Angesichts der besorgniserregenden Weltlage zeigt Friedrich Glasl auf, weshalb Aufrüstung, Abschreckung, Drohungen und Sanktionen weder Kriege verhindern noch nachhaltigen Frieden schaffen können. Glasl analysiert systematisch, wie soziale Konflikte eskalieren und wie die Logik des Krieges von regressivem Denken und Affekten angetrieben wird. Er kontrastiert damit die Logik des Friedens, die auf Selbststeuerung, Empathie und Kooperation setzt. Basierend auf seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Mediator und Konfliktforscher führt er empirische Belege und historische Beispiele für die Wirksamkeit von De-Eskalationsstrategien und gewaltfreien Kampagnen an. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den psychologischen und neurophysiologischen Mechanismen hinter Konflikten und vielfach bewährte Methoden des Krisenmanagements verbinden theoretische Tiefe mit praktischer Anwendbarkeit für Politik, Zivilgesellschaft und internationale Organisationen.
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Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
11.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kann Aufrüstung den Frieden sichern?
Friedrich Glasl ist seit vielen Jahrzehnten ein renommierter Friedens- und Konfliktforscher und setzt sich mit seinen Veröffentlichungen, aber auch mit seiner praktischen Arbeit, bis heute für den Frieden ein. In diesem umfangreichen und durchaus anspruchsvollen, aber grundsätzlich gut verständlichen Sachbuch analysiert der Autor anhand seines bekannten Phasenmodells der Eskalation aktuelle Konflikte und insbesondere den Krieg zwischen Russland und der Ukraine.
In den ersten Kapiteln werden dazu die wichtigsten Grundlagen dargestellt. Eindringlich wird anhand von historischen Beispielen aufgezeigt, dass Aufrüstung, wie sie momentan in Europa in vielen Ländern propagiert wird, in der Menschheitsgeschichte noch nie zu mehr Frieden geführt hat, sondern im Gegenteil zu immer stärkerer Aufrüstung auf allen beteiligten Seiten, die irgendwann fast zwangsläufig in bewaffneten Konflikten mündet. Das ist klug argumentiert und belegt und stimmt sehr nachdenklich.
Erklärt wird auch, wie soziale Konflikte stufenweise eskalieren, oft auch, ohne, dass eine der beteiligten Parteien dies aktiv intendiert und betreibt: oft wird der Schaden einer Aktion des Gegners nämlich von der anderen Seite größer wahrgenommen, als er intendiert war, weil auch etwaige unbeabsichtigte Kollateralschäden diesem zugeschrieben werden.
So ist die andere Seite schnell verleitet, aus ihrer Sicht mit gleicher Münze, aus Sicht des ursprünglichen Angreifers aber stärker, zurückzuschlagen, sodass wechselseitig immer mehr Tabus gebrochen werden und die Situation immer stärker eskaliert: von dem anfänglichen Bestreben, für beide Seiten eine gute Lösung zu finden (win-win) über ein einseitiges Gewinnen-Wollen (win-lose) bis zur Bereitschaft, selbst in den Abgrund zu gehen, solange es den Gegner nur noch härter trifft (lose-lose).
Besonders wertvoll ist, dass der Autor auch viele Ansätze aufzeigt, wie aus der Konfliktspirale ausgestiegen werden oder zumindest eine weitere Eskalation vermieden werden könnte: nämlich durch eine Friedenslogik, die sich in Haltung und Vorgehen grundlegend von der Kriegslogik unterscheidet. Auch hier werden viele historische Beispiele aufgezeigt, wie das schon funktioniert hat, auch in scheinbar ausweglosen Situationen.
Für mich sehr interessant und wertvoll war auch die differenzierte Darstellung der komplexen und zum Teil mehrere Jahrzehnte zurückreichenden historischen Hintergründe des Russland-Ukraines-Krieges, hierzu gibt es auch ein Gastkapitel eines ukrainischen Pazifisten, das Friedrich Glasl für diesen Band übersetzt und kommentiert hat.
Insgesamt ist es ein sehr fundiertes und interessant geschriebenes, inhaltlich eher anspruchsvolles, aber lohnendes Sachbuch und ein leidenschaftliches Plädoyer für Deeskalation und Frieden, dem ich viele Leserinnen und Leser wünsche.
Bewertung
aus Horn-Bad Meinberg
5/5
18.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein enorm wichtiger Impuls
In Zeiten, wo sich die Herrschenden in Kriegsgeschrei regelrecht überbieten, das Völkerrecht regelmäßig mit Füßen getreten wird und auch Deutschland wieder auf einen grundgesetzwidrigen Angriffskrieg vorbereitet werden soll, ist es gut auch Stimmer zu hören, die auf Deeskalation und die Überwindung der Logik des Krieges setzen. Eine dieser Stimmen, der deutlich mehr Gehör gebürt, ist der Autor Friedrich Glasl mit dem Werk "Die Paradoxie des Wettrüstens: Zum Konfliktmanagement geopolitischer Krisen". In fünf Kapiteln und drei Anhängen beschäftigt er sich mit Fragen wie z.B. die Logik des Krieges überwunden werden kann, soziale Konflikte eskalieren, wie gut Rüstung den Frieden sichert, was gewaltfreie Kampagnen bewirken und ob Demokratie nach dem Sturz einer Diktatur gelingen kann. Fundiert, schlüssig, sachlich und voller Fakten zeigt der Autor auf, was im Moment gerade alles schief läuft und was stattdessen getan werden könnte, um Frieden zu erreichen. Vieles lässt sich auch auf die kleinen Konflikte vor der eigenen Haustür übertragen und so zu mehr Frieden beitragen. Danke für dieses Grundlagenbuch.
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