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»Nett zu sein, war mein erster Traum, lange bevor ich wusste, dass man genauso gut Rockstar sein kann.«»Hummelhirn« ist die Geschichte einer Anpassung - inklusive herzzerreißender und hochkomischer Fehlversuche. Mit Zartheit, Klarheit und Talent fürs Tragikomische blickt Judith Holofernes auf ihre Kindheit zurück. Sie erzählt von ihrer Ausbildung zum People Pleaser, der nonkonformistischen und doch so netten Mutter, von Liebeswirren, ersten eigenen Songs, einem launischen Körper unter Dauerbeobachtung - und davon, wie es ihr schließlich gelingt, die eigene Hummeligkeit ins Erwachsenenleben hinüberzuretten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
24.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hummelig verbindend
In „Hummelhirn“ beschreibt Judith Holofernes ihre Kindheit als die eines „sonderbaren“ Kindes – eine Träumerin, die voller Ideen und Fantasie steckte, sich noch vor den „gackerigsten Teenagermomenten“ für Jungs interessierte, in Büchern und Musik versank und davon träumte, eine Band zu gründen. Dabei war sie stets nett und angepasst, vor allem als späterer, bescheidener Rockstar, denn wer nett ist, den mögen andere. Denn so vergesslich, schnell abgelenkt und unscheinbar ist die Angst vor Ablehnung ein ständiger Begleiter. Während ihre Mutter Cornelia ihr viele Freiheiten lässt, ihr immer ein offenes Ohr schenkt und Akzeptanz vermittelt, erfährt sie im starrem Schulsystem Unverständnis, harsche Maßreglung und schreckliche Langeweile.
«Wenn ich zu Hause war, konnte ich mich wunderbar amüsieren. Mir war nie langweilig in meinem eigenen Kopf. Draußen in der Welt allerdings, zur Teilhabe gezwungen, langweilte ich mich oft so sehr, dass ich glaubte, sterben zu müssen.»
Mit viel Feingefühl und einer leichten Prise Tragik erzählt sie von dieser Zeit. Immer wieder springt sie dabei kurz zwischen den Anfängen der Bandgeschichte – dem Sage Club 2001 – und der Gegenwart als Mutter und Selbstständige hin und her – der Fokus liegt aber auf der Kindheit. Sie erklärt, wie ihr „Hummelhirn“, also dieses sprunghafte, eigenwillige Denken, sie bis heute begleitet und geprägt hat. Ein Reflexion, bei der man die Zusammenhänge erst rückblickend erkennt und die nachvollziehbar aufgeschlüsselt wurden.
Der Schreibstil ist ganz typisch Judith Holofernes: lebendig, wortgewandt und voller Humor – mal auch mit Reim und Rhythmus. Sie nutzt anschauliche Adjektive und eine bildhafte Sprache, die beim Lesen bunt und innerlich reich wirkt. Manchmal ist es ein bisschen viel, aber vor allem fühlt es sich echt und authentisch an.
Es ist, als würde der „Wir sind Helden“-Soundtrack im Hintergrund laufen, während man erfährt, was sie zu den Songtexten inspiriert hat. Dabei greift sie auf Tagebucheinträge, detailreiche Erinnerungen und Dialoge zurück – immer angetrieben von der Neugier, was als Nächstes kommt.
Ihre Erzählung erinnert an die eigene Kindheit oder an Eigenschaften, die man selbst an sich entdeckt: an erfundene Geheimsprachen, an Stapel von Büchern aus der Bibliothek, die man nach Hause trug, oder daran, wie man „Auf der Flucht“ mit Harrison Ford nachspielte. Das ist nicht nur unterhaltsam – an manchen Stellen musste ich sogar lachen (die beiden fiesen Beos) –, sondern es schafft auch eine Verbindung. Genau das hat mir an dem Buch besonders gefallen.
Es ist eine warmherzige Reflexion darüber, wie schön es ist, anders zu sein, und wie viel Charme in den Dingen liegt, die nicht perfekt sind.
Bewertung
5/5
09.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben eines Rockstars. Authentisch und einfühlsam.
Judith Holofernes, war bevor sie mit WIR SIND HELDEN berühmt wurde, nach eigener Aussage, ein komisches Kind. In Berlin der wilden 70er Jahre, fällt sie als Neurodivergentes Mädchen nicht auf. Sie bewegt sich wie eine betrunkene Hummel. Erst als sie mit ihrer Mutter nach Freiburg zieht, beginnt sie anzuecken. Das Hummelkind ist unniedlich. Doch möchte sie alles richtig machen, besonders nett sein.
"Nett zu sein, war mein erster Traum, lange bevor ich wusste, dass man genauso gut Rückstar sein kann."
Die Autorin beschreibt hier ihr Leben in zwei Abschnitten, abwechselnd in kurzen Kapiteln. Ihr Kindheit, und ihr musikalische Karriere ab 2001.
Ihr Leben als Kind in verschiedenen WG's, oft umgezogen, der Vater nicht da, die adligen Herkunft mütterliche Seite.
Ihr Anfang als Sängerin. Ohne Plattenvertrag wurden sie im Radio und auf MTV gespielt. Sie werden alle links überholt, und waren ein Jahrzent, die nettesten Band Deutschlands, und Judith war unverschämt glücklich.
Das Buch, in der Buchhandlung schon ein Hingucker, durch sein wunderschönes Cover, ist für Fans, aber auch für alle, die die authentische Lebensgeschichte der deutschsprachigen Sängerin lesen möchten.
Mir hat es sehr gut gefallen und ich kann es sehr empfehlen.
Ich sehe, dass du denkst
Ich denke, dass du fühlst
Ich fühle, dass du willst
aber ich hör' dich nicht.
Nur ein Wort. Wir sind Helden
gaia
5/5
04.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
klug - bescheiden - NETT - neurodivergent
In ihrem zweiten Buch widmet sich Judith Holofernes, bekannt als ehemalige Sängerin und Songtexterin von Wir sind Helden sowie als Solokünsterlin und Podcasterin, ihrer Kindheit und Jugend in Berlin und Freiburg im Breisgau. Dabei schreibt sie nicht einfach eine lahme Künstlerinnen-Autobiografie zusammen, sondern legt ein Augenmerk auf ihre besondere, nicht durchschnittliche Art das Leben zu deuten und durch selbiges zu gehen. Dass hier ein neurodivergentes Mädchen ihren Weg erst noch finden muss, ist hintergründig immer Thema, wenngleich die Autorin dies ihrer Leserschaft nicht auf die Nase bindet. Denn vordergründig wird von einem kleinen Mädchen gesellschaftlich verlangt „klug, bescheiden und nett“ zu sein.
So geht es in ihrer ganz persönlichen Geschichte, die die Autorin halb-chronologisch aus ihrer Kindheit in den 1970ern bis in die frühen 2000er durch Zeitsprünge und Blitzlichter in spätere Erwachsenenjahre erzählt, eigentlich um „das Nettsein“ und welche Anstrengungen damit verbunden sind, wenn man eigentlich Ummeln im Hintern, im Hirn und im Herzen hat. Dass diese Judith ihr aus heutiger Sicht fragwürdiges Ziel erreichen und die wohl netteste Person im deutschen Showbiz sein wird, wissen wir aus ihrem vorherigen Buch „Die Träume anderer Leute“. Und wir wissen aus diesem Buch auch, zu welchem Preis sie dieses Ziel erreicht. In „Hummelhirn“ geht es aber um die Voraussetzungen, um die Momente im Leben, die prägen und die die Idee einpflanzen, auf eigene Kosten und unter allen Umständen „nett“ sein zu wollen und zu müssen.
Die Autorin geht dabei mit ihrer Diagnose, die sie erst mit 46 Jahren erhalten wird, nicht hausieren. Hier durchbricht sie sogar ganz wunderbar die Vierte Wand und lässt ihren Lektor zu Wort kommen, der von ihr wünscht, die Diagnose ins Buch zu schreiben. Holofernes will aber ein Buch „für alle komischen Kinder“ schreiben und deshalb nicht die Diagnose benennen, die für einigermaßen Kundige natürlich schon vollkommen klar ist. Das macht die Autorin so unglaublich authentisch und , ja, auch sympathisch. Denn ihre Erfahrungen, mit gewissen Abwandlungen, sind auf andere Neurodivergenzen übertragbar. Selbst ihre Reaktion auf die Diagnose ist universell.
Allein die vielen juvenilen Tagebucheinträge im letzten Drittel des Buches haben mich etwas verwundert und zunächst auch in ihrer Menge etwas genervt. Zunächst hatte ich den Eindruck, diese würden nun aber wirklich zu sehr die Oberhand gewinnen, aber zum Ende hin wird klar: die Autorin möchte zeigen, dass sie nicht nur ein Hummelhirn sondern auch ein Hummelherz hat. Und um dies zu zeigen und nicht nur zu erzählen, nutzt die Autorin hier ihre alten Tagebuchaufzeichnungen. Fair enough.
Es scheint klar: Viele Helden-Fans werden dieses Buch kaufen und lesen. Aber genauso klar sollte sein: Es ist die Geschichte eines neurodivergenten Mädchens, welche darüber hinaus ganz viele Menschen interessieren könnte und sollte, da sie so universell verdeutlicht, wie es ist, wenn man nicht so ist wie die Mehrzahl der anderen. Deshalb empfehle ich auch ganz grundsätzlich die Lektüre dieses wunderbaren Buches, welches nicht nur sehr gut geschrieben ist, sondern auch wieder wirklich schön von Carolina Rodriguez Fuenmayor illustratorisch in Szene gesetzt wurde.
4,5/5 Sterne
Disclaimer für alle, die noch nichts mit „Neurodivergenz“ und „Neurodiversität“ anfangen können:
Unter Neurodivergenz werden unter einem Schirm Menschen mit verschiedenen, meist angeborenen, neurologischen Besonderheiten wie ADHS und Autismus (aber auch viele andere) zusammengefasst. Neurodiversität beschreibt das verschiedenartige Vorkommen dieser Neurodivergenzen und neurotypischen (durchschnittlich-mehrheitlichen, neurologisch „unauffälligen“) Menschen innerhalb einer Menschengruppe = diese Gruppe ist dann divers. Ein einzelner Mensch kann neurodivergent sein. Hier sollte der Verlag noch einmal auf den Klappentext schauen, da die Begriffe synonym verwendet werden, was sie nicht sind!
E.
aus Köln
4/5
30.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Fest für Kinder der 80iger und Wir sind Helden Lyrik-Fans
Nachdem ich Judith Holofernes bei einer Fernsehsendung zum Thema ADHS gesehen habe, wo sie ihr Buch vorgestellt hat, hatte ich den Eindruck, es handele sich um eine Geschichte a la „meine schwierige Kindheit als ADHS-Kind und wie ich ich trotzdem erfolgreich wurde“! Zum Glück habe ich mich trotz dieses schlechten Gefühls nicht davon abhalten lassen, das Buch zu lesen und bin sehr glücklich die Kindheitsgeschichten von Judith miterlebt haben zu dürfen in diesem wundervollen Buch.
Herzerwärmende Erinnerungen an ihre Kindheit mit schönen Geschichten, lustige Anekdoten zu ersten Love-Stories und dazugehörige pubertierende Tagebucheinträge, das ganze gespickt mit vielen Highlights und Helden der 80iger Jahre (sensationell!!) und als Clou noch passende Text-Passagen aus den Songs von Wir sind Helden – Lesevergnügen ganz großer Klasse!
Man freut sich beim Lesen mit der Autorin über ihre schöne und eigentlich unbeschwerte Kindheit, dass sie wohlbehütet und geliebt aufgewachsen ist und das Nett-sein als Weg zum Ziel als ihre Lebensweisheit entdeckt hat. Heute sieht sie das Nett-Sein als Makel - als lästig, als unecht, als unehrlich - und betrachtet es als Einschränkung ihrer selbst, was ich gut nachvollzeihen kann. Schade fand ich, dass es keine Anekdote mit einer wirklichen Niederlage gab, nie musste Judith sich für etwas entschuldigen (sie kann doch nicht immer nur zu nett gewesen sein?).
Lesenswert.
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