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Der Goncourt-Preisträger Mathias Enard erzählt aus der Perspektive eines Scharfschützen über den Krieg und die Realität von Kriegsgewalt – eine mutige und radikale Geschichte. Auf Konzentration kommt es an, auf Geduld und Atemkontrolle. An einem guten Tag reicht ihm ein einziger perfekter Schuss. Er ist zwanzig, der beste Scharfschütze der belagerten Stadt. Wenn er von seinem Posten auf dem Dach heruntersteigt, genießt er die Angst, die er verbreitet. Furchtlos ist nur Myrna, das Mädchen, das für seine demente Mutter sorgt – das er beschützen und besitzen will. Dies ist ein Roman über den Krieg aus der Perspektive eines Mörders, der sein Selbstwertgefühl aus der Eleganz seiner Treffer zieht. Kalt spricht der Erzähler von seinem Handwerk, dem Töten, und offenbart eine Wahrnehmung, in der die Verbindung zwischen gelungenem Schuss und ausgelöschtem Leben gekappt ist. Ein erbarmungsloser Text über die sich verselbständigende Realität von Kriegsgewalt.
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Standpunkt eines Snipers
Bewertung am 09.04.2023
Bewertungsnummer: 1918298
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer es nicht aushalten möchte, in die hässlichen Seiten von Kriegen und in tiefste menschliche Abgründe zu schauen ohne die Hilfe einer moralischen Instanz, sollte einen Bogen um »Der perfekte Schuss« machen, die Liste der Triggerwarnungen wäre lang. Vor 20 Jahren erschien dieses provokante Debüt des Prix Goncourt Preisträgers Mathias Énard in Frankreich und ist erst jetzt ins Deutsche übersetzt worden. Waren 2003 die Kriege im Irak und die Aufarbeitung der Jugoslawienkriege im Fokus der Diskussionen, so sind es heute die Ukraine, Syrien, Iran.
Nüchtern, fast klinisch-distanziert erzählt Énard aus der Sicht eines Snipers, eines fähigen Soldaten, der gut im Töten ist. Wir kommen näher als uns lieb sein kann. Eine Zumutung, denn seine Ruhe und Professionalität sind eine Hülle, unter der eine anwachsende Gewalt und Zerstörung pulsiert, die ins Private überschwappt.
Seine Mutter ist dement, ihre schreiende Panik wird mit Tabletten gedämpft und es kommt vor, dass er auf sie einschlägt. Seine schüchtern-begehrende Seite spürt er bei einer 15jährigen Kriegswaisin, die seine Mutter betreut. Doch ihre passive Angst kränkt ihn, schlägt um in Scham und Gewalt.
Als Szenerie wählt Énard einen Bürgerkrieg mit Barrikaden, Fluchtbewegungen und umkämpften Dörfern. Dabei ist nicht zu erkennen, um welchen Krieg es sich handelt. Eine Einordnung durch den Kontext erfolgt auch nicht. Die Geschichte, die Geopolitik und die Frage, welche Kriegspartei auf der "richtigen Seite" steht, bleiben aus. Vom Standpunkt des Snipers her ist es auch nicht wichtig, er fügt sich in die Notwendigkeit des Krieges, der Leute braucht, die ihn führen. Énard nimmt damit eine wesentliche Instanz weg, die in aktuellen Diskussionen im Mittelpunkt steht und richtet abseits von allen politischen Linien den Blick auf den Schaden, den Kriege anrichten bei allen Beteiligten, auch den Tätern. Ohne sie explizit zu verhandeln, stößt uns »Der perfekte Schuss« auf eine schwierige Frage: Was passiert mit diesen Menschen, wenn der Krieg vorbei ist, wie leben sie weiter mit der eingeschrieben Angst, der Aggression, der Schuld und der Scham?
Wer es nicht aushalten…
Kata_____Lović aus Bremen am 09.04.2023
Bewertungsnummer: 2828417
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer es nicht aushalten möchte, in die hässlichen Seiten von Kriegen und in tiefste menschliche Abgründe zu schauen ohne die Hilfe einer moralischen Instanz, sollte einen Bogen um »Der perfekte Schuss« machen, die Liste der Triggerwarnungen wäre lang. Vor 20 Jahren erschien dieses provokante Debüt des Prix Goncourt Preisträgers Mathias Énard in Frankreich und ist erst jetzt ins Deutsche übersetzt worden. Waren 2003 die Kriege im Irak und die Aufarbeitung der Jugoslawienkriege im Fokus der Diskussionen, so sind es heute die Ukraine, Syrien, Iran. Nüchtern, fast klinisch-distanziert erzählt Énard aus der Sicht eines Snipers, eines fähigen Soldaten, der gut im Töten ist. Wir kommen näher als uns lieb sein kann. Eine Zumutung, denn seine Ruhe und Professionalität sind eine Hülle, unter der eine anwachsende Gewalt und Zerstörung pulsiert, die ins Private überschwappt. Seine Mutter ist dement, ihre schreiende Panik wird mit Tabletten gedämpft und es kommt vor, dass er auf sie einschlägt. Seine schüchtern-begehrende Seite spürt er bei einer 15jährigen Kriegswaisin, die seine Mutter betreut. Doch ihre passive Angst kränkt ihn, schlägt um in Scham und Gewalt. Als Szenerie wählt Énard einen Bürgerkrieg mit Barrikaden, Fluchtbewegungen und umkämpften Dörfern. Dabei ist nicht zu erkennen, um welchen Krieg es sich handelt. Eine Einordnung durch den Kontext erfolgt auch nicht. Die Geschichte, die Geopolitik und die Frage, welche Kriegspartei auf der "richtigen Seite" steht, bleiben aus. Vom Standpunkt des Snipers her ist es auch nicht wichtig, er fügt sich in die Notwendigkeit des Krieges, der Leute braucht, die ihn führen. Énard nimmt damit eine wesentliche Instanz weg, die in aktuellen Diskussionen im Mittelpunkt steht und richtet abseits von allen politischen Linien den Blick auf den Schaden, den Kriege anrichten bei allen Beteiligten, auch den Tätern. Ohne sie explizit zu verhandeln, stößt uns »Der perfekte Schuss« auf eine schwierige Frage: Was passiert mit diesen Menschen, wenn der Krieg vorbei ist, wie leben sie weiter mit der eingeschrieben Angst, der Aggression, der Schuld und der Scham?
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