Ein zutiefst berührender Roman über das Erinnern, das Vergeben und die Sehnsucht, irgendwo anzukommen.Als Liesel ihre Großmutter Emmi auf eine Reise in die ehemalige Provinz Ostpreußen begleitet, sucht sie mehr als nur einen Ort – sie sucht Antworten. Antworten auf die Fragen, die zwischen den Generationen stehen, auf die Geheimnisse, die sich in vergilbten Kalendern und in Emmis Schweigen verstecken. Zwischen Birkenalleen, alten Gutshäusern und dem Rauschen der Ostsee entfaltet sich eine Geschichte von Verlust und Hoffnung, von Schuld und Liebe. Doch je näher Liesel der Vergangenheit kommt, desto deutlicher spürt sie: Heimat ist kein Ort, den man auf der Landkarte findet. Heimat sind die Menschen, die bleiben, wenn alles andere verschwindet.Ungekürzte Lesung mit Maximiliane Häcke9h 52min
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4.5/5.0
Sagota
Thalia Book Circle Community
5/5
24.08.2026
eBook (ePUB)
Sehnsucht nach Familie - eine Spurensuche
Mit “ist doch schön hier” von Miriam Burdelski legt die Autorin einen einfühlsamen, humorvollen, vielschichtigen und sehr gut zu lesenden Familienroman vor, der die LeserInnen (auch) in die deutsche Vergangenheit und nach Ostpreußen entführt. Verlegt wurde der Débutroman bei Blessing (HC, geb., 384 S.)2026.
Liesel beschließt, kurz nach dem Abitur zu den Wurzeln von Emmi, ihrer geliebten Großmutter zu reisen: Nach Kudern in Ostpreußen. Sie sucht Antworten auf Fragen, die mit der Vergangenheit in der Familiengeschichte zu tun haben. Auch die Selbstfindung (welches Studium, wie geht es weiter?) spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Emmi hat sie großgezogen, da ihre Mutter Melanie schon seit Langem in Depressionen verfiel, nur noch zu Hause ist und nicht in der Lage war, sich gut um ihre Tochter zu kümmern. Eines Tages findet Liesel auf einem Kalender den Hinweis “Tag der Entscheidung” - es ist ihr eigener Geburtstag! Was hat es damit auf sich?
Der 19jährige Jascha, ein polnischer Mitarbeiter im Pflegeheim “Alte Eichen”, in dem die demente Emmi nun untergebracht ist, bietet Liesel an, sie bis Danzig zu fahren. Als Emmi von den Reiseplänen der Enkelin hört, packt auch sie ihre Koffer - und wird kurzerhand von Liesel und Jascha “entführt”. Melanie findet die Reise der beiden gar nicht gut und muss nun eine Weile sehen, wie sie alleine zurechtkommt (Liesel kümmerte sich mehr um ihre Mutter als dies umgekehrt der Fall hätte sein sollen).
Auf der gemeinsamen Reise stellt Jascha fest, dass Liesel gerne etwas erleben würde, aber “nicht weiß, wie das geht” - dieser Umstand sollte sich während der Reise ändern; über Stettin, Wollin und Zopot gelangt die ungleiche Reisegruppe in ein polnisches malerisches Dörfchen, in dem sie ein kleines Häuschen mieten. (Sehr zum Missfallen zweier Nachbarn, die ‘schlechte Erfahrungen mit Deutschen’ machten). Hier wird Liesel selbstbewusster und lässt sich nicht vertreiben. Die kleine Anna flicht eines Nachmittags im Garten das Haar von Emmi und die Mutter (Marta) lädt alle kurzerhand zum Essen ein: Liesel und Jascha revanchieren sich und sowohl Emmi als auch die anderen sind sehr glücklich - wohl wissend, dass ihr Ziel Danzig nun nicht mehr weit entfernt ist (und Liesel immer mehr Zuneigung zu Jascha entwickelt, Nähe zulassen kann und merkt, wie unerfahren sie in Liebesdingen ist, ‘die Spielregeln nicht kennt’.
Zwischendurch hat Emmi durchaus klare Momente und man erfährt mit Liesel, was diese im Januar 1945 auf der Flucht nach Westen durchlebt hat; sie erzählt von Tanos, ihrem geliebten Rappen, der in der Ostsee versank und ein Rätsel eines weiteren Familienmitglieds von Emmi wird gelöst, das auf tragische Weise auf der Flucht umgekommen ist. In der Idylle im kleinen polnischen Häuschen erhält Liesel einen Anruf der Polizei: Melanie ist in einem Supermarkt gestürzt!
Hier ist die Reise für Emmi und Liesel zu Ende und sie fahren gemeinsam zurück nach Norddeutschland; Jascha bleibt in Danzig, wo er ein Gespräch mit seinem Onkel bezüglich seiner beruflichen Perspektiven führen will. Es war schön, auf der Reise (mit)zuerleben, wie Jascha den Abenteuerwillen von Liesel verstand, herauszukitzeln und ihr wohlmeinend den Spiegel vorhalten konnte. Beide wurden sicher Freunde fürs Leben oder auch mehr.
Gegen Ende des Romans muss Liesel (oder Ella?) noch eine Reise unternehmen, die sie diesmal alleine antritt: Ist von dem Haus in Kudern/Ostpreußen noch etwas zu sehen? Was ist mit dem vergrabenen Schatz, in dem Emmis Familie alles Wertvolle im Garten vergraben hatte?
Das Nachwort der Autorin besagt, dass sie mit diesem Roman ihrer eigenen Großmutter ein Denkmal setzen und ein Buch gegen das Vergessen schreiben wollte: Dies ist ihr m.E. sehr gut gelungen! Es ist sehr menschlich, zeitweise humorvoll, mit Charakteren, die man allesamt mögen muss und Fragen, die sicher exemplarisch für viele Vertriebene aus Ostpreußen, Pommern und Masuren stehen können. Schicksale, die von Verlust und Hoffnung, von Schuld und Liebe geprägt sind, die sich bis zur übernächsten Generation fortsetzen (können). Ungesagtes, das hier zur Sprache kommt und der Enkeltochter damit ermöglicht, den Bann von Traumatas zu brechen und in ihr eigenes Leben zu starten.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung an alle LeserInnen, die Familien- und Generationenromane mögen und dabei auch den gut recherchierten Bezug zu deutscher Geschichte bevorzugen. 5* von mir
Bewertung
5/5
24.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannender Roadtrip in die Vergangenheit
Miriam Burdelski präsentiert in „Ist doch schön hier“ einen beeindruckenden Roman über die großen Fragen des Lebens, zugleich ist das Buch sehr kurzweilig und X geschrieben. Im Buch stehen Menschen im Vordergrund, die keine Schlagzeilen machen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Und die uns vielleicht gerade deshalb mehr zu sagen haben als prominente Protagonisten der Zeitgeschichte.
Im Fokus stehen die 19jährige Liesel, die nach dem Abi unschlüssig ist, wie es weitergehen soll, und ihre an Demenz erkrankte Großmutter, die mittlerweile in einem Pflegeheim lebt. Aber auch die lethargisch agierende Mutter von Liesel ist zentraler Bestandteil der in diesem Buch erzählten Geschichte.
So begibt sich Liesel zusammen mit Emmi und deren Pfleger Jascha auf die Suche nach Antworten. Eine spannende Reise in das ehemalige Ostpreußen beginnt. Auf dieser Reise stehen drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen im Fokus, und so wird eine vielgestaltige Geschichte erzählt. Deutlich wird, wie in diesen verschiedenen Generationen mit den Themen Herkunft und Heimat (aber auch mit Erkrankungen wie Demenz) umgegangen wird. Der Blick richtet sich in „Ist doch schön hier“ nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Gegenwart, indem die Frage, wie wir heute leben (wollen), ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird. Gerade die Verknüpfung der verschiedenen Ebenen – Flucht und Vertreibung dort, der Roadtrip durch Polen hier – macht das Buch zu einem Leseerlebnis.
Entstanden ist auf diese Weise ein Buch, dessen Erzählung noch lange nachhallt. Unbedingte Leseempfehlung!
Jürg K.
5/5
21.08.2026
eBook (ePUB)
Berührender Roman
Miriam Burdelski erzählt ein gewaltiger und zutiefst berührender Roman über das Erinnern, das Vergeben und die Sehnsucht, irgendwo anzukommen. Was mich an dieser Geschichte sofort fesselte, ist Liesels stille Hartnäckigkeit. Sie reist nicht nur mit ihrer Grossmutter in ein Land, das geografisch fern ist, sondern in eine Vergangenheit, die emotional noch viel weiter entfernt liegt. Ostpreussen wird hier zu einem Resonanzraum, Birkenalleen, verlassene Gutshäuser, das raue Meer, wirkt wie eine Landschaft, die Erinnerungen konserviert, aber sie nicht freiwillig preisgibt. Emmis Schweigen ist dabei fast lauter als jede Erzählung. Man spürt, wie viel Schmerz, Schuld und vielleicht auch Scham in diesen vergilbten Kalendern stecken. Liesel sucht Antworten, doch eigentlich sucht sie Zugehörigkeit. Und genau darin liegt die Kraft des Romans. Er zeigt, wie brüchig familiäre Erzählungen sind, wie sehr sie von dem abhängen, was verschwiegen wurde. Je näher Liesel der Wahrheit kommt, desto deutlicher wird, dass Heimat kein Ort ist, den man betritt, sondern ein Gefühl, das man sich erarbeitet. Familie ist hier kein festes Fundament, sondern ein Gefüge, das man immer wieder neu zusammensetzt aus Erinnerungen, aus Mut, aus dem Willen zu vergeben. Für mich ist es ein Roman, der leise beginnt und tief nachhallt. Eine Geschichte über das Ankommen, das nicht in einem Ort endet, sondern in einem Menschen.
Bewertung
5/5
19.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbarer Roman über die Suche nach der eigenen Herkunft
Ein Roman vom Blessing Verlag über die Suche nach der eigenen der Herkunft und dem Ursprung von vererbten Gefühlen.
„Jede Geschichte, denke ich, wird irgendwann unerzählt sterben. Vor allem die kleinen Geschichten. Die der Menschen, die keine Spuren hinterlassen, die keine Politiker oder Schriftsteller geworden sind.“
Worum geht’s?
Die 19-jährige Liesel ist ziemlich lost in ihrem Leben. Die Großmutter ist schwer krank und leidet unter Demenz. Mit der Mutter kann sie auch nicht sprechen, von der wird sie nicht geliebt. Und wo ist eigentlich der Vater?
Liesel hat wenig Zugang zu ihren Gefühlen, überhaupt zum Leben an sich, dafür umso mehr Fragen über ihre Herkunft über ihre Familie, über die Geschichten ihrer Mutter und ihrer Großmutter, doch sie bekommt einfach zu wenig bis gar keine Antworten von einer Generation, in der man alles lieber totschweigt. So begibt sich Liesel zusammen mit Emmi und deren Pfleger, Jascha, auf die Suche nach Antworten.
Eine Reise in das ehemalige Ostpreußen nach Polen beginnt. Eine Reise, die ihr mit Miriam Burdelskis Roman unbedingt ebenfalls machen solltet!
Bewertung
5/5
19.08.2026
eBook (ePUB)
Hat mich zu Tränen gerührt
Absolute Kaufempfehlung!!! Eins der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe! Wunderbar geschrieben, mit Witz und sehr viel Gefühl. In einer Welt, in der nicht alles rosig ist.
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