Seine Endzwanziger hat sich Hendrik Popom anders vorgestellt. Nichts will ihm so richtig gelingen. In seinem Agenturjob sitzt er seine Zeit ab, mit seiner Freundin lief es schon einmal besser, und dann ist da plötzlich dieser Mann – Popóm. Er ist fast doppelt so alt und dennoch weiß Hendrik: Dieser Mann bin ich.Zögerlich nähern sich die beiden einander an. Ihre Beziehung ist voller Rätsel, Zuneigung und Widerstände. Hendrik hofft, in seinem anderen Ich das zu finden, was ihm in seinem Leben fehlt – Halt und Zuversicht. Doch je stärker er sich an Popóm klammert, desto mehr weicht dieser zurück. Als er sich einer Kollegin anvertraut, begreift er, welch hohen Preis man zahlt, wenn man sich dem Leben entzieht.In ›Popóm‹ entfaltet sich das klassische Literaturmotiv des Doppelgängers vor der Kulisse einer immer unübersichtlicheren Gegenwart. Nach dem großen Erfolg ihres Debüts ›Nincshof‹ und der beim Bachmann-Wettbewerb mehrfach ausgezeichneten Kurzgeschichte ›Das Gurkerl‹ lotet Johanna Sebauer erneut die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aus – leichtfüßig undmit feinem Humor.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
aus Riehen
5/5
20.09.2026
eBook (ePUB)
packend
Die Begegnung mit dem alter ego im jetzt und in der Zukunft. Wirft gekonnt spannende Fragen zu unseren Beziehungen und zur Beziehung zu uns selbst auf.
Amüsant und manchmal liebevoll hinterlistig geschrieben.
FrancieN.
5/5
14.08.2026
eBook (ePUB)
Der Doppelgänger neu interpretiert
Johanna Sebauers Popóm ist ein Roman gelungen, der mich in seiner Absurdität, aber auch der dahinterliegenden Ernsthaftigkeit lange beschäftigt hat - ein Roman wie ein Spiegelkabinett, in dem jede Drehung eine neue, leicht verzerrte Version des eigenen Gesichts freigibt. Und mittendrin steht der Ich-Erzähler Hendrik, ein junger Mann, der sich selbst begegnet, ohne zunächst zu wissen, ob er sich erkennt.
Auf eine Inhaltsangabe verzichte ist, die kann man überall lesen, nur ist sie nicht das Wichtigste, um zu sehen, worauf man sich einlässt.
Sebauer baut ihre Geschichte auch nicht wie ein klassisches Narrativ, sondern wie ein Gedankenspiel auf, das sich langsam verdichtet. Die Begegnung zwischen Hendrik und seinem älteren Ego ist kein direkt phantastisches Ereignis, sondern eher ein poetischer Riss in der Wirklichkeit – ein Moment, in dem die Zeit kurz den Atem anhält.
Der Name Popóm, mit seinem wandernden Akzent/accont aigu, spiegelt dabei das zentrale Thema des Romans: Eine verunsichernde Gesellschaft und in ihr die (mitunter überbetonte) Suche nach Selbstoptimierung und Identität. Und die ist verschiebbar, doppeldeutig und manchmal sogar ein bisschen albern. Der Akzent ist wie ein kleines, bewegliches Zeichen dafür, dass Identität nie stillsteht.
Was Form und Sprache angeht, beherrscht Sebauer die Kunst der leichten Schwere. Ihre Sprache ist leicht, aber nie belanglos. Sie benennt die Dinge schlicht, aber ohne sie zu verharmlosen. Hendrik erzählt von sich mit einer Mischung aus Ironie, Verwirrung und zarter Selbstverachtung - eine Stimme, die sich selbst ständig unterläuft und dadurch umso glaubwürdiger wird.
Der Humor ist fein, fast musikalisch. Er entsteht aus dem Rhythmus der Sätze, aus kleinen Verschiebungen im Blick, aus der Art, wie Hendrik sich selbst beobachtet, ohne zu erkennen, was er sieht.
Unter der spielerischen Oberfläche liegt eine aber auch eine stille Melancholie. Hendriks Arbeitswelt z.B. - die Kreativagentur, die Meetings, die leeren Versprechen - wirkt wie ein Nebel, in dem er sich verliert. Sebauer zeichnet eine Generation, die sich im Glanz der Möglichkeiten erschöpft hat und nun vor der Frage steht, wer sie eigentlich sein will.
Der Doppelgänger wird hier aus meiner Sicht neu interpretiert, er ist kein Schreckgespenst wie bei klassischen Autoren, sondern eine Aufforderung: Schau Dich an! Erkenne dich! Oder erkenne wenigstens, dass du dich nicht erkennst.
Allein die Leichtigkeit, mit der die Autorin mit der Doppelgängertradition zu spielen scheint, ist beeindruckend, sie entstaubt dieses alte literarische Motiv. Ihr Doppelgänger ist kein Schatten, kein Dämon, kein metaphysisches Rätsel. Er ist eine Möglichkeit. Eine Zukunft. Hoffnung gegen die Machtlosigkeit in historisch schwierigen Zeiten, Hoffnung auf Selbstwirksamkeit.
Fazit
Popóm ist ein Roman, der mir die Beschreibung und Bewertung nicht leicht gemacht hat, in gewisser Weise weigert er sich, eindeutig zu sein.
Er ist verspielt und ernst, leicht und tief, komisch und existenziell zugleich. Er zeigt, dass Identität kein festes Gebilde ist, sondern ein wandernder Akzent, ein Spiegel, der sich bewegt, mindestens in drei Teilen spiegelt wie der Kommodenspiegel meiner Großmutter, den ich so sehr mochte. Auch diese Geschichte mochte ich spontan sehr, ohne sagen zu können, warum genau.
Denn Johanna Sebauer hat ein Buch geschrieben, das nicht nur gelesen, sondern gespürt werden will – ein Roman, der die Frage stellt, wie viele Versionen eines Menschen gleichzeitig möglich sind, um der Komplexität unserer Welt zu begegnen, und der uns nachdenklich wie mit einem Lächeln zurücklässt, weil die Antwort immer ist: in jedem Fall mehr als eine.
Bewertung
5/5
16.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das ungewöhnlichste Buch des Jahres!
Ich habe das neue Buch von Johanna Sebauer unheimlich gerne gelesen. Ein großartiges Buch! Es geht um den 20-jährigen Hendrik Popom. Eines Tages sieht er einen älteren Mann in einem Späti und merkt sofort: Das bin ich. Er spricht ihn an, zögerlich verbringen sie Zeit miteinander. Im Laufe der Geschichte geraten sie immer mehr aneinander und ein Geheimnis wird gelüftet. Klar, der Roman ist ungewöhnlich und vielleicht auch ein bisschen schräg. Aber er ist unglaublich lesenswert und amüsant. Am Ende habe ich mir gedacht: Wie würde ich reagieren, wenn ich meinen Doppelgänger sehen würde?
Ein absolut lesenswerter, hoch intelligenter Roman!
Placetobooks
4/5
26.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch reift in dir
Ich hatte anfänglich etwas Schwierigkeiten in das Buch und die Geschichte hinzufinden und dann wurde es für meinen Geschmack immer besser und besser. Der schmale Grad zwischen Fiktion und Realität war super interessant zu lesen, da ich nie so richtig wusste, was passiert hier gerade ,,real“ und was ist vielleicht nur Fantasie oder ein Traum gewesen? Viele Themen in diesem Buch können denke ich einige Lesende Personen abholen und mitfühlen lassen. Einen älteren Doppelgänger seiner selbst zu finden, der einem auf der einen Seite helfen kann und auf der anderen Seite lediglich Hilfe zur Selbsthilfe ist, hat mich auch an einige Therapiesitzungen erinnert dieses Buch war ganz toll verfasst und hat immer wieder neue Gedankengänge angestoßen zwischen durch hatte das Buch auch Loriot vibes und ich mochte den Humor im Buch sehr gerne! Philosophisch, literarisch, humorvoll und klug - definitiv lesenswert ☺️
Buecherheidrun
aus Horb
4/5
04.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Selbstfindung der besonderen Art
Was macht es mit uns, wenn wir uns selbst in einer älteren Version begegnen?
Genau das passiert Protagonist Henrik Popom, der nur kurz zum Kiosk läuft, um seiner Freundin Anja den abendlichen Heißhunger-Wunsch nach einer Fassbrause und einer Tafel Erdbeerschokolade zu erfüllen. Denn dort trifft er auf IHN und sein Leben, das auch bisher nicht so richtig rundläuft, gerät völlig aus dem Takt. Er weiß sofort, dass dieser ältere Mann mit gelbem Mantel und grauem Hut am Dosenpfirsich-Regal er selbst ist. Er verfolgt ihn und was zunächst wie Stalking anmutet, führt nach und nach zu einer behutsamen Annäherung der beiden Henriks und Popom beginnt sogar im antiquierten Pfeifenladen Popóms auszuhelfen. Dabei sind sie manchmal wie Spiegelbilder ihres selbst, manchmal sich abstoßende Magneten und manchmal tatsächlich ein und dieselbe Person.
Die humorvollen und klugen Gespräche der Beiden, die ja eigentlich alles voneinander wissen, jeden peinlichen oder unangenehmen Gedanken des anderen kennen, tragen diese ungewöhnliche Geschichte.
„Abgesehen davon sind Tabakpfeifen ganz generell etwas Wunderbares. Besonders jene aus Holz, wie diese hier. In ihnen kommt zusammen, was sich eigentlich Feind ist - Holz und Feuer. In ihnen haust in gewisser Weise Waffenstillstand. Sie sind ein Ort des Friedens, den man in die Hand nehmen und genießen kann.“ (S. 92)
Mit diesem Roman, der das schon häufig in der Literatur verwendete Motiv des Doppelgängers thematisiert, lässt die Autorin die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion verschwimmen. Fast philosophisch werden Fragen nach lebensverändernden Entscheidungen, nach Individualität oder schicksalhaften Begebenheiten gestellt.
Auch wenn ich aufgrund der etwas skurrilen Figurenzeichnung keine emotionale Bindung zu den Protagonisten aufbauen konnte, hat mich zumindest das letzte Kapitel sehr berührt.
„Es ist notwendig für mich, mich von dir zu lösen. Ich habe mich zu sehr in dir verstrickt, um noch mit klarem Kopf ich selbst sein zu können. Lange hab ich geglaubt, dass ich, wenn ich bei dir sei, gleichzeitig auch mehr bei mir selbst sei. Das stimmt aber nicht. Ich gehe verloren. Ich falle aus dem Jetzt. Ich falle aus der Welt. Aber genau dahin muss ich zurück.“ (S. 200)
Ein Finden zu sich selbst durch einen besonderen Blick in die Zukunft. Lesenswert.
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