In der Familie kursieren wunderliche Geschichten: Großvater war für die olympischen Spiele 1936 nominiert. Er hat Tito gejagt. Und war mit Widerständlern befreundet. Im Institut für Zeitgeschichte stößt die Juristin Dagmar Knigge auf ein Foto, das ihren Opa beim Handschlag mit Hitler zeigt. Nun will sie es genau wissen: Wer war Hans-Joachim Knigge? Hat er für die SS gemordet? Vier Jahre wertet sie Akten aus Deutschland, Moskau, Washington und Riga aus. Das Ergebnis bleibt ambivalent: ein Puzzle aus widersprüchlichen Indizien, Vertuschung und einer privaten Tragödie.
Dagmar Knigge blickt mit juristischem Scharfsinn auf die familiären Erzählungen und reflektiert über Schuld, Verantwortung und Radikalisierung. Ihr in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Lutz Kinkel entstandenes Buch ist Biografie, Zeitgeschichte und Selbstbefragung zugleich - ein bewegender Versuch, die Komplexität der NS-Vergangenheit zu begreifen.
Kundinnen und Kunden meinen
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antjep78
aus Haldensleben
5/5
24.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk der Familienforschung – Berührend und lehrreich
Das Buch „Als Opa Hitler die Hand schüttelte“ hat mich von der ersten Seite an tief bewegt und gefesselt. Für mich war die Lektüre nicht nur eine historische Pflichtaufgabe, sondern eine unglaublich emotionale Spurensuche, die mich auch ganz persönlich berührt hat. Dr. Dagmar Knigge beleuchtet hier die bewegte Geschichte ihrer eigenen Familie im Nationalsozialismus und das auf eine Art und Weise, die mir beim Lesen regelrecht unter die Haut ging.
Was dieses Werk für mich so besonders macht, ist der direkte Bezug zu meinem eigenen Leben. Viele der im Buch beschriebenen Orte, wie Halberstadt oder Bad Blankenburg, kenne ich aus meinem privaten Umfeld. Als ich dann über den Wald von Rumbula in Lettland las, zog sich bei mir alles zusammen: Ich durfte diesen geschichtsträchtigen Ort selbst im Rahmen einer Projektfahrt mit der Landeszentrale für politische Bildung betreten. Durch diese eigenen Bilder im Kopf habe ich beim Lesen eine ganz besondere, intensive Verbindung zu den historischen Ereignissen gespürt. Fasziniert hat mich auch, wie perfekt die Autorin die Biografie ihres Großvaters Hans-Joachim Knigge nicht nur in den allgemeinen geschichtlichen Kontext, sondern explizit in die Sportgeschichte der damaligen Zeit einbettet – für mich als Sportlehrerin ein absolutes Highlight.
Das Coverbild, auf dem der Großvater Adolf Hitler die Hand schüttelt, war für mich der packende Ausgangspunkt einer erschreckenden Entdeckungsreise. Ich habe hautnah mitverfolgt, wie aus dem sportbegeisterten Studenten ein Funktionär im Sicherheitsdienst (SD) wurde. Besonders stark fand ich den Kontrast zu seinem Bruder Ulrich, der sich aktiv gegen das Regime stellte. Diese Dualität hat mich tief zum Nachdenken gebracht: Sie zeigt uns ungeschönt, wie entscheidend individuelle Entscheidungen in extremen Zeiten sind. Ein großes Lob muss ich auch für die Perspektive auf die Ehefrau Lore aussprechen, die durch die zusätzlichen Recherchen der Cousine Andrea eingebracht wurde. Diese Einblicke haben mir wahnsinnig gut gefallen, weil sie mir als Leserin sehr anschaulich vor Augen geführt haben, wie der reale Status von Frauen im NS-Regime aussah.
Obwohl Dagmar Knigge geschickt zwischen verschiedenen Zeitperioden, Rückblenden und Vorgriffen hin- und herspringt, um komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen, habe ich nie den Faden verloren. Ihr präziser, informativer Stil, der durch tiefgründige Archivstudien und Zitate gestützt wird, hat mich absolut überzeugt. Durch ihre sehr subjektive Erzählweise durfte ich an ihren eigenen Gedanken und Gefühlen teilhaben. Diese Intimität hat mich berührt und mich gleichzeitig dazu eingeladen, über meine eigene Familiengeschichte nachzudenken. Das Buch schafft den Spagat, sowohl hochgradig lehrreich als auch leicht zugänglich zu sein. Es ist eben kein trockenes Fachbuch für Historiker, sondern eine Herzensangelegenheit für jedermann.
Ein echter Gewinn war für mich das Ende des Buches. Die praxisnahen Tipps zur eigenen Familienforschung haben mich richtig gehend ermutigt, selbst genauer hinzusehen und die oft schmerzhaften Wahrheiten der eigenen Vergangenheit zu erforschen. Als großartigen Bonus empfand ich in diesem Zusammenhang auch das Interview mit Prof. Oliver von Wrochem, dem Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
Mein Fazit:
Für mich ist „Als Opa Hitler die Hand schüttelte“ eine tief beeindruckende und emotional bereichernde Lektüre. Dagmar Knigge schafft es, die grausamen Mechanismen des NS-Systems greifbar zu machen. Für mich ist das Buch ein flammender Appell an uns Nachfahren, Verantwortung zu übernehmen und die Lehren der Vergangenheit niemals zu vergessen. Ich kann dieses Buch jedem, der sich für Geschichte und die Aufarbeitung von Familienbiografien interessiert, nur wärmstens ans Herz legen. Ein absolutes Jahreshighlight für mich!
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