Islandhoch - Kirsch, Sarah
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    Buch mit Leinen-Einband

Vier Leute reisen nach Island: der Meister und Magarita, Max und die Berichterstatterin. Sie erkunden die Gegend und heben allerhand Fundstücke auf. Hier schaut jemand genau hin und notiert, wenn sich nichts Besonderes ereignet, wenn sich beiläufig einzigartige Landschaften auftun. Eine wundersame Welt verströmt in diesem Buch ihren diskreten Zauber, weil Sarah Kirsch sie wahrnimmt und in ihre poetische Sprache fasst. Den Band hat sie zudem reich mit Quarellen versehen.…mehr

Produktbeschreibung
Vier Leute reisen nach Island: der Meister und Magarita, Max und die Berichterstatterin. Sie erkunden die Gegend und heben allerhand Fundstücke auf. Hier schaut jemand genau hin und notiert, wenn sich nichts Besonderes ereignet, wenn sich beiläufig einzigartige Landschaften auftun.
Eine wundersame Welt verströmt in diesem Buch ihren diskreten Zauber, weil Sarah Kirsch sie wahrnimmt und in ihre poetische Sprache fasst. Den Band hat sie zudem reich mit Quarellen versehen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Steidl
  • Seitenzahl: 104
  • Erscheinungstermin: August 2002
  • Deutsch
  • Abmessung: 237mm x 161mm x 17mm
  • Gewicht: 423g
  • ISBN-13: 9783882438338
  • ISBN-10: 3882438339
  • Artikelnr.: 10863596
Autorenporträt
Sarah Kirsch, geboren 1935 in Limlingerrod im Harz, studierte Biologie und Literatur. Sie war als Lyrikerin schon während ihrer DDR-Zeit stark beachtet. Sie lebte in Schleswig-Holstein als freie Schriftstellerin und Malerin. Für ihr Werk wurde sie unter anderem mit dem Heinrich-Heine-, dem Hölderlin- und dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur ausgezeichnet. 1996 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis, 2005 den Jean-Paul-Preis und 2006 den Johann-Heinrich-Voß-Preis. Sarah Kirsch starb im Mai 2013.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.11.2002

Jede Nacht spielt Halldór Klavier
Arktischer Koller: Sarah Kirsch nimmt das Frachtschiff nach Island

Es ist schwer abzuschätzen, ob der Greis sich über den Besuch aus Deutschland freut. Höflich ist er immerhin: "Unser herrlicher Dichter lief um den Tisch als wollte er uns entkommen, hätte die Nase voll von all dem Geschwätz, aber dann fesselte ihn wieder ein Wort. Er sprach immer noch in verschiednen Sprachen, und wenn er den Faden verlor, lachte er bloß. Nimmt einen mit, solch einen Bewunderten in den Fängen von Sir Alzheim zu finden."

Der Besuch bei Halldór Laxness steht am Ende von Sarah Kirschs Aufzeichnungen einer Island-Reise im Sommer 1992, die erst jetzt zusammen mit Aquarellen der Autorin im Druck erschienen sind. Der Insel nähert sie sich behutsam: nicht nur, indem ihr Blick das Spektakuläre meidet oder so lange auf der Landschaft verharrt, bis sich in ihren Augen die "Babygeysire" und Wasserfälle beleben, sondern schon in der Anreise, für die sie lieber ein Frachtschiff besteigt als ein Flugzeug, um sich allmählich mit dem Nordmeer und den hellen Nächten vertraut zu machen. Es sind Notizen, die in sich gerundet, aber doch dem unmittelbaren Erleben geschuldet sind: "Bevor man etwas beschrieben hat, sieht es anders aus", schreibt Kirsch kurz vor den Orkney-Inseln angesichts der unruhigen See. Sie selbst bemüht sich spürbar um einen von keiner Sentimentalität verstellten Blick (und diagnostiziert bei ihren Mitreisenden schon mal den "arktischen Koller"). Ihre Sprache aber changiert zwischen schnoddrig und geziert, zwischen Stakkato und Elegie. Manchmal weiß sie der archaischen Landschaft nur mit Satzkonstruktionen zu begegnen, die aus der Welt der Brüder Grimm zu stammen scheinen, dann wieder gibt sie lediglich ein Stenogramm ihrer Reiseerlebnisse, und der Wechsel scheint eher der Beobachterin geschuldet als der beobachteten Umgebung: Im Regen notiert sie anders (und oft knapper oder nüchterner) als bei klarem Himmel, am Morgen anders als nach einem erschöpfenden Wandertag, in Gesellschaft anders als in den Einöden des isländischen Hochlands. Allerdings können auch die endlosen Tage die Nerven der Autorin gehörig angreifen: "Wir sind in unseren langweiligen Zimmern. Draußen scheint und scheint die Sonne. Gestern hab ich sie bis nulluhrdreißig gesehn."

Manchmal wechselt die Stillage mitten im Geschehen: "Vom Kinderwasserfall aus, von dessen natürlicher Brücke eines Bauern Kindern vor Zeiten gestürzt und ertrunken sind, bewegten wir uns fröstelnd durchs Kaldidalur, das menschenleere Ödland, auf früheren Reiterpfaden nach Westen. Es galt, einen zerfallenden Paß zu überqueren mittels einer Straße, die auf unserer Karte gestrichelt." Dann aber berichtet sie, sichtlich enerviert wegen der miserablen Straße, von einem Autofahrer, der ganz "high" gewesen sei, weil er den Weg überstanden und "sich und seine Kinder nicht umgebracht" habe.

Doch in all den liebevollen und manchmal funkelnd originellen Landschafts- und Naturimpressionen setzt der Besuch bei Laxness ein Glanzlicht. Und selbst der Alzheimerkrankheit des Dichters gewinnt Kirschs Beschreibung eine ungewöhnliche Seite ab: "So finster es aussehen mag, daß er nie wieder schreiben wird und kaum noch er selbst ist, alles verwandelt sich weiter. So hat er mit Klavierspielen angefangen. Seine Frau verwundert sich, daß er Schubert-Sonaten ohne geübt zu haben nächtelang großartig spielt."

TILMAN SPRECKELSEN

Sarah Kirsch: "Islandhoch". Tagebruchstücke. Steidl Verlag, Göttingen 2002. 104 S., 42 Aquarelle, geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.10.2002

Seelenhandstand
Eine Reise in den Enthusiasmus:
Sarah Kirschs „Islandhoch”
Das Sinne zermürbende, doch ekstatische Schockerlebnis Großstadt inspirierte Rilke zu seinen „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge”. Hundert Jahre später erlebt Sarah Kirsch ähnliches Außersichsein angesichts von Vulkankulissen und tausendfachem Blütennicken: „In diesen Lavaheidis könnte ich gut und gerne wahnsinnig werden. Unter den Fratzen. Plötzlich sehe ich Hunderte Katzenköppe und es huscht sowieso alles darinnen, Regenpfeifer und Odinshühnchen, nordische Nattern.” Diese die Grenze zur begeisterten Sinnesverwirrung streifende Empfindung begleitet sie auf der Reise über Gletscher, Geysire und Wellen: „Wie das Schiff sich in der heftigen Strömung bäumte, wie es erzitterte, wie die Möwen schrien! War wieder um stante pede meschugge zu werden.”
In Kirschs durchgehend mit eigenen Aquarellen illustrierten Reisenotizen herrscht ein stabiles „Islandhoch”, ein Enthusiasmus für die „weiße Insel”, die „Lieblingshauptstadt” Rejkjavik, für die gastfreundlichen Bewohner, für die ganze endemische Wunderwelt Island: „Ich war so begeistert von dem was die Augen einfahren konnten, dass ich stundenlang mein Maul hielt und mit der Seele Handstand gemacht habe.” In ihren „Tagebruchstücken” fixiert Kirsch aber nicht erst ihre Erlebnisse auf Island selbst, sie beginnt bereits mit den Expeditionsvorbereitungen und beschreibt die lange Seefahrt mit dem Frachter „Brúarfoss” als notwendige Vorbereitung und Gewöhnung an die fremde Inselwelt: „Die langsame anbetende Annäherung mit der Brúarfoss an die Weiße Insel ist die richtige Art in aller Spannung. So weiß ich wo das Land da liegt. Weit im Ozean drin hoch im Norden. Vom Flieger aus kann man das nicht kapieren.”
Mit einer kleinen Gruppe Vertrauter reist Kirsch von der Hauptstadt in die Einöden. Mal kurven sie mit dem Wagen über lebensgefährliche Pisten, dann wandern und waten sie durch Wiesen und Bäche, schließlich lassen sie sich von verlässlichen Ponies an märchenhafte Orte tragen – selbstverständlich mit märchenhaften Namen, denn alles in Island klingt wie Epos, Poesie und Feenwerk: Kaldidalur, Larvathall, Kirgjufell, Haukadalur, Grundarfjördur, Asakaffi, Stykkishólmur; in solcher Reihe ist Ólafsvík schon ein gewöhnlicher Name.
Für die Dichterin sind treffende Worte naturgemäß unverzichtbar, um genau wahrzunehmen, sie empfindet Sprachlosigkeit angesichts einer Naturerscheinung als quälende Irritation: „Es macht mich fertig, Bäume, Vögel Blumen irgendwo zu erblicken, die mir nicht vorgestellt wurden.” Das geschieht der versierten Naturlyrikerin selten, und so berauscht sie sich an binärer Nomenklatur, erkennt freudig alte Bekannte und deren Verwandte in Fauna und Flora, ob Mondraute, Sternsteinbrech, Papagaientaucher oder Eberesche. Kindliches Staunen über das Schwarz der Kolkraben und die flach gespaltenen Felsen, „Trollbrote” genannt, Ausrufe schieren Entzückens über die Himmelsfarben und die Mitternachtssonne wechseln ab mit detailreicher Beschreibung des gewaltigen Snaefellsgletscher, wo Jules Verne den Prof. Lindenbrock die „Reise zum Mittelpunkt der Erde” beginnen ließ.
Sarah Kirschs Reise führt zum Mittelpunkt der Farben, mit bunten Wortgirlanden, die sie um Tiere, Menschen, Gegenden windet, begnügt sie sich nicht. Ihre schwerelosen „Akvareller” breiten sich zwischen, um und unter den Texten aus: farbige Blüten, Blumen, Vögel, Gischt und Wellen, in zartem Ultramarin, in Lindgrün oder Preußischblau, in Lila, immer wieder in leuchtendem Rot und Gelb, manchmal dynamisch hingewischt, manchmal ein sorgsam getröpfelter Farbniederschlag, aus dem der Mohn schwarzrot hervorstrahlt. Steidl hat daraus ein Buchkunstwerk gemacht, gut in die Hand zu nehmen, schwer daraus zu legen.
ROLF-BERNHARD ESSIG
SARAH KIRSCH: „Islandhoch”. Tagebruchstücke. Steidl Verlag, Göttingen 2002. 104 Seiten, 42 Aquarelle, 18 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Vor zehn Jahren begab sich Sarah Kirsch auf Expedition, erzählt Sybille Birrer, bestieg ein Containerschiff und reiste mit drei Freunden nach Island. Ihre Tagebuchskizzen changieren zwischen Natureindrücken, die Kirsch mit dem ihr eigenen "Pointillismus aus Farbbeschreibungen und Faunakunde" festhält, so Birrer, sowie eher saloppen Formulierungen, die von der Begeisterung der Autorin herrührten. Ihr ging teilweise einfach die Feder durch, freut sich Birrer und spricht von "kullernden Notaten" statt meditativer Naturlyrik. Im übrigen ließen sich an diesem Prosaband nicht nur die unterschiedlichen Tonlagen dieser Autorin bewundern, sondern auch die verschiedenen Grade ihrer sprachlichen Verwandlung von Wahrnehmung in Sprache nachvollziehen. Kirsch hat, so Birrer, auch andere Expeditionsberichte gelesen und beschreibt ihren skurrilen Besuch bei dem mittlerweile verstorbenen isländischen Nobelpreisträger Haldor Laxness, der an Alzheimer erkrankt war. Unterlegt sind die Reisenotate durch Aquarelle von Sarah Kirsch, die trotz ihrer Schönheit und Lebendigkeit mit der sprachlichen Intensität des Berichts für Birrer nicht gleichziehen können.

© Perlentaucher Medien GmbH