Noch ein Fall für Köbi, alias Jakob Robert, den er contre coeur annimmt. Obwohl mit einer Existenz zwischen Getränkelieferungen und Aushilfe im Plattenladen, wo er sich als alter Punk so richtig ausleben kann, mehr als ausgelastet, kann Köbi seiner verehrten Ruth die Bitte nicht abschlagen, nach einem verschwundenen Anarchisten zu suchen. Sein Name: Marco Würmli, genannt Würm, engagierter Antikapitalist, Antifaschist und Punk. Besondere Kennzeichen: Wie vom Erdboden verschluckt.Köbi macht sich auf zu einer Reise in die Vergangenheit, auf der er feststellt: Punk is not dead. Aber zunehmend orientierungslos angesichts des kapitalistischen Systems, das derart heissläuft, dass selbst den Enten im Zürichsee das Schnattern verleidet. Und Leute wie Würm verlieren den Glauben an das Gute im Menschen. Sie suchen das Weite und überlassen den Enten das Demonstrieren. Schlägt die Natur zurück?
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Bellis-Perennis
aus Wien
3/5
06.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hat mich leider nicht überzeugt
„Der Laden war unübersichtlich, was den Vorteil hatte, dass es etwas zu entdecken gab. Wer etwas Bestimmtes suchte, bestellte ohnehin im Internet. Dort waren die Preise niedriger, zumindest, wenn man das Porto sowie die allfälligen Zollkosten nicht berücksichtigte. Die Funktion eines Ladens ist, Dinge zu finden, nach denen man gar nicht gesucht hat, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Das ging beim zielgerichteten Kaufen im Internet verloren.“
Mit dieser Beschreibung des Plattenladens beginnt der 7. Fall für Köbi, der eigentlich Jakob Robert heißt, und mein erster Krimi des Schweizer Autors Stephan Pörtner ist.
Köbi ist so etwas wie eine verkrachte Existenz, der seinen Lebensunterhalt mit, wie er selbst sagt, »So dies und das, Nachforschungen, Auskünfte, Objekt- und Personenschutz und solche Sachen.« bestreitet. Aber eigentlich ist er einerseits Getränkelieferant und andererseits Aushilfe in einem Plattenladen, wo er, quasi von Berufswegen, nach Herzenslust Schallplatten, vornehmlich Punk wie Plastic Bertrand, hören kann.
Als er dann auf Bitten von Ruth, den engagierten Antikapitalisten, Antifaschisten, Anarchisten und Punk, Marco Würmli, suchen soll, schlittert er in einen veritablen Albtraum, bei dem nicht immer klar ist, wer Feind oder wer Freund ist. Denn Köbi wird bei der Suche nach Würmli von seiner eigenen Punk-Vergangenheit und der siebenjährigen Haftstrafe in der JVA Pöschwies eingeholt.
Meine Meinung:
Nachdem ich das Cover gesehen habe, „musste“ ich das Buch unbedingt haben. Ich habe seinerzeit zwar aus Geldmangel nur wenige Schallplatten besessen. Jene, des, in diesem Krimi mehrfach erwähnten Plastic Bertand mit „Ça Plane Pour Moi“ (1977) war neben einigen Hardrock (Black Sabbath, The Who oder Deep Purple) auch dabei. Zudem hat mir die oben zitierte Beschreibung des Plattenladens sehr gefallen. Leider hat sich der Krimi nicht in die erhoffte Richtung entwickelt.
Dieser Krimi erinnert an die Zeit der Hausbesetzungen, der nicht immer friedlichen Demos gegen das Establishment (von dem die Demonstranten oft sehr gut lebten) sowie an die Zeit der Punks und deren Musik. Diese Zeit ist in Wien untrennbar mit der Besetzung der Schlachthöfe in St. Marx und der Arena verbunden. Dass es auch in Zürich, wo der Krimi spielt, solche Aktionen gegeben hat, war mir bislang nicht so bewusst.
Köbis ist alles andere als ein dynamischer Ermittler. Er nimmt zwar immer wieder Aufträge an, oftmals pro bono, doch lieber überprüft er die Platten, die im Plattenladen verkauft werden sollen, auf deren Unversehrtheit. Und ebenso so ruhig bewegt sich das Alter Ego von Autor Stephan Pörtner.
Ich bin ja kein unbedingter Fan von Verfolgungsjagden und quietschenden Reifen à la Miami Vice, aber die Gemächlichkeit mit der Köbi dem Verschwinden von Würmli nachgeht, ist schon bemerkenswert. Aber, man sagt ja den Schweizern nach, Schnecken für zappelige Tiere zu halten. Ob das wirklich stimmt, kann ich ebenso wenig beurteilen wie das beschriebene Lokalkolorit von Zürich. Ich kenne nur Basel.
Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, was nicht nur an der Schweizer Sprachfärbung des Deutschen liegt. Die Charaktere sind ziemlich eigentümlich und mir wenig sympathisch. Köbi selbst wirkt auf mich wie ein alternder Pubertierender.
Nicht wirklich überzeugt hat mich die Vorgehensweise der Zürcher Polizei, die sofort in Köbi einen Schuldigen sieht, egal in welcher Sache. Die Vorurteile der Polizistin, einem ehemaligen Haftentlassenen stimmen mich bedenklich. Warum Köbi in Haft war, wird nur ganz kurz erwähnt. Da sollte man wohl die Vorgänger lesen.
Fazit:
Ein Ausflug in die Schweizer Krimi-Welt, der mich nicht wirklich überzeugt hat. Deshalb gibt es nur 3 Sterne.
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