Die Geschichte einer starken Frau als Metapher für das 20. Jahrhundert und die gesellschaftlichen Prozesse jener ZeitAleš Štegers neuer Roman erzählt die Geschichte einer beeindruckenden Frau vor dem Hintergrund der jugoslawischen Geschichte. 1923 geboren, tritt Zora den Partisanen bei, um sich dem Nationalsozialismus entgegenzustellen – und genau diese kämpfende Haltung wird sie ihr ganzes Leben beibehalten müssenWährend Zora gegen ihre Traumata aus dem Krieg ankämpft, gegen die Ablehnung ihrer streng katholischen Familie, gegen die Zurückweisung in Slowenien nach ihrer Rückkehr aus Belgrad, ist sie zugleich Zeugin der Veränderungen in der kommunistischen Bewegung über Generationen hinweg und erlebt immer wieder, was Umbrüche und Neuanfänge aufbauen, was sie aber auch zerstören, was sie in Feuer und Asche überführen.»Feuer« zeigt den Verfall der Geschichte, Aufstieg und Fall von Titos Jugoslawien, die inneren Paradoxien, Widersprüche und das tragische Scheitern eines der größten sozialen und politischen Experimente im Europa des 20. Jahrhunderts. Es ist ein weiblicher Roman, ein Widerstandsroman, ein Roman einer Revolution, die am Ende ihre eigenen Kinder frisst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Jürg K.
5/5
18.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familiengeschichte
Zora wurde 1923 geboren und tritt den Partisanen bei, um sich dem Nationalsozialismus entgegenzustellen. Sie kämpft gegen ihre Traumata aus dem Krieg, gegen die Ablehnung ihrer streng katholischen Familie. Dieser Roman zeigt den Verfall der Geschichte, Aufstieg und Fall von Titos Jugoslawien, die inneren Paradoxien, Widersprüche und das tragische Scheitern eines der grössten sozialen und politischen Experimente im Europa des 20. Jahrhunderts. Es ist ein weiblicher Roman, ein Widerstandsroman, ein Roman einer Revolution, die am Ende ihre eigenen Kinder frisst. Diese Geschichte berührt mich, weil sie zeigt, wie ein einzelnes Leben zum Brennglas für ein ganzes Jahrhundert werden kann. Doch was mich besonders bewegt, ist, dass dieser Kampf nie endet. Er verlagert sich nur vom Wald in die Familie, von der Front in die Gesellschaft, von der politischen Bühne in ihr eigenes Inneres. Zora kämpft weiter, gegen Traumata, gegen Ablehnung, gegen das Vergessen. Und genau darin liegt ihre Grösse. Was mich tief trifft, ist die Härte, mit der die Welt ihr begegnet. Für mich ist dieser Roman ein kraftvolles Denkmal für eine Frau, die nie aufgehört hat, Widerstand zu leisten und ein Spiegel dafür, wie Geschichte uns formt, überrollt, prägt und manchmal auch zerstört.
Bewertung
aus Buchen
5/5
05.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Roman nach Motiven aus dem Leben der Štefka Cobelj
Der bedeutende slowenische Autor Aleš Šteger schreibt in seinem Roman Feuer über das Leben einer Frau.
Die Kindheit mit einem tyrannischen Vater und einer schwachen Mutter zwingt sie dazu, innere Stärke zu entwickeln. Mit 17 wird sie von Partisanen aufgenommen, Zora genannt und sie übernimmt 1942 die Versorgung des organisierten Widerstands gegen die Besatzer. Nach dem Krieg wird sie Mitglied der kommunistischen Partei, geht schließlich nach Belgrad. Der Autor folgt ihrem Lebensweg.
Aleš Štegers Stil ist konzentriert und intensiv. Unbedingt lesenswert!
Alrik Gerlach
Thalia Book Circle Community
4/5
27.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Leben zwischen Feuer, Idealen und Asche
Geschichte kann verdammt laut sein, selbst wenn sie nur zwischen zwei Buchdeckeln steckt. Feuer ist so ein Roman. Zora hat mich mit ihrer Sturheit, ihrem Mut und ihren Widersprüchen ziemlich schnell gepackt, obwohl Aleš Šteger es einem beim Lesen nicht immer bequem macht.
Hier wird das 20. Jahrhundert nicht trocken heruntererzählt. Krieg, Kommunismus, Familie, Ideale und Enttäuschungen hängen an einem einzelnen Leben und plötzlich bekommt das große Wort Jugoslawien ein Gesicht. Besonders stark fand ich, dass Zora weder zur Heldin poliert noch auf ihre Verletzungen reduziert wird. Sie darf unbequem sein. Und manchmal dachte ich beim Lesen: Meine Güte, diese Frau hat wirklich ihr ganzes Leben gekämpft.
Sprachlich ist das anspruchsvoll und stellenweise ziemlich poetisch. Die ungewöhnliche Perspektive hat mich allerdings gelegentlich auf Abstand gehalten. Da musste mein Kopf erst wieder zwei Seiten mitlaufen, während mein Herz längst verstanden hatte, worum es geht.
Kein gemütlicher historischer Roman für nebenbei, sondern einer, der kratzt, fordert und danach noch im Kopf herumspukt. Gerade deshalb bleibt von Feuer mehr übrig als nur Asche.
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