Eine Frau, ein Fluss, eine ganze Epoche – und ein Geheimnis, das der Strom für immer bewahrtDer Fluss kennt keine Gnade – und genau deshalb liebt Lis ihn. Als ihr Ehemann bei einem Schiffsunfall ertrinkt, trifft die junge Anneliese in den späten 1950ern eine Entscheidung, die alle für unmöglich halten: Sie wird Kapitänin. In einer von Männern dominierten Welt kämpft sie sich auf ihrem Lastenkahn durch Widerstände und Vorurteile – bis sie auf dem Wasser endlich die Freiheit findet, die ihr an Land versagt blieb. Dann tritt der griechische Schiffsmechaniker Vassili in ihr Leben und weckt in ihr eine Liebe, die alles verändert. Tanja Weber erzählt in eindringlichen Bildern von einer außergewöhnlichen Frau, die von ihrem Kahn aus beobachtet, wie sich Deutschland über Jahrzehnte wandelt – und die tief in ihrem Herzen ein dunkles Geheimnis bewahrt, das nur der Fluss kennt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Philo
aus Frankfurt a.M.
5/5
04.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben einer starken Frau auf dem Fluß
Das Buch erzählt die Geschichte von Lis, einer starken Frau, beginnend in ihren Kindertagen ab 1937 bis hin durch ihr Erwachsenenleben. Nach zunächst fröhlichen Kindertagen muss sie während des Krieges mit ihrer Mutter und ihrer besten Freundin Edith die Arbeit auf dem Hof übernehmen. Diese Arbeit fällt nach der Rückkehr des Vaters an diesen und ihren Bruder Otto zurück. Nach Wunsch des Vaters soll Lis an einen älteren unsympathischen Bauern verheiratet werden. Dem widersetzt sie sich und heiratet stattdessen Horst, einen Binnenschiffer. Sie führen eine harmonische Beziehung und sie lernt von ihm alles, was erforderlich ist, um ein Schiff zu führen. Lis entdeckt Ihre Leidenschaft für das Schiff und den Fluss. Wären da nicht Horsts Eltern, die ihm ein besseres und größeres Schiff verweigern, welches sie für ihren älteren vermissten Sohn aufbewahren. Aber der kommt nicht zurück, was Horst aus der Bahn wirft. Er beginnt zu trinken und Lis zu schlagen. Als Horst nach einem Unglück ertrinkt, beginnt Lis, ein selbständiges Leben zu führen. Gegen alle Widerstände lässt sie sich zur Kapitänin ausbilden, um das Schiff selbstständig führen zu können.
Lis Leben verläuft nicht immer in ruhigen Bahnen. Die Freundschaft zu ihrer besten Freundin Edith bekommt tiefe Risse, ihr Bruder Heinrich verstirbt. Aber noch einmal kehrt das Glück zu ihr zurück. Als sie auf Vassili trifft, der einen kleinen Hund aus dem Wasser rettet und zu ihr auf ihr Schiff bringt. Sie bleiben beide für lange Zeit und es entwickelt sich eine starke Verbindung zwischen Lis und Vassili. Aber Vassili ist Grieche und er zieht sich immer mehr in sich zurück. Er hat Heimweh. Er schlägt Lis vor, ihn in seine Heimat zu begleiten. Aber so sehr Vassili mir Griechenland verbunden ist, will Lis ihre Heimat nicht aufgeben und weiterhin auf dem Fluß leben. Vassili kehrt zurück in seine Heimat, und Lis bleibt voller Trauer allein zurück.
Es ist ein sehr bewegendes Buch um eine sympathische, starke Frau, die immer zu kämpfen hatte und der nur wenig Glück zuteil wurde. Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen und möchte es gerne weiterempfehlen.
Annnnnnna
aus .
5/5
04.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Ruck des Lebens
Anneliese, 1928 geboren, genannt Lis, lebt auf dem elterlichen Hof. Sie hat drei Brüder und ist das einzige Mädchen. Die harte Arbeit auf dem Hof während der Kriegsjahre ist sie gewohnt. Edith, ihre beste Freundin, ist wie eine Schwester für sie. Nach Kriegsende beginnt diese eine Ausbildung in der Stadt und lernt einen Mann kennen. Lis fragt sich, wie es mit ihr weitergehen soll. Sie liebt den Hof, aber den führt der Vater mit dem jüngsten Sohn weiter, der dem Volkssturm entkommen konnte. Ihre Leidenschaft ist das Wasser. Schon immer verspürt sie eine tiefe Verbundenheit zu dem kraftvollen Fluss. Als der kriegsversehrte Vater ihr eines Abends eröffnet, dass es beschlossene Sache ist und sie einen deutlich älteren Schweinebauern heiraten soll, nimmt sie ihr Glück selbst in die Hand.
Ihr Ehemann Horst, ein Schiffer steht für sie nicht für die große Liebe, sondern für die Freiheit. Doch der Preis dafür ist hoch.
Und wie sie zu Beginn bei den Reisen immer einen Ruck verspürte, wenn das noch motorlose Schiff vom Schlepper angezogen wurde, so ging auch durch sie ein Ruck. Ein Ruck hin zu mehr Eigenständigkeit, zu einem Leben, das sie selbst bestimmen wollte. Doch bis es so weit ist, stellt das Schicksal sie mehr als einmal auf die Probe.
Tanja Weber gelingt es von der ersten Seite an, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Der Macken-Hof, die Heidi, die Liebe zum Wasser, die Geräusche und das Leben auf dem Schiff wurden beim Lesen sofort vor meinem inneren Auge lebendig. Ihr Schreibstil ist ruhig, einfühlsam und voller Gespür für die leisen Töne, für kleine Beobachtungen und die Menschen mit all ihren Ecken und Kanten. Gerade darin liegt ihre Stärke.
Besonders berührt hat mich die Begegnung mit dem griechischen Gastarbeiter Vassili. Was zwischen den beiden entsteht, wirkt zu keiner Zeit konstruiert oder überstürzt. Es ist kein lautes Drama und keine Geschichte, die von großen Worten lebt, sondern etwas viel Feineres: Vertrauen. Sie drängen sich nicht auf, respektieren die Grenzen des anderen und geben einander genau den Raum, den jeder braucht. Gerade die kleinen Gesten, der gemeinsame Alltag und dieses stille gegenseitige Verstehen haben mich tief berührt.
Vielleicht ist es genau das, was mir an diesem Roman so gut gefallen hat: Die großen Veränderungen passieren nicht unbedingt mit einem Paukenschlag. Manchmal beginnen sie ganz leise. Mit einer Begegnung. Mit einem Gedanken. Oder mit dem Mut, einmal selbst am Steuer des eigenen Lebens zu stehen.
Dieses Buch erzählt davon, dass man nicht immer aktiv nach den richtigen Menschen suchen muss. Manchmal finden sie einen genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Und manchmal reicht eine einzige Begegnung, um lange verschlossene Türen wieder zu öffnen. Manche Begegnungen verändern nicht die Welt. Aber sie verändern alles.
Ein atmosphärischer Roman über den Wunsch nach Eigenständigkeit, Freundschaft, Schicksal und Verlust, über leise Veränderungen und die Kraft besonderer Begegnungen. Ein Buch voller Menschlichkeit, das bei mir noch lange nachwirken wird.
EK
5/5
02.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Super atmosphärisch, starke Protagonistin
Die Autorin ist super sympathisch und genauso ging es mir auch mit ihrem Schreibstil. Dieser ist ganz besonders, sehr bildlich und naturverbunden. Vor allem der Fluss und das Leben auf dem Wasser bekommen dadurch eine ganz eigene Atmosphäre.
Besonders fand ich auch die Erzählweise. Wir begleiten Lis über einen sehr großen Teil ihres Lebens und erleben dadurch nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern auch, wie sich die Welt um sie herum verändert. Das hat die Geschichte für mich total spannend gemacht und war mal etwas anderes.
Lis ist eine unglaublich starke und gleichzeitig authentische Protagonistin. Dass sie zu einer Zeit Kapitänin wird, in der Frauen in diesem Beruf absolut untypisch waren, fand ich beeindruckend. Dabei wirkt sie aber nie wie eine überzeichnete starke Frauenfigur, sondern einfach wie ein Mensch mit Mut, Ecken und Kanten.
Für mich eine ganz besondere Geschichte mit einer tollen Atmosphäre und einer Protagonistin, die mir im Gedächtnis bleiben wird. Große Leseempfehlung!
Giselas Lesehimmel
aus Landshut
5/5
26.09.2026
eBook (ePUB)
Ein literarischer Leckerbissen
Meine Meinung
Anneliese (Lis) verbrachte mit ihren beiden Brüdern und ihrer besten Freundin ihre Kindheit auf einem Bauernhof in Norddeutschland. Der Krieg kostete vielen Männern das Leben. Annelieses Familie hatte Glück. Ihr Vater verlor zwar ein Bein, aber er durfte zurück in den Schoß der Familie kehren. Ihr Bruder Hain wurde ein erfolgreicher Übersetzer und wanderte nach England aus. Otto arbeitete auf dem Hof mit. Für Lis endete die unbeschwerte Zeit mit ihrer besten Freundin Edith.
Edith heiratete und zog mit ihrem Mann nach Essen. Lis wurde mit dem Binnenschiffer Horst vermählt. Die beiden verband die Liebe zum Fluss und Arbeit auf dem Schiff, bis Horst sein Leben bei einem Schiffsunglück verlor. Lis überwand alle Hürden und wurde Kapitänin des Lastenkahns Heidi. Ihre jahrelangen Erfahrungen kamen ihr zugute. Als Lis den Schiffsmechaniker Vassili kennenlernte, wurde ihr Leben privat und beruflich sehr harmonisch. Der freundliche Grieche hatte einen kleinen Hund vor dem Ertrinken gerettet.
Mich konnte die Geschichte nicht von Anfang an abholen. Ab dem Moment, wo Lis mit ihrem Ehemann das Leben auf dem Fluss verbrachte, tauchte ich so richtig in die Geschichte ein. Lis liebte das Schwimmen im Fluss und die Arbeiten auf dem Lastenkahn. Die ersten Jahre waren sehr beschwerlich, da Horsts Vater ihnen jegliche Hilfe verweigerte. Horst sprach dem Alkohol stark zu, was Lis das Leben auf dem Schiff zusätzlich erschwerte und ihrem Ehemann letztendlich das Leben kostete.
Die Liebe zu Vassili passt wunderbar in das Geschehen. Der süße Hund verströmt zusätzliche Herzenswärme.
Über mehr als 80 Jahre durfte ich die mutige Lis begleiten und mit ihr zusammen so manche Träne vergießen. Ich konnte nicht alle ihre Handlungen nachvollziehen, aber ich bewunderte ihre Energie, mit der sie ihre Ziele verfolgte, und die Fairness, die sie jedem Menschen entgegenbrachte. Sei es in ihrer Familie oder bei der besten Freundin, Lis war stets zu allen aufrichtig und konnte fast alles verzeihen. Ein Geheimnis schwebte wie eine dunkle Wolke über ihr.
Der Schreibstil liest sich wie Butter auf warmem Toast; geschmeidig und flüssig. Die Figuren überzeugen und ich konnte mir fast alle bildlich vorstellen. Lis hatte auf mich stets traurig und dennoch glücklich gewirkt. Eine Mischung, die mir selten begegnet und die es wirklich wert ist, entdeckt zu werden. Die Gründe dafür fand ich sehr emotional.
Von mir eine klare Empfehlung für die Geschichte, die in der Nachkriegszeit beginnt und uns vieles wieder in Erinnerung bringt. Wie schwer es eine Frau hatte, sich beruflich in der Männerwelt zu behaupten. Es gibt Szenen, die zeigen, wie wenig manche Frauen aufgeklärt waren. Dialoge zwischen Edith und Lis verdeutlichen das.
Und immer wieder Abschied nehmen verleiht der Story Menschlichkeit. Im Grunde werden wir vieles selbst erleben oder schon erlebt haben.
Ein großes Dankeschön, Tanja Weber.
Bewertung
5/5
26.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
DAS Herbstbuch 2026
Lis, eigentlich Anneliese Macken, lebt ein Leben voller harter Arbeit und Entbehrungen. Als einzige Tochter unter drei Brüdern bleibt ihr in der Nachkriegszeit nichts anderes als den elterlichen Hof zu verlassen und den Haushalt eines Ehemannes zu führen. Da lernt sie Horst, einen Binnenschiffer, kennen und taucht in eine völlige fremde Welt ein, die nicht weniger arbeitssam ist, aber auf andere Art und Weise Freiheit für Lis bedeutet.
"Die Flussfrau" erzählt ohne Umschweife das Leben einer Frau, die von der Kindheit an es gewohnt war, Kompromisse einzugehen um bestehen zu können. Was banal klingt, fesselt beim Lesen von Kapitel zu Kapitel mehr an die Geschichte. Dabei erhält Lis' naturelle Umwelt genau den sprachlichen Raum, den sie braucht. Auf große Detailverliebtheit wurde verzichtet, was allerdings die Spannung hochhält und bei einer Erzählbreite von den Kriegsjahren bis heute absolut vonnöten ist, um nicht zu langweilen. "Die Flussfrau" ist für mich eine durchweg positive Überraschung und vielleicht DAS Herbstbuch 2026.
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