Nationalsymbol. Hält eine Menge aus, passt eine Menge rein. Vier erwachsene Männer zum Beispiel. Albrecht Selges neuer Roman ist im Jahr 1989 angesiedelt (was kaum zu merken ist). Der Panda ist also noch die klassische eckige alte Kiste. Mit ihr steht am frühen Morgen ein Mann namens Gasser vor dem Südtiroler Haus des Kompositionsprofessors Kumm. Dieser hat Gasser angeheuert, seinen Sohn Hibiscus mit dem stark übergewichtigen (West)-Berliner Musikkritiker Zwantulla ( Gasser nennt ihn „Zwantler“) und dem Starpianisten Perger einen Tag lang durch die Landschaft zu kutschieren, samt Sehenswürdigkeiten.
  Das ist die Ausgangslage, die Selge mit einer Vielzahl von Einfällen anreichert. Der Fremdenführer Gasser („Ihr Cicerone“), von Beruf Gymnasiallehrer, wie er behauptet, hat nicht nur aus Bequemlichkeit die Sicherheitsgurte seines Panda abgeschnitten. Es fehlt ihm zudem, wie sich bald herausstellt, ein Bein. Das hindert ihn nicht daran, die engen, steilen Bergstraßen mit größtmöglichem Tempo zu nehmen. Vier Männer in einem engen Auto. Die Laune ist dürftig, vorerst. Der eine will rauchen, der andere schweigen; der dritte, Hibiscus, ist, wie sofort zu bemerken ist, nicht eben mit Intelligenz gesegnet.
  Und Gasser, der angebliche Fremdenführer, hat in Wahrheit keine Ahnung: Kirchen oder Kulturdenkmäler, zu denen er die Gesellschaft führen will, sind entweder geschlossen oder nicht vorhanden; stattdessen kennt Gasser sich aber ausgezeichnet in der Gastronomieszene aus. Ein Gasthaus nach dem anderen wird angefahren, der „Hirsch“, die „Sonne“, die „Krone“. Es fließen reichlich Wein und Schnaps, und getreu dem alten Kneipenwitz, dass man das Zeug ja nur saufe, um es zu vernichten, tankt sich die ganze Truppe schon früh am Tag kräftig einen rein.
  Das ist, zumindest zu Beginn, noch ziemlich witzig, zumal die Romankonstellation es Selge erlaubt, die Handlung in Dialogen voranzutreiben, was dem Text Tempo verleiht. Die literarische Darstellung allmählicher Trunkenheit birgt allerdings auch Gefahren. Jeder weiß, dass es nur für kurze Zeit komisch ist, Betrunkenen zuzuschauen, wie sie noch betrunkener werden. Nach und nach kippt der Roman in eine seltsam bräsige, altherrenhaft aufgeblasene Albernheit. Die hübschen Ideen, die Selge als Leitmotive einführt, werden nicht weiterentwickelt, sondern nur noch wiederholt. Was sich entwickelt, sind Promillegehalt und Geschwätz.
  Unterfüttert ist „Die trunkene Fahrt“ mit dezenten Verweisen auf Klassiker der Besäufnisliteratur. Jerofejews „Reise nach Petuschki“ kommt einem immer wieder in den Sinn. Bei Jerofejew wird es stockdunkel; bei Selge wird, analog zu den schwindenden Sinnen, der Schriftgrad zunehmend kleiner, bevor er sich in den Südtiroler Höhenzügen endgültig im Nichts auflöst. Zuvor allerdings muss noch ein wenig Bildungsballast abgeworfen werden. Walther von der Vogelweide, Schubert, Beethoven, Bach, Marco van Basten (der Fußballspieler) und antike Philosophen werden zu einem schwer erträglichen Gebräu zusammengekalauert. In der Trunkenheit liegen hier nicht Wahrheit oder Wahnwitz oder Erkenntnis, es bleibt bei eher biederem Ulk. Eine Nachtigall, die am Tag singt? Klar, eine Tagtigall. Und: „Er hat es faustisch hinter den Ohren . . . faustdick, meine ich.“ Dazu viel „hoho“ und „hihi“. So lässt man einen Roman im Wortsinn absaufen.
CHRISTOPH SCHRÖDER
Albrecht Selge: Die trunkene Fahrt. Roman. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2016. 282 Seiten, 19,95 Euro, E-Book 16,99 Euro.
Manche haben es faustisch
hinter den Ohren
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