Wenn man mehrere Bücher von Helga Schubert gelesen hat, sieht man die Zusammenhänge, die teilweise autobiografisch bedingt sind, teilweise auch thematisch.
Sie hat Jahrelang ihren demenzkranken Mann gepflegt. Dieses Buch setzt nach seinem Tod ein. Er wurde 98 Jahre alt. Fast 5 Jahrzehnte waren sie verheiratet.
Neben den Gedanken an ihren Mann schreibt Helga Schubert auch über Ingeborg Bachmann und den Bachmannpreis, zu dem sie in DDR-Zeiten nicht lesen durfte, später aber Jurorin wurde und als Autorin den Preis 2020 sogar gewann. Mich konnte vieles am Buch wirklich fesseln.
Gerade bei diesem Buch beeindruckt mich Helga Schuberts erzählerische Eleganz.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
08.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Trauer und Neubeginn: „Ich lebe nun in einer anderen Welt.“
Seit ich „Vom Aufstehen“ gelesen hatte, bin ich ein großer Fan von Helga Schubert. Ihre Bücher beruhen oft auf ihrer eigenen Biografie, so auch ihr neues Buch “Die Woche danach. Ein Stundenbuch der Hoffnung”, in dem Sie den Tod ihres Ehemannes verarbeitet. 98 Jahre wurde er alt, jahrelang hatte sie ihn gepflegt.
„Als er gestorben war, an einem Freitag im August, in der Frühe,
mein Lebensmensch,
Derden, der, den ich liebte,
mit geschlossenen Augen,
die Hände übereinander,
wie zwei Stunden zuvor,
als ich ihm gesagt hatte, dass ich mich nun in mein Bett legen werde bis zum Weckerklingeln in zwei Stunden,
damit ich dem Krankenpfleger wie immer kurz nach acht Uhr die Haustür öffnen könne,
nach den durchwachten letzten Nächten,
und ich an seinem Bett stand morgens um acht,
war mein bisheriges Leben zu Ende.
Und, wie ich jetzt weiß, fast ein Jahr danach:
Es war für immer zu Ende.“
Beginnend mit dem Todestag ihres Mannes schreibt Helga Schubert in tagebuchartigen Einträgen über die folgende Zeit, gibt Einblicke in ihre Seele, ihren Umgang mit dem Verlust. Doch nach der jahrelangen Belastung durch die intensive Pflege, die Entbehrungen, bezeichnet ein Pastor es auch so, dass sie „eine ganz schwere Examensarbeit bestanden habe“.
So beginnt für Helga Schubert mit fast 86 Jahren ein neuer Lebensabschnitt, in dem sie ihre Selbstbestimmtheit zurückerlangt: Sie darf wieder Lesungen geben, unbeschwert Reisen, Besuche empfangen und kann tagsüber ungestört schreiben und arbeiten. Doch die Trauer ist allgegenwärtig, ihr Mann noch immer präsent, oft in kleinen alltäglichen Begebenheiten und Beobachtungen.
Neben den Erinnerungen an ihren Ehemann widmet sich Helga Schubert auch Ingeborg Bachmann und dem nach ihr benannten Preis. Während ihr die Teilnahme zu DDR-Zeiten noch verwehrt blieb, war sie später erst als Jurorin dabei und gewann die renommierte Auszeichnung im Jahr 2020 schließlich selbst als Autorin, mit ihrem Werk „Vom Aufstehen“. Wer das noch nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen, allergrößte Empfehlung von mir!
Auch „Die Woche danach“ ist ein sehr persönliches und berührendes Werk von Helga Schubert, eine Mischung aus Trauer, Schmerz und Hoffnung. Ich hoffe, es wird nicht ihr letztes Buch gewesen sein.
Vielen Dank an den dtv Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
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