Apokalyptischer Horror und Dark Fantasy im Mittelalter: Der Kult-Bestseller von Christopher Buehlman endlich auf Deutsch und mit zahlreichen Illustrationen von Jens Maria Weber.
Frankreich, 1348. Thomas, ein in Ungnade gefallener Ritter, findet ein junges Mädchen allein in einem verfallenen normannischen Dorf. Sie ist ein Waisenkind des Schwarzen Todes und ein geradezu beunruhigendes Bild der Unschuld, das seine Beschützerinstinkte weckt. Außerdem wird sie von Visionen heimgesucht und ist überzeugt davon, Gottes Plan zu folgen. Kurze Zeit später schließt sich ihnen ein gefallener Priester an. Gemeinsam reist die ungleiche Gruppe durch eine apokalyptische Landschaft voller Engel und Dämonen, der Erlösung entgegen - oder dem Untergang.
Kundinnen und Kunden meinen
3.4/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
4/5
14.10.2026
eBook (ePUB)
Zwischen Himmel, Erde und Hölle
Das Cover hat mich sofort angesprochen. Aber nicht nur optisch hat mich das Buch neugierig gemacht, auch die Thematik klang nach einer faszinierenden Mischung: Mittelalter, die wütende Pest in Frankreich, Dark Fantasy und Horror. Als Dark-Fantasy-Fan konnte ich da schlicht nicht widerstehen. Und obwohl ich um reinen Horror meistens eher einen Bogen mache, wollte ich hier unbedingt wissen, was mich erwartet. Und was soll ich sagen? Heiliger Strohsack, was für eine wilde, düstere Geschichte!
Frankreich im Jahr 1348: Die Pest fordert unzählige Opfer, bringt Verzweiflung über das Land und lässt eine Welt zurück, die zunehmend aus den Fugen gerät. Inmitten dieses Chaos begegnet der verarmte, ehemalige Ritter Thomas dem jungen Mädchen Delphine. Sie behauptet, Engel sehen zu können, und trägt einen göttlichen Auftrag in sich. Widerwillig nimmt Thomas sie unter seine Fittiche. Schon bald schließt sich ihnen der Priester Matthieu an, der nicht nur gegen seine eigenen inneren Dämonen kämpft, sondern auch dem Wein nur schwer widerstehen kann. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Trio auf eine Reise durch ein verwüstetes Land. Dabei begegnen sie nicht nur den Auswüchsen des Schwarzen Todes und den menschlichen Abgründen, sondern auch Wesen, die schlicht nicht in diese Welt gehören. Je weiter ihre Reise sie führt, desto unschärfer wird die Grenze zwischen göttlichem Wunder, reinem Wahnsinn und den Fratzen der Hölle.
Mit dem Schreibstil musste ich mich zu Beginn erst einmal anfreunden. Der Einstieg verlangt etwas Geduld, doch sobald ich mich auf die Erzählweise eingelassen hatte, hat mich die Geschichte regelrecht eingesogen. Plötzlich stand ich mitten in diesem pestgeplagten, fiebrigen Frankreich, in dem Realität, Visionen und Albträume nahtlos ineinander übergehen.
Genau diese ständige Unsicherheit ist meisterhaft umgesetzt: Man weiß nie so recht, was gerade tatsächlich geschieht und was nur ein Trugbild ist. Die fantastischen Elemente wirken dabei keineswegs aufgesetzt. Es fühlt sich an, als wären Engel, Dämonen und Ausgeburten der Hölle schon immer Teil dieser düsteren Welt gewesen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie vielschichtig der Horror hier funktioniert. Natürlich gibt es blutige, brutale und bisweilen wirklich verstörende Szenen. Aber das echte Grauen speist sich nicht allein aus Monstern oder Gewalt. Es steckt in der Verheerung der Pest selbst, im Elend der Sterbenden und in den moralischen Abgründen, zu denen Menschen unter extremer Not fähig sind. Das Menschliche ist hier oft genauso erschreckend wie das Übernatürliche.
Auch die religiöse Komponente spielt eine zentrale Rolle, ohne die Handlung zu erdrücken. Der ewige Konflikt zwischen Himmel und Hölle ist in jeder Zeile spürbar, lässt den Figuren und ihrer Reise aber jederzeit genügend Entfaltungsraum.
Und diese Figuren haben es mir wirklich angetan! Thomas, Delphine und Matthieu könnten kaum unterschiedlicher sein, ergänzen sich aber hervorragend. Jeder bringt seine eigenen Verletzungen und eine individuelle Sicht auf die Welt mit.
Thomas hat es mir mit seinem trockenen, schwarzen Humor und seiner derben Art besonders leicht gemacht, ihn ins Herz zu schließen. Seine Flüche und bissigen Kommentare sorgen inmitten all des Elends immer wieder für dringend benötigte Atempausen, ohne der Geschichte ihre Dunkelheit zu nehmen.
Delphine faszinierte mich vor allem durch ihre geheimnisvolle Auratischen Fähigkeiten. Sie wirkte auf mich fast wie ein kleiner Schutzengel, der Thomas auf ganz eigene Weise Halt gibt.
Und Matthieu ist als weinseliger Priester mit Ecken, Kanten und Schwächen die perfekte Ergänzung für diese ungewöhnliche Reisegruppe.
Das Erzähltempo empfand ich ebenfalls als große Stärke. Obwohl extrem viel passiert, überrollt die Handlung einen nicht pausenlos. Das Buch gibt einem Raum, das Erlebte nach besonders absurden oder heftigen Szenen kurz zu verarbeiten.
Ein paar Abstriche muss ich dennoch machen: Neben dem sperrigen Einstieg ist der Horror definitiv nichts für schwache Nerven. Manche Beschreibungen sind wirklich drastisch. Und obwohl mich das Finale gefesselt hat, weil der Verlauf bis zuletzt unvorhersehbar blieb, hätte ich mir vom eigentlichen Abschluss noch ein Quäntchen mehr erhofft.
‘Zwischen zwei Feuern’ hat mich positiv überrascht. Ich lese selten reine Historienschinken und stehe Horror eher skeptisch gegenüber, aber diese atmosphärische Mischung aus Mittelalter, Dark Fantasy, religiöser Endzeitstimmung und apokalyptischem Grauen hat für mich hervorragend funktioniert. Die Atmosphäre ist herrlich beklemmend und das Haupttrio trägt die Handlung mühelos durch die dunkelsten Momente. Nicht zuletzt dank einer perfekten Dosis schwarzem Humor.
Ein ungewöhnlicher, düsterer Mittelalter-Horror mit Dark-Fantasy-Seele und einer Stimmung, die noch eine Weile nachhallt.
Bewertung
5/5
29.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ausserordentlich!
Ja, zum Teil ist es ecklig geschrieben, aber ich war trotzdem lange nicht mehr so beeindruckt von einem Buch. Brutale Gesellen mit zarten Seiten, unlogische Wendungen,die plötzlich Sinn ergeben. Was ist ein Traum, ein Albtraum oder ein Fieberkrampf? Ganz toll!
Stephanie
aus Läufelfingen
3/5
26.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein cooler historischer Fantasy Roman mit Horrorelementen
Wieder mal ein eher schwieriges Buch zu bewerten.
Ich habe dieses Buch im Rahmen einer mit 29 anderen Lesern gewonnenen Leserunde vom Book Circle von Orell Füessli gelesen. Ich hab dort mitgemacht, weil es als Horrorbuch angekündigt war und ich somit dachte, dass ich mit dem Austausch der Leserunde evt. noch besser in dieses Genre finde. Nur hat sich die Geschichte für mich eher wie ein historischer Fantasy Roman mit ein paar wenigen Horrorelementen gelesen.
Aber, who knows, vielleicht stelle ich mir auch was komplett Falsches unter Horror vor, oder ich bin eher jemand, der jump scares, gore und ähnliches mit Horror verbindet. Ich habe die Geschichte jedenfalls nicht als besonders beängstigend oder unheimlich empfunden.
Jedenfalls liegt die Vermarktung und Genre-Zuschreibung vielfach nicht in den Händen der Autoren (grade bei einem Re-release einer Geschichte, was hier der Fall ist), weswegen dies nicht in die Bewertung mit einfliesst. Ich finde dennoch, dass man sich dessen bewusst sein sollte, wenn man den Tag ‘Horror’ liest.
Die Prämisse des Buches fand ich sehr vielversprechend und spannend. Ein junges Mädchen, das unlängst seinen Vater verloren hat, trifft auf der Suche nach Hilfe für dessen Begräbnis auf eine Gruppe Männer. Nur einer von ihnen scheint noch so etwas wie Anstand und Moral zu kennen. Thomas, ein in Ungnade gefallener Ritter, hilft ihr widerwillig und ist fortan ihr Begleiter - neben Père Matthieu, dem sündigen Priester, den sie nah zu Beginn aufgabeln und mitnehmen.
Delphine scheint ein Mädchen mit übernatürlichen Kräften oder zumindest Sinnen zu sein. Oder vielleicht ist ihr Gottvertrauen einfach übersinnlich. So oder so ist sie ein sehr spannender Charakter und meines Erachtens bleibt sie das bis zum Schluss.
Die Charaktere sind allgemein sehr authentisch geschrieben. Und auch sehr nach meinem Geschmack. Es wird einem nichts auf die Nase gebunden, bzw. der Autor lässt den Leser die Figuren kennenlernen durch deren Taten und Worte untereinander und zueinander. Es ist sehr im Stil von “Show, don’t tell” geschrieben, was ich sehr mag.
Gerade das Ende der Geschichte ist meines Erachtens unter anderem deswegen so gelungen, weil wir Thomas so gut kennenlernen. Mit all seinen Fehlern, Makeln und den schönen Charakterzügen. Ausserdem kam es etwas unerwartet, was es für mich zu einem passenden Ende gemacht hat.
Was im Austausch rege diskutiert wurde, und wo die Meinungen unter den Lesern diametral auseinandergehen, war die obszöne und ungefilterte Sprache vieler Spielfiguren in der Geschichte. Es ist wahr, dass viele Fluchwörter und sexistische Sprüche fallen. Für mich hat es jedoch sehr gut in das Setting des von der Pest geplagten Frankreichs gepasst. Es ist eine triste und trostlose Welt, in der unsere Charaktere wandeln, und die wenig zimperliche Art, wie sie miteinander umgehen, passt wunderbar in dieses Setting. Da wäre es für mich beinahe befremdlich gewesen, wenn sie sich stets gewählt und gesittet ausgedrückt hätten. Dass sich andere Leser daran stören, kann ich dennoch nachvollziehen.
Mit Delphine und Père Matthieu haben wir jedoch zwei Figuren, die dahingehend etwas aus der Reihe tanzen und auf eine etwas gewähltere Sprache setzen und somit einen kleinen Ausgleich schaffen.
Allgemein empfand ich den Schreibstil als sehr passend und gut gewählt. Auch gewisse clevere, versteckte Symboliken fand ich super. Beispiel der sieben Todsünden beim Hofturnier. Voll und ganz mein Geschmack.
Was für mich die zwei «fehlenden» Sterne ausmacht, sind die Länge des Buches und die für mich etwas unklar gebliebenen Zusammenhänge rund um die Engel, Dämonen und Delphines Rolle in dem Ganzen. Ich kann nicht ausschliessen, dass ich gewisse Hinweise übersehen habe, und vielleicht war diese Mehrdeutigkeit auch durchaus beabsichtigt. Für mich hätte es aber gerade im Hinblick auf die Prämisse und den Aufbau der Geschichte einen etwas klareren Abschluss gebraucht. Vermutlich hätte ich hier ein bisschen mehr «tell» gebraucht.
Und es hätte definitiv auch mit 50–70 Seiten weniger auskommen können, da sich gewisse Passagen für mich eher wiederholend anfühlten und wenig zur Entwicklung oder Aufklärung der Handlung beigetragen haben.
Somit: Gerade weil ich die Charaktere, das Setting und den Schreibstil so mochte, fand ich es schade, dass mich die eigentliche Handlung nicht ganz überzeugen konnte.
Tintenwelten
3/5
14.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Historische Pest-Thematik verschmilzt mit christlicher Mythologie, Engeln und Dämonen
Frankreich, 1348: Der gefallene Ritter Thomas trifft auf das junge Waisenmädchen Delphine, das von Visionen geplagt wird und glaubt, Gottes Willen zu folgen. Gemeinsam mit Priester Matthieu reisen sie durch ein pestverseuchtes Land voller Schrecken, Monster und übernatürlicher Mächte.
Die Charaktere sind nicht unbedingt klassische Sympathieträger, aber durchaus interessant. Sie haben Schwächen, Schuldgefühle und eigene Probleme. Gerade ihre Entwicklung und die allmählich entstehende Verbundenheit untereinander haben mir gefallen.
Das Buch setzt nicht nur auf unheimliche Kreaturen und Schockmomente. Die historische Pest-Thematik verschmilzt mit christlicher Mythologie, Engeln und Dämonen. Es ist eine bedrückende Welt voller Verwesung, Gewalt, Hunger und religiöser Verzweiflung. Hier werden Glaube, Hoffnung und Menschlichkeit auf die Probe gestellt.
Die beklemmende und düstere Atmosphäre hat mir richtig gut gefallen. Es ist teilweise schon ziemlich eklig und verstörend, und an Blut und Brutalität wird definitiv nicht gespart!
Leider hatte ich zunehmend Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Teilweise war ich ganz schön verwirrt und wusste nicht, was gerade wirklich passiert, was vielleicht ein Albtraum oder eine Halluzination sein könnte und was ich überhaupt wie einordnen soll. Auch das Ende hat mich eher ratlos zurückgelassen. Ich mag es durchaus, wenn Bücher Raum für Interpretationen lassen, aber hier war es mir stellenweise einfach zu undurchsichtig.
Bewertung
2/5
26.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Düster aber sehr zusammenhangslos
An sich spannende & sehr düstere Welt.
Den Protagonist*innen passiert so auf ihrer Reise viel düsteres & spannendes.
Doch leider hängen die einzelnen Handlungsstränge nicht wirklich zusammen & werden auch kaum bis garnicht ergründet oder vertieft. Viele Szenen sind absolut grotesk & weird(was ein Lob sein soll haha). Danach wird aber die Sache abgehakt und direkt zum nächsten Fiebertraum weiter gehangelt.
Schade, tolle Welt, tolle Prämisse aber leider wenig Spannungsbogen durch wenig Tiefgang.
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