Produktbild: Der blinde Fluss
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Der blinde Fluss Roman

4

19,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

77452

Erscheinungsdatum

09.07.2026

Verlag

Unionsverlag eBooks

Seitenzahl

(Printausgabe)

Dateigröße

3580 KB

Originaltitel

A Cegueira do Rio

Übersetzt von

Barbara Mesquita

Sprache

Deutsch

EAN

9783293312050

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Format

ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Verkaufsrang

77452

Erscheinungsdatum

09.07.2026

Verlag

Unionsverlag eBooks

Seitenzahl

(Printausgabe)

Dateigröße

3580 KB

Originaltitel

A Cegueira do Rio

Übersetzt von

Barbara Mesquita

Sprache

Deutsch

EAN

9783293312050

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  • Eva

    5/5

    11.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Geschichtsschreibung entkolonialisieren

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhob sich die afrikanische Bevölkerung im Süden Deutsch-Ostafrikas gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Die Aufständischen des sogenannten Maji-Maji-Aufstands verbündeten sich ungeachtet ethnischer Herkunft und wandten sich gegen die Repressionen der Kolonialmacht. 1914 überfielen deutsche Kolonialisten den portugiesischen Militärposten am Ufer des Rovuma. Nataniel ist afrikanischer Hilfssoldat und gerät infolge der Ereignisse mitten in den Interessenskonflikt der Kolonialmächte. Der blinde Fluss ist ein fiktiver Roman, der sich um eben jene realen Ereignisse rankt. Er lässt Vergessenes im Dunst über dem Fluss Konturen annehmen und spielt von Anfang an mit den Trugbildern der Erinnerung und der Interpretation. Er hinterfragt die westlich dominierte Geschichtsschreibung, die das Monopol über die Erinnerung einfordert und hält aus allen Blickwinkeln einen Finger auf die dramatischen Auswirkungen des Kolonialismus. Er seziert die Gewalt, die Auslöschung von Identitäten, die maximale Beeinflussung von Kultur. Der Roman fordert heraus. Fragmente und Bruchstücke der Geschichte werden zu einem multiperspektiven Erinnerungsbild geschichtet, das den Kolonialmächten das Narrativ Stück für Stück entzieht und es allen zurückgibt, deren Kultur sich von einer Festschreibung lossagt. Feinsinnig transferiert Mia Couto den Inhalt in die Form. Gerade als das historische Gedächtnis sich als unzuverlässig erweist, bricht eine Pandemie aus, infolge derer weltweit die Schrift verschwindet. Dabei bleibt die Erzählstimme kritisch gegenüber jeglichen patriarchalen Strukturen und öffnet den Blick für die Missstände innerhalb jeglicher Gesellschaften, die marginalisieren, unterdrücken, Gewalt rechtfertigen, in Rollen zwingen. Der blinde Fluss gibt den Unterdrückten eine Stimme, gibt der Sprache eine allgegenwärtige Macht und entlarvt das Wort als kulturstiftendes Element. Was für eine Sprache! Wie das Tosen eines Wsasserfalls sprühen und sprudeln die Bilder, verdichten sich zum Grenzland des Flusses und der Kulturen. Bräuche, Dialoge, Mythen, Träume, Geister, Haupt- und Nebenfiguren und persönliche Geschichten verschränken sich mit politischen Interessen und zeichnen das Bild eines zerrissenen Kontinents, dessen Geschichte umgeschrieben werden muss, damit es eine Zukunft geben kann. Der blinde Fluss ist der Inbegriff dessen, was Literatur zu leisten vermag: sie wirkt als Vermittlerin zwischen der Erinnerung und dem Vergessenen, der Vergangenheit und der Zukunft, dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren und schreibt Geschichte. Mia Couto ist eine Klasse für sich.

  • Jürg K.

    4/5

    20.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Sehr empfehlenswertes Buch

    Mich fasziniert, wie dieser Roman die grossen historischen Umwälzungen in eine intime, fast mythische Erzählung verwandelt. Der Überfall am Rovuma und der Schatten des Maji-Maji-Aufstands sind nicht nur historische Eckdaten, sie werden zur Kulisse für ein Land, dessen Sprache, Erinnerung und Würde Stück für Stück ausgehöhlt werden. Nataniel und sein Bruder stehen mitten in diesem Sog: als afrikanische Hilfssoldaten sind sie zugleich Teil der Kolonialmaschinerie und Opfer ihrer Logik. Ihre Versuche, zwischen fremden Mächten zu navigieren, sind von einer bitteren Ironie durchzogen Loyalität wird zur Falle, Überleben zur täglichen Rechnung. Die seltsame Verflüchtigung der Buchstaben ist ein Bild, das lange nachklingt. Wenn Worte aus Berichten und Karten verschwinden, verliert die Kolonialisierung nicht nur Territorium, sondern auch die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und sich selbst zu erinnern. Sprache wird hier zur Waffe und zur Verwundung zugleich. Besonders berührt, wie der Roman Erinnerung und Erfindung ineinander fallen lässt, wie Mythen die Lücken füllen, die die Gewalt gerissen hat. Es ist kein einfacher Rückblick, sondern ein Versuch, die Narben sichtbar zu machen und die Stimmen zu hören, die in offiziellen Chroniken kaum vorkommen. Wer sich auf diese Erzählung einlässt, erlebt ein grosses, melancholisches Epos über Macht, Verlust und die unerschütterliche Notwendigkeit, Namen und Geschichten zurückzufordern.

  • Alrik Gerlach

    Thalia Book Circle Community

    4/5

    14.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wenn plötzlich selbst die Buchstaben Widerstand leisten

    Manchmal öffnet man ein Buch und merkt schon nach wenigen Seiten: Okay, Kumpel, hier kannst du nicht nebenbei lesen und gleichzeitig überlegen, was morgen zum Mittag auf den Tisch kommt. Der blinde Fluss verlangt Aufmerksamkeit. Und ehrlich gesagt hat Mia Couto sie auch verdient. Mitten hinein geht es in ein Ostafrika, das von Kolonialmächten zerrissen wird. Deutsche Soldaten, portugiesische Militärposten und mittendrin Nataniel und sein Bruder, die irgendwie versuchen, nicht zwischen all den Interessen zerquetscht zu werden. Schon diese Perspektive hat mich gepackt, weil Geschichte hier nicht aus der sicheren Entfernung erzählt wird. Man steckt mitten im Staub, in der Angst und in diesem verdammt unguten Gefühl, dass andere über dein Leben bestimmen. Richtig stark fand ich die Sache mit den verschwindenden Buchstaben. Erst dachte ich noch: Was zum Teufel passiert denn jetzt? Doch genau darin steckt für mich die Wucht des Romans. Sprache bedeutet Macht. Karten bedeuten Macht. Berichte bestimmen, wessen Geschichte am Ende übrig bleibt. Und wenn plötzlich die Buchstaben verschwinden, beginnt auch diese scheinbar unerschütterliche Ordnung zu bröckeln. Mia Couto schreibt bildgewaltig und unglaublich poetisch. Barbara Mesquitas Übersetzung fühlt sich dabei lebendig und sprachlich richtig kraftvoll an. Trotzdem musste ich an manchen Stellen einen Gang zurückschalten. Mal eben zwanzig Seiten zwischen Tür und Angel? Vergiss es. Einige Sätze wollten bei mir zweimal gelesen werden, bevor sie richtig saßen. Der blinde Fluss ist kein bequemer Roman und ganz sicher keine leichte historische Unterhaltung. Dafür steckt hier zu viel Schmerz, Erinnerung und Wut zwischen den Seiten. Ein sprachlich besonderer Roman über Kolonialismus und darüber, wer Geschichte schreibt. Und verdammt, manche Bilder daraus bekomme ich so schnell nicht wieder aus dem Kopf.

  • Bewertung

    aus Buchen

    4/5

    10.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Großzügigkeit des Namungumi

    Mia Cuotos neuer Roman erinnert mich an seine Imani-Trilogie- Wir sind in Mosambik zu Beginn des ersten Weltkrieg. Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen portugiesischen Soldaten und den deutschen Kolonialtruppen. Der afrikanische Hilfssoldat Nataniel erlebt die Geschehnisse und Auswirkungen auf die afrikanische Gesellschaft in Hilflosigkeit. Mia Cuoto nutzt viele Zitate, Sprichwörter und kurze Kapitel, begleitet von inneren Stimmen der Figuren. Nicht umsonst nennt man Cuoto den Chronisten seines Landes. Doch die hohe Konzentration führt auch zu einer nicht unproblematischen Fragmentierung und Störung des Leseflusses. Es bleibt dennoch ein Reichtum an Sprache und Themen sowie Atmosphäre.

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