Die Feenpakte führen euch in den Grenzbereich zwischen Welt und Anderswelt. Dort, wo Nebel Erinnerungen verschluckt, Wälder atmen und selbst Steine zuhören, entstehen Pakte, die niemals folgenlos sind.Hier treffen Menschen auf Wesen, die älter sind als jede Moral: Feen, Geister und Stimmen aus dem Verborgenen, die Wünsche erfüllen, deren wahrer Preis sich erst spät offenbart. Ein Dorf, das seinen Wohlstand mit Kinderzähnen erkauft. Ein Pakt, der sich erst enthüllt, als ein freiwilliges Blutopfer zum Verderben führt. Eine Liebe zu etwas Monströsem als Flucht vor unerträglich Menschlichem. Und immer wieder Figuren, die glauben, die Regeln verstanden zu haben – bis sich herausstellt, dass sie selbst längst Teil des Spiels geworden sind.Diese zehn Geschichten erzählen von Verlockung und Verlust, von Wahrheit und Täuschung, von Macht und Ohnmacht im Angesicht des Unfassbaren. Jeder Pakt öffnet eine Tür – und hinter jeder Tür wartet eine andere Version der Realität, schöner, grausamer und unberechenbarer als die eigene.Feenpakte ist eine düstere Sammlung über das, was geschieht, wenn Menschen den Preis ihrer Wünsche nicht mehr erkennen – und darüber, dass manche Versprechen nur gemacht werden, damit sie jemand brechen kann.Mit Geschichten von Vincent Voss, Gloria H. Manderfeld, Florian Wehner, Francis Bergen, Nils Krebber, Marco Ansing, Daniel Isberner, Ralf Sandfuchs, Christian Günther, Thorsten Küper und mit einem Vorwort von Marco Ansing.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Manuela Hahn
5/5
20.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Feenpakte
Ich wusste, dass ich die Anthologie „Feenpakte“ mögen würde. Der Verlag steht für starke Storys und einige der Autorinnen und Autoren kannte ich bereits. Dass mich aber gleich die erste Geschichte so umhauen würde, hätte ich nicht erwartet.
Vincent Voss: Das Nebelbrett
Die Auftaktgeschichte setzt sofort einen düsteren, verstörenden Ton. Zwischen märchenhafter Anderswelt und beklemmender Gegenwartsnähe entfaltet sich eine Erzählung über Manipulation, Angst und Macht. Besonders eindrücklich sind die Bilder, etwa die Spinnen, die sich unbemerkt in Menschen einnisten, als Sinnbild für schleichende gesellschaftliche Vergiftung. Ohne plump zu wirken, liest sich die Geschichte wie ein Kommentar auf reale Entwicklungen und zeigt, wie anfällig Gemeinschaften für gezielte Angstmache sein können.
Gloria H. Manderfeld: Waldgrimms Raub
Diese Geschichte trifft mit ihrem Thema besonders hart. Im Zentrum steht eine Frau auf der Flucht vor häuslicher Gewalt, die ausgerechnet im Unheimlichen Schutz findet. Manderfeld spielt gekonnt mit Erwartungen und hinterfragt, wer eigentlich als „Monster“ gilt. Die eigentliche Stärke liegt jedoch in der bitteren Erkenntnis, dass Betroffene oft nicht gehört werden, selbst dann nicht, wenn sie längst wissen, was für sie gefährlich ist.
Florian Wehner: Die arme Frau Wohlstand
Nach dem großen Krieg lebt Nadjala mit ihren Kindern in Armut, denn ihr Mann hat hohe Schulden hinterlassen. Kurz bevor sie auch noch ihr Haus verliert, taucht eine alte Frau auf: Britha. Sie hilft im Haushalt und braut Heiltränke, die Nadjala im Dorf verkauft. Endlich können die Schulden beglichen werden und die Kinder wieder unbeschwert leben. Brithas einzige Bedingung ist Schweigen. Als jedoch ein Kind im Dorf krank wird und die Tränke alles nur verschlimmern, zeigt sich, dass Hilfe ihren Preis hat und der ist selten gerecht.
Francis Bergen: Das Frühjahrsfest
Der Hütejunge Anton sorgt sich um sein Lamm Darja, das von seiner Mutter verstoßen wurde. Er zieht es mit der Hand auf, obwohl es kaum Überlebenschancen hat. Ein Fremder erscheint, erstaunt über Antons Fürsorge, und heilt das Tier. Zum Dank nimmt Anton ihn mit auf das Frühjahrsfest. Bei Gesang und Tanz fügt sich der Fremde, der sich Hariyo Rhaday nennt, unter die Feiernden, bis der eigentliche Höhepunkt beginnt und dem Frühling und dem Sommer geopfert wird.
Nils Krebber: Geh nicht in den Glimmerwald
Nach dem Fluchwall lebt ein junger Holzfäller in einem Dorf, das zwar von Wald umgeben ist, doch nur ein entfernter Wald darf betreten werden. Der nahe Wald gilt als gefährlich, bevölkert von einer Fee und Wesen, die sich gegen Eindringlinge wehren. Eine Frau ist einst zurückgekehrt, bevor der Wind sie wieder forttrug. Niemand widersetzt sich dem Verbot, bis eine junge Frau auftaucht, in die sich der Holzfäller verliebt. Sie zeigt ihm einen Weg, die Fee um Erlaubnis zu bitten. Die Geschichte kreist um Versprechen und die Konsequenzen, wenn man sie bricht.
Marco Ansing: Die Zahnfee
Die bekannte Geschichte von der Zahnfee bekommt hier eine düstere Wendung. In Godenfort blüht das Dorf, die Ernten sind gut, doch die Menschen wirken krank, viele haben keine Zähne und Kinder sind kaum zu sehen. Als die Seelenfängerin Kaira und ihr Bruder eintreffen, kommen sie einem grausigen Geheimnis auf die Spur. Eine unheimliche, sehr wirkungsvolle Geschichte.
Daniel Isberner: Der Wunsch
Ein Dorf ist auf der Flucht vor einem Geist, der einst ein Dieb war und nun weiter stiehlt und tötet. Selbst auf der Flucht sind sie nicht sicher. Die dreizehnjährige Jaria freundet sich mit Perai an, bei dem Jungen mit dem Messer fühlt sie sich sicher. Als er verletzt wird, spricht sie einen Wunsch aus, dessen Preis hoch ist. Mein erster Gedanke war: Du dummes Kind. Mein zweiter: Wie weit würde ich gehen für einen geliebten Menschen?
Ralf Sandfuchs: Die Liebe einer Mutter
Sören lebt mit seiner Mutter abgeschieden im Wald. Nur selten geht er ins Dorf, inzwischen auch, um sich mit den Mädchen zu treffen, die sich ihm kaum entziehen können. Seine Mutter sagt, er komme nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Als der Vater eines Mädchens ihm droht, hält Sören sich nicht daran und läuft in eine Falle. Auch hier geht es um Ausgrenzung und die Angst vor dem Fremden.
Christian Günther: Fünf, sechs, sieben, acht
Auf diese Geschichte war ich besonders gespannt. Jarek sucht seine Schwester, die vor ihrem Vater geflohen ist. Die alte Raika verspricht ihm Hilfe, doch seine Mutter behauptet, Raika sei seit Jahren tot. Als Jarek am nächsten Tag zu ihrer Hütte zurückkehrt, ist sie verschwunden. Eine Geschichte mit einer starken Idee und einem unerwarteten Ausgang.
Thorsten Küper: Im Dienst des Turmbaumeisters
Vermil ist ein begnadeter Zeichner. Als er auf Arzad trifft, erhält er einen ungewöhnlichen Auftrag: Ein Turmbaumeister will seine verstorbene Frau zurückholen und braucht dafür ein genaues Bild von ihr. Doch schnell stellt sich die Frage, ob es wirklich Liebe ist, die ihn antreibt.
„Feenpakte“ versammelt Geschichten über Wünsche und deren Preis und stellt dabei die düstere Seite der Anderswelt in den Mittelpunkt. Statt romantischer Feenbilder dominieren hier Verlockung, Täuschung und Konsequenzen, die oft erst spät sichtbar werden. Viele Texte spielen gezielt mit Erwartungen und erzeugen eine durchgehend eher beklemmende Stimmung. Die Qualität ist insgesamt recht ausgeglichen, einzelne Storys unterscheiden sich aber genug, dass keine wie die andere wirkt, auch wenn sich Motive wiederholen.
Für mich funktioniert die Anthologie vor allem dann, wenn sie die düsteren Ideen konsequent ausspielt. Wer solche Geschichten mag, wird hier auf jeden Fall fündig.
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