In einer schweren Krise wurde die NSDAP 1932 zur mit Abstand stärksten Partei gewählt. Bald konnte sie die Macht übernehmen und auf wachsende gesellschaftliche Zustimmung bauen. Hitler brauchte den Krieg – das Volk fürchtete sich davor. Dennoch terrorisierten schließlich18 Millionen deutsche Soldaten Europa. Wie kam es dazu? Warum beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Massenmorden? Tiefgründig analysiert Götz Aly die Herrschaftsmethoden, mit denen die NS-Machthaber Millionen Deutsche in gefügige Vollstrecker oder in vom Krieg abgestumpfte Mitmacher verwandelten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Helmut Bouillon
aus Völklingen
5/5
25.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein notwendiges Buch
Ein wichtiges Buch, denn es unterstützt die Erinnerung.
Ein modernes Buch, denn es bietet aktuelle Vergleichsmöglichkeiten.
Ein trauriges Buch, denn es zeigt offen tiefe menschliche und politische Abgründe.
Eine Fülle von Daten, Fakten, Zitaten untermauert in verständlichem Text die Ansage des Titels.
Seltene persönliche Einlassungen können stören, obwohl sie bemüht sind, die Inhalte zugespitzt zu festigen, z.B. Seite 515 Zeile 7: "Zu dem Filmabend sei eine kleine Spekulation erlaubt."
Mr Reader
5/5
03.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesenswert
In jedem Fall ein lesenswertes Buch, das vollständiger und akkurater ist als viele Schulgeschichtsbücher. Man kann die Situationen gut nachvollziehen – gleichzeitig, wenn man es in die heutige Zeit überträgt: es beginnen ja jedes Jahr irgendwelche Kriege.
Bewertung
5/5
21.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bis in den Untergang
Der Frage, wie es möglich war, dass in Deutschland in der Zeit des Hitler-Regimes so derartig grausame Verbrechen begangen wurden, hatte schon viele Historiker von Ian Kershaw bis Harald Welzer beschäftigt. Der renommierte Historiker Götz Aly legt nun ein weiteres Buch zu dieser Frage vor. Entgegen den üblichen Herangehensweisen beginnt Aly seine Analysen mit dem Übergang vom Kaiserreich in die Weimarer Republik, wo die verbreitete Ablehnung der neuen demokratischen Politik den Weg für die Nazis ebnete. Aufstiegsversprechen und einer Ideologie, welche die eigenen Wähler:innen als die besseren Menschen aufwertete, gepaart mit einem nebulösen Wahlprogramm und dem Wüten gegen Minderheiten, vor allem Juden, waren die Mittel zum Zweck. Ein wichtiger Punkt in Alys Betrachtungen: Das Regime war von vorneherein auf Raub und Ausbeutung angelegt und das "Reich" selbst schon vor Kriegsbeginn am Rande des finanziellen Ruins. Der Krieg war also unvermeidbar. Auch der Shoah gibt der Historiker eine "funktionale" Rolle im Rahmen von "Raub und Herrschaftssicherung". Aly zeigt ebenso auf, wie das Hitler-Regime große Teile der Bevölkerung zu Mittätern machte und so Millionen von Deutschen in die Verbrechen verstrickte, so dass sich bis zum Ende der Schreckensherrschaft der Nazis wenig Widerstand regte. Ein unbedingt lesenswertes Buch, weist Götz Aly doch auf Herrschaftsmechanismen hin, welche immer noch oder wieder im Gebrauch der heutigen illiberalen Regime sind.
Bewertung
5/5
18.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ausgezeichnetes Buch
Sehr gutes Buch, hervorragend recherchiert und sehr detailliert. Das chronologische Vorgehen des Autors, aber auch die darin recherchierte Tiefe zeigen auf, dass Herr Prof. Aly ein echter Experte auf seinem Gebiet ist.
Alrik Gerlach
aus NordWestMecklenburg
5/5
08.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie Macht Schritt für Schritt normal wurde
Fünf Sterne sind beinahe zu wenig für ein Buch, das einen so kalt erwischt — und dann doch nicht loslässt. Götz Aly schafft das Kunststück, mir die Abgründe der Jahre 1933–1945 nicht als staubige Lehrstunde, sondern als hochkonzentriertes Sogereignis zu servieren: präzise, unaufgeregt, und doch mit einer Wucht, die unter die Haut geht. Keine heroischen Narrative, keine Ausflüchte — stattdessen: Mechanik der Macht, Kalkül der Verführer und die fatale Normalität des Mitläufertums.
Man liest nicht seicht. Vielmehr stolpert man immer wieder über Details, bei denen man sich die Hände reibt und wünscht, man hätte diese Quellen früher gekannt. Aly zeigt, wie Verheißungen von Wohlstand, kleine Privilegien und ständige Mobilisierung den freudigen Radau für eine Gesellschaft lieferten, die kaum Zeit zum Atmen blieb. Wer glauben wollte, das alles sei nur von oben diktiert worden, merkt schnell: die Landkarte der Verantwortung ist viel dichter.
Erzählerisch bleibt das Buch nah beim Menschen, ohne sentimental zu werden. Biografische Skizzen, wirtschaftliche Analysen und die nüchterne Sprache zusammengefügt — das ergibt ein Mosaik, das in seiner Schärfe kaum vergleichbar ist. Besonders eindringlich: wie Angst und Propaganda zu Handlungsmotoren wurden und wie sehr die Aussicht auf „Weiter so“ moralische Sinne betäubte. Das liest sich nicht immer leicht, aber gerade das ist Stärke: Konfrontation statt Beschönigung.
Kritisch: Aly verlangt Aufmerksamkeit. Wer leichte Kost sucht, ist hier falsch aufgehoben. Dafür belohnt das Buch mit Klarheit und einer Menge Erkenntnis, die sich wie ein Kompass verhakt. Zum Schluss bleibt ein beklemmendes Gefühl — und das ist gut so. Geschichte, die wachrüttelt, statt wegnickt.
Dieses Buch ist kein Trostpflaster, sondern ein Spiegel — unbequem, dringend und erstaunlich aktuell in seiner Warnung.
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