Eva Kranenburg taucht in ‘Falls jemand fragt, wer wir waren‘ ein in jene geschichteträchtigen Tage um den siebzehnten Juni 1953, die noch heute in der Bundesrepublik Deutschland für einen denkwürdigen Feiertag stehen. Angeregt durch ihre Familiengeschichte zeichnet die Autorin ein Stück Zeitgeschehen aus der Sicht von Tilla, einem Mädchen, dass noch in eine der oberen Klassenstufen zur Schule geht und in Halle an der Saale jenes revolutionäre Aufbegehren der Arbeiter in der damaligen DDR gegen die sozialen und politischen Bedingungen hautnah erlebt. Innerlich zerrissen von Überzeugungen und gewonnenen Einsichten finden ihre Gedanken zum politischen Alltag keine Ruhe. Sie hat mehr Fragen als Antworten und schweigt dennoch, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Einen großen Einfluss auf die sich langsam verändernde Gedankenwelt Tillas hat ihre Freundin Rena, die unerschrocken ihre Meinung äußert und ihr Leben lebt, dafür einen hohen Preis bezahlen muss. Doch dann ist da auch noch Roman mit den zwei Gesichtern, der sie in den Arm nimmt und beschützend sein möchte.
Eine spannende Geschichte, die mit viel Feingefühl und Überzeugungskraft die niederschmetternde Wahrheit eines menschenverachtenden Systems beschreibt und dabei der Frage auf den Grund geht: Ist man Teil einer Kraft die Böses will und Gutes schafft oder umgekehrt?
Ramona
aus Wittenberge
5/5
08.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein historischer Roman der nachwirkt
Der Roman beginnt mit einem Zitat von Wladimir Iljic Lenin, das nicht treffender gewählt werden konnte. "Schlimmer als blind sein ist , nicht sehen zu wollen".
Die Handlung umschreibt nur wenige Monate DDR-Geschichte. Aber schon zu Beginn der noch jungen sozialistischen Republik wird die Schieflage über Ideale und ihre Schattenseiten deutlich herausgearbeitet. Tilla und ihr Vater sind überzeugte Sozialisten , er hat das KZ überlebt. Viel über diese Zeit weiß Tilla nicht, da er sich stets dazu in Schweigen hüllte.
Als Tilla die nur wenig ältere Rena kennenlernt , erlebt sie eine wunderbare Zeit mit diesem Freigeist am Fluss in Halle an der Saale. Sie verbringen jede freie Minute zusammen. Doch dann ist ihre Freundin von einem Tag auf den anderen verschwunden. Hängt das mit der toten Frau zusammen, die Tilla eines Tages im Fluss treiben sah?
Verzweifelt begibt sie sich auf die Suche. In einem Netz aus Lügen, Unwahrheiten, wird aber auch konfrontiert, wie schon damals Amts und Machtmissbrauch , Bespitzelung durch die Stasi und vieles mehr die Unzufriedenheit in der Bevölkerung der jungen DDR auf die Spitze treibt. Letztendlich zum blutig niedergeschlagenen Volksaufstandes des 17. Juni 53 führte.
Eindringlich , authentisch und hervorragend recherchiert, so hat mich der Schreibstil der Autorin von der ersten bis zur letzten Seite voll mitgerissen. Der Roman , die erzeugten Emotionen, aber auch Charaktere wie Tilla, ihr so gut heraus tretender Reifungprozess, Rena und Roman werden in meinen Gedanken nachwirken.
Absolut tiefgründig , fundiert, fesselnd, emotional, überzeugend.
Ich kann diesen Ausflug in die frühe DDR-Zeitgeschichte uneingeschränkt weiterempfehlen. Eine Geschichte, die Dank der Autorin, bei mir in Erinnerung bleiben wird.
Ganz klare Leseempfehlung.
gmab
Thalia Book Circle Community
5/5
05.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer ist Rena und wo ist sie?
Die Freundinnen Rena und Tilla verbringen den Sommer 1953 gemeinsam am Saale-Ufer in einem verlassenen Eisenbahn Waggon. Doch eines Tages verschwindet Rena spurlos. Als Tilla nachforscht, stößt sie überall auf Lügen.
Auch die Menschen, die ihr nahe stehen, scheinen nicht die zu sein, für die sie sie gehalten hat. Je verzweifelter Tilla in ihrer Heimatstadt Halle nach Rena sucht, umso mehr muss sie hinter die Fassade der jungen DDR blicken. Als sich immer mehr Unzufriedenheit in der Bevölkerung aufbaut, die sich schließlich im Volksaufstand des 17. Juni entlädt, muss Tilla erkennen, welch hohen Preis die Wahrheit hat.
Die Charaktere und Gefühle von Tilla und Rena werden einfühlsam und glaubwürdig dargestellt. Man kann vor allem Tillas Hoffnungen, Wünsche und Ängste gut nachvollziehen.
Der Roman behandelt die Themen Freundschaft, Liebe, Verlust und Vergangenheit sehr anschaulich und lebensnah und regt zum Nachdenken an.
Ich interessiere mich sehr für spannende Romane über die DDR und hier wird von Eva Kranenburg ein Stück deutsche Geschichte erzählt. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung der jungen DDR, die sich in dem Volksaufstand des 17 Juni entlädt, wurde von ihr sorgfältig recherchiert und bewegend und emotional erzählt.
Eva Kranenburg ist ein besonders feinsinniger und poetischer Schreibstil gelungen. “Falls jemand fragt, wer wir waren” ist ein berührender Roman, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Ich kann diesen Roman, der deutsche Historie spannend und doch ruhig und gefühlvoll erzählt von ganzem Herzen empfehlen.
Fünf Sterne!
Bewertung
5/5
04.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Historischer Coming-of-Age-Roman mit Tiefgang
Tilla wächst in den Nachkriegsjahren in Halle auf und ist begeistert vom Sozialismus. In den frühen 50er Jahren lernt sie die extrovertierte Rena kennen und die beiden verbindet eine innige Freundschaft. Bis eines Tages Rena spurlos verschwindet und Tilla mit vielen Fragen zurücklässt. Bei der Suche nach ihrer Freundin findet sie einige unbequeme Wahrheiten über sich selbst und ihr Umfeld heraus. Es geht um Lügen und Halbwahrheiten und um den Mut, zu hinterfragen und das Schweigen zu brechen.
Dabei bleibt die Autorin nah an ihren Charakteren. Nicht nur Tillas Empfindungen und Beweggründe werden realistisch betrachtet, sondern auch die vieler Nebencharaktere, wie die ihres Vaters, der das KZ überlebt hat, ihrer ehemaligen besten Freundin und ihres neuen Freundes, der zwei Seiten verschiedene Seiten zu haben scheint.
Der Schreibstil ist schnörkellos und passt perfekt zur erzählten Zeit. Der Zweite Weltkrieg ist noch nicht lang her und diese Tatsache zeigt sich in vielen Textpassagen, ohne aufdringlich zu wirken. Der Roman hat seine Aussage, kommt aber erfreulicherweise komplett ohne erhobenen Zeigefinger daher. Allen Figuren wird mit Respekt begegnet. Sie werden so dreidimensional charakterisiert, dass sie stets in ihren Handlungen nachvollziehbar sind, selbst wenn sie sich nicht immer von ihrer besten Seite zeigen. Das ist eine große Stärke des Romans. Der Leser weiß immer nur so viel wie die Protagonistin Tilla. Auf diese Weise gelingt es der Autorin, die Spannung bis zum Ende zu halten. Ein Roman, der es erlaubt mitzufühlen, ohne in Kitsch abzugleiten. Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit Anspruch. Von mir eine klare Empfehlung!
Nathalie
5/5
03.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mitreißendes Buch mit unerwarteter Story
Das Cover hätte mich zunächst im Buchhandel nicht angesprochen. Umso glücklicher bin ich, das Buch trotzdem gelesen zu haben.
Dem Klappentext zufolge hatte ich eine Geschichte erwartet, in der es um eine vermisste Person und dessen Suche geht. Für mich unerwartet ging es jedoch weniger um die Suche und vielmehr um die Zeit in der jungen DDR.
Die Protagonistin Tilla möchte sich nach einem aufwühlenden Vortag mit ihrer besten Freundin Rena am geheimen Waggon treffen. Letztere taucht aber nicht auf. Mit Rückblenden erfährt man viel über Tilla, ihre Freundschaften, Beziehungen und Familiengeschichte. Das Buch erreicht seinen Höhepunkt mit dem Aufstand des 17. Juni 1953, an dem sich die Personen endgültig entscheiden müssen, zu welcher Seite sie stehen.
Für mich war der 17. Juni aufgrund meines Alters nicht bekannt, da ich auch in der Schule nichts davon erfahren habe. Umso gefesselter war ich von diesem Buch. Dies hat mich auch dazu bewegt, im Anschluss etwas Internetrecherche zu betreiben und mich weiter dazu zu informieren.
Das Buch war für mich nach langer Zeit ein richtiges Highlight. Ich konnte es tagsüber kaum erwarten, am Abend weiterlesen zu können und habe stetig darüber nachgedacht. Die Geschichte hat mich gefesselt und bewegt. Eine klare Empfehlung!
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