Die gefeierte Filmikone Jeanne Patou erfährt aus dem Fernsehen, dass sie für tot gehalten wird. Für Jeanne ist es die Chance, unterzutauchen und so ihrem Ehemann zu entkommen, der gleichzeitig ihre größte Obsession und ihre fatalste Leidenschaft ist. Sie verschwindet in die Anonymität – und in einen Kosmos der untergetauchten Frauen, mit denen sie ein altes Haus in Barcelona bewohnt. Während sie ihre Schicksale kennenlernt, wird ihr auch ihr eigenes immer deutlicher.
Viereinhalb Jahre später streift Jeanne über die La Rambla, eine Passantin unter vielen, als sie plötzlich ihrem Mann begegnet. Ihr ist klar: Sie muss sich stellen – ihrem Mann, aber vor allem sich selbst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Schoko_und_Buch
aus Friedberg
5/5
26.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau, die wieder zu sich selbst findet
Jeanne Patou ist eine gefeierte Schauspielerin. Doch sie kommt bei einem tragischen Flugzeugunglück ums Leben, oder zumindest lässt sie es die Welt glauben. Der Zufall spielt ihr in die Hände, so dass sie ihren eigenen Tod vortäuschen kann und so ihrem bisherigen Leben entfliehen kann. Denn Jeanne gibt es eigentlich gar nicht, sie wurde von ihrem Mann Bernard ins Leben gerufen. Und so taucht sie in den Straßen Barcelonas unter, findet zurück zu sich selbst in d hat so die Kraft auch wieder ins Leben zu treten. Als Passantin begegnet sie ihrem Mann über 4 Jahre später wieder, aber nicht mehr als Jeanne.
Das Buch ist aus Sicht von Jeannes eigentlichem Ich erzählt. Anfangs fand ich dies verwirrend, doch dranbleiben lohnt sich. Manchmal überwältigt einen das Leben und man wünscht sich, nicht mehr da zu sein, dem anstrengenden zu entfliehen. So geht es Jeanne. Doch leider kann man nicht nur einen Teil abbrechen, wen man einen solchen Schritt geht. Und so treibt sie die Liebe zu ihren Töchtern an, wieder zurück ins Leben zu finden in d sich dem Mann entgegen zu stellen, der Jeanne erschaffen hat und gleichzeitig kaputt gemacht hat, innerlich. Gewalt in der Partnerschaft, der Weg, sich selbst zu finden und die Rolle von Frauen werden hier thematisiert und auf den Punkt gebracht. Teils mit sehr direkter Sprache, aber ohne Schnickschnack hat mich dieses Buch doch sehr bewegt. Ein toller Roman, den ich gern weiterempfehle.
Bewertung
5/5
26.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau auf dem Weg zu sich selbst
Jeanne Patou, ein absoluter Star in der Filmwelt wird für tot gehalten. Dieser Umstand wird für Sie ein Passierschein in ein anderes Leben, erstmal ins Unbekannte, eine Chance ? Gut oder nicht ? Welchen Preis zahlt Sie dafür ? Ein starkes, intensives, packendes Buch!
Lucy B. Kamp
5/5
30.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessante Lesestunden
„Die Passantin“ – ein interessanter Titel, der ein Gedankenfeuerwerk entfacht. Wir sind alle Passanten auf unserem Lebensweg. Von der Geburt bis zum Tod. Gefällt uns die Richtung nicht, können wir eine andere Straße passieren. Doch nicht immer ist das so einfach. Lebensumstände halten uns auf einem festen Weg gefangen. Einbahnstraßen lassen Seelen verkümmern. Auf Autobahnen driften Erlebnisse zu schnell vorbei. Landstraßen lassen vermeintlich dahindümpeln. Wege, Wege, Wege, wohin man schaut. Es ist eine Lebensaufgabe herauszufinden, welcher Weg der passable ist. En passant – ergibt sich eine Chance, eine neue Richtung einzunehmen. Von dem Waldweg auf die Lichtung. Der Rückentext des Buches wirft die Frage auf – „Was wäre, wenn dich alle für tot hielten – und du noch mal neu anfangen könntest?“ Also einen anderen Lebensweg wählen, nicht vorgezeichnet bekommen, sondern selbst die Richtung bestimmen. Was wird passieren? Ein Weg wird verblassen, ein neuer im Licht erscheinen. Gibt es ein Zurück?
Jeanne Patou, ein Star in der Filmwelt wird für tot gehalten. Dieser Umstand wird für Jeanne ein Passierschein in ein anderes Leben. Ins Unbekannte. Weg vom Ehemann. Gut oder nicht? Getrennt von den Kindern. Der Preis dafür? Kein Kontakt zu den Eltern. Erforderlich? Für was? Um sich zu finden, den eigenen passenden Weg. Das Ich. Jeanne Patou ist eine Passantin, stellvertretend für viele Frauenleben. „Die Passantin“ – ein Leben – eine Chance – ein Reflex. Auf dem Rollfeld eines Flughafens in Barcelona passiert sie ins Irgendwo, irgendwas, irgendwie und katapultiert sich damit in ein Unleben, gleich einem Marsch auf einer langen Straße ohne Aussicht wohin. Sie findet Begleiterinnen, insbesondere eine Polizistin betrachtet Jeannes Situation. Eine Polizistin, die Gefahr abwendet und eine gewisse Ordnung herstellt.
Leser und Leserinnen dürfen sich Gedanken über Frau sein machen, was Frau alles sein kann oder sein sollte. Eine Frau sollte ihrem Ich verhaftet sein und wird doch gesellschaftlich geformt. Die Frauenrolle beinhaltet alles ertragen zu können, müssen und sich nichts anmerken zu lassen. Eine Stärke, aber eine zerstörerische. Viele Probleme der Welt entladen sich in Frauen. Nina George erzählt diesen Roman in einer anschaulichen und gefühlvollen Sprache. Ein Beispiel sei angerissen: „Eine Säge, die sich ……… , in die Jahre hinein, ……….., und alle Winter, alle …….Lügen, jedes Wort.“ Ein wundervoller Satz, aber bitte selbst erlesen. Treffend werden Wahrheiten ausgesprochen. Was bedeuten Religionen für Frauen? Nina George ist eine Frau, die wundervolle Bücher schreibt, sich kämpferisch und kraftvoll für Bücherschreibende einsetzt, die Welt mit klugen Gedanken bereichert. Durch jede Zeile in diesem Roman lässt sie eine verletzliche Frau hervortreten. Jeanne Patou wie alle. Welcher Maßstab wird an eine Frau angelegt? Wunderschöne Wortschöpfungen gibt es zu entdecken. Dieses Buch ist lesenswert, zeigt wie wichtig lesen ist, um denken zu lernen, zu pflegen, zu trainieren. Denken ist unabdingbar, um zu verstehen, zu begreifen und eine gut funktionierende Gesellschaft voller gegenseitigem Respekt entstehen zu lassen. Denken ist kraftvoll, machtvoll, lebensnotwendig. Nicht denken ist zerstörerisch, gefährlich und unterdrückend.
Die Frau auf dem Buchcover hält schützend die Hand über ihrem Gesicht. Ein Tuch verbirgt ihre Haare. Im Schatten kann sie sich finden, sich sammeln um herauszufinden, wer sie ist, wen sie braucht, wie sie leben will. Ein perfektes Abbild von Jeanne Patous Geschichte.
Ein großartiges Buch, manchmal atemberaubend und insgesamt seelenberührend. Viele Themen sind subtil in das Romangeschehen eingebaut und doch überaus treffend. Scharf gewürzt mit positivem Effekt.
Bewertung
aus Bern
5/5
20.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
ein genialer Plot
Sie hat eingecheckt, ist dann aber doch nicht mitgeflogen. Nun sitzt sie in einer Bar und sieht auf dem Bildschirm, dass das Flugzeug abgestürzt ist und es keine Überlebenden gibt. Der ideale Moment für die gefeierte Schauspielerin Jeanne Patou, um unterzutauchen, sich aus dem Leben zu befreien, das von ihrem Mann bestimmt wurde. In einem Haus für untergetauchte Frauen in Barcelona findet sie Unterschlupf und die Möglichkeit, die Person zu finden, die sie vor ihrer Ehe war. Sie lernt die Schicksale der anderen Bewohnerinnen kennen und wird immer wütender auf die, die ihre Frauen manipulieren und quälen, bis diese keinen anderen Ausweg mehr sehen als die Flucht.
Als Jeanne vier Jahre später zufällig ihren Mann auf den Ramblas entdeckt, wird ihr klar, dass sie sich zeigen muss. Sie ist heute eine andere als damals und sie kann und will nicht länger auf den Kontakt zu ihren Töchtern verzichten.
Ein genialer Plot und eine mitreissende, kraftvolle Geschichte, die betroffen macht.
Fee04
5/5
12.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein starkes Buch!
„Die Passantin“ von Nina George
Verlag: Kein & Aber
Ein Buch, das leise kommt und mit einer Wucht zuschlägt. Ein Roman, der nachhallt.
Jeanne Patou – diesen Namen gibt ihr ihr Mann. Sie ist eine gefeierte Filmikone. Eine Frau in der Öffentlichkeit. Doch innerlich längst verloren. Als sie plötzlich im Fernsehen ihr eigenes Bild sieht, unterlegt mit der Nachricht ihres Todes bei einem Flugzeugabsturz, sitzt sie in einer Bar und denkt nur: Ich bin tot?!
Die Welt trauert um Jeanne Patou. Und Jeanne? Sie erkennt: Das ist meine Chance.
Eine Chance, allem zu entkommen: ihrer Ehe, ihrer Rolle, der Frau, zu der Bernard, ihr Ehemann, sie gemacht hat. Eine toxische Liebe, ihre größte Obsession und zugleich ihr tiefster Schmerz. Jeanne ergreift die Möglichkeit. Und lässt alles zurück. Ihre Töchter. Ihre Identität. Ihre Jeanne.
Sie sucht sich selbst.
Inmitten von Frauen, die ebenfalls ihre Geschichten und Verluste tragen, findet sie ein neues Leben. Ein Haus in Barcelona: still, weiblich, solidarisch.
Und eine neue Rolle: Consuela Rubio Garcia, kurz Sella.
Am Ende dieser langen Suche entdeckt sie etwas viel Tieferes: Alva.
Die Frau, die sie ist. Ohne Rolle. Ohne Spiegel.
Doch das Vergangene hat lange Schatten. Als sie viereinhalb Jahre später auf La Rambla als Passantin ihrem Ehemann begegnet, trifft sie nicht nur Bernard wieder - sie trifft auch auf eine Frau, die ihr gleicht. Und erkennt: das Spiel hat sich wiederholt. Bernard liebt in Mustern. Und zerstört in Mustern.
Es ist der Moment, in dem Jeanne nicht länger flieht. Sondern sich stellt. Nicht nur Bernard – sondern vor allem sich selbst: Alva! Ihrer Geschichte. Ihrer Obsession. Ihrem Schmerz.
Sprachlich ist dieser Roman eine Wucht. Zart, feminin, fesselnd. Und dennoch ruhig erzählt. Mit Zeitsprüngen zwischen 2015 und 2019 - zwischen Jeanne auf der Rambla, beobachtend, und der Frau, die damals nach ihrem Tod eine neue wurde.
Ein Buch über Selbstfindung. Über das Verlorensein in einer Beziehung, in der man irgendwann nicht mal mehr weiß, was man gerne isst.
Ein Buch darüber, wie tief Frauen sich verbiegen - um zu gefallen, zu funktionieren, zu überleben.
Aber auch ein Buch darüber, dass es immer einen Weg zurück zu sich selbst geben kann.
Kein Schauspiel mehr. Kein Verbiegen. Nur noch das wahre Ich.
Nina George zeigt in „Die Passantin“ eindrucksvoll, wie wichtig weibliche Solidarität ist. Wie notwendig es ist, dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen, zuhören, helfen, vertrauen, statt aufeinander herumzuhacken.
Denn manchmal reicht schon ein freies Zimmer. Eine offene Tür. Ein Zuhören.
„Wir sind von Wundern umgeben, die wir nicht sehen, während sie uns beim Leben betrachten.“
Und dann - wie bei Jeanne und Bernard:
„Wir sind von Wunden umgeben, die wir nicht sehen, während sie uns beim Überleben betrachten.“
Ein Roman, der in seiner Stille laut wird.
Ein Roman über das Abtauchen, das Loslassen, das Wiederauftauchen. Über das Frau-Sein und das Mensch-Sein.
Ein starkes Buch, das bleibt.
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