In seinem Goethe-Roman gelingt es Thomas Mann, den "großen Alten" lebendig auf die Bühne der Literatur zu bringen. Ausgangspunkt der Handlung ist der historisch verbürgte Besuch Charlotte Kestners im Jahr 1816 in Weimar - jener Frau, die einst Goethes unglückliche Jugendliebe war und als Vorbild für die Lotte im "Werther" diente. Erzählt wird in einer Mischung aus Wirklichkeit und Fiktion. Charlotte will ihren inzwischen zur internationalen Berühmtheit aufgestiegenen Freund wiedersehen. Mit erzählerischem Geschick inszeniert Mann die Begegnung zwischen Lotte und Goethe und lässt Gespräche entstehen, von denen sich Lotte Aufschluss über die vergangene Leidenschaft erhofft.
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Während der Pandemie habe ich…
Juti aus HD am 16.05.2021
Bewertungsnummer: 2744160
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Während der Pandemie habe ich den jungen Werther gelesen und mich daraufhin mit diesem modernen Klassiker beschäftigt, auch weil er wegen seiner Dialogführung gelobt wird. Werthers Geliebte Lotte besucht inzwischen in die Jahre gekommen mit ihrer Tochter und einer Dienerin das Hotel Elephant in Weimar, weil sie dort ihre Schwester, ihr aber nicht zur Last fallen wollte. Sie schickt ihre Tochter vor, während sie im Hotel noch ein Nickerchen macht. Als sie aufwacht, klopft der unselige Mager an die Tür, der darum bittet, dass die Hofrätin sich von einer englischen Reisenden Miss Cuzzle zeichnen lässt. Obwohl sie eigentlich keine Zeit hat, opfert sie schließlich eine Dreiviertelstunde, weil sie im Skizzenbuch der Malerin viele berühmte Persönlichkeiten findet. Ihr folgt, wieder von Mager angekündigt, ein Doktor Riemer, der als Philosoph und Hauslehrer gute Beziehungen zu Goethe hat. Vor dem Hotel wartet inzwischen eine Gruppe von Menschen. Die gemeine Neugier wird von Riemer aber als naive Verbundenheit interpretiert. Er hält die „Menge“ für „geistesverachtend“, auch weil sich in der vielbesuchten Stadt Weimar das „Ansehen des deutschen Genius“ auf eine Person konzentriert, die mit Respekt betrachtet wird, während sie sonst nur „Firlefanz“ wäre. Doktor Riemer kritisiert Goethes Arbeitsweise als „nicht im mindesten“ eine „Stegreif-Natur“, „sondern vielmehr mit einer zögernden und aufschiebenden, auch einer sehr umständlichen, unentschlossenen [...] Arbeitsweise, die nie lange bei ein und derselben Aufgabe aushält und […] meist viele Jahre braucht, um ein Werk zur Vollendung zu bringen.“ Lotte meint, sie sei „wie der Prophet, der zum Berge kam, da der Berg nun einmal nicht zu ihm kommen wollte. Wäre der Prophet empfindlich, er käme nicht.“ Das lange Kapitel endet erst als Doktor Riemer von Jesus spricht und Mager mit gefalteten Händen ins Zimmer tritt, um mit Adele Schopenhauer einen neuen Gast anzukündigen. Vordergründig erzählt Adele im fünften Kapitel von der Liebe Ottiliens, „Tillemuse“ genannt, zu Goethe und seinem Sohn August, hintergründig berichtet sie, dass nur der Meister und sein Sohn Napoleon mehr als die preußischen Generäle liebte. Und wie der Zufall so will, erscheint Goethes Sohn August bei Lotte im Hotel, um sie zum Essen beim Vater einzuladen. Von ihm erfahren wir, dass der Vater „mit seinem empfindlichen System“ genötigt ist, „alles Düstere und Verstörende“ zu meiden. So hütete er sowohl bei Augusts Mutter als auch bei Schillers Tod fiebrig sein Bett. Auch wenn August sterben würde, schwiege der Vater. Das Siebente Kapitel fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil nun Goethe mit seinem Bedienten diskutiert. Dabei redet er auch über seine lange verstorbene Freund Schiller: „Im Bewußten kann der Mensch nicht lange verharren, er muß sich zuweilen ins Unbewußte flüchten, denn darin lebt seine Wurzel.“ Der „Narr der Freiheit“ hatte „Geschmack im Geschmacklosen, Sicherheit im Schönen“ und „die stolze Präsenz aller Fähigkeiten.“ Mehr noch sinniert der Meister über sich selbst. Im achten Kapitel erleben wir das gemeinsame Gastmahl von Lotte und Goethe. Ausführlich werden die Zimmer im Haus beschrieben bis die Tischunterhaltung einsetzt. Witzig ist, dass bei Goethe „die Augen weiter gingen als der Magen.“ Während des Essens spricht er dann über die Blutnacht von Eger, wo es im späten Mittelalter zu Judenmorden kam weil „die immer vorhandene übergeordnete und corrigierende Humanität“ zu spät eingegriffen hat. Goethe hält mehr oder weniger einen Monolog, während die Gäste nur untertänigst antworten. Im letzten Kapitel besucht Lotte noch das Theater und wird von einer Kutsche abgeholt, in der Goethe oder sein Geist mitfährt. Das Werk gehört heute zu Klassikern und enthält viel mehr, als ich hier schreiben konnte. 5 Sterne. gekürzt
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